per- 260811#Todsünden_Hochmut

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00:00:00: Zu den Perspektiven.

00:00:01: heute begrüßt sich Stefan Hauser.

00:00:03: Wir gehen wie in den vergangenen Wochen Dienstags weiter mit den sieben Todsünden.

00:00:09: Der Kulturvermittler Daniel Uchtmann, er ist im Wiener Kunsthistorischen Museum tätig hat sich intensiv mit diesen auseinandergesetzt.

00:00:17: Er hat das Buch geschrieben bzw recherchiert dass Bessisi Grand der Schienen ist.

00:00:22: Sieben Todshünden, sieben Kunstwerke, sieb Menschen und eine Reise.

00:00:28: Dazu gibt es auch ein Hörbuch, aus dem wir dankenswerterweise die Original-Töne für diese Sendung verwenden.

00:00:34: Alle bisherigen Sendungen können Sie kurz vor meinem Podcast der Perspektiven hören!

00:00:39: Das Hörbuch bei Sissigand bittet jeweils das ganze Interview.

00:00:43: Was sind die sogenannten sieben Todsünden?

00:00:46: Gier Drehkeit Zaun Hochmut Neid Wollust und Maßlosigkeit.

00:00:52: Woher kommen sie?

00:00:53: Der Wüstenvater Evangelius Ponticus, erlebte von drehundertfünfundvierzig bis drehundertneunundneinzig.

00:00:59: Er fand das Konzept der Sieben Todsünden nicht direkt sondern erstellte einen Katalog aus acht Grundlegenden Lastern.

00:01:07: Er verstand diese als böse Gedanken die von Demonen gesandt wurden um Mönche in der Wüste von der Inneren Ohre abzulenken.

00:01:16: In der heutigen Ausgabe geht es um den Hochmut und damit ergeht das Wort an Daniel Uchtmann.

00:01:45: weil der hochmütige Mensch, der sich selbst an die erste, an die einzig wichtige Stelle setzt den moralischen Kompass verliert.

00:01:53: Er macht sich selbst zum Maßstab aller Dinge und von diesem Standpunkt aus wird jedes andere Laster nicht nur möglich sondern fast schon logisch.

00:02:03: Am Hochmut wird auch eine wichtige Eigenheit der Todsünden klar erkennbar, die sie von normalen Sünden unterscheidet.

00:02:12: Die Todsünden beschreiben keine einzelne Tat, sondern einen tiefgreifenden Habitus.

00:02:18: Eine Haltung des Herzens!

00:02:20: Man kann fast sagen es ist ein Lifestyle.

00:02:23: Manchen Menschen sieht man um beim Hochmut zu bleiben diese Sünde direkt ins Gesicht geschrieben.

00:02:29: der Ausdruck hochnäsig kommt ja nicht von ungefähr.

00:02:33: Der Hochmut ist auch ein beliebtes Motiv in der Kunst.

00:02:37: das hat einen einfachen Grund Kaum ein anderes Laster hat eine so dramatische und visuell eindrucksvolle Konsequenz.

00:02:46: Die Kunst liebt Geschichten vom Scheitern, und wählt daher oft große Erzählungen um dies zu illustrieren.

00:02:54: Der Sturzlutzifas des Engels der sich gegen Gott erhebt ist einer dieser ultimativen Darstellungen.

00:03:03: Aber auch Darstellungen griechischer Mythen, wie der Sturz des Fäthon, der sich den Sonnenwagen seines Vaters Helios ausleit und dann vom Blitz getroffen, vom Himmel fällt.

00:03:14: Oder Icarus, der zu hoch fliegt und damit der Sonne zu nahe kommt – das sind alles gerne verwendete Motive!

00:03:22: Daneben entwickelten sich aber auch subtilere Symbole.

00:03:26: Die Superbia wurde oft als Person dargestellt die in einen Spiegel blickt.

00:03:32: Gefangen in ihrer Selbstliebe kann sie nur noch sich selbst sehen.

00:03:37: All diese Darstellungen zeigen die Sünde, aber fast immer auch deren Bestrafung.

00:03:43: Sie sind die visuelle Umsetzung des Sprichworts Hochmut kommt vor dem Fall.

00:03:49: Ich persönlich – das muss ich hier gestehen – mag den Hochmut gerne nicht als Lebenshaltung sondern weil durch ihn inspiriert einige der großartigsten Kunstwerke geschaffen wurden.

00:04:01: Das beweist sich auch im Kunstwerk, dass Daniel Uchtmann zur Auslegung von Hochmut ausgewählt hat.

