per- 260901#Todsünden_Maßlosigkeit
Transkript anzeigen
00:00:00: Wir begeben uns heute zum letzten Mal zu den sieben Todshünden.
00:00:04: In den vergangenen Wochen haben wir Ihnen nach einer Überblickssendung zu jeder dieser eine Ausgabe gestaltet.
00:00:12: Es ging bisher um die Gier, die Trägheit, den Zahn Hochmut um Neid und Wollust und heute in der letzten Ausgab dazu geht es um die Maßlosigkeit.
00:00:23: Handlungsleitende Person ist Daniel Uchtmann.
00:00:26: Er ist Kunstvermittler im Kunsthistorischen Museum Wien und hat das Buch geschrieben, Die sieben Todswünden plus seinem Hörbuch.
00:00:34: Beides erschienen bei Sisycrant.
00:00:37: Sieben Kunstwerke, sieben Menschen Und eine Reise.
00:00:41: Aus dem Hörbuch durften wir freundlicherweise die Original-Töne für diese Senderei verwenden.
00:00:47: Last but not least geht es heute um die Maßlosigkeit – die Gula!
00:00:52: Der lateinische Begriff steht für Füllerei.
00:00:55: Sie steht für maßloses, jähriges Essen und Trinken sowie für einen verschwenderischen und ausschweifenden Liebenstil.
00:01:04: Damit zu Dane Luchtmann und seiner Auseinandersetzung damit.
00:01:07: zu Beginn wieder mit einem Kunstwerk
00:01:10: Das Kunstwerk zur Maßlosigkeit.
00:01:13: Ich erzähle Ihnen vom Kampf zwischen Fasching-und Fastenzeit gemalt von Peter Bräugel dem Älteren.
00:01:23: Es ist ein Bild das zwei unterschiedliche Perioden im Jahr darstellt, die nacheinander folgen aber hier gleichzeitig dargestellt werden.
00:01:32: Im Grunde ist es die Gleichzeitigkeit von etwas Ungleichzeitigem.
00:01:38: Links haben wir den Fasching – Den Karneval und rechts die Fastenzeit.
00:01:44: Beginnen wir mit der linken Seite dem Fashing.
00:01:47: Da darf man es übertreiben!
00:01:49: Man soll es sogar übertreiben.
00:01:52: Auch gesellschaftliche Strukturen können auf den Kopf gestellt werden.
00:01:56: Die, die in der Gesellschaft ganz unten sind dürfen – zumindest symbolisch auch mal nach oben!
00:02:03: Ein Beispiel sehen wir links.
00:02:05: Da ist ein Gasthaus.
00:02:07: Vor diesem Gebäude stehen Fässer und rechts daneben sind Bettler bedürftige, auch körperlich versehrte.
00:02:15: Und einer der kleinsten mit einer roten Kappe auf dem Kopf trägt einen nachgemachten Hermelin-Mantel.
00:02:22: Er ist der Bettlerkönig oder Bettlerbischof, er maßt sich Dinge an die er gar nicht hat.
00:02:29: auch das ist Maßlosigkeit.
00:02:33: überhaupt ist Die linke Seite voll von Gefräßigkeit.
00:02:37: bleiben wir beim Gasthaus.
00:02:39: da stehen Fässer die man gar nicht mehr erst hinein bringt.
00:02:43: sie werden sowieso bald ausgetrunken sein.
00:02:46: Da ist sogar schon jemand auf einem Fass eingeschlafen, so betrunken ist er.
00:02:51: Er hat die ganze Zeit durchgezecht und daneben uriniert jemand gegen die Hauswand.
00:02:58: Wenn wir oben ins Fenster des Gasthauses schauen, da speit jemand hinaus – auf die, die unten stehen!
00:03:04: Es ist aber noch nichts unten angekommen, sonst gäbe es jetzt seinen größeren Turmult.
00:03:10: Der wird also getrunken und gegessen.
00:03:12: In den Fenstern sieht man auch zwei Menschen die einander küssen.
