Was wäre, wenn Fürsorge zählt?

Shownotes

Was wäre, wenn Fürsorge zählt? Elisabeth Sechser über Care-Arbeit und die Caring Economy ** 195 Milliarden Euro pro Jahr: **So hoch ist der geschätzte Wert der unbezahlten Care-Arbeit in Österreich. Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, Hausarbeit, Bildung und Fürsorge halten unsere Gesellschaft am Laufen. In der klassischen Wirtschaftsleistung scheinen diese Leistungen jedoch nicht auf.

Die Wiener Unternehmerin, Organisationsentwicklerin und Gründerin der Initiative „Caring Economy Jetzt“, Elisabeth Sechser, bezeichnet das als den blinden Fleck unseres Wirtschaftssystems. Im Sommergespräch mit Gerlinde Petric-Wallner spricht sie darüber, warum Fürsorge und Kooperation nicht das Gegenstück zur Wirtschaft sind, sondern deren eigentliche Grundlage.

Ausgangspunkt ihres Engagements ist auch ihre persönliche Lebensgeschichte: Elisabeth Sechser ist Mutter einer schwer kranken Tochter und kennt die Herausforderungen von Pflege und Fürsorge aus eigener Erfahrung. Sie plädiert für ein Umdenken weg von individueller Überforderung und hin zu tragfähigen Gemeinschaften, sogenannten Caring Communities.

Im Gespräch geht es um die Fragen:

  • Warum Care-Arbeit für unsere Gesellschaft unverzichtbar ist
  • Weshalb unbezahlte Fürsorgeleistungen volkswirtschaftlich sichtbar gemacht werden müssen
  • Wie eine Caring Economy funktionieren könnte
  • Ob ein solches Wirtschaftsmodell finanzierbar ist
  • Was Kooperation mit wirtschaftlichem Erfolg zu tun hat
  • Warum wir neue Erfolgsgeschichten brauchen

„Wir brauchen keine Heldengeschichten, sondern Erfolgsgeschichten kooperativen Handelns.“ – Elisabeth Sechser

Ein Sommergespräch über Wirtschaft, Menschlichkeit, Pflege, Solidarität und die Frage, wie wir künftig zusammenleben wollen.

Moderation und Gestaltung: Gerlinde Petric-Wallner

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Elisabeth Sechser Caring Economy Jetzt

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00:00:01: Es

00:00:09: ist der größte Wirtschaftsfakt der Österreichs und er taucht dennoch nicht in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung auf.

00:00:16: Die Rede ist von unbezahlter Kehrarbeit, vom Betreuung und Pflege, von Kindern, Haushalt... es ist eine Arbeit die zwar zählt aber die nicht gezählt wird und das obwohl sie eigentlich einen immens hohen Wert hat.

00:00:34: Genau darauf macht die Unternehmerin, Organisationsentwicklerin und Coaching Elisabeth Sechser aufmerksam und Kehrarbeit ist der blinde Fleck unseres Wirtschaftssystems sagt sie.

00:00:45: Herzlich willkommen bei unserem Studio Frau Sechsa!

00:00:48: Ja herzlichen Dank für die Einladung

00:00:51: Frau Sechser, bevor wir genau zu diesem blinden Fleck kommen, möchte ich Sie fragen.

00:00:55: Was ist das für eine Wirtschaft?

00:00:57: Was ist es für ein Welt in der wir da gerade leben?

00:00:59: Wie würden Sie das beschreiben?

00:01:02: Es ist auf jeden Fall eine sehr turbulente Welt, in der wie gerade leben also eine Welt die leider sehr viel dysfunktionales wieder hervorbringt.

00:01:14: Also Autokratien nehmen zu in vielen Ländern Krieger nehmen zu, es gab noch nie so viel Krieger wie aktuell.

00:01:24: Die Demokratien werden geschwächt, die Frauenrechte werden geschwecht und für ein Österreich ganz speziell oder ganz konkret wird auch sehr viel im sogenannten Sozial- und Gesundheitsbereich eingespart also dort wo essentielle Arbeit stattfindet, die wir als Gesellschaft brauchen.

00:01:46: Also ist auf jeden Fall eine Wirtschaft auf Kosten von Menschen und auf Kosten vor Natur.

00:01:54: Und da genauer hinzuschauen, was Wirtschaft eigentlich ist und wieso wir sie brauchen.