00:04:07: Es geht dabei wieder um ein Werk aus dem Wiener Kunsthistorischen Museum.

00:04:11: Mein absolutes Lieblingsbild zu dieser Sünde ist der Turmbau-Zo Babel von Peter Bräugl dem Älteren – ein Meisterwerk menschlicher Anmaßungen das seinesgleichen sucht!

00:04:24: Der Turmbausso Babel ist der Versuch eine Grenze zu durchbrechen.

00:04:28: Der Mensch will über die eigenen menschlichen Grenzen hinauswachsen und verliert dabei jegliche Demut vor der Natur – und ja auch vor Gott.

00:04:38: Dieses

00:04:39: Bild ist eines der bedeutendsten Bilder, die es überhaupt gibt!

00:04:43: Und die dargestellte Geschichte ist gerade zu dem Inbegriff der Sünde Hochmut.

00:04:48: Der Turmbau zur Babel von Peter Bräugeld im Älteren, Die Geschichte vom Turmbau spielt nach der Sintflut, bei der Gott schon einmal fast die gesamte Menschheit ausgelöscht hatte.

00:05:03: Nur Noah und seine Familie hatten überlebt, wurden wieder zahlreich – und dieses neue große Volk beschließt nun sich einen Turm zu bauen um sich wie es in der Bibel heißt eine Namen zu machen.

00:05:18: Und das ist ja schon mal stolz!

00:05:21: Noch nicht Hochmut aber stolz.

00:05:23: Stolz muss ja nicht immer negativ sein.

00:05:26: Man kann stolz sein auf bestimmte Leistungen.

00:05:29: Aber Hochmut ist eben das, was nach dem Stolz kommt!

00:05:33: Diese Menschen wollen Gott näher sein.

00:05:36: Deswegen bauen sie sich einen Turm der bis in den Himmel reicht um sich ihm räumlich zu nähern.

00:05:42: Sie maßen sich an aus eigener Kraft in den himmel zu kommen.

00:05:46: Sie nehmen Gott die Entscheidung ab und machen sich durch dieses Vorhaben quasi gottgleich.

00:05:52: Kunstvormitter Daniel Uchtmann mit Erläuterungen

00:05:55: Oben links am Bild, am Himmel braut sich das Wegen schon schlechte Stimmung zusammen.

00:06:00: Die Wolken ziehen sich zu Gott Gerät in Zorn.

00:06:04: Wobei beginnen wir mit dem Turm.

00:06:07: Bräugel zeigt uns auf den ersten Blick dass dieses Projekt scheitern muss!

00:06:12: Denn man hat sofort das Gefühl der Turm ist unvollendbar.

00:06:16: Würde man sich vorstellen dass er nach oben hin spitzt wie eine Nadel zulaufen würde hätten wir jetzt noch nicht einmal ein Drittel der Höhe erreicht.

00:06:25: Aber er kratzt jetzt schon fast am oberen Bildrand.

00:06:29: Allein kompositorisch signalisiert Bräugel, hier kann es nicht weitergehen!

00:06:35: Aber was für eine Monumentalität?

00:06:39: Der Turm ist wirklich über allemmaßen groß – was man auch im Vergleich zur Stadt im Hintergrund wahrnehmen kann.

00:06:46: Die Kirchtürme dort, im sechzehnten Jahrhundert die höchsten Bauten Europas wirken wie Spielzeughäuser Wobei man, wenn man genau hinsieht, erkennen kann dass sich der ganze Turm schon ein wenig nach links neigt.

00:07:02: Würde er umfallen würde er auf die Stadt fallen.

00:07:06: Bereugelt zitiert hier vielleicht zeitgenössische Ereignisse.

00:07:10: Unweit von Antwerpen hatte man in Beauvais in Frankreich eine Kathedrale gebaut, die so hoch war das die Statik nicht mehr funktionierte und sie teilweise einstürzte.

00:07:22: Man hatte sich einfach zu viel vorgenommen.

00:07:26: Der riesige Baukran auf dem Turm, der von Menschen wie in einem Hamsterrad betrieben wird erinnert an den Kölner Dom dessen Bau im sechzehnten Jahrhundert für lange Zeit stockte weil das Projekt zu groß gedacht war.

00:07:40: Auf dem Stumpf des südlichen Turms war ein solcher Kran für Jahrhunderte das Wahrzeichen der Stadt Wobei, von der Neigung abgesehen hätte der Turm ja eine große Standfestigkeit denn er ist auf einen Felsen gebaut.

