per- 260825#Todsünden_Wollust
Transkript anzeigen
00:00:00: Wir begeben uns heute wieder zu den Sieben Todsünden mit Daniel Uchtmann vom Kunsthistorischen Museum.
00:00:07: Er hat das Buch geschrieben bzw.
00:00:09: recherchiert, dass Bessisse Grand der Schienen ist – sieben Kunstwerke, sieben Menschen und eine Reise!
00:00:16: Dazu gibt es auch ein Hörbuch aus dem wir freundlicherweise die Original-Töne für diese Sendung verwenden dürfen.
00:00:24: Zur Sicherheit die Aufzählung der sogenannten Sieben Totsünden Hochmut, Neid, Wollust und Maßlosigkeit.
00:00:34: Heute wird es um die Wallust gehen – lateinisch Luxuria.
00:00:39: Im Christendum gilt sie als egoistisches ungeordnete Verlangen- und als Verzerrung der selbstlosen Liebe, die den Menschen bloß als Objekt betrachtet.
00:00:50: Und damit zu Daniel Uchtmann und seiner Beschäftigung mit dieser Todsünde.
00:00:55: Die Wallust erscheint also zumindest mir, als etwas Anziehendes – sogar Lebensbejahendes.
00:01:02: Genau das macht sie aber so schwer fassbar!
00:01:05: Denn wo beginnt hier denn überhaupt das Laster?
00:01:08: Darum soll Begehren, Lust oder Sexualität eine Gefahr
00:01:13: darstellen.".
00:01:14: Der Wüstenmönch Evargrios Ponticus warnte genau vor dieser trügerischen Gestalt der Wollust.
00:01:22: Er schrieb, sie sei gefährlich, weil sie die Grenze zwischen Vorstellung und Realität verwischt.
00:01:29: Dadurch ist sie in der Lage den Intellekt zu täuschen und die Begierde in das Unermessliche zu treiben.
00:01:36: Dabei ist der Widerspruch bezüglich der Wolllust innerhalb der christlichen Tradition selbst bemerkenswert.
00:01:43: In ihren frühen Schriften finden sich noch Lobgesänger auf die Lust- und auf die körperliche Liebe wie im Hohe Lied Sadomons oder auch im Buch der Sprüche, finden sich Texte wie diesen hier.
00:01:56: Dein Boren sei gesegnet und freue dich der Frau deiner Jugend!
00:02:01: Sie sei wie eine liebliche Hirschkuh und anmutige Garzelle.
00:02:05: Ihre Brüste sollen Dich alle Zeit trunken machen – und an ihrer Liebe ergötze Dich immer
00:02:11: da.".
00:02:12: Solche Verse feiern die Sinnlichkeit als Teil der göttlichen Schöpfung.
00:02:17: Doch irgendwann, im Lauf der Jahrhunderte wandelte sich das Lob in eine Warnung.
00:02:23: In jeglicher körperlicher Nähe wurde ein moralischer Fehltritt vermutet – die Volust geriet in den Verdacht nicht nur das eigene Seelenhalt zu gefährden sondern auch die gesellschaftliche Ordnung ins Banken zu bringen.
00:02:37: Wie es zu diesem Wandel kam und wie heute selbst innerhalb der Kirche wieder offener über Sexualität gesprochen wird Darüber spreche ich später in diesem Kapitel mit der Pfarrerin Katharina Peik.
00:02:50: Sie predigt vor ihrer Gemeinde auch über Themen der Sexualität oder, wie sie sagt, emanzipatorischen
00:02:57: Sexualität.".
00:02:58: Bevor Daniel Uchtmann mit der evangelischen Hochschlub-Pfarrerin spricht, begibt er sich aufgrund seiner Profession als Kulturvermittler im Wiener Kunsthistorischen Museum zur Betrachtung eines bildnerischen Kunstwerks des Museums zum Thema
00:03:12: Kaum.
00:03:13: ein anderes Thema hat so viele Maler und, ja hier verwende ich absichtlich ausschließlich die männliche Form, inspiriert wieder wollestige Blick auf den nackten Körper.
00:03:24: Selbst in Zeiten strengster Moralvorstellungen fanden Künstler Wege das Begehren darzustellen – oft getarnt als mythologische Szene oder biblische Erzählung.
00:03:36: Venus durfte sich nackt zeigen weil sie eine Göttin war Eva, weil sie Teil der Schöpfungsgeschichte ist.