00:02:01: aber wie wir sie brauchen, ist essentiell.

00:02:04: Wie passt da die Kehrarbeit hinein?

00:02:07: Was bedeutet?

00:02:09: ganz grundsätzlich gefragt, was bedeutet denn Kehr Arbeit für Sie?

00:02:13: Was gehört da alles dazu?

00:02:14: Was gehört dann nicht dazu?

00:02:17: Das ist eine sehr spannende Frage, wie passt da die Kehrarbeit hinein?

00:02:21: Nämlich sie passt in das aktuelle Wirtschaftsdenken und Handeln im Nicht-Hinein.

00:02:26: Also wir haben so ein bisschen eine Wirtschaft, die suggeriert, sie wäre ohne Menschen eigentlich viel einfacher.

00:02:33: wenn man sozusagen alles in Exeltapellen in Zahlen messen könnten und zum Wachstum der Märkte um Konsum, um Produktionsanstieg kümmern könnte dann wäre das ja eh sozusagen für die Wirtschaft gut der man denn suggeriert.

00:02:48: Das heißt im aktuellen Wirtschaftsdenken hat Kehr Arbeit einen sehr geringen bis gar keinen Stellenwert, es wird immer nachgelagert behandelt also entweder als Rahmthema oder als wenn wir uns um die Wirtschaft kümmern können wir jetzt noch auch um Kehrarbeit kümmern.

00:03:06: Also es ist sozusagen zuerst kommt die Wirtschaft und dann kommt Keher.

00:03:09: und genau darum geht's auch in der Caring Economy nämlich dieses Narrativ, in dem wir alle stecken umzudrehen und zu sagen das ist die Kernaufgabe von Wirtschaft.

00:03:21: Zu ermöglichen dass wir alle ein gutes Leben leben und dass wir eben gegen die Schäden, die das aktuelle Wirtschaftssystem hervorbringt Fachkräftemangel, Pflegekrisen, Klimakrisen Kriege eine Wirtschaft brauchen, die den Menschen dient und nicht umgekehrt.

00:03:38: Sie haben die Caring Economy erwähnt.

00:03:40: Sie sind Gründerin einer Nichtregierungsorganisation, die sich Caring economy jetzt nennt.

00:03:46: Wie sieht dann eine Wirtschaft aus, die fürsorglich agiert?

00:03:52: Die Carrying Economy ist sozusagen einerseits das Carrying for the Economy der permanente Friendly Reminder, die permanente Erinnerung, dass das die Aufgabe von Wirtschaft ist, sich um einander zu kümmern.

00:04:09: Eine Carrying Economy, also das Modell der Carrying economy ist der rote Faden der Wirtschaft.

00:04:15: Nämlich wo beginnt denn Wirtschaft?

00:04:18: Und wie muss eine Wirtschaft sein?

00:04:20: Also eine fürsorgende Wirtschaft ist immer zugewandt den Menschen und immer zugewandt auch... dem Planeten, auf dem wir uns befinden und geht quasi ressourcenorientiert damit um aber macht auch alle Bereiche die aktuell ausgeklammert werden aus der Wirtschaft zu den wirtschaftlichen Playern.

00:04:40: Das beginnt zum Beispiel dass da private Haushalt ein ökonomischer Ort ist.

00:04:46: hier wird enorm viel wert erzeugt hier findet Wertschöpfung statt hier kümmern sich Menschen Nach wie vor mehr Frauen als Männer, darum dass kleine Kinder gut heranwachsen können und versorgt werden.

00:05:00: Hier wird der Haushalt organisiert hier finden Pflege- und Bildungsarbeitenstaats hier wird dafür gesorgt, dass man miteinander leben lernt.

00:05:11: das heißt der private Haushalt der auch viele pflegende Angehörige ausmacht ist ein hoch ökonomischer Ort Teil von Wirtschaft ist und nicht außerhalb gedacht werden kann.

00:05:26: Das heißt, die Carrying Economy ist ein roter Faden.

00:05:29: Das ist eine ganz andere Haltung und Basis, ein ganz anderes Fundament, von dem man da ausgeht.

00:05:36: Eben eine Haltung mit Basis sagt es geht um Fürsorge zuerst.

00:05:41: also worum geht uns allen zu alleraller erst?