00:07:57: Doch selbst dieser Fels – das Fundament, der Natur wird von den Menschen behauen!

00:08:03: Da haben wir wieder den Hochmut und eigentlich auch Bräugels Lieblingsthema.

00:08:07: Der Mensch hat Grenzen die ihm gesetzt sind durch die Natur gesetzt weil Gott das so will, weil Gott es so eingerichtet.

00:08:16: Aber der Mensch versucht ständig, diese Grenzen zu verschieben.

00:08:20: Aber irgendwo – so sagt uns das Bild – muss Schluss sein!

00:08:23: Der Turmsodane lucht man, Reitzer ist eine Anmaßung auf allen Ebenen.

00:08:28: Vorne links auf der Baustelle der Steinmetze sehen sie König Nimrodt, der seine Arbeiter besucht.

00:08:36: Ein Steinmetz hat sich vor ihm auf beide Knie niedergelassen und die Hände zur einer Gebetshaltung geformt.

00:08:43: Für den Menschen des sechzehnten Jahrhunderts war klar, das macht man nicht vor einem Menschen.

00:08:48: Das macht man nur vor Gott.

00:08:50: Auf beiden Knien die Hände zum Gebet gefaltet?

00:08:54: Das ist eine Anbetungshaltung vor Gott!

00:08:57: Der König der stellvertretend für das ganze Gemeinwesen steht nimmt für sich also göttliche Rechte in Anspruch und personifiziert den Hochmut des gesamten

00:09:07: Projekts.".

00:09:09: Wenn wir nochmals auf die Architektur des Turmes schauen, fällt ihnen vielleicht noch etwas auf.

00:09:14: Er ähnelt dem Kolosseum in Rom, erkennbar an der typischen Bogenarchitektu und auch der charakteristischen Bruchkante oben – aber er kopiert dieses Gebäude nicht einfach nur, Wenn wir uns das Innere anschauen, sehen wir dass die unzähligen Eingänge nicht zu benutzbaren Räumen führen sondern jeder Eingang direkt eine Stiege ist die Stall nach oben ins Zentrum führt.

00:09:45: Aber es ist ja klar wenn bei einem kreisrunden Gebäude von allen Seiten Gänge in den Zentrum führen müssen sie irgendwann so eng werden dass man da sowieso nicht mehr durchpasst.

00:09:56: Bräugel erfindet also eine Architektur, die von vornherein völlig sinnlos ist.

00:10:03: Das was wir sehen, ist nicht nur meisterhaft gemalt – es ist eine geniale intellektuelle Leistung, die erst erdacht werden musste!

00:10:14: Ganz unten auf dem großen Steinblock bei den Steinmetzen hat Bräugel sein Werk signiert.

00:10:20: Sein Werkzeug so scheint es ist nicht der Pinsel sondern Hammer und Meißel als wäre er selbst einer der Baumeister.

00:10:28: Eine intelligente Geste, denn ja ist ja der Schöpfer dieses Turms und vielleicht fragt er sich damit auch selbstkritisch.

00:10:37: bin ich auch hochmütig mir ein derartiges Thema vorzunehmen und Gefahr zu laufen es nicht gut darzustellen?

00:10:44: Bräugel sucht man, was sich seiner eigenen Anmassungen durchaus bewusst.

00:10:48: Sein Bild sei nicht nur eine Metapher für die Menschheit im Großen sondern gelt ja auch für jedes Individuum im Kleinen und so auch für ihn selbst.

00:10:57: Damit der Übergang zur Person dir trifft in Bezug auf die Todsünde Hochmut

00:11:02: Die Superbia beginnt zuerst dem Herzen des Einzelnen zu wirken In unserem alltäglichen Streben den eigenen kleinen Turm zu bauen und das eigene Leben in eine heldenhafte Erzählung zu verwandeln.

00:11:16: Genau deswegen habe ich mich für dieses Kapitel auf die Suche nach einem Menschen gemacht, dem ich – ich hoffe er verzeiht mir das jetzt – genau so eine Überheblichkeit unterstellt

00:11:27: habe.".

00:11:30: Ich besuchte einen Mann der nicht Türme in die Höhe baut sondern der ins Tiefe geht und auch dort grenzenüberschreitet.

00:11:39: Kannst du mich mitnehmen auf die Reise unter die Wasseroberfläche?

00:11:44: Was ist das dort und wie fühlt sich das

00:11:47: an?".

00:11:47: Ein Mann, der für die Beantwortung meiner Fragen wie kein anderer geeignet schien.