00:03:44: Doch viele dieser Bilder waren nicht nur Allegorien oder Mahnungen sondern bewusste Mittel zur Erregung.
00:03:51: und immer wieder erzählen Sie auch von Macht – von Kontrolle vom Blick, der nicht gefragt, sondern genommen wird.
00:03:59: Denn – und das wissen wir nicht erst seit Mitu – Sexualität ist selten nur ein Spiel der Sinne!
00:04:05: Sie ist doch entfällt von Machtverhältnissen und wird allzu oft als Werkzeug benutzt, um diese Macht auszüben.
00:04:13: Hier verschmelzen Begehren und Kontrolle – der wollende Blick führt nicht selten zum Versuch über den begehrten Menschen zu verfügen.
00:04:22: Genau hier berührt sich die Wollust mit dem was wir im letzten Kapitel über den Neid erfahren haben.
00:04:28: wie Besitzanspruch in Gewalt umschlagen kann.
00:04:31: so kann auch Begehrengewalt voll sein.
00:04:34: Für dieses Kapitel habe ich ein Werk ausgewählt, das diesen Zusammenhang kaum Treffender zeigen könnte.
00:04:41: Es trägt den Titel Susanna im Bade.
00:04:45: Auf den ersten Blick eine Szene weiblicher Schönheit, Ruhe und Unschuld.
00:04:51: Doch in den Schatten lauern die Blicke zweier Männer, die diesem Moment für sich beanspruchen – es ist das Bild eines Kipppunkts von Lust zu Macht vom Begehren.
00:05:05: Der Maler Jacopo Tintoretto revolutionierte im Venedig des sechzehnten Jahrhunderts die Malerei.
00:05:12: Mit ungewöhnlichen Methoden sicherte er sich seinen Platz auf dem hart umkämpften Kunstmarkt, seine dramatischen Gemälde haben bis heute nichts von ihrer Wirkung eingebüsst und um ein Werk von ihm geht es
00:05:25: nun.".
00:05:26: Das Bild das wir uns ansehen heißt Susanna in Bade.
00:05:30: Es wurde von Jacopo Tintoretto um fifteenhundertfünfundfünfzig gemalt und zeigt eine alttestamentliche Geschichte.
00:05:39: Susanna ist die junge Frau, die wir rechts im Bild sehen.
00:05:43: Sie ist die Frau eines reichen jüdischen Einwohners in Babylon – es ist die Zeit des barbilonischen Exils, in der die Oberschicht des jüdischem Volkes nach Babylon verschleppt wurde.
00:05:55: Susanna und ihr Mann wohnen in einem großen, kostbaren Haus mit einem großen Garten der tagsüber öffentlich zugänglich ist.
00:06:04: Abends aber geschlossen wird damit sich Susanna dort in einer Quelle waschen und erfrischen kann.
00:06:10: so sehen wir sie hier und sie glaubt also alleine zu sein.
00:06:14: Aber es haben sich zwei ältere Männer unbeobachtet mit dem garten einschließen lassen.
00:06:20: Deswegen heißt das Bild Susanna im Bade oder auch Susanna und die beiden Alten.
00:06:26: Dabei meint man mit dem Begriff Alt gar nicht so sehr ihr Lebensalter, sondern dass sie die Ältesten des Volkes sind – und damit die Richter!
00:06:36: Und das macht die Bedrohungssituation für Susanna geradezu ausweglos.
00:06:42: Die beiden Männer wissen zunächst gar nicht, dass sie zu zweit sind.
00:06:46: Sie haben sich einschließen lassen um Susanna beim Baden zu beobachten und erwischen sich dann gegenseitig.
00:06:53: Nun können sie sich natürlich nicht gegenseitig anzeigen, sondern beschließen, gemeinsame Sache zu machen was die Bedrohung für Susanna verdoppelt.
00:07:02: Erst einmal schauen Sie!
00:07:05: Sie sind spanner, Sie sind Wojöre – das ist zunächst die Befriedigung Ihrer Wollust, sich an dem schönen Körper der Susanna zu erfreuen.
00:07:14: Irgendwann wird der Trieb aber so stark dass es sich zu einer extremen Gewalttat entschließt.
00:07:21: Sie planen eine Vergewaltigung.
00:07:24: Dabei überfallen sie Susanna aber nicht, sondern gehen zu ihr und erpressen Sie.
