leb- 261003#Franz Winter

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00:00:00: Einen schönen Abend wünscht Ihnen Stefan Hauser.

00:00:03: Heute hören Sie in den Lebenswegen Franz Winter, er steht im siebenundneunzigsten Lebensjahr und hat daher viele Zeiten miterlebt.

00:00:11: Hineingeboren in jene zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg über die Zeit danach und bis heute und darüber hinaus zum Beispiel sein Leben mit der Kirche aber auch mit der Sozialdemokratie.

00:00:23: darum geht es in dieser Sendung.

00:00:25: Bewundenswert und das als Vorbemerkung sind seine geistige und körperliche Agilität.

00:00:32: Es ist nämlich zu uns zum Interview gekommen.

00:00:34: Franz Winter ist mein Name, ich bin mit der Kirche seit ewig verbunden und sie kommt daher in meinem Buch Faszination Leben ziemlich oft vor.

00:00:54: Das, wie man sagt, licht der Welt.

00:01:22: Wir waren nicht arm an dem nötigsten, aber wir waren nicht verwöhnt mit Luxus und Sachen die man nicht unbedingt braucht.

00:01:38: Und das kam schon daher weil meine Eltern, die beide aus dem Waldviertel waren unter eben ähnlichen Verhältnissen aufgewachsen sind einen Umgang gepflegt haben Mit Sachen, mit Dingen.

00:02:01: Mit Gegenständen.

00:02:05: Der gezeigt hat, dass sie das alles zu schätzen wissen was sie erworben haben und was ihnen zugekommen ist.

00:02:14: Prägend für Franz Winter ist, dass sein Vater Sozialdemokrat

00:02:18: ist.

00:02:19: Zu meiner Mutter ist es schnell gesagt meine Mutter war da also nicht so ausgeprägt in der Gesinnung schon aber natürlich als Frau der damaligen Zeit politisch nicht tätig.

00:02:33: Meinem Vater war es anders, er war als ein Sozialdemokrat eindeutig gegen Hitler und den Nationalsozialismus.

00:02:43: Und das hat er auch dann gezeigt wie er einen jungen Buben aufgenommen hat, der aus Nederland gekommen ist und in meinem Alter war also zehn Jahre, wie er zu uns gekommen ist.

00:03:02: Mit Anne Frank gleichhaltig.

00:03:05: Dieses Kind Piet Flanderen aus Amsterdam sollte bei meinem Vater in Sicherheit gebracht werden, stelle ich mir vor.

00:03:15: Die Eltern von dem Buben waren auch Sozialdemokraten und entweder mussten sie flüchten – das war damals nur mehr nach Polen möglich Oder sie sind umgekommen.

00:03:29: Jedenfalls hat das Kind sehr gelitten darunter, dass die Eltern nicht da waren oder nicht und ich fürchte beinahe er hat miterlebt wie sie umgekommen sind.

00:03:42: Franz Winter hat in der Volksschule jüdische Freunde.

00:03:45: In der Pöchland-Schulle hat die geheißen Und ich erinnere mich also, dass sie nicht jüdisch ausgesehen haben.

00:03:55: Ich habe die nie in einer jüdischen Kleidung gesehen und ich weiß noch, wie ich sie besucht habe.

00:04:04: Also einen davon an der Dresdner Straße.

00:04:09: Die haben ein kleines Gemüsegeschäft gehabt und er hat mich eingeladen und wir sind in einem Zimmer, kann man sagen, hineingegangen.

00:04:23: Er wollte mir seine Briefmarkensammlung zeigen und wir wollten die anschauen, um fast nicht Platz gehabt uns hinzusetzen.

00:04:31: So voll gereimt mit Möbelstücken war dieser kleine Raum Und ich habe nachher dann auch gewusst warum?

00:04:38: weil die Juden ihre großen Wohnungen räumeln mussten.

00:04:42: Die hat man den SA-Freunden zugeschanzt Und die übrigen Möbelt die er noch gehabt hat musste man dann irgendwo unterbringen.

00:04:53: Also wir sind da ganz eng im Raum gesessen und haben uns die Briefmarken angesehen.

00:05:01: Etwas ist mir noch in Erinnerung, das muss auch in der Dreißengasse gewesen sein.

00:05:06: In der Dreisengasse sind Leute unter Aufsicht eines Polizisten an Boden gehockt und haben mit unzulänglichen Mitteln die weißen Parolen von der Schuschnikregierung weg.

00:05:20: waschen wollen oder mussten sie wegwaschen.