00:03:16: Links unten sind Süsspeisen dargestellt.
00:03:19: Es gibt Verkleidungen, Lärm und Musik.
00:03:23: Rechts hingegen ist die Seite der Fastenzeit, der Reinigung, der Leuterung und der inneren Säuberung.
00:03:30: Das wird in der Mitte des Bildes zusammengefasst.
00:03:33: Da haben wir einen Brunnen und rechts davon trinkt eine junge Frau klares reines Brunnewasser als Zeichen der Leuterung.
00:03:42: Unmittelbar links vom Brunnan auf der Seite des Faschenks frisst ein Schwein Kot.
00:03:48: Also noch deutlicher kann man es nicht machen, Dreck und Sauberkeit!
00:03:53: Den Unterschied zwischen Fasten- und Faschingszeit sieht man auch bei zwei Protagonisten ganz unten im Bild.
00:04:00: Links haben wir den ziemlich beleibten Faschingsprinzen der auf einem riesigen Fass reitet.
00:04:06: Vorne ist ein Schinken mit einem Messer angebracht.
00:04:10: Als Waffe trägt einen Spieß mit Spanferkel – und auf dem Haupt balanciert er eine Pastete.
00:04:17: Überhaupt erinnert das hier unten an ein Ritter-Turnier.
00:04:21: Das Turnierhafte war allen Menschen damals einen Begriff, die Ritter sind meistens zu Pferd und haben eine Langze.
00:04:29: Hier ist es der Spieß mit den Schweinen und Würsten.
00:04:32: Beim Turnier braucht man Geschwindigkeit aber der dicke Karnevalsprinz sitzt auf keinem Pferde sondern auf einem dicken Fass ohne Räder.
00:04:43: Es steht auf Kufen fast wie ein Schlitten.
00:04:46: Dahinter schiebt eine ziemlich ermüdete Person.
00:04:49: Ich würde mich wundern, wenn sich das Fass und der Prinz überhaupt einen Millimeter
00:04:54: bewegt.".
00:04:55: Seine Kontrahentin rechts ist die magere Frau Fasten – sie wiegt vielleicht nur ein Grittel und sitzt auf einem Wagen mit Rädern, der von zwei Personen gezogen wird!
00:05:06: Sie isst viel schneller,
00:05:08: d.h.,
00:05:09: sie wird auch gewinnen… Und es ist ja klar dass Frau Faston gewinnt denn es ist jedes Jahr dasselbe.
00:05:15: Es ist nicht so, dass der Faschen gewinnen würde sondern es ist immer die Fastenzeit, die als Siegerin hervorgeht.
00:05:22: Ihre Lanze ist ein Brotschieber und darauf sind zwei Heringe.
00:05:27: Im Röntgenbild das vom Bild gemacht wurde war darauf zunächst ein Kreuz gemalt Das hat Bräugel dann übermalt und zwei Hringe draufgesetzt.
00:05:37: Dass es zwei sind, hat auch eine Bedeutung.
00:05:40: Einer wäre Mangel Drei wären schon Luxus Zwei ist genau die Mitte, das Maßvolle.
00:05:48: Es geht darum wieder das Maß zu finden.
00:05:52: Dabei ist auch die rechte Seite gar nicht maßvoll – sie ist im Grunde masslos in ihrer Zurückhaltung.
00:05:59: Frau Fasten hat hinter ihrem Stuhl einen Kübeln Miesmuscheln eine Armenspeise.
00:06:06: Wir sehen getrocknetes Brot also Kneckebrot und Brezeln.
00:06:11: Auf dem Kopf balanciert sie einen Bienenkorb aus dem die Bienen hinein und hinausfliegen.
00:06:18: Der Bienenkorb ist ein Symbol für die Kirche, für das Behütende der Kirche mit den fleißigen Seelen darin.
00:06:26: Das stelle ich mir allerdings ein bisschen gefährlich vor aber es ist ja nur symbolisch gemeint einen Bienenkorp auf dem Kopf zu tragen.