00:07:29: Sie sagen, wenn du dich uns nicht hingibst werden wir als die Ältesten, als die Richter Dich beschuldigen, Dich mit einem Liebhaber erwischt zu haben.
00:07:40: Man muss dabei wissen auf Ehebruch steht die Todesstrafe durch Steinigung.
00:07:45: Das heißt sie sagen im Grunde Wenn Du Dich uns nicht hingebst wirst Du sterben!
00:07:51: Susanna lässt sich aber nicht erpress'n.
00:07:53: Sie macht Lärm, sie schreit und rennt weg.
00:07:56: Die beiden Ältesten reagieren darauf, treten das Gartentor ein und tun so als würden sie einen vermeintlichen Liebhaber verfolgen.
00:08:04: Sie machen ihre Drohung wahr und klagen Susanna an.
00:08:08: Dann kommt es zur Verhandlung!
00:08:10: Die beiden sind Richter, Ankläger und Zeugen in einer Person.
00:08:15: Es gibt im Grunde keinen Ausweg für Susanna – sie wird zum Tode verurteilt Als sie zur Steinigung geführt wird, dritter Prophet Daniel vor die Menschenmenge und sagt Ich will am Blut vergießen dieser Frau keine Schuld haben.
00:08:32: Er befragt die beiden Alten getrennt voneinander Und es genügen ein paar Fragen um zu erkennen dass sie lügen.
00:08:39: das sich die Balken biegen Auge um Auge zahn um Zahn.
00:08:45: Sie bekommen das was sie der Susanna zugedacht haben sie werden selber gesteinigt und Susanna wird gerettet.
00:08:52: Das Interessante an der Szene, sodane lucht man ist das Tintoretto hier etwas zeigt wo noch gar nichts passiert ist.
00:09:00: Susanna sitzt am Wasser.
00:09:01: sie ist in Betrachtung ihres eigenen Spiegelbildes zur Ruhe gekommen.
00:09:06: Das sieht man daran dass sie ihr Bein im Wasser hat und die Wasseroberfläche kaum aufgewirbelt ist.
00:09:12: absolute Ruhe!
00:09:14: Die Bedrohung lauert hinter der Hecke.
00:09:17: Der eine alte roppt da wie ein Vieh auf dem Boden und bräuchte nur noch ein paar Zentimeter, dann könnte er um das Rosensparlier herumschauen und zu seiner Sehen.
00:09:28: Da würde sie ihn aber auch auf jeden Fall sehen – doch dass ist nicht der Fall!
00:09:34: Und noch sieht's Sie auch den anderen Alten nicht, weil sie in den Spiegel schaut.
00:09:39: Und der Alte, der schaut wiederum auf den Boden, um beim Gehen im Gebüsch keinen Lärm zu machen.
00:09:45: Im Moment, der hier abgebildet sieht niemand irgendjemanden.
00:09:50: Das ist ein Moment, in dem eigentlich nichts
00:09:52: passiert.".
00:09:54: Nun könnte man sagen das ist ja langweilig!
00:09:56: Ist es aber nicht?
00:09:58: Ganz im Gegenteil – Es wird nämlich größte Spannung aufgebaut.
00:10:02: Es ist ganz still, ganz ruhig….
00:10:05: Es ist wie ein Gummiband, dass bis zum Zerreißen gespannt ist und wir sind es die alles sehen... Die Komposition ist ganz großartig, denn die Bedrohung ist auch im Bild ausweglos geschildert durch durch die Komposition klar.
00:10:48: Im Hintergrund links sehen wir einen Hirschen und eine Hirschkuh.
00:10:52: Die Hirsch-Kuh trinkt Wasser, der Hirsch ist ein Symbol für Christus weil sein Gewei in Kreuzform aufgebaut ist.
00:11:00: Er ist aber auch ein Symbol für den Propheten Daniel der Susanna retten wird Weil Daniel auch eine Präfiguration einer Vorausdeutung auf Jesus Christus ist.
00:11:12: Es gibt einem Psalm im alten Testament Ich glaube, es ist der Zweiundvierzigste.
00:11:17: Der lautet wieder Hirsch schreit nach frischem Wasser.
00:11:21: so schreiht meine Seele Gott zu dir.
00:11:25: Das is das was Susanna getan hat.
00:11:28: Sie hat Gott angerufen um gerettet zu werden.
00:11:31: Wenn wir über den Hirschen schauen erahnt man eine große Wasservläche und dahinter Kirchtürme.