00:11:51: Einen Pionier des Extremtauchens.

00:11:54: Der als erster Mensch den Ärmelkanal unter Wasser durchquert hat – einer der erfahrensten Taucher der Welt.

00:12:01: Sein Name Achim Schlöffel.

00:12:05: Der Extremtaucher Achim Schlöffel taucht in kilometerlange geflutete Höhlensysteme, immer mit dem Risiko nicht mehr herauszukommen.

00:12:14: Oder wie bei seinem Weltrekord Tauchgang – da tauchte er auf sixty-fünf Kilometer lang nonstop durch eine der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt.

00:12:24: Du bleibst in einer Höhle stecken und dann gibt es eine einzige Geschichte die gefährlich ist nämlich dass du ausflippst Weil Panik unter Wasser tötet dich, weil Panik ist ein Fluchtinstinkt.

00:12:34: Das heißt wir denken nicht mehr rational sondern unser Körper will weglaufen wie das Reh aus dem Wald der Brennt.

00:12:39: da ist es gut und der Wasser funktioniert es halt nicht.

00:12:41: Es bringt dich um!

00:12:42: Insofern kommt's eigentlich in allererster Linie darauf an sich eben nicht in Situationen zu begeben denen du psychisch nicht gewachsen bist.

00:12:51: Und dann musste ich halt langsam ran passten.

00:12:53: Achim Schlöpfel erlernte dass tauchen bereits im Alter von sieben Jahren als Autodidakt.

00:12:59: Er absolvierte mir als tausend Tauchgänge, bevor er eine offizielle Ausbildung durchlief.

00:13:04: In der Uni-Zweißen-Zwölf taucht Schlöffel von Tim Church in der Nähe von Dober in England nach Odresseele in Frankreich.

00:13:12: Dabei wird er durch die Strömung rund zehn Kilometer abgetrieben – sein GPS-Gerät fällt wegen starkem Wellengang aus!

00:13:19: Die Tauchzeit beträgt circa acht Stunden plus hundertsechzig Minuten die Kompressionszeit.

00:13:25: Ich treffe ihn in Graz, Österreich Denn dort gibt es einen Turm, der mit Wasser gefüllt ist.

00:13:32: Er isst elf Meter hoch

00:13:33: ... Da steht

00:13:36: wohl eine Flasche und wir gehen ausfassen.

00:13:39: Elf Meter kann man in die Tiefe tauchen!

00:13:41: Für Achim ist das absolut lächerlich – für mich hingegen ist es eine erschreckende Vorstellung, dass ich ein kürze Elfmeter-Wasser über mir haben werde.

00:13:52: Dann geht ihr mal ...

00:13:55: Ich mach dann meine Aussichtung nicht fertig?

00:13:59: Ich brachte zu unserem Treffen auch eine gewisse Erwartungshaltung mit, keine gute wenn ich so ehrlich sein darf.

00:14:07: Denn ich hatte im Vorfeld seinen Buch gelesen.

00:14:10: es heißt der Tod taucht mit und auf praktisch jeder zweiten dritten Seite kommt er tot vor.

00:14:18: Er spricht von Menschen die ertrunken sind und Leichen die er geborgen hat aus tiefen Wasserhöhlen, aus dem Meer woher auch immer.

00:14:26: Es ist ein recht reißerisches Buch und am Ende dieses Buches hatte ich den Eindruck gewonnen, Achim Schlöffel ist ein Draufgänger.

00:14:34: Kurzum habe ich vermutet dass sich einen Mann treffe der so stolz darauf ist was er macht und der die Gefahr liebt, die Gefahre sucht.

00:14:43: aber im Gespräch wurde mir sehr bald klar das er ein Mann ist der Respekt hat und dabei sogar nicht stolz auf mich wirkte.

00:14:52: Er hat Respekt vor dem was er tut Und er weiß auch ganz genau, was er tut.

00:14:57: Nur für mich und wie viele andere klingt es eben extrem!

00:15:02: Also die Gefahr ist eine sehr subjektive Wahrnehmung wenn es um das Thema Tauchen geht weil für den Nicht-Taucher natürlich das Eindringen in eine Welt für die wir nicht gemacht sind als nicht Fische oder Amphibien Natürlich, und die Möglichkeit sozusagen nicht atmen zu können immer so ein bisschen beängstigend ist.

00:15:21: Letzten Endes ist Tauchen eine sehr, sehr sichere Aktivität.