00:06:34: Rechts gibt es noch die Kinder, die mit Ratschen Lärm machen und den Küster der Kirchhe, der aus einem großen weißen Beutel Brot verteilt.
00:06:43: Er hat einen Kübel mit Weihwasser und einen Sprenger bei sich.
00:06:48: Ganz rechts unten wird es dann schon krass, da haben wir eine Witwe mit ihrem Kind das in einer Art Schlafsack liegt und dessen Kopf an einem umgedrehten Sessel ruht – und direkt daneben ganz unten im Eck liegt unter einem weißen Tuch eine aufgedunsene, schon verwesende Männerleiche.
00:07:09: Einer der sieben beim herzigen Taten ist das Begraben von Toten.
00:07:14: Dafür braucht man aber Geld.
00:07:16: Die Frau bettelt also, um Geld und den Toten zu begraben.
00:07:20: Das heißt die, die Geld geben vollbringen eine gute Tat!
00:07:26: Und es gibt einen der hier gerade Geld überreicht – ein Mann mit roter Tasche.
00:07:31: Er greift mit der rechten Hand in die Tasche, gibt aber mit der linken.
00:07:36: Warum?
00:07:37: Es ist nicht egal ob man mit links oder rechts gibt.
00:07:40: Wenn man mit Links gibt, gibt man von Herzen Oben.
00:07:44: rechts haben wir eine Kirche als Gegenpol zum Gasthaus.
00:07:49: Die Menschen kommen aus dem Aschermittfoss Gottesdienst und haben Aschekreuzer auf der Stirn, links also die Betrunkenen und rechts die Geläuterten.
00:08:00: Wenn wir uns das Bild so ansehen dann wird in einem Punkt klar – die ganze Komposition ist nicht nur im Gegensatz sondern auch kreisförmig angeordnet!
00:08:10: Alles kreist um die Mitte, um den Brunnen Alles rotiert darum.
00:08:15: Rotation deswegen, weil es eben jedes Jahr wieder dasselbe ist.
00:08:19: Alles kommt immer wieder – es hört nicht auf!
00:08:22: Und das ist auch eines von Bräugels Lieblingsthemen, daß der Mensch gedanklich immer um sich selbst kreist.
00:08:29: Soweit eine ausführliche Beschreibung des vom Peter-Bräugl dem älteren verfassten Kunstwerk Kampf zwischen Fashing und Fasten.
00:08:38: Und eine Kämpferin hat sich da eine Luftmann für die todsinnende Maßlosigkeit erwählt.
00:08:44: Und er hat sich mit seinem Team Andreas und Iris, dreizehntausend Kilometer entfernt aufgemacht – in die japanische Hauptstadt Tokio!
00:08:54: Warum?
00:08:55: Um dort einen modernen Nerren zu treffen… Eine Wienerin, die im Tokio zum Star wurde … Die Resplerin Tekla Kai-Shao.
00:09:04: Eigentlich hat Teckler Kaishouri ein Studium an der Universität für angewandte Kunst in Wien absolviert.
00:09:11: Doch ihre Kreativität lebt die gebürtige Wienerin als Profi-Frestlerin
00:09:32: einer Kämpferin, eine Entertainerin und – so würde ich eben sagen – eine moderne Nerren.
00:09:42: Falls Sie nicht wissen was dieses Wrestling eigentlich sein soll dann erkläre ich es Ihnen kurz Denn bevor ich Tekla Kai Shouri in Tokio traf war wrestling auch für mich ehrlich gesagt kaum mehr als eine Waagevorstellung von Muskelmännern in zu knappen Unterhosen und amerikanischem Showmanship.
00:10:07: Was sich in der legendären Korakuren Hall, dem Mekka des japanischen Kampfsports dann erlebte und dass sie jetzt gleich auch hören werden war doch etwas anderes.
00:10:19: Ich würde es irgendwie wie Ballett nur mit mehr Gewalt beschreiben Denn Wrestling ist eine perfumative Kunst Eine Welt, in der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion bewusst verschwimmen.