00:11:38: Anders gesagt Wir sind hier auf dem Lido in Venedik.
00:11:43: Tintoretto ist Venizianer und er verlegt das Ganze in seine Welt, in seine Stadt.
00:11:49: Hier ist es die Volust – gepaart mit großer Macht der beiden Alten, die zu dieser Katastrophe führt.
00:11:57: Er kritisiert damit dass Menschen, die Macht haben diese auch
00:12:02: missbrauchen.".
00:12:03: Zwischen der stillen Bedrohung, die Tintoreto im Bild zeigt unter Betrachtung von uns auf jenes liegen mehr als vierenhalb Jahrhunderte.
00:12:11: Doch so dann erlucht man.
00:12:13: die Mechanismen, die uns der Male enthüllt sind zeitlos.
00:12:17: Auch heute bleibt die Sexualität ein Feld das mit Grenzüberschreitungen und Machtspielen verknüpft ist.
00:12:24: Aber es wäre falsch, Sexualität und Lust ausschließlich als etwas Sündhaftes und eine Geschichte von Gewalt- und Missbrauch zu erzählen.
00:12:34: Sie ist ja auch eine Quelle von Freude, von Nähe und wie sie hören werden vielleicht sogar von Spiritualität.
00:13:02: Genau um diesen Gegenentwurf zu erkunden, um eine Lust zu präsentieren die von Freiheit und Selbstbestimmung geprägt sein kann habe ich für dieses Kapitel keinen Nachtclub besucht sondern zur Vorbereitung einen Gottesdienst und anschließend die evangelische Pastorin Katharina Peik zum Interview getroffen.
00:13:23: Schon als Theologiestudentin habe ich gemerkt, dass das Thema Sexualität ganz eng verknüpft ist mit Theologie.
00:13:32: Auch wenn es am Anfang für mich erst schwierig war, weil ich auch Sexualpädagogin in der Zeit war und dachte erst, es geht gar nicht zusammen, dass man sich mit Sexualität emanzipatorisch auseinandersetzt und Theologen isst Und dann hat sich das mir aber immer mehr aufgedrängt.
00:13:52: Ihre Perspektive ist eine besondere, denn sie kommt nicht nur aus der Theologie.
00:13:58: Ihre pastoraler Arbeit findet heute oft in dem Stadt was Sie queer-christliche Kreise nennt – Räume, in denen eine Offenheit herrscht die man in der Kirchengeschichte lange vergeblich gesucht hat.
00:14:11: Katharina Pike wurde ein Mannheim geboren und lebt in Wien.
00:14:18: Sie ist Hochschulpfahrerin in der Evangelischen Kirche in Österreich, schreibt und ist Radiomacherin.
00:14:26: Pike arbeitet über zehn Jahre in der EZ Hilfe – und einige Jahre an der Universität sowie als Redakteurin.
00:14:34: Katharina Pike hält Vorträge & Workshops im wissenschaftlichen wie aktivistischen Bereich.
00:14:40: Mit Themen rund um Sexualität, Gender- und Lebensformen bringen sie Menschen aus Theologie Kirche, der Quierszene und Wissenschaften zusammen – und kämpft in Kirche- und Gesellschaft für Gleichbehandlung.
00:14:52: Daniel Uchtmann hat sie in wenem Aufnahmestudio zum Hörbuch zu den Sieben Todsünden
00:14:58: getroffen.".
00:14:58: Pfarrerin & Sexualpädagogin.
00:15:02: Das klingt an sich schon spektakulär!
00:15:04: Und das was sie macht könnte leicht in die ein oder andere Boulevardschlagzeile passen.
00:15:10: Evangelische Pfarrerinnen segnet halbnackte Schule … Oder?
00:15:14: Sex predigt vor Studenten, die Pfarrerin, die von Orgasmen spricht.
00:15:19: Und so weiter und sofort!
00:15:21: Obwohl an all dem ein wahrer Kern ist, reduziert es die Person, die mir hier im Studio gegenüber sitzt vollkommen – sie isst eine überlegte Frau, die sich tiefgründige Gedanken zur Religion und Gesellschaft macht, die Wörter wie Biomacht verwendet und in ihrer Funktion natürlich auch über die Kirche als Institution nachdenkt….
00:15:43: was man auch sofort merkt, dass sie auch predigen kann und die als erstes wissen will wer ich denn eigentlich sei.
00:15:51: Und ich nenne dich Katharina?