00:05:46: Um die Menschen darum um die Fürsage, um das Miteinander

00:05:50: Genau!

00:05:50: Also Der Kernauftrag der Wirtschaft ist ein anderer als aktuell.

00:05:55: Es geht nicht darum möglichst viel, wie man Wirtschaftswachstum durch den Ausbau von Produktionsstätten und Handelsbeziehungen durchaus auch in einem Caring Economy Style anders gestaltet werden können.

00:06:08: Es geht gar nicht darum, hier ein Pashing zu machen und alles zu verurteilen aber zu sagen wozu gibt es Wirtschaft?

00:06:15: Und was ist der Kernauftrag von Wirtschaft?

00:06:17: Wie müssen wir miteinander wirtschaften?

00:06:20: Wir müssen wir quasi miteinander haushalten damit wir sozusagen gut ein gutes Leben für alle herstellen können.

00:06:27: und das gelingt auch in Österreich nicht.

00:06:29: Also wir haben nach wie vor Kinderarmut als großes Thema, wir haben noch wie vor Altersarmut von Frauen als großes thema weil im Vieh sehr viele Frauen machen die Kehrarbeit, die unbezahlte unsichtbare Kehrbeit zu Hause.

00:06:40: dann müssen... Wir Frauen uns doch anhören wir arbeiten eh nur Teilzeit was ja überhaupt nicht stimmt weil wir arbeiten mehr als Vollzeit wenn man alle Arbeit die wir so leisten zusammenzählt Und gleichzeitig die Alleinerziehenden, die auch vorwiegend Frauen sind.

00:06:56: Sie sind sehr von Armut betroffen und Carrying Economy erinnert eben mit dem Carrying immer daran dass es Wirtschaft und darum geht.

00:07:05: Es gibt auch eine Ziffer für diesen Wert der unbezahlt ist und da ist ziemlich hoch.

00:07:12: Genau, wir arbeiten auch mit dem Institut Close Account Data Gap.

00:07:16: Und meine Kollegin Christine Rudolf, eine sehr renommierte Ökonomin hat den Wert der unbezahlten Arbeit aus dem Jahr zwanzig zweiundzwanzig in Geld berechnet und das ergibt hundertfünfundneunzig Milliarden Euro.

00:07:37: Wenn man das BIP hernimmt, also das Protoinlandsprodukt von zwanzig zweiundzwanzig dann sind es viervierzig Prozent vom Proto-Inlandsprodukt.

00:07:45: Das ist ein enorm hoher Wert

00:07:48: und

00:07:49: das wird eben nicht berechnet.

00:07:52: nach wie vor Wir konnten eben nur zwanzighzweiundzwantig hernehmen weil davon die letzte Zeitverwendungserhebung statt.

00:08:00: Es ist von der Statistik Austria eine Untersuchung der unbezahlten Arbeiten in den privaten Haushalten, Ehrenamt und sonstige Tätigkeiten.

00:08:10: Also was arbeitet Österreich am Tag?

00:08:12: Und da hat die unbezahlte Arbeit auch einen Platz.

00:08:15: Und davor fand diese Erhebung also dreizehn Jahre früher statt.

00:08:21: Man sieht einfach wir haben nicht nur das Problem dass die un bezahlte Kehrarbeit essentielle ökonomische Arbeit dieser Wert, der hier für eine Gesellschaft generiert wird in die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung integriert wird und einen Platz bekommt.

00:08:39: Sondern wir haben hier auch kein jährliches Erhebungs-Szenario wie bei vielen anderen statistischen Zahlen oder Wirtschaftszahlen, die erhoben werden von einer Statistikausruher, dass eben die unbezahlte Arbeit regelmäßig sichtbar wird.

00:08:55: Man muss schon sagen, es ist ein kalkuliertes Wegschauen.

00:09:00: Weil die Wirtschaft, wie wir sie aktuell praktizieren würde auch so nicht mehr funktionieren wenn wir das sichtbar machen.

00:09:10: Es kann niemand sagen, wir mussten es nicht.

00:09:12: Also kein politisch verantwortlich ganz sagen, ach so wirklich?

00:09:15: Ja genau das sollten auch mal hinschauen!