00:10:34: Die Insider nennen dieses Spiel mit der Illusion Kai Farbe.
00:10:39: Wie man das ausspricht weiß ich ehrlich gesagt selber nicht so genau, aber es bezeichnet die ungeschriebene Regel dass die inszenierten Rivalitäten als echt dargestellt werden um die Illusion für das Publikum aufrecht zu erhalten.
00:10:53: wie weit ihr Abläufe im Ring geplant sind kann man also nicht genau sagen.
00:10:58: nur eines ist klar Die Brutalität ist echt.
00:11:05: Wrestling ist in Japan ein sehr beliebter Sport mit großen Promotionen und tausenden Menschen, die an einem Sonntagnachmittag im Hallen- und Stadion pilgern um die Kämpfe zu verfolgen.
00:11:19: Um die Faszination in Japan für diesen Sport zu verstehen muss man in die Geschichte blicken.
00:11:26: Wrestling wurde in den neunzehnten Hundertfünfzigerjahren aus dem USA importiert und durch eine einzige fast schon mythische Figur zur Legende gemacht Rikidosa.
00:11:41: Er wurde als großer japanischer Held propagiert, dessen Siege gegen amerikanische Gegner halfen den nach dem Zweiten Weltkrieg verletzten Nationalstolz zu heilen.
00:11:53: Wrestling wurde so zu einer Art nationaler Therapie und eine der beliebtesten Sportarten des Landes.
00:12:02: Innerhalb dieses Systems kämpft die wienerin Tekla Kaishauri in der Promotion Stadem, der größten Frauenliga der Welt.
00:12:11: Die drei aus Wien sehen sich einen Westling-Abend mit Teckler Kajauri an.
00:12:16: Danach ist Zeit für das Gespräch mit ihr.
00:12:19: Tecklar erklärte uns viel von Ranglisten-, Regeln und dem fairen sportlichen Wettbewerb, der über Sieg-und Niederlage entscheidet.
00:12:28: Aber dass was ich kurz zuvor im Publikum erlebt hatte fühlt er sich anders an.
00:12:37: Es war mir völlig klar, dass der Schiedsrichter bei diesem sogenannten Pinfall – das ist der Moment in dem die Schultern einer Gegnerin für drei Sekunden auf den Boden gedrückt werden müssen um den Kampf zu beenden – eben nicht neutral agierte.
00:12:54: Ich sah wie er zögerte und erwartete wie er der zu Boden gedrückten Person genau jenen Sekunden Bruchteil gab, den sie brauchte um sich im exakt letzten dramaturgisch perfekten Augenblick wiederzubefreien.
00:13:10: Dass die unterlegende Gegnerin immer genau in diesem Moment doch noch hochkommt Aber Teckler im Gespräch bleibt in ihrer Rolle Das ist maßlos!
00:13:20: Vor allen Maßlos fand ich auch als dieser Kampf dann ins Publikum gekommen ist.
00:13:25: aber das ist doch gestaged.
00:13:26: Nein, das
00:13:26: ist nicht gesehen.
00:13:26: Hast du gesehen wie sie geblutet hat aus
00:13:32: der Nase?
00:13:32: Nee.
00:13:33: So ich schon!
00:13:35: Also dass es sich dort hin verlagert, dass es mich nicht geplant
00:13:40: oder so.
00:13:43: Ich muss zugeben, es macht einen seltsamen Spaß diesen Tanz mit ihr zu tanzen.
00:13:48: Ein Teil von mir will die ganze Zeit rufen, sagt es endlich Tecler, rückt die Geheimen Regeln raus.
00:13:54: Denn zu wissen, würde das Ganze ja nicht weniger maßlos, nicht weniger brutal und weniger ernst zunehmend machen.
00:14:04: Finde ich zumindest!
00:14:06: Aber sie verrät nichts... Und so reden wir weiter – trinken noch ein Glas?
00:14:17: Und dann bevor wir wieder auf die Straße gehen, lenkt Teckler das Gespräch auf ein Thema, das uns ebenfalls auf der Zunge lag….