00:15:53: Bitte ja.
00:15:55: Ja du hast gerade gesagt du möchtest etwas über mich erfahren.
00:15:58: Gerne.
00:15:58: Stellen wir Fragen.
00:16:01: Wieso sitzen wir hier?
00:16:04: Das ist eigentlich eine lange Geschichte und zwar fing das mit Podcasts an.
00:16:11: Ich könnte ihr mitteilen, dass ich mit einem Mann verheiratet bin.
00:16:15: Dass sich mich aber nicht so wirklich mit einer schwulen Szene identifizieren kann und das eigentlich auch nie konnte.
00:16:22: Das mir Begriffe wie Queer zwar bekannt, aber persönlich doch eher fern sind.
00:16:27: Dass ich sehr gern Katholik bin – obwohl ich weiß, dass meine Form der Lebensführung die Kirche Gelinde gesagt nicht gerade begeistert.
00:16:36: Aber um mich geht es hier
00:16:37: nicht.".
00:16:38: Aber wie nun geht das tatsächlich zusammen?
00:16:41: Das Quirre und der Gottesdienst, die Sexualität und die Religion.
00:16:47: Ja von mir aus können wir starten!
00:16:52: Vielleicht reden wir... jetzt haben wir gerade über mich gesprochen.
00:16:55: vielleicht reden wir kurz über dich Katarina Peig geboren in Mannheim.
00:17:00: du bist evangelische Theologin hier im Wien Pfarrerin Journalistin du lebst den Wien Du machst auch Radio.
00:17:07: Was machst du da im Radio?
00:17:10: eine queere Sendung einmal im Monat beim freien Radio, Radio Orange.
00:17:14: Was heißt Queer-Sendung?
00:17:16: Das ist eine Sendung von und für LGBTIQ also Menschen die sich als queer bezeichnen.
00:17:23: wir haben queere Themen und damit verbunden auch oft feministische Themen Interviewenmenschen, Datenmenschen.
00:17:30: ein ja
00:17:33: Und du arbeitest seit über zehn Jahren in der AIDS.
00:17:35: Hilfe
00:17:36: Nein, habe ich.
00:17:37: Das ist Vergangenheit, genau.
00:17:40: Also mein erster Job eigentlich und mein erstes ernsthaftes Engagement war in der AIDS-Hilfe in Deutschland und dann auch kurz noch in Wien.
00:17:51: also ich hing sehr an der AIDS Hilfe Bewegung weil die mir auch sehr viel gegeben hat, ich sage immer so meine liebensweisen Akzeptanz.
00:18:02: Die habe ich auf jeden Fall in meinen Zwanzigern von der AIDS-Hilfe Arbeit.
00:18:07: dort natürlich auch schon die Arbeit mit queeren Menschen und mit auch stigmatisierten Menschen – in dem Fall heiferpositiven Menschen.
00:18:17: Das war mir schon immer ein Anliegen.
00:18:19: Deswegen behalte ich irgendwie im Herzen dabei und in meiner Arbeit als Haltung, auch als Theologin ganz klar.
00:18:28: Aber ja jetzt mache ich eben was anderes.
00:18:31: Ja hier erinnere mich noch an die Achtziger und an die frühen Neunzigerjahre als dieser AIDS-Shock so ein bisschen auf dem Höhepunkt war.
00:18:40: da kann ich mir schon gut vorstellen dass die Menschen wirklich ausgegrenzt waren und neben der medizinischen Hilfe dann wahrscheinlich auch seelsorgerisch oder Betreuung benötigen und auch aufgefangen werden müssen.
00:18:54: Das auf jeden Fall auch, also ich fand damals schon spannend... Ich war damals Theologiestudentin Anfang der Jahr zweitausend da Und habe dann mit dem Engagement in der AIDS-Hilfe begonnen und hab mich da schon mit beschäftigt was auch Kirchen zum Beispiel tun können.
00:19:13: Was sie auch versammelt haben sage ich jetzt mal so auf gut Deutsch zum Thema HIV-AIDS, aber auch was sie tun können.
00:19:23: Und ich hätte damals noch nie gedacht, dass ich mal Pfarrerin werde, weil ich ja erst später dann Pfarrerin wurde.
00:19:30: Aber schon als Theologiestudentin habe ich gemerkt, dass das Thema Sexualität ganz eng verknüpft ist mit Theologie.