00:09:17: Denn ganz viele feministische Ökonominnen haben schon seit sehr sehr sehr vielen Jahren weisen sie regelmäßig darauf hin dass hier eine massive Schieflage ist und zu massiver fehlentscheidung politischer Fehlentsscheidungen führt bewusst weggeschaut wird, weil dann müssten wir Wirtschaft neu denken und deswegen gibt es Initiative.

00:09:42: Sie sind Mutter eines Kindes einer Tochter die unheilbar krank ist, die dreizehn Jahre ist und im August Geburtstag feiert.

00:09:52: gab's da einen Moment wo ihr Engagement für dieses Thema fußt hat das damit zu tun mit den Erfahrungen gemacht haben und machen.

00:10:03: Der Ursprung dieses Engagements für die Kernekonomie kommt eigentlich aus meinem beruflichen Kontext, weil ich mich sehr als Organisationsentwicklerin mit den Mustern- und Managementkonzepten von Unternehmen, von Organisationen beschäftige und in sehr vielen Organisationen eben unterwegs bin.

00:10:20: Und ich mache das seit über zwanzig Jahren – und irgendwie bin ich draufgekommen, dass es irgendwie die gleichen Themen dauert!

00:10:27: Was ist das zugrunde liegende Muster?

00:10:29: Und mich da eben auch mit dem, welche Managementkonzepte sind dysfunktional oder werden als quasi Standard oder normal verkauft und sind in Wirklichkeit total schädigend.

00:10:43: Also gerade auch im Gesundheitsbereich wenn Kehrarbeiten Messelemente für Excel-Dabellen gegossen wird, dann macht man die Kehrarbeit kaputt.

00:10:52: Weil jetzt eine andere Logik hat.

00:10:53: das passt einfach nicht zusammen und es geht nicht so darum dass Menschen im Krankenhaus was falsch machen sondern ist das falsche Managementkonzept.

00:11:01: Und aus dem heraus habe ich mich damit beschäftigt und hab da ne Mariane Eislers Arbeiten kennengelernt die sozusagen diese zugrundelegenden Muster vom Gesellschaften analysiert hat.

00:11:10: Das war quasi ein Lebenswerk und aus dem heraus bin ich sozusagen auch in die Kernekonomie gestolpert und schöpfe jetzt daraus.

00:11:20: Meine Tochter oder unser quasi schon sehr trauriges Schicksal hat mich natürlich schon noch sehr geprägt, weil ich ... sie kam ja gesund auf die Welt also nach einer wunderschönen Schwangerschaft, so einen schönen Geburt, kam sie gesund auf der Welt und wir wurden was über Rumpelt von diesen Nach ein paar Lebensmonaten, von dieser Erkrankung die man nicht teilen kann, wo man auch nicht mehr genau weiß was das ist.

00:11:46: Aber ganz viel Krankenhaus und Medikamente und Ärzte und Therapien und permanent auch dieses... Also diese Sorge wie wird sie leben?

00:11:56: Kann sich gut leben?

00:11:57: weil ich finde eben ein Leben das lang dauert wo man leidet auch sehr schwer ist.

00:12:04: oder was braucht ihr dass ihr gut leben kann?

00:12:08: Ich als Mutter auch, dass ich da gesund bleibe und das hat mich von Beginn an beschäftigt.

00:12:14: Dass ich diese Hauptrolle der pflegenden Mama nicht so sehe wie nach wie vor sehr viele Menschen.

00:12:27: Natürlich, wenn man ein kleines Baby hat.

00:12:29: Das ist natürlich klar, dass man dann seine gesamte Mütterlichkeit, dass es darum geht.

00:12:34: nur ich pflege eben seit dieses Dreizehn.

00:12:37: Ich pflege quasi langzeitpflegende Angehörige.

00:12:40: Ich muss enorm schauen, dass ich mental, psychisch und körperlich einfach nicht in Überforderungen komme was eh nicht immer leicht ist bei diesem schweren Thema das wir tragen.

00:12:52: Und durch meine Arbeit mit der Kernekonomie ist natürlich auch mein Fokus unter anderem auch auf pflegende Angehörige und das hier eben auch Länder, wo die Hauptrolle nicht die pflegende Angehöre übernehmen.

00:13:07: Wo die mobile Pflege einen enormen Stellenwert hat, wo Entlastungssysteme, Carrying Communities, Pflegeinfrastruktur anders funktioniert... für alle gut ist.