00:05:24: Ich habe mich nur gewundert, warum Sie das tun und wer sich dazu zwingt?

00:05:34: Und dann dachte ich mir aber in Unkenntnis dass die Polizei auch national sozialistisch schon eingestellt war oder selektiert war.

00:05:44: Ich hab mir gedacht wenn der Polizist dabei steht wird es schon in Ordnung sein was die da machen.

00:05:50: Ja, und dann bin ich nach der Volksschule in der Zeit in die Mittelschule gekommen unter Bergstraße.

00:05:59: Und da ist noch eine Straße, die mir jetzt nicht einfällt.

00:06:04: Vereinsgasse war das ja.

00:06:07: Unterweich also auch mit jüdischen Kindern.

00:06:10: Die erste Zeit waren wir ja gemischt noch.

00:06:13: Und später hat man für jüdische Kinder eigene Schule oder eigene Schulen verwendet, solange bis man sie dann überhaupt transportiert hat.

00:06:26: Und ich erinnere mich dass an einem Tag plötzlich so viele Plätze frei waren im Klassenzimmer und hab mir gedacht naja das sind wahrscheinlich übersiedelt und werden irgendwo anders in die Schule gehen.

00:06:40: aber das war ja nicht so.

00:06:43: Damals war ich mit einer Mitschüler bei Samen einem gewissen Markstein.

00:06:49: Wir haben nur gesagt, der Marksteiner ist es und er war ein bisschen älter als ich und auch ein Stück größer.

00:07:00: und er hat dann an einem Tag eine wunderbare Konzertzitter mitgebracht.

00:07:07: Ein riesiges Instrument mit unendlich vielen Seiten und Holz verkaufen Und er hat es um fünf Mark angeboten, also lächerlich.

00:07:18: Das ist geschenkt für das Instrument und ich habe meine Eltern gebeten und sie haben gesagt, ja, fünf Mark kannst du haben weil das so schön ist.

00:07:28: Ich hab leider nie Spielen gelernt da drauf.

00:07:32: Es ist dann einmal verschwunden und dieser Markstein ist einer der wenigen von dem ich den Namen aus dieser Zeit weiß.

00:07:44: Nur von zwei Brummen in meinem Alter, den Namen.

00:07:49: Das ist der Bietflandeer und der Markstein.

00:07:55: Und längst habe ich mir gedacht es gibt ja vor dem Nationalbank die Gedenkstätte mit den jüdischen Familien, die umgekommen sind in Wien allein.

00:08:10: Ich habe ihn gefunden.

00:08:11: Er ist unter den Opfern

00:08:13: Von Zwinter ist zehn Jahre alt, als der Zweite Weltkrieg beginnt.

00:08:17: Mein Vater hat eine Verletzung am Knöchel gehabt.

00:08:22: Er ist aus dem Transportzug einem flüchtenden Kriegsgefangene nachgesprungen und hat sich ein knöchle ruiniert und ist dann zur Rehab in Lilienfeld bei Dresen gewesen.

00:08:40: Da war es so... Eltern, Familien mit Kindern.

00:08:44: Also das waren die Frauen.

00:08:46: Frauen mit Kindern konnten sozusagen außer Wien gebracht werden, weil ich der Bonkmann rief und da hat man ihnen Orte angeboten.

00:08:58: aber wenn jemand selbst etwas wusste, konnte er dort hinfahren.

00:09:03: Und meine Mutter hat gewusst, der Vater ist dort im Lazarett nach Schrambach im Dresdental gefahren.

00:09:15: Ein kleines Kaff und es sich gezeigt hat, wir waren auch da nicht vom Krieg verschont.

00:09:22: Im Gegenteil, wir haben dort mehr Bomben abgekriegt als damals noch in Wien.

00:09:28: Es war nämlich das Dresdaleinfeld und mein Kirchen Neustadt Das ausgewählte Ziel der amerikanischen Bomber weil dort die Rüstungsindustrie war.

00:09:43: Musste jeden Tag sehr früh am Morgen nach St.

00:09:47: Pölten fahren, das war noch dunkel.

00:09:50: ich erinnere mich sehr genau der Zug hat gewartet auf der Station es war wirklich eiskalt und der Zug war nicht gehetzt.

00:10:06: wie damals üblich waren das Holzbänke Die Fensterscheiben in den Waggons waren mit blau-schwarzer Farbe gegen Lichtaustritt abgestrichen wegen der feindlichen Bomber, die sich orientieren hätten können.