00:19:42: Auch wenn es am Anfang für mich Schwierig war, weil ich auch Sexualpädagogin in der Zeit war und dachte erst es geht gar nicht zusammen dass man sich mit Sexualität emanzipatorisch auseinandersetzt und Theologen ist.
00:19:57: Und dann hat sich das mir aber immer mehr aufgedrängt.
00:20:01: eigentlich Dann war klar Das muss zusammengehen.
00:20:06: Das ist dann das, was ich auch geworden bin eigentlich.
00:20:09: Einer Theologen-Erstwissenschaftlerin und dann auch Pfarrerin.
00:20:13: Das heißt Praktikerin für die immer ganz klar Themen der Sexualität, der Leidenschaft des Zusammenlebens oder der Beziehungen auch immer ein theologisches Thema
00:20:27: sind.".
00:20:28: Wenn ich dich so höre, hab' ich das Gefühl, dass du hast überhaupt keine Freizeit.
00:20:31: Eine Million Dinge die Du gemacht hast oder machst.
00:20:34: Sexualpädagogin sagtest du?
00:20:36: Ja
00:20:36: Was ist da der Aufgabenbereich?
00:20:40: Worum kümmert man sich da?
00:20:41: Ich habe vor allen Dingen in der Präventionsarbeit gearbeitet Das heißt HIV AIDS Prävention.
00:20:47: aber Da muss man ja auch lernen offen über Sexualität zu sprechen Offen Begriffe auszusprechen, um den Jugendlichen – darum ging es vor allen Dingen.
00:20:58: Um dem Jugendlichen einen Raum und eine Möglichkeit zu bieten, dass sie eigentlich offen sprechen können und das Lernen Dinge zu benennen...
00:21:10: Und wenn du sagst, es ist wichtig, bestimmte Begrifflichkeiten zu benutzen, offen über Dinge zu reden….
00:21:17: Da könnte ich mir vorstellen, dass zumindest früher Jetzt vielleicht auch noch, aber ich nehme an das nimmt ab.
00:21:23: Dass man auch ein Prozess der Enttabuisierung durchmachen muss oder andere dazu bringen muss wirklich offen darüber zu reden?
00:21:30: Ja es macht viel aus was wir für Roll-Models haben also für Vorbilder und natürlich auch ob jetzt zum Beispiel eine Lehrperson oder eine Workshopleiterin vielleicht auch Dinge ausspricht Begriffe Ausspricht aus dem Bereich der Sexualität weil ich dann als junger Mensch merke, ah das geht.
00:21:52: Sie sagt es also kann ich das auch sagen?
00:21:55: Das ist nicht verwerflich und das ist ja was Enthabuisierung bedeutet.
00:22:00: Der evangelischen Pfarrerin Katharina Peik ist aber klar dass Sexualität für die meisten Menschen Intimität bedeutet.
00:22:07: Es wollen auch nicht alle Menschen ständig oder überall mit sexuellen oder sexualisierten Themen konfrontiert werden.
00:22:20: Was mir aber auch einfällt dazu ist, die Art seiner eigene Lust auch als etwas Heiliges zu empfinden.
00:22:32: Das klingt jetzt so esoterisch – das ist es aber nicht!
00:22:35: Weil natürlich auch in dem Rausch den ich in der Lust haben kann, kann ich ja eine Gotteserfahrung machen weil ich mich selber ganz tief erlebe und Ich meine jetzt nicht nur Orgasmen, aber sehr wohl eben Berührungen, Glücksgefühle.
00:22:57: Aber auch vielleicht Gefühle von tiefer... Befreiung oder auch von Schmerz im Sinne von, also es gibt das ja Menschen weinen wenn sie berührt werden.
00:23:10: Weil einfach aus einer starken Anspannung die viele erleben eine Entspannungen passiert und dann kommt es zum Beispiel zu einem Trennausbruch.
00:23:19: Und das kann eine ganz intensive Erfahrung sein eine körperliche, ich hasse oft diese Unterscheidung.
00:23:27: Ich sage sie jetzt aber damit es ganz klar ist, eine körperliche Erfahrung Eine geistige Erfahrung und auch eine geistliche Erfahrung also eine spirituelle Erfahrung.
00:23:39: Und da müssen wir sicher als kirchen Auch als evangelische kirche noch besser werden und auch schauen wo können wir Angebote machen wo der mensch eben auch mit seiner Sexualität und wenn es auch nur ist, darüber zu sprechen oder das auszutauschen.