00:13:20: Das ist sowohl für die Person, die Pflege braucht gut wenn da nicht nur ein Mensch an der Seite ist.

00:13:26: das ist auch für die zu pflegende Angehörige gut und es ist auch unsere Wirtschaft gut weil sie hat einen enormen ökonomischen Wert wenn man Pflege ausbaut und vor allem mobile Pfleger ausbauen.

00:13:37: Das heißt eigentlich ist eine Win-Win Situation unter die Gender Gaps nehmen ab.

00:13:42: also durchaus sehr spannendes Thema wenn es um die Geschlechtergerechtigkeit geht Da bin ich sicher einerseits ökonomisch sehr interessiert und persönlich total betroffen.

00:13:54: Und biete eben auch Lösungen an, dass wir das anders aufstellen.

00:14:00: Ja und da setze ich mich schon sehr dafür ein kooperative Pflegemodelle aufzubauen.

00:14:05: Das ist unsere Zukunft und es kann sehr schnell passieren, dass man Pflege braucht!

00:14:10: Im Zusammenhang mit der Caring Economy haben sie sich sehr viel mit Riane Eisler beschäftigt.

00:14:16: Sie haben es gesagt, dass eine Vordenkerin auf diesem Gebiet – sie ist Kultur-Historikerin und Soziologin – eigentlich in Wien geboren worden wurde dann von den Nazis verfolgt und ist in die USA geflohen, dass sie in Österreich überhaupt Wie der bekannt ist, hängt auch mit Ihnen zusammen.

00:14:36: Sie haben sie da vor den Vorhang geholt und es gab auch eine Preisverleihung.

00:14:40: Bitte erzählen Sie uns darüber, warum ist Ihnen das so wichtig?

00:14:45: Seitdem ich mich mit den Arbeiten von Noriane Eisler beschäftige bin ich auch mit Ihren Kontakt.

00:14:49: Also wir sind richtig eng verbunden.

00:14:53: Sie wird ja gerade, jetzt gerade, fünfundneinzig Jahre alt Und wir haben regelmäßige Videokonferenzen und unterhalten oder über Arbeit reden, finde ich sehr großartig wie.

00:15:08: Ich möchte auch so fünfundundig werden!

00:15:11: Und ich find's faszinierend dass sie als Überlebende vom Nationalsozialismus geprägt war.

00:15:21: ihre Grundfrage Wie kann das passieren?

00:15:26: Und aus dieser Grundfrage heraus hat sie eigentlich ihr gesamtes Lebenswerk aufgebaut, also ihre ganzen Forschungen, ihre archäologischen Ausgrabungen.

00:15:38: So diese quasi Fehlannahmen über unsere Geschichte die sie entdeckt hatte und korrigiert hatte.

00:15:45: Ihre transnationalen Studien über Gesellschaften die eben zu Grundmustern führen, mit denen wir auch gut arbeiten können, wo Alternativen zu finden sind.

00:15:55: Wie kriegen wir es denn besser hin?

00:15:57: Das hat mich sehr fasziniert und ich habe auch gemerkt dass sie eben in Österreich kaum bekannt ist und das finde ich traurig und hat mich ja betroffen gemacht weil ich sie finde, dass sie was Großartiges aus ihrem schrecklichen Schicksal auch gemacht hat und dass das gewürdigt gehört.

00:16:17: Ministerium angesucht sie mit dem Goldenen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst auszuzeichnen.

00:16:23: Und das hat sie eben letztes Jahr erhalten, und es war für sie auch sehr wichtig, nämlich von Österreich diese Anerkennung zu bekommen... Sie hat ja sehr viele Auszeichnungen bekommen.

00:16:39: Sie gilt, glaube ich als die eine der dreißig peacemake of the world und hat verschiedene feministische Preise gewonnen war ja da international auch sehr enormiert.

00:16:49: aber dass Österreich sich auch bedankt und würdig ihre Arbeit das fand ich sehr wichtig und hat für sie auch eine große Bedeutung gehabt und es hat mich sehr gefreut.

00:17:00: Riane Eisler hat den Begriff des Partnerschaftssystems geprägt, im Gegensatz zu einem Dominanzsystem.

00:17:06: Ihre Forschungen zeigen so dass der wahre Kampf in unserer Gesellschaft nicht zwischen traditionellen politischen und religiösen Lagern liegt sondern zwischen einem System die Unterdrückung auf der einen Seite und einem System im gegenseitigen Respekt in der Fürsorge auf der anderen Seite.