00:10:26: Und da bin ich daneben nach St.-Pölten reingefahren und das erste Versorgen, wir mussten den Luftschutz kennen, weil wieder Fliegerall an war, dann haben wir vielleicht ein Büsserloss.

00:10:40: Ich erinnere mich nur an den Zeichenunterricht.

00:10:43: Damals habe ich meine erste Zeichnung sozusagen hergeschenkt, weil die Lehrerin das so gut gefunden hat, dass es erbeten hat.

00:10:52: Ich zeichne recht gut und male auch.

00:10:55: Wir sind jetzt also in St.

00:10:57: Pölten und da haben wir einen ganz kleinen Häuser gewohnt Und einer der Bomber, der von Wiener Neustadt zurückgeflogen ist hat nicht alle Bomben angebracht und hat wegen des Flakfeuers drei davon abgeworfen.

00:11:18: Und genau in unserem Ort zum Glück einige hundert Meter entfernt aber ich erinnere mich wie diese Entfernung sah.

00:11:27: ich zuerst die Erdfontäne von der Explosion aufsteigen Und ganz kurz darauf hat man das der Luftdruck Sand und Schot auf meine nackten Beine geschleudert.

00:11:42: Und in Haus war so eine kleine Stellage beim Eingang, dass ist das Geschirr veruntergeflogen durch den Luftdrucks.

00:11:52: Eine der Bomben ist auch im Ort selber runter gegangen.

00:11:56: Ich erinnere mich an einen riesen Grater, das müsste ein Fünfhunderterbombe gewesen sein!

00:12:02: Und komischerweise, alles weiß bestäubt worden.

00:12:06: Woher weiß ich nicht?

00:12:07: Als hätten sie ein Mehl versteht!

00:12:09: Ich habe nichts von Opfern gehört und hoffe, dass damals auch niemand umgekommen

00:12:13: ist.".

00:12:14: Franz Winter hatte zwei Brüder.

00:12:16: Seine Frau lernt das seinerzeit in Wien Herr Nalls kennen.

00:12:19: Wir waren beide im Kalmarinbergkirche, daneben eine Schule.

00:12:26: die war damals für Mädchen und Buben getrennt Und wir haben nur nachher festgestellt, wie wir uns kennengelernt haben, dass im selben Jahr bei Schulanfang sie in der Nebenklasse gesessen ist.

00:12:42: Aber wir haben es nicht getroffen!

00:12:44: Es fällt mir schwer das richtige Wort zu finden.

00:12:48: Singen bedeutet ein Leben für uns.

00:12:51: Ich bedauere jeden, der nicht singt und nicht zingen

00:12:56: kann.".

00:12:57: Es entsteht so eine Beziehung zum Partner.

00:13:02: Und es macht so viel Freude, die Musik selbst ausüben zu können auch ohne Instrument.

00:13:09: Ja wir haben genauso Wistanzen nicht wie ich meine Frau kennengelernt habe.

00:13:15: da waren wir ja achtzehn oder so.

00:13:20: Ich müsste jetzt selbst immer wieder nachblättern.

00:13:23: Ich habe mit den Burschen schon gesungen und dann erst recht wieder mein Dienstgeber den Chor geleitet hat.

00:13:36: Der geleitet nicht, denn wir haben einen sehr bekannten Dirigenten gehabt – ich hab nur den Namen nicht bereit.

00:13:45: Das war also wirklich Profi-Singen bei dem.

00:13:49: Aber laut allein natürlich!

00:13:51: Nein, Singen hat uns also wirklich das Leben begleitet.

00:13:54: Genauso wie das Tanzen gemeinsam und viel Freude gemacht hat.

00:14:03: Durch seine Frau Hertha kommt Franz Winter auch mit der Kirche in Berührung – und das als gewachsener Sozialdemokrat!

00:14:11: Ja, es ist viel wesentlicher als das Tanzeln und Singern.

00:14:15: Ich habe eine diffuse Vorstellung einer göttlichen Macht gehabt… habe ich gespürt, da ist was Großes das Außer der Welt ist und die Welt auch vielleicht beeinflusst.

00:14:28: Und... Ich hab's geschildert, es war für mich auch wieder ein Zeichen, ein zusätzliches Zeichen dass wir zwei zusammen gehören.

00:14:39: Sie hat mich nach Jesus gefragt und der hat mir überhaupt nichts gesagt Aber Jesus hat mir nichts gesagt.