00:15:25: also Die Fahrt im Auto zum Tauchplatz ist immer umweitaus gefährlicher als der Tauchgang selber.

00:15:32: Achim Schlöpfel schildert dem Gespräch mit Daniel Uchtmann von extremen Tauchgängen.

00:15:37: Extrem heißt für mich außerhalb

00:15:40: der

00:15:40: klassischen Norm.

00:15:41: Also wenn du heute Sporttauchen definiert bist Dreizig, vierzig Meter je nachdem wie du fragst.

00:15:48: Technisches Tauchen definiert sich als Du kannst nicht unmittelbar zur Oberfläche zurückkehren.

00:15:53: Wenn Du die anschaust was gelehrt wird endet das immer bei neunundneinzig Meter also Roundabout Das ist auch eine Versicherungsgeschichte ein bisschen.

00:16:00: und wenn Du dann Und wenn Du auch schaust was so was sich höhlentauching jetzt war es Beispiel Was was die der klassische von einem Verband ausgebildete Höhlen-Taucher macht, dann kannst du auch immer an so einen Kreis rumziehen.

00:16:17: Das ist der Bereich in dem sich das bewegt und wenn du anfängst diese Normen zu verlassen.

00:16:21: also wie gesagt das nächste Projekt was ich mache wo ich da suche es hat hundertsechzig Meter tief und als ich letztlich ein Fleurer war haben wir halt den Tauchgang gemacht, da sind wir halt mal drei Stunden in die Öle geschwommen und dann drei Stunden rausgeschwommen.

00:16:35: Da bist du auch weit weg von dem Üblicherweise gemacht wird.

00:16:39: Frax

00:16:40: sind im offenen Meer, da hat man über sich vielleicht noch das Licht aber eine Höhle ist nun wirklich etwas anderes.

00:16:46: Er erzählt dass es Gänge sind Schächte Durchgänge die nur so breit sind dass man da eben gerade noch so durchpasst.

00:16:54: und wenn man durch ist kann man nicht einfach schnell nach oben tauchen.

00:16:58: Man ist wirklich gefangen und es ist dunkel.

00:17:01: Da ist man zu hundert Prozent auf sein Equipment angewiesen Auf Licht.

00:17:06: Man muss Sauerstoffflaschen irgendwo deponieren, wenn man so lange in der Höhle ist dass man mit einer nicht auskommt.

00:17:13: Man muss zwischendurch das Licht ausmachen um Strom zu sparen denn man braucht auch Zeit zum dekomprimieren um den Körper wieder an eine Umgebung mit weniger Druck zu gewöhnen und das kann stunden dauern.

00:17:25: Extrem tauchen also.

00:17:26: wie kam es bei Achim Schlöffel daran Interesse zu finden?

00:17:30: Da gehen wir an seine jüngsten Jahre zurück.

00:17:34: Ich war schon als Baby irgendwie Wasseraffin.

00:17:36: Gibt ganz viele Bilder von mir in irgendwelchen Wannen, Seen, Schwimmbädern und was auch immer.

00:17:43: Meine Mutter sagt nochmal ich konnte schwimmen bevor ich laufen konnte.

00:17:45: Das tatsächlich buchstäblich so weiß ich nicht aber es hat mich immer fasziniert.

00:17:51: das war die Zeit als Gusto überall im Fernsehen war also die Unterwasserwelt plötzlich etwas Neues Spannendes war Die Bücher und Filme von Hans Haas Und ich bin als Kind schon im Leistungsschwimmen gewesen und da gab es in diesem Verein eine Taucher-Sektion, das war irgendwie ab zwölf oder ab vierzehn.

00:18:13: Ich weiß nicht mehr genau auf alle Fälle was sehr weit weg.

00:18:16: Und ich habe als Siebenjähriger beim Urlaub am Schnorcheln von einem Boot überfahren worden.

00:18:20: Gott sei Dank nichts passiert also ein paar kratzarm Rücken.

00:18:24: Dieser Bootsfahrer in ehemaliger Grieche, schon Marinooffizier hat sich dann quasi hat mir all diese Entschädigungen des Tauchen beigebracht für diesen Unfall, wenn man es denn so nennen möchte.

00:18:36: Und das war die Initialzündung und ich habe in diesem Urlaub die ersten dreißig Tauchgänge gemacht oder so und dann als Autodidakt immer weiter, immer weiter... Als ich mit sechzehn meinen ersten offiziellen Schein gemacht hab, hatte ich schon über tausend Tauch Gänge.

