Passionswege: Ein Leben nach zwei Toden

Shownotes

Zwei Tode prägen **Christine Hubkas **Leben: zuerst der Vater, dann ihr Mann.

**Mit 27 Jahren steht Christine Hubka plötzlich allein da **– mit einer fünfjährigen Tochter und einem Baby. Ihr Mann stirbt bei einer Urlaubsreise in Norwegen, getötet von einem Eisbären. Ein Schock. Und der Beginn eines Lebens, das von einem Tag auf den anderen völlig anders ist.

Viele Jahre später begleitet sie als **evangelische Pfarrerin **selbst Menschen in Trauer. Aus eigener Erfahrung weiß Christine Hubka, was wirklich hilft – und was nicht:

„Am meisten hilft, wenn jemand fragt: Wie geht es dir – und dann aushält, was kommt.“

Warum gut gemeinte Sätze oft ins Leere gehen. Warum „Beileid“ manchmal mehr den Sprechenden entlastet als die Trauernden. Und warum das Einfachste oft das Schwerste ist:

Fragen. Zuhören. Da sein.

In dieser Sendung zu hören:

  • Aufzählungs-TextWie es ist, plötzlich alles alleine tragen zu müssen
  • Aufzählungs-TextWarum viele gängige Reaktionen auf Trauer nicht helfen
  • Aufzählungs-TextWas Trauernde wirklich brauchen
  • Aufzählungs-TextWie man Menschen in schweren Zeiten andere gut begleiten kann

Buchtipp:

Christine Hubka: Mehr als Beileid. So können wir Trauernde in schweren Zeiten begleiten. Tyrolia-Verlag, 136 Seiten ISBN: 978-3-7022-4212-1

Gestaltung der Sendung:

Eine Sendung von Gerlinde Petric-Wallner

Transkript anzeigen

00:00:07: Als Kind wurde Christine Hubka von allem, was mit Tod und Trauer zu tun hat, aktiv ferngehalten.

00:00:13: Einen Friedhof durfte sie nicht betreten.

00:00:17: Neunzehn Jahre alt ist sie als sie zum ersten Mal auf einem Friedhof steht beim Begräbnis ihres Vaters in Wien.

00:00:24: Elf Jahre später stirbt auch ihr Mann in Norwegen.

00:00:28: Christine Hubker ist damals siebenundzwanzig Jahre alt und Mutter von zwei Kindern.

00:00:33: Von einem Tag auf den nächsten ist sie mit den beiden kleinen Kindern alleine.

00:00:38: Heute ist Christine Hupkaer, und begleitet als evangelische Pfarrerin im Ruhestand selbst Menschen, die einen Menschen verloren haben.

00:00:48: Wie trauernden Beistehen?

00:00:51: Es ist das Konkrete Das Simple Das Einfache, dass hilfreich ist.

00:00:57: Weiß-Hupkas eigener Erfahrung Fragen Zuhören

00:01:02: Dasein Eine Sendung von wie mein Mann gestorben ist.

00:01:18: Das war völlig unerwartet, weil es ein Unfall war und rund um mich herum die wildesten Reaktionen der Leute.

00:01:29: Es war ein bisschen ein spektakulärer Unfall.

00:01:32: Die Leute haben sich da hingestürzt in die Art und Weise, wie er verstorben.

00:01:41: Alles sehr merkwürdig rund um mich herum und ich bin nicht vorgekommen in der ganzen Geschichte.

00:01:53: Mir war die Todesart wurscht, wenn das ein Autounfall gewesen wäre oder wenn er in der Nacht einen Herzinfarkt gekriegt hätte wird das Ergebnis für uns das Gleiche gewesen.

00:02:07: Ich bin mit den Kindern allein und muss jetzt irgendwie schauen wie ich zurechtkomme.

00:02:16: Es ist nicht der erste Verluster eines geliebten Menschen, denen Christine Hubka damals erlebt hat.

00:02:21: Siebenundzwanzig Jahre alt ist sie, als sie mit den beiden Kindern alleine dasteht.

00:02:27: Was folgt sind Jahre des Überlebens – das funktionieren's!

00:02:32: Jahre in denen kein Platz ist für die unendlich große Trauer in ihr.

00:02:41: Heute ist Christine Hupker seventy-six, ist als evangelische Pfarrerin mittlerweile im Ruhestand, ist Gefängnisseelsorgerin und Autorin und hilft anderen Menschen, die einen geliebten Menschen verloren haben.

00:02:55: Wie damit umgehen?

00:02:57: Was hilft Trauernden wirklich?

00:03:00: Was nicht.

00:03:08: Ich bin als Kind von allem, was mit Tod und Trauer zu tun hat

00:03:14: aktiv

00:03:15: ferngehalten worden.

00:03:17: Christine Hupker wächst in Wien auf Begräbnisse, Friedhöfe – alles rund um Tod, weil ihrer Kind ein Tabu hat.

00:03:25: Bis hin, dass ich als Kind nie einen Friedhof betreten durfte.

00:03:32: Und da gab es diese merkwürdige Situation alle Jahre wieder in der Volksschule.

00:03:37: Da musste man dann eine Geschichte schreiben, ein Friedhofsbesuch so rund um Allerheiligen und ich saß dort und