00:14:55: Wir sind da auf einem Spaziergang gewesen im Wald und es war also die Gelegenheit für sie, dass sie mich da anspricht weil ihr das so viel beteitet habt.

00:15:08: Und nachdem ich ihr gesagt habt, dass sich von dem nix weiß, hat sie zu weinen begonnen.

00:15:14: Das war für mich ein Ausweis dafür, was dahinter ist.

00:15:20: Wenn ein Mensch so eingenommen ist für etwas, dann ist was dahinter.

00:15:27: Es ist mir aber sehr leicht gefallen ihr dazu folgen auf dem Weg des Glaubens und ich habe sie dann überflügelt in dem ich da viel ausgeübt hab, was sie nicht getan hat oder nicht tun

00:15:46: musste.".

00:15:47: Zu dieser Zeit ist Franz Winter Angestellter in einer Großhandelsfirma

00:15:51: In der Firma, wo ich war mit diesen Rauchrequisiten, die mich außer nebenbei so sehr fasziniert haben.

00:16:02: Das was ich da ... Ich war überhaupt ganz begeistert von meinem Beruf!

00:16:08: Wir hatten also nicht nur Rauch-Requisiten gehabt, wunderbare Prierenpfeifen mehr Schammpfeife und diese Sachen, die habe ich fasziniert.

00:16:20: Ein großes Seidemort an Papier waren gehabt und der Grund, warum ich dann weggegangen bin war.

00:16:28: Ich habe die Entwicklung der Zeit falsch eingeschätzt.

00:16:32: Ich konnte es auch nicht richtig einschätzen.

00:16:35: Ich hab gemeint diese schönen Dinge des Rauchens hat keine Zukunft.

00:16:44: Und ich bin zu einem amerikanischen Computerkonzern gegangen.

00:16:49: Ja den gibt's halt nicht mehr Aber die Brühe abfalten gibt es noch.

00:16:53: Da habe ich mich wirklich geirrt, aber so ist das halt im

00:16:57: Leben.".

00:16:58: Zur katholischen Sozialisation von Franz Winter ist zu sagen, dass über ihr Zinte mit seiner Frau in der Wiener Pfarre Sankt Johann Nepomuk in der Leopold-Stadt beheimatet war.

00:17:09: Er liest volkstlikturgische Texte von Pius

00:17:11: Barsch

00:17:12: – aber auch des katholischen Denkers Romano Guardini.

00:17:16: Das nehme ich immer wieder in die Hand obwohl man seither auch viel Neues über Jesus geschrieben hat.

00:17:25: Aber vor allem Sie haben einen Namen nicht erwähnt, Props Doleschall der Pfarrer Doleschei.

00:17:32: Der war für mich sehr wichtig.

00:17:36: Ich habe in meinem Buch von einem roten und schwarzen Haus geschrieben Das rote Haus das war der Rendshof oder fast lauter Sozialdemokraten.

00:17:50: Nicht alle waren in dem Haus aus wirklich höherer Zeugung.

00:17:56: Die Verbindung zur Gemeinde Wien hat ihnen die Wohnung verschafft und so, aber das schwarze Haus, das waren die Leute in der Roten Sterngasse XXIII im Dürrzesahnhaus.

00:18:10: Ich bin noch heute befreundet mit Dr.

00:18:14: Hermann Riedler Oberlandesgerichtsrat.

00:18:19: Einer vom anderen nicht gewusst.

00:18:21: Wir haben gemeint, also die im Dezesanhaus, die haben eine Wohnung an Ole Karatis und das sind die Gestopften ja?

00:18:29: Und da Herrmann hat und seine Leute haben gement, naja, die sind die Roten, die zahlen ja nicht einmal ihren Zins oder so ähnlich.

00:18:41: Da hat er mir gesagt unter welchen Opfern sieht es, dass die Wohnungen in der roten Sternglasse gekriegt haben?

00:18:47: Da haben wir einen Kredit aufnehmen müssen und der Diözese zurückzahlen, also keine Red davon.

00:18:55: Und die aber kein Parteipirche braucht für da drüben.

00:18:58: Franz Winter engagiert sich besonders im katholischen Bildungswerk der Pfarrer Sankt Johann Neppermuck.

00:19:04: Ich bin in die Pfarre gekommen, und in den Jungen sind das katholische Bildungswerke gegründet worden.

00:19:14: Ich war dann der Sekretär von Hofrat Kummer und als Sekretär dann alles was administrativ war, Buchhaltung und das alles gemacht.

00:19:30: Und er hat Referenten verschafft.