00:14:25: Denn was uns in der Karakurenhol so sehr aufgefallen war, war die seltsame Dynamik im Publikum.
00:14:32: Es bestand fast ausschließlich aus Männern, die den sehr mädchenhaft und kindlich auftretenden Wrestlerinnen zujubelten.
00:14:40: Was war da los?
00:14:54: Ein gewisses Publikum anzieht, mit dem ich mich nicht identifizieren kann.
00:15:01: Und das hat sich mittlerweile auch ins Wrestling reingezogen.
00:15:04: Es ist alles sehr niedlich und sehr kindlich und nicht unbedingt emanzipiert.
00:15:13: Ich habe der ganzen Idol-Culture speziell in meiner Promotion den Kampf
00:15:18: angesagt.".
00:15:20: Training ist für das Wrestling entscheidend?
00:15:22: Also mittlerweile muss ich nicht mehr so viel trainieren, sagen wir so.
00:15:27: Mein Training basiert hauptsächlich auf... also ich refresh gerne meine Basics und sehr viel Muskelaufbau.
00:15:37: Das ist das Wichtigste.
00:15:39: Als ich zuerst nach Japan gekommen bin war es aber schon so.
00:15:41: Ich habe damals im Dojo gewohnt.
00:15:44: Dojo ist quasi das japanische... wie sagt man?
00:15:54: Also wenn man in Japan anfängt zu trainieren, dann landet man meistens an einem Wrestling Dojo wo man auch lebt und ist und schläft.
00:16:04: Und sehr viel trainiert.
00:16:05: Ist das wie eine Familie?
00:16:06: Ein bisschen
00:16:08: ja!
00:16:09: Unser Training am Anfang fängt das an mit der Fallschule.
00:16:12: Man musste lernen richtig zu fallen ohne sich wehtun nach Vorwärts zur Seite zurück genau
00:16:20: Dieser Lärm, den es dann gibt wenn man auf dem Boden fällt.
00:16:23: Das ist schon krass!
00:16:25: Die Ringe sind so gebaut auch natürlich.
00:16:28: Genau.
00:16:32: Der Sound ist ganz wichtig beim Wrestling mit dem Knall und der Geräuschkulisse.
00:16:42: Die lauten Geräusche steigern das Excitement.
00:16:45: Und die Kostüme?
00:16:46: Die Kostümen natürlich auch speziell bei uns.
00:16:50: Das ist schon sehr glemmer.
00:16:53: Ja, aber das macht doch Spaß!
00:16:54: Ich glaube da fängt dann eine an und dann ziehen alle anderen mit weil man versucht sich auch so auszustechen.
00:17:03: also wenn man einfach gut aussieht und ein Blickfang ist es hat alles auch mit Star-Alüren zu tun.
00:17:10: Also das muss alles teuer sein.
00:17:13: Mein Kostüm hat auch schon mal zwei tausend Dollar gekostet.
00:17:18: Allein mein Kampfanzug.
00:17:20: Aber du hast mehrere davon,
00:17:21: ne?
00:17:21: Ja natürlich!
00:17:23: Heute als wir dich das erste Mal vor dem Kampf getroffen haben... ...hast Du was ganz Interessantes gesagt.
00:17:28: Da hast Du gesagt es ist eh schon klar dass du gewinnst.
00:17:33: Das hat bei uns natürlich den Eindruck hinterlassen.. ..das steht schon fest.
00:17:37: aber dann war's doch nicht so.
00:17:40: Wenn ich nicht mit so einer Attitüde in einen Kampf gehe, dann habe ich schon
00:17:43: verloren.
00:17:43: Hast Du schon verloren?
00:17:44: ja
00:17:45: Also das ist für mich ganz wichtig.
00:17:48: Also ich brauche nicht in so einem Sport mich versuchen zu beweisen, wenn ich sage naja schauen wir mal.
00:17:58: Ganz viel spielt sich da auch schon im eigenen Kopf
00:18:00: ab.".