00:17:23: Was hat es damit auf sich konkret?

00:17:27: Das Modell das sie quasi auch für weil sie uns die Wildbevölkerung auch zugänglich macht, beschreibt einfach dass es so zwei grundlegende Muster gibt in Gesellschaften.

00:17:40: Also das Dominanzsystem da geht's darum welche Stellung hat die Familie?

00:17:45: wie kümmert man sich um Geschlechtergerechtigkeit?

00:17:48: Welche Narrative werden erzählt?

00:17:51: ja was haben wir für Bilderbücher für sorgende Narrative, also die eigentlich ein kooperatives Wertschätzung des Miteinander wertschätzen oder hervorheben oder stärken.

00:18:07: Oder wird auch Unterdrückung und Gewalt in Geschichten, in Narrativen verherrlicht?

00:18:12: Also da gibt es so Gegenüberstellungen, woran man erkennen kann wie wir dieses Partnerschaftssystem Kooperativen miteinander, wo Geschlechtergerechtigkeit normal ist oder geschlechter Gerechtigkeit auch erzeugt wird.

00:18:29: Wo man sich darum kümmert eben dass man Unterdrückungsmechanismen findet und aufhebt, wo man auch eine Familienpolitik hat die wertschätzt was dort stattfindet an Arbeit, wo Kehrverteilungsarbeit sucht und wo wir auch Wirtschaftsstrukturen haben, die eben all das begünstigen.

00:18:51: Und das hat sie sehr anschaulich herausgearbeitet durch ihre weltweiten Studien- und Forschungsarbeiten und unterstützt damit auch dass wir als Menschen, als Gesellschaften, als Wirtschaft auch die Wahl haben ob wir sozusagen.

00:19:09: also man kann sagen es gibt Demokratie und es gibt nicht Demokratie.

00:19:12: Und ich finde, in dieser Wahl steckt einerseits eben diese freie Zugestaltung aber auch eine enorme Verantwortung zu gestalten.

00:19:21: Weil es ist nicht ausgeliefert sondern wir können sozusagen uns oder wir müssen uns auch entscheiden und das hat sich sehr schön herausgearbeitet und zeigt sie eben auch in ihren Büchern, in ihren Vorträgen oder in Workshops.

00:19:35: kann man das sehr schön verstehen damit Muster, in denen wir quasi sozialisiert sind zu erkennen.

00:19:48: Das ist so vielleicht ein Beispiel auch wenn man sagt wir sind gegen das patriarchale Muster dann ist das patriarchal hart ist ja nichts dass umsteht also sondern Wir sind ja alle Teil von dem.

00:20:04: Wir sind so sozialisiert, wir haben blinde Flecken.

00:20:07: also auch im feministischen Kontext muss man aufpassen wie eine Haftelmacherin auch zu schauen wie reproduzieren wir permanent etwas das wieder einzahlt in diese Aufrechterhaltung und es ist teilweise eine sehr tricky Arbeit und gleichzeitig auch eine sehr kann auch sehr viel Freude machen herauszufinden ah ja wir können dieses Muster oder das andere Muster unterstützen und stärken.

00:20:36: Noch mal zurück zu diesem Modell der Caring Economy, wie ist es da mit der Finanzierbarkeit sozusagen?

00:20:43: Also es werden manche vielleicht sagen ja schön und gut klingt er eh super aber ist das nicht Sozialromantik?

00:20:51: Also Sozialromantic ist es nicht weil sie für mich eigentlich knallharte Wirtschaft entlang der Lebenslinie sind wirklich sehr taffe, schädliche Konsequenzen und unsere Mötzelsmodelle erzeugen.

00:21:07: Also hier geht es vielen Menschen nicht gut und das ist ein Handlungsbedarf erforderlich.

00:21:14: Wir kommen nur nicht mit der gleichen Denke weiter.

00:21:17: Das ist das Thema.

00:21:18: also zu sagen da sollen wir jetzt die Hundertsundneinzig Milliarden Euro zahlen?

00:21:22: Die haben wir ja nicht!

00:21:23: Wir haben ja eh schon einen Staat schulden.