00:19:34: Er hat sehr viele Bekannte gehabt vom katholischen Akademikerverband und auf diese Weise hat er immer Referent beschafft, die erstens einmal was zu sagen hatten.

00:19:53: Die wirklich Profis und Koryphäen waren und außerdem möglichst nix kostet haben.

00:20:01: weil wir haben von Spenden der Besucher gelebt und oft hat man es ist nicht ganz ausgegangen das Honorar zu sein aus den Spenden.

00:20:10: aber wir haben's dann geschafft.

00:20:13: eine Dame muss sich erwähnen mit dem Hofrat Kummer seit Studentenzeiten befreundet war, die Erika Weinziel.

00:20:23: Dr.

00:20:24: Erika Weinziel, die ich sehr geschätzt habe und die auch Verträge bei uns gehalten hat... Ich hab sie sehr spät noch mal getroffen unter weniger schönen Umständen.

00:20:40: Sie hatte Zeit des Lebensbrillen tragen müssen, war fast ja blinded!

00:20:46: Und ich war einmal bei einem Vortrag über dem Thema Judentum oder sowas.

00:20:51: Ich weiß nicht mehr genau, und da saß sie unter den Zuhörern.

00:20:56: Beim Weggehen merkte ich, dass sie sich schwer tut mit dem Rausgehen und habe sie unterm Arm genommen, mich vorgestellt.

00:21:05: Da hab' sie dann zum Taxi geleitet.

00:21:08: Es hat mich sehr berührt zu sehen wie eine so gescheite Frau dann doch so... betroffen wird vom Alter.

00:21:17: Wie geht es Franz Winter mit dem Älterwerden und den persönlichen Verlusten, die dazu gehören?

00:21:23: Naja

00:21:24: wie jeder Mensch mit Verlusterung gehen muss.

00:21:27: hoffen dass die Verstorbenen beim Herrn sind.

00:21:31: dankbar für alles was man mit denen erlebt hat.

00:21:35: für meine Frau da haben wir schwer dann nicht nur wegen des Verlusters sondern die Umstände unter denen sie verstorben ist.

00:21:47: Das war die Coronazeit und im Seniorenheim ist alles drunter und drüber gegangen, da war ein Pfleger der sich um eine Frau sehr gekümmert hat aber der mich davon abgehalten hat dass ich mich um meine Frau kümmern konnte.

00:22:11: Die ganzen Umstände waren so, dass es dann ein Trauma für mich war und dass ich drei Jahre lang in der Nacht abgewacht bin.

00:22:22: Und mir das Ganze wieder hochgekommen

00:22:24: ist.".

00:22:25: Das ist dieser Mensch, der mir Gelegenheit gegeben hat zu verzeihen.

00:22:30: Das jebaar Winter wurde in Spietern Jan Eltern durch eine Adoption.

00:22:34: Franz Winter war da vierzig.

00:22:36: Ja wir sind keine leiblichen Eltern geworden.

00:22:41: Ich habe durch eine lebensbetrohende Tifterie die Zeugungsfähigkeit verloren und wir haben aber ein Kind.

00:22:54: Und wir haben unseren Sohn den Martin adoptiert als kleinen Seigling, also mit ein paar Wochen – der ist unser Kind immer gewesen!

00:23:10: Wir haben ihm das, ich glaube, mit acht oder zehn Jahren Altersgemäß gesagt, wir sind deine Eltern aber nicht die Leiblichen.

00:23:21: Weil!

00:23:22: Das hat er akzeptiert und das war nie ein Problem für ihn.

00:23:27: Und heute ist es der Sechserfünfzigund.

00:23:29: Es ist eine Freude für mich.

00:23:35: Seit Fünfundsiebzig Jahren ist Franz Winter Mitglied der Akkus – der Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialdemokratie in Österreich.

00:23:44: Er ist sozusagen von Anfang an dabei, denn diese wurde neunzehn-einundfünfzig gegründet mit dem Ziel der Aussünnung und des Dialogs zwischen der katholischen Kirche sowie anderen christlichen Konfessionen und der Arbeiterbewegung beziehungsweise der SPÖ.

00:24:00: Die Kirche hat sich mit den Roten nicht mehr schwer daran.

00:24:05: Und die Partei mit der Kirchen das ist bekannt!

00:24:11: Und Kardinal König hat dann erst so Brücken geschlagen, aber da sind auch Leute nicht genannt die mir auch schon langsam entschwunden sind.