00:18:54: Das heißt der Moment der Initial Zündungen bevor das Tauchen angefangen ist?

00:18:57: Da wärst du auch schon fast bei drauf gegangen weil sich ein Boot über verändert?

00:19:00: Ja!

00:19:01: Aber du wurdest nicht von der Schraube erwischt?

00:19:03: Nein, nein.

00:19:03: Der hat mich also glitzendes Wasser merkennt bis du auf dem Wasser spielst und er hat mich im letzten Augenblick gesehen und Motor aus- und hat mich mitm Kiel eben quasi geschrampft.

00:19:13: und ja...

00:19:13: Wie alt warst du da?

00:19:15: Sieben Mit sieben hast du angefangen zu tauchen?

00:19:17: Ja Und es wurde deine Leidenschaft, dass der ein Beruf wurde?

00:19:21: Ja

00:19:22: Berufungen sozusagen nach.

00:19:24: Ja schon

00:19:27: Kannst Du das Gefühl erklären warum das Wasser und die Tiefe so eine Faszination auf dich ausübt.

00:19:34: Schwierig, die Frage kommt natürlich oft.

00:19:37: Der allererste Tauchgang den ich gemacht habe und den hab' ich heute noch bildlich vor mir als wäre gestern gewesen war über dreißig Meter aus heutiger Sicht völlig unverantwortlich für so ein Kind aber nichtsdestotrotz kristallklares Wasser unterlag auf dem hellen Sandboden einen zerbrochener Fischkutter Und das ist bis heute für mich der Sinnbild des Wracks.

00:20:03: also wenn du zu einem Kind sagst, wie stellst du dir ein Schiffsfrag vor?

00:20:08: Ich glaube das wäre das Bild, dass das Kind in seinem Kopf hat.

00:20:12: Das ist einfach perfekt gewesen!

00:20:13: Er weiß es an dieses zerbrochene Rollschiff die Spannten, die raus schauen Fische, die drum rum spielen, das Licht spielt drauf und das hat mich damals so dermaßen fasziniert.

00:20:22: Wie gesagt ich habe dieses Bild immer noch so lebendig vor mir als wir es gestern gewesen und ich hab über elf tausend Tauchgänge Und viele davon, an die ich mich nicht erinnern kann aber der ist immer noch präsent und ich weiß nicht welcher Knopf da gedrückt wurde.

00:20:35: Ja.

00:20:36: Extremes Tauchen ist wohl für die meisten unvorstellbar, die Tiefe, die Dunkelheit der Druck und das Gefühl weit weg von sicherem Boden zu sein.

00:20:45: Wie bereitet sich Achim Schlöffel darauf vor?

00:20:48: Und ist ihm die Gefahr klar?

00:20:50: Also ich habe längere und anspruchsvolle Tauchgengemacht in meinem Leben.

00:20:53: Es ist einfach so eine Geschichte, die ich abhaken wollte.

00:20:55: Das war immer so in der Agenda, diese Ernekanalgeschichte müsste es da noch machen.

00:20:58: Dann war's eben plötzlich möglich.

00:21:00: und dann bist du gemacht und meiner Frau versprochen Ich mache nichts dummes mehr.

00:21:03: danach

00:21:04: Hast du das Versprechen gehalten?

00:21:07: Das kommt drauf an, was man heißt dumm definiert.

00:21:09: D.h.,

00:21:09: du hast kein größeres Ziel noch vor Augen in dieser Hinsicht?

00:21:13: Nein ich bin danach mit allen möglichen konfrontiert worden ob ich durch Gibraltar oder von Malle nach Ibiza und was weiß ich nicht alles.

00:21:20: Das hat mich alles nicht interessiert weil also ich wollte da wieder ein Geschäft machen.

00:21:24: noch die Personen werden dir die meisten mehr hängen durch Querta oder irgendwie so Geschichten dass ich wollte zeigen dass es logistisch möglich ist dass es auch von mental möglich ist.

00:21:37: Und das habe ich und dann hab ich mich um andere Sachen gekümmert.

00:21:41: Mentalmöglich, wie bereitet man sich darauf vor?

00:21:44: Was muss man in Kauf nehmen?

00:21:46: Der Tod taucht mit ... Das ist ja wohl so.

00:21:50: Du musst davon ausgehen, wenn was schiefläuft, du brauchst einen Plan B oder C. Aber die Gefahr ist immer da.

00:21:59: Die Angst ist wichtig, oder?

00:22:03: Die Gefahr ist da, dass das was ich eingangs schon gesagt habe.