00:24:01: Ja also in so queeren Gottesdiensten da geht das immer gut weil da kommen dann Menschen auch erzählen von ihrem Date oder von ihren sexuellen Erfahrungen und da hat das dann irgendwie einen guten Raum.
00:24:17: Also das ist immer schön bei queeren Gottesdienste.
00:24:20: Da sind wir Offener.
00:24:22: Das heißt, die Kirche hat das Tor geschlossen und sie muss es jetzt auch wieder öffnen?
00:24:26: Ja ich finde auch die Kircher hat Menschen beschädigt wegen ihrer Sexualität und Sie muss jetzt auch – ich sage es immer so – wieder gut
00:24:35: machen.".
00:24:36: Es geht ja um die sieben Todsünden und dieses Mal um die Wolllust, dass ungebremste Streben nach Lust ohne Maß und Drück Sicht.
00:24:45: Dane Luchtmann richtet daher folgende Thematik an die evangelische Pfarrerin Katharina Peig
00:24:51: Wir begreifen der Sexualität etwas sehr, sehr persönliches, Intimes.
00:24:56: Natürlich machen die meisten Menschen sehr ähnliche Erfahrungen aber da hat man das Gefühl, da greift jemand eine Kirche oder wer auch immer in etwas ein was diese Person oder diese Institution überhaupt nichts angeht.
00:25:10: und war das mal anders?
00:25:12: Also ich glaube dass es falsch ist die Wolllust mit Sexualität allgemein gleichzusetzen Aber das ist etwas, was wir oft vielleicht tun.
00:25:24: Aber die Wollost ist natürlich eine ganz bestimmte Form der sexuellen Begierde.
00:25:30: Historisch hat natürlich die Kirche schon mit den Kirchenvätern allen voran Augustinus – es ist so ein bekannter Name wenn's um Sexualitätsdiskurse in der Kirche geht!
00:25:43: Hat natürlich die kirche die Sexualität auch in gewisser Weise ins negative Verband.
00:25:52: Körperfeind.
00:25:53: Erbsünde und so, das war bei Augustinus ebenso dieser Fall.
00:25:57: Und man wurde dann körperfeindlich, sexualitätsfeindlig und lustfeindig.
00:26:03: Die Wolllust ist aber nicht die Sexualität allgemein.
00:26:08: Die Sexualität Allgemein ist von Gott geschaffen.
00:26:11: Das heißt ich bin ein sexuelles Wesen.
00:26:16: So bin ich in Gottes guter Schöpfung da als Mensch mit meiner Sexualität.
00:26:24: Und
00:26:25: ich, als evangelische Theologin kann auch ganz bewusst sagen nicht nur wenn ich mich fortpflanze sondern die Lust und die Begierde des Begehren ist auch ein Teil meiner körperlichen und seelischen Erfahrung in dieser Welt, meiner guten Erfahrung in der Welt als Mensch.
00:26:48: Deswegen finde ich sie ja auch gar nicht so schlecht, dass sie da in den Todsünden so vorkommt.
00:26:55: Die Wollust kann man viel mehr als etwas sehen wo ich mich entferne von dem was gut ist in meiner Sexualität, von dem das mich lebendig macht.
00:27:11: Das positive Sexualität und Begehren macht lebendig.
00:27:15: Wir fühlen uns lebendige, wenn wir begehren, wenn die Lust empfinden.
00:27:19: Aber fühlen wir uns noch lebendiger, wenn etwas zum Zwang wird?
00:27:25: Wenn etwas mir schadet oder noch schlechter jemand anderem schadete?
00:27:32: Wenn ich aus dem nicht mehr herauskomme?
00:27:34: Wenn was zu sucht wird?
00:27:38: Wo ich eben nicht mehr ... bei mir selber bin, nicht mehr im Miteinander mit anderen Menschen sein kann und damit dann auch von Gott weg bin.
00:27:49: Das alles würde ich auf jeden Fall unter Wolllust als sogenannte Totsünde
00:27:56: subsumieren.".
00:27:57: Soweit ein Auszug aus dem Hörbuch die sieben Totsünden und dem Kapitel Wollluß daraus entstanden – mit dem gleichnamigen Buch von Daniel Uchtmann bei Cisecrant.
00:28:08: Informationen dazu gibt es im Internet unter www.sisi-grunt.com.
00:28:14: slash works slash die minus sieben minus Totsünden.
Neuer Kommentar