00:24:22: Wir müssten auch plädternos wo Wind die dafür tätig waren dass sich die Kirche mit der Sozialdemokratie aussöhnt.

00:24:32: Aber das rührt ja noch her vom Kaiser der mit der Kirche so verbunden war und der Sozialdemokratie sich damals erst durchsetzen musste.

00:24:52: Es gibt aber Positionen, die für den Katholiken Franz Winter klar sind und wo es keine Schnittmenge politischer Natur gibt – zum Beispiel den Lebensschutz.

00:25:01: Der Lebensschuss war mir wirklich wichtig!

00:25:06: Da waren ja die Leute wirklich befasst damit, das gibt's heute nicht mehr.

00:25:10: Die stand auf der Straße und haben darüber diskutiert über das.

00:25:15: Ich erinnere mich am Schotten, da bin ich gestanden und habe jemanden zu beweisen versucht, dass auch ein Embryo schon ein lebender Mensch ist.

00:25:25: Und nicht erst noch einer gewissen Frist.

00:25:28: ein Mensch wird aus dem Ganzen.

00:25:31: Da hat man ja alles Mögliche versucht zu beweise, dass ein Mensch erst ab einem gewissen Gehirnmasse oder anderen biologischen Voraussetzungen ein Mensch ist.

00:25:51: Und Franz Winter war und isst einen Naturschützer?

00:25:55: Na ja, da haben die Sozialdemokraten sich aber Sachen erlaubt, die man nicht passt haben.

00:26:03: Heimburg zum Beispiel.

00:26:06: Wir waren Naturschutz auch als Rote.

00:26:10: Dann kommen die Bauarbeiter Die Heimburger Ahr, komplett.

00:26:18: Und da war ich noch... Ich war noch immer Sozialdemokrat aber die Grünanliegen habe ich vertreten.

00:26:29: Das ist das ... Ich war grüner.

00:26:32: Obwohl auch die Gründerin der Grünbewegung war man sympathisch.

00:26:40: also darum müssen wir gegangen.

00:26:44: und Dann noch was war.

00:26:47: Zwentendorf, das war auch ein Zeichen dass da die Partei am falschen Weg wäre.

00:26:54: Die Atomkraft habe ich mit vielen Leuten diskutiert oder viele Leute gehört, die argumentiert haben gegen die Atom Kraft wegen der Gefahren.

00:27:07: Das waren in diesen Lebenswegen nur einige der Stationen von Franz Winter.

00:27:11: Einen kompakten Ein- und Überblick gibt sein Buch Faszination Leben,

00:27:17: Rückblick

00:27:17: eines Winners Jahrgang.

00:27:21: Erschienen ist dieses im Verlag Bibliothek der Provinz.

00:27:25: Franz Winter lebt in einem der Wiener Häuser zum Leben – wie sieht es ein Alltag aus?

00:27:30: Im November wird er siebenundneunzig!

00:27:33: Je nachdem, manchmal mache ich Woche um sechs Uhr auf.

00:27:37: Dann zwinge ich mich noch bis halb sieben zu liegen.

00:27:40: Manchmal mache ich um halber acht Uhr auf und schaue, dass ich zum Frühstücken komme.

00:27:47: Ich habe schon in der Früh auch gewisse Vorbereitungen.

00:27:52: Ich trage Stützstrümpfe wegen der Beinen die anzuziehen ist.

00:27:56: eine harte Arbeit dann einkaufen muss ich angehen.

00:28:03: Prater komme ich eher am Nachmittag.

00:28:06: Der Fonds Soziales Wien hat Pensionistenhäime, stellen den Anspruch dass sie den Leuten dort wirklich das Leben ermöglichen.

00:28:15: Jetzt habe ich ein mit ca.

00:28:18: guter zwanzig Quadratmeter und das hat mich gezwungen viele Sachen wegzugeben.

00:28:27: meine Bücher vor allem sind sehr reduziert aber Ein ganz nettes Refugium bewahrt.

00:28:37: Ich habe eine kleine Mineraliensammlung, ich hab immer Mineralien gesammelt.

00:28:43: Ich hab natürlich Fernsehplattenspieler, Radio... Was gibt's denn noch?

00:28:53: Ja für Videos hab' ich noch ein altes Gerät zum Abspülen.

00:28:59: Das Abendessen ist eine Sache die man selber.

00:29:04: Wir bekommen beim Frühstück Wurst-Case und so ähnliche Sachen fürs Abendessen.

00:29:15: Und das muss man schon selber zubereiten, aber warmes Abendessen muss ich nicht haben.

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