00:18:00: Wie ist das nun mit der Maßlosigkeit für die Profi-Restaurant?
00:18:05: Teckler Kajouri
00:18:06: Du weißt ja dass wir dich angesprochen haben wegen der Maßlosigkeit.
00:18:12: Ein anderes Thema wäre Füllerei aber darum geht es jetzt nicht sondern das Maßlose.
00:18:17: empfindest du bei deinem Beruf, dass da irgendwas tatsächlich über das Maß hinausgeht oder dass es maßlos gesehen werden könnte?
00:18:29: Und ich meine gar nicht nur um Negativen.
00:18:31: Maßlos heißt ja wirklich über das normale Maß hinaus und das tut sehr schon!
00:18:40: Ich spüre das auf jeden Fall beim Leben allgemein.
00:18:44: Wenn du sagst über das Normale hinaus...
00:18:47: Du hast keinen nine to five Job.
00:18:49: Nein, ich habe keinen nine-to-five job und ich glaube, ich könnte auch keinen nine two-five-job machen.
00:18:53: also dafür bin ich zu viel Adrenalin-Junkie.
00:18:57: einfach und ja klar sobald es irgendwie bergauf geht und sobalds alles extrem wird da gehe ich auf.
00:19:09: das Problem ist.
00:19:09: aber wenn dann einer folgt nach dem anderen Das kann dann sehr schnell, sehr maßlos werden.
00:19:18: Also das wird auch... Ich neige schon noch dazu zu übertreiben.
00:19:28: Wie bringst du dich wieder runter auf ein normales Maß?
00:19:31: Auf
00:19:31: dein normales Maß?
00:19:32: Das Leben bringt einen dann runter.
00:19:34: Ja
00:19:34: okay.
00:19:35: Man hat ja oft keine Wahl!
00:19:38: Bei mir ist es dann oft so, ich muss es erst übertreibend und dann zu merken, ok jetzt ist mal wieder heruntergekommen.
00:19:46: Der Job an sich, ja total maßlos.
00:19:49: Also es ist sobald man ein bisschen Fame hat und dann auch erkannt wird auf der Straße und im Internet alle bejubeln und über einen sprechen.
00:19:59: Das
00:20:00: kann wahnsinnig schnell auch über den Kopf steigen.
00:20:04: Und wie gesagt, irgendwo läuft's gut!
00:20:09: Und dann will man mehr und mehr.
00:20:11: Man geht mit mehr Risiken ein, das ist ein wahnsinnig aufregendes Leben aber es ist auch ein gefährliches Leben.
00:20:21: Es ist schon befreiend natürlich.
00:20:25: Wenn man so einen Job hat wo man permanent seine Aggressionen usw.
00:20:31: auslassen kann, hat das auch was Wahnsinnig angenehm Ausgleichendes.
00:20:37: Ich muss immer meinen Kissen schreien
00:20:39: Ja, schau.
00:20:40: Das muss ich nicht mehr!
00:20:43: Tickler Kaschare hat vor wenigen Jahren in einer Produktion am Burgtheater mitgespielt weil man eine muskulöse Frau benötigte.
00:20:52: Ist eine Rückkehr nach Wien ein Thema?
00:20:54: Ich glaube als Kind wollte ich schon berühmt sein.
00:20:57: Für
00:20:57: sich jeder berühmt sein?
00:20:58: Ja, ich glaube auch.
00:20:59: Also
00:21:00: ich
00:21:00: kann mich erinnern dass eigentlich alle berühmet seien wollten.
00:21:06: Ja aber wollen... Manche wollen Manche spielen es und andere ziehen nach Japan.
00:21:14: Ich bin nicht nach Japan gezogen, mit dem Gedanken berühmt zu werden.
00:21:18: Also das war nicht das Ziel tatsächlich, eigenartigerweise.
00:21:24: Kurz vor meinem Abschluss war ich sechs Wochen hier und hat mir so gut gefallen, dass ich mir gedacht habe, ich muss einfach genau das wiederhaben!