00:22:07: Ich glaube die Fahrt nach England war gefährlicher als der Tauchgang.

00:22:12: Angst muss da sein, Angst ist wichtig weil sie... ...die Emotion ist, die uns selber davor bewahrt dumme Dinge zu tun sag' ich immer.

00:22:24: Also jemand der mir erzählt er hat keine Angst es entweder irgendwie falsch vertratet oder er ist einfach dumm und lügt dich an.

00:22:30: Du brauchst diesen diesen Moment, wo dein Körper dir sagt oder deinen Kopf dir sagt was auch immer das Letzte eines auslöst stoppt nicht weiter.

00:22:40: Du bist außerhalb deiner Wohlfüllzone.

00:22:42: damit kann man natürlich spielen und arbeiten.

00:22:44: also ich bin auch jemand der gerne mal so ein Stück außer der Komfortzone raus geht um einfach zu sehen wie weit kann ich gehen.

00:22:52: aber du musst natürlich den Punkt finden oder sagst jetzt ist es aber gut jetzt muss sich stoppen.

00:22:58: wer diese Hemmschwelle nicht hat Der wird irgendwann sterben.

00:23:03: Es gibt so einen schönen alten Spruch, es gibt alte und es gibt mutige Hüllentaucher aber es gibt keine alten mutigen Hüllend.

00:23:08: Das ist genau die Geschichte.

00:23:11: insofern Angst das wichtig ist bei uns nur kulturell leider sehr negativ

00:23:15: belegt.".

00:23:15: In der Folge erzählt Achim Schlöffel dem Autor Daniel Uchtmann über seinen Tauchgang über den Atlantik.

00:23:29: Also die direkte Distanz zwischen den beiden Punkten ist thirty-four Kilometer.

00:23:35: Das ist die Distanz, die die Amelkanal Schwimmer auch zurücklegen von Shakespeare Bay nach Cap Griné an thirty-three vier irgendwie so in der Größenordnung und ich bin effektiv getaucht glaube ich fünfundsechzig.

00:23:47: Was begegnet da einem Unterwasser?

00:23:50: Container, die irgendwo herum schwimmen.

00:23:53: Haie wird man wohl nicht erwarten müssen.

00:23:56: aber Schiffe wie hört sich ein Schiff an wenn es übereim im Weg fährt?

00:24:00: Also es ist die meist befahrene Schifffahrtsstraße der Welt.

00:24:04: Das ist auch so ein bisschen die Herausforderung, es ist ein unglaublich dreckiges Stück mehr und der Gegensatz ist so extrem.

00:24:15: wenn du heute Shakespeare Bay oder Cap Griné am Strand stehst denkt man sich so das ist aber hübsch hier da könnte man auch Urlaub machen.

00:24:21: dann geht man ins Wasser und dann stellt man relativ schnell fest dass natürlich diese Unmenge an Schiffen und diese industrielle Nutzung dieses Stück Wassers also tatsächlich kaputt gemacht hat.

00:24:33: Ich habe glaube ich in dem ganzen Tauchgang eine oder zwei Fische gesehen, die so fingerlang waren.

00:24:37: Meine größte Sorge in diesem Ärmelkanal-Tauchgang war tatsächlich dass sich in irgendwas reinrumpel was ein Problem wird.

00:24:45: Also ich war mit diesem Scooter, mit diesem Zuggerät unterwegs nicht taucher jeder hat mal einen James Bond Film gesehen wurde hinter so einem propeller getriebenen Torpedo hängt.

00:24:54: so muss man sich das vorstellen Und ich war mit diesem Ding richtig schnell unterwegs.

00:24:58: Der hat also Geschwindigkeiten so bis zu ca.

00:25:00: ... ... das ist unter Wasser ordentlich, ... ... ungefähr zu ca... und wenn du im Freivasser bist, sprich nicht irgendwo über dem Boden, also keine visuelle Referenz hast kannst du nicht sehen wie weit du siehst.

00:25:16: Vor dir ist nur blau oder grau oder was da immer aber solange da nichts auftaucht weißt du nichts?

00:25:21: Guckst du zwei Meter oder zwanzig Meter das kannst du schlecht sagen.

00:25:24: demzufolge hast du auch keine Vorstellung, wie viel Zeit dir bis zum Einschlag bleibt.

00:25:29: Und ich hatte das eben so ein blauer Euro Container, so einen klassischen Schifffahrtscontainer der halt irgendwo von einem Schiff gefallen ist und so neutral war dass er halt in einer paar Meter Tiefe da sucht entlang getrieben ist, an den nähen werde ich fast reingeknallt und dann habe ich wirklich im letzten Augenblick gesehen.