00:21:24: dann kann man erstens mal einfach hinüberlegen Wie kann man eine Schuldenregulierung anders hinkriegen als jetzt wirklich im Sozial- und Gesundheitsbereich abzubauen?

00:21:33: Mit dem Wissen, weil es enorm viele Expertinnen gibt die darauf hinweisen dass das nach hinten losgeht.

00:21:40: Dass durch diese kurzfristigen Budgetsanierungen langfristig enorm viel Folge schäden und auch Folge Kosten entstehen werden.

00:21:50: Das heißt wir müssen eine langfristigare politische Linie skizzieren.

00:21:55: Wir brauchen auch Politikerinnen, die das ansprechen!

00:22:00: Es ist nicht nur die Frauenministerin für Frauenthemen zuständig bzw.

00:22:05: es sind doch Nicht-Frauen-Themen.

00:22:06: also ich merke auch immer wieder wie es mich auch ärgert dass man immer so das als Frauenproblem absch... Es ist ein Wirtschaftsproblem, es gibt enorm viele Männer die auch mehr Kehrarbeit machen möchten.

00:22:23: Aber in diesem Korsett sind sie auch mit drin.

00:22:25: Sie können natürlich etwas tun um rauszukommen aber es muss politisch als Kernauftrag ausgerufen werden und das beginnt beim Wirtschaftsminister oder auch beim Finanzminister und dann kann die Frauenministerin mit ihrer hohen Expertise hier noch steuernd eingreifen und beratend tätig sein, damit das Thema nicht auf der Bildfläche verschwindet.

00:22:48: Aber es wird sozusagen auch in den politischen Debatten in diesem Abteilungs- oder Ministerial abgetrennten Verhalten – das bringt uns einfach nicht weiter – mal zu sagen was hat das für ein Geld wert?

00:23:03: Diese Hundertfünfundneinzig Milliarden zeigt einfach um welchen großen Bereich es geht.

00:23:12: Eine andere Zahl wäre es, wenn man den Zeitwert hernimmt.

00:23:15: Ich habe vergleichen eben die Aus der Zeitverwendungserhebung haben wir ja den Zeit-Wert für unbezahlte Keharbeit in dem privaten Haushalten plus Ehrenamt und dann auch bei der Statistik Austria viel öfter.

00:23:28: regelmäßig kann man eben die Erwerbstätigkeit der Angestellten abrufen.

00:23:33: Wenn man das zusammen nimmt in einen Dortendiagramm Dann arbeitet Österreich siebenundfünfzig Prozent unbezahlt Und dreiundvierzig Prozent ist der Werbsarbeit, also einfach um diesen enormen Zeitwert auch diese Relationen mal fassbar zu machen.

00:23:52: Das heißt wir schauen bei Wirtschaftsdebatten wenn sie immer heißt die Wirtschaft Wir schauen nicht einmal auf die Hälfte eines Kreisdiagrammes hin und dann wird aufgrund dieser Nichtmal ganzen Hälften werden Entscheidungen getroffen Geht es wie gesagt um grundlegende Dinge, was ist wie viel Wert?

00:24:11: Was wäre dann eine politische Maßnahme, eine erste vielleicht auch die man setzen könnte, die dann in diese Richtung geht.

00:24:19: Also essentiell wäre eben die gesamte Kehrarbeit in die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung zu integrieren.

00:24:27: Ich habe das in einer Statistik auch verpackt.

00:24:29: Die kann man sich auch gerne anschauen auf meiner Website Wie das dann ausschauen werde.

00:24:33: einfach um die Relationen auch mal zu sehen dass man die Zeitverwendungserhebungsstudie regelmäßiger macht oder die anders regelmäßig erhebt wie ganz viele andere Wirtschaftszahlen, die man bei der Statistikaustria findet.

00:24:49: Das klar ist wer leistet wie viel dieser Kehrarbeit im ökonomischen Ort?

00:24:55: Private Haushalt, Ehrenamt?

00:24:58: Dann die Förderung von Caring economies ist etwas essentielles, einfach auch zu sagen wie können wir in dieses kooperative Miteinander kommen also auch so regionale Stärkung.

00:25:09: Wie kann man da sozusagen auch die zum Beispiel mobile Pflege ausbauen unbedingt als Wirtschaftswachsenden Faktor?

00:25:19: Da gibt es auch von der WIFO Studien das der Ausbauter mobilen Pflege fast eine Verdoppelung der direkten und indirekten Wertschöpfung bringt, in Geld.