00:21:31: Und da hab' ich nie daran gedacht wo jetzt meine Zukunft mich hinführt.
00:21:34: Es sind auch einfach noch mal sechs Wochen oder gehe ich zurück nach Wien und mache irgendwie Kunst weiter.
00:21:38: Ja aber das musst du schon
00:21:38: wollen... Also
00:21:40: das muss man schon
00:21:41: wollen.
00:21:42: Ja, ich habe das als Kind schon gewollt und dann irgendwann dazwischen will man es auch nicht mehr und dann will man's wieder.
00:21:53: Das ist eher das Ding ob man da hinkommt, das ist nicht
00:21:55: so einfach.
00:21:56: Wie zurückkommt sondern nach Europa?
00:21:58: Ist ja alles in Zeitlupe.
00:22:00: Ja wahrscheinlich.
00:22:03: Wahrscheinlich schon.
00:22:05: Ich glaube nach Wien so richtig zurückkommen werde ich erst wenn ich wirklich müde bin Und wenn ich wirklich meine Ruhe haben möchte.
00:22:13: Ich kann mir nicht vorstellen, wann das sein könnte.
00:22:15: Jetzt will ich noch mal richtig wissen!
00:22:19: Entweder ich bleibe noch in Japan aber da kenne ich jetzt auch schon sehr viel oder ich gehe jetzt nochmal hin wo es richtig laut wird.
00:22:26: Aber so viel bleibt ja nicht übrig.
00:22:27: hier ist es schon ziemlich laut.
00:22:30: Wien ist schön und immer zu gemütlich gewesen.
00:22:34: Es ist viel zu leicht irgendwie einzugehen.
00:22:38: Es gibt kaum Challenges habe ich
00:22:39: das Gefühl.
00:22:40: Es gibt wenig Widerstände.
00:22:42: Ich glaube, ich bin ein bisschen Widerstand.
00:22:44: Also ich mag Widerstaunt einfach weil ich die Welt nur verstehen lerne wenn ich Widerstanden habe und mich im Versuch weiter zu entwickeln.
00:22:56: Das geht nicht in Wien schwierig.
00:22:58: Dana Luchtmann spricht mit der Westlerin über Ängste mögliche Verletzungen und vieles mehr.
00:23:05: Und so neigte sich dieser lange Abend in Tokio dem Ende zu.
00:23:10: Schon einige Male hatte Tegeler eigentlich aufbrechen wollen, war dann aber doch für ein letztes Bier.
00:23:16: Für eine letzte Zigarette und eine letzte Geschichte geblieben.
00:23:23: Es ist interessant diese Angst
00:23:25: vor
00:23:26: dem langweiligen Leben.
00:23:28: Ja!
00:23:32: Ich habe Angst davor mich so zu verletzen dass das natürlich mein Leben beeinträchtigt.
00:23:39: da fahre ich schon Angst vom Tod.
00:23:55: Und dann, ganz am Schluss, wohlt sie doch eine Erklärung an die mir halb wie Kunst des Restlings, wenn auch nicht zu durchschauen aber doch besser zu verstehen.
00:24:08: Für mich ist es wichtig auch in der Story zu erzählen und auch das was ich im Ring kann so... Anzuwenden, dass es ästhetisch ist und es Sinn macht.
00:24:22: Nicht nur darauf loszuhauen sondern jeder Anreihung von uns wie du vorhin gesagt hast.
00:24:27: das für mich eine bewusste Entscheidung
00:24:30: eigentlich.
00:24:32: Kann man damit eine Geschichte erzählen?
00:24:34: Ja!
00:24:36: Jede Kombination ist wie ein Satz und jeder Pinfall.
00:24:40: also jedes Mal wenn der Schiedsrichter erzählt eins zwei das ist der Punkt das Ende vom Satz
00:24:48: Aber der weiß ja vorher nicht, was passiert?
00:24:50: Nein.
00:24:50: Der weiß nicht, dass etwas passiert.
00:24:52: Aber ich weiß... Ich habe ein Gefühl dafür.
00:24:54: Und so mehr man das macht, desto mehr bekommt man ein Gefühl wie ihr zählt.
00:24:59: Jedes Mal wenn ich reinkomme beginnt ein neues Kapitel und jeder Kampf sollte einer geschlossenen Geschichte sein.
00:25:09: Sobald der Ausflug von Daniel Uchtmann nach Tokio um mit einer Westlerin aus Österreich über Maßlosigkeit zu sprechen.
00:25:17: Und damit sind wir auch am Ende der Reihe über die Totsünden.
00:25:21: Zwei doch Auszüge aus dem Hörbuch, Die sieben Totsynden entstanden mit dem gleichnamigen Buch von Daniel Uchtmann bei Sissi Grant.
00:25:30: Infos unter www.sissigrant.com.
00:25:34: slash works slash d minus sieben minus.
00:25:38: Totsinken und die letzten Sätze dieser Sendung und dieser Reihe gehören dem Autor.
00:25:43: Nun, meine lieben Hörerinnen und Hörern geht die Reise zu Ende.
00:25:48: Ich habe es zurück nach Wien geschafft – zurück unter meine Mumie, zurück ins Museum!
00:25:54: Es ist schon einige Zeit vergangen.
00:25:56: Wie Sie hören konnten, habe ich auf dieser Reise mehr als einmal den Rand meiner sicheren Welt überschritten.
00:26:03: Frischer Eindrücke haben meine Wege- und Augen geweitet… Und alte festgefahrene Gedanken scheinen mir plötzlich fragil.
00:26:12: und neue Perspektiven gefunden.
00:26:16: Von den Menschen, denen ich begegnete lernte ich dann am meisten wenn ich mein sorgsam gefaltetes Bild von ihnen loslassen musste das sich mir vor dem Kennenlernen zurechtgelegt hatte.
00:26:28: sie tratten mir unverstellt lebendig und jenseits der Schablonen entgegen und ich möchte ihnen dafür auch einen großen Dank aussprechen.
00:26:38: Ich habe mit ihnen jeweils nur einige Stunden verbracht aber das war genug um in mir einen lebenslangen Eindruck zu hinterlassen.
00:26:47: Nun stellt sich natürlich eine große Frage, habe ich irgendetwas Anwendbares gelernt?
00:26:55: Eine der größten persönlichen Lehren die ich ziehe ist dass man nie zu alt ist wenn es darum geht dem Blick zu schärfen und Vorurteile abzuwerfen.
00:27:04: alles andere würde ja auch bedeuten sich der Trägheit des Herzens und des Verstandes hinzugeben Also ein Leben im Einklang mit Vernunft und Maß, wohl der Weg zu einem erfüllten glücklichen Leben ist.
00:27:23: Glück so scheint es mir entspringt nicht der Lust und dem Zufall sondern der Tugend!
00:27:30: Ein altbackenes Wort ich weiß aus der Mode gekommen aber das Gegenteil davon?
00:27:36: Das sündhafte Leben ist eben ein Leben dass sich nur noch um sich selbst dreht Das Kreisen und das eigene.
00:27:43: Ich ist doch mir kein unbekannter Tanz.
00:27:46: Dabei mag man kurzfristige Lust empfinden, aber kein echtes Glück!
00:27:50: Wer lastehaft in christlichen Sinne sündig lebt, lebt allein.
00:27:56: Aber wir existieren nicht allein – Wir sind auch vom Glück-und Unglück unserer Partner Kinder und Freunde abhängig.
00:28:04: Und dass es vielleicht das wahre Glück Die eigenen Schwächen mit Hilfe der Menschen, die man liebt zu überwinden und diese Hilfe auch anderen angedeihen zu lassen.
00:28:15: Aber sie wissen ja ich predige nicht gern!
00:28:18: Deswegen – und damit das Ganze nicht zu betulich endet – rufe ich mit einem zwingenden Auge voller Inbrunst aus Keep Sinning.
Neuer Kommentar