00:25:45: Und dann bist du natürlich noch mehr im Alert-Modus weil du denkst so scheiße den habe ich so knapp gesehen.

00:25:50: wer weiß was da noch kommt.

00:25:52: und also ich glaube eine Woche bevor ich den Tauchgang gemacht hab hat man ist ein großes Schiff in einem Netz hängen geblieben das da getrieben is und das war eigentlich meine größte Sorge dass sich Full Speed in so ein riesiges Fischernetz knallen und es über mir zusammenschlägt.

00:26:09: Das ist tatsächlich etwas, was man nicht braucht.

00:26:12: Insofern... Du

00:26:13: hast einen Messer dabei?

00:26:14: Du hast ein Messer da bei, aber es ist sicher auch so einem industriellen Netz rauszuschneiden noch dazu wenn du viel Ausrüstung hast und dich die Strömungen weiter treibt und quasi bisschen die Kontrolle verlierst, ist sicherlich eine echte Herausforderung.

00:26:29: Also da hatte ich ernste Bedenken, das war auch mit Messern bestückt wie nochmal was.

00:26:35: Ich glaube in jedem Körper teilt mindestens eins, dass ich irgendwie hätte erreichen können.

00:26:40: Von dem her ansonsten viel Dreck, viel Ölklumpenverunreinigungen, Plastik.

00:26:47: Alles Mögliche was man nicht sehen will im Wasser.

00:26:50: und die Schiffe sind also waren für mich mehr ein psychologisches Thema weil du natürlich zum einen weißt du kannst nicht auftauchen das bringt dich sicher um weil dir auch nicht ausweichen können selbst wenn du heute vor so einem Pott auftauchst und ich bin da sagt ja schön aber

00:27:07: kann ja nicht bremsen.

00:27:08: Du hast diesen unsagbaren Lärm

00:27:11: und

00:27:12: die Vibrationen.

00:27:13: Und das ist ganz lustig, aber der Lärmen war mir natürlich bewusst.

00:27:15: also ich hatte vorher auch schon mal einen Schiff unter Wasser gehört... Aber diese großen Pötter verursachen eine unglaubliche Vibation im Wasser!

00:27:23: Du spürst die mehr als dass du sie hörst?

00:27:25: Ist nach dem Schlöpfer wirklich ein Beispiel für die totzündige

00:27:27: Hochmut?!

00:27:28: Dazu lassen wir Daniel Uchtmann folgendes überlegen.

00:27:32: Fühlst du dich klein wenn du tiefe mehr bist?

00:27:35: Ja.

00:27:36: Ich habe... Viele Fotos gemacht, das ist auch ein großer Aspekt meiner Taucherei.

00:27:42: Das ist die Fotografie wo du durch extremen Weidwinkel ein ganzes Wrack, ein ganzer Riff und dann siehst du irgendwo den musst du suchen auf dem Bild diesen ganz kleinen Taucher und es bringt so ein bisschen dieses Gefühl wieder wie klein wird tatsächlich in diesem Universum sind und eben auch in dieser Unterwasserwelt.

00:28:02: Es ist erstaunlich.

00:28:04: Bevor ich Achim getroffen und ein bisschen über ihn gelesen habe, klang das alles so reißerisch und hochmütig.

00:28:11: Und man kann sich als Laie überhaupt nicht vorstellen, dass es nicht hochmüthig sein könnte, sich immer

00:28:17: und immer

00:28:17: wieder in solche Situationen zu begeben.

00:28:20: Aber er begegnet diesem Extremen mit einer großen Demut die sich in Vorbereitung und dem Bewusstsein der Gefahr ausdrückt.

00:28:28: Das ist glaube ich ein ganz wichtiger Punkt.

00:28:31: Es ist ihm sehr wichtig zu sagen Ich weiß, was ich da tue.

00:28:35: Ich weiß dass ich das nicht auf die leichte Schulter nehme und ich bereite mich darauf vor.

00:28:41: Er rennt nicht ins Ungewisse und er baut nicht den Höhen hinauf, wie er nicht mehr kontrollieren

00:28:46: kann.".

00:28:58: So einen Auszug aus dem Hörbuch Die Sieben Todsünden und dem Kapitel Hochmut entstanden mit dem gleichnamigen Buch bei Sisycrant.

00:29:06: Infos unter www.sissigrant.com-works-d-sieben-tozünden.

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