00:25:28: Also nur mal um hier auch diese Relation zu setzen dann geht es darum natürlich auch dass der Ausbau der elementaren Bildungseinrichtungen einen anderen Stellenwert bekommt.

00:25:42: Wertschöpfung finde ich einen großartigen Begriff.

00:25:46: Er wird leider oft verwechselt mit Abschöpfungsmechanismen, die wirtschaftlich auch stattfinden und hier auch sozusagen wirtschaftspolitisch auch die Unterscheidung zu machen.

00:25:56: Wo findet Wertschöffung statt?

00:25:57: für die Menschen?

00:25:58: Für die Gesellschaft?

00:25:59: Für den Zukunft?

00:26:01: Und wo findet eigentlich Abschäpfung statt?

00:26:04: Ausbeutung?

00:26:04: Wo findet Unterdrückung statt?

00:26:06: dass dieses Keyer-Thema kein Frauenthema ist also da kam politisch auf jeden Fall ausgerufen werden.

00:26:13: Also alle Politikerinnen, alle Minister sind hier auch aufgefordert es in ihre politischen Reden einzubeziehen dass das ein Wirtschaftsthema ist und kein Frauenthema ist den Gewaltschutz an Frauen auszubauen der natürlich ja sehr wichtig ist und auch eine Rolle spielt da natürlich wenn die ökonomische Abhängigkeit von Frauen so groß ist weil sie eben diese Arbeit nicht bezahlt bekommen Schwere aus Beziehungen raus können, dass hier sozusagen der Schutz vor Gewalt in den Haushalten, also in dem privaten Haushalten für häuslicher Gewalt oder digitaler Gewalt.

00:26:48: Also das dieses Gewaltschutzthema, das Fraunschutzthema einen größeren Stellenwert hat als der Ausbau von Kampfjets Denn das ist viel mehr Friedenspolitik wenn wir uns darum zuerst kümmern.

00:27:08: zum Beispiel ein paar Ideen.

00:27:12: Was hat Sie Ihre Tochter eigentlich über Erfolg gelehrt?

00:27:17: Ich glaube, meine Tochter hat mich gelehrт das essentielle zu sehen garantiert das Leben im Hier und Jetzt weil wir nicht genau so wissen wie lange es noch geht.

00:27:32: also sie hat mich glaub ich schon auch gelehrd dass wichtig ist Neben dieser starken Verbindung, die wir haben auch, dass so jede ihr eigenes Leben lebt.

00:27:46: Also was eigentlich sehr autonom ist.

00:27:51: Durch ihre Erkrankung bin ich sozusagen zurückgeworfen auf Angewiesenheit.

00:28:01: Ich bin ein sehr autonomer selbstbestimmter Mensch und habe erfahren müssen dass ich ganz viel andere Menschen auch sozusagen brauche, um einerseits dieses Schicksal zu tragen aber auch sozusagen dieses aufeinander angewiesen sein nicht als Schwäche zu sehen sondern als massiven Ausdruck vom Mensch sein.

00:28:34: Ich glaube das hat was fast befreiendes für mich Enorm Kooperativ ist auch in mir noch weiter geschärft, dass wir sind aufeinander angewiesen.

00:28:48: Wir natürlich einen Extremausmaß und gleichzeitig aber dieses Aufeinanderangewiesen sein nicht als Abhängigkeit oder Schwäche zu sehen sondern als etwas das zum Leben dazugehört um das auch anzuerkennen.

00:29:05: ich glaube es hat mich auch rausgeholt aus diesem Individualisierung trennt, den wir ja schon in unserer Gesellschaft haben.

00:29:13: Von dem her mich fragen.

00:29:16: also Menschen die mich kennen suggerieren dass ich eine extrem erfolgreiche Frau bin und glauben damit wahrscheinlich ökonomisch und man muss sich sagen das stimmt nicht.

00:29:26: Ich habe das Gefühl ich bin ein erfolgreicher Frau weil ich bin sehr reich innerlich Und ich glaube zu diesem innerlichen Reichtum hat meine Tochter sehr viel beigetragen.

00:29:35: Frau Elisabeth Sechser Dankeschön für den Besuch im Studio Danke für das Gespräch heute.

00:29:40: Vielen Dank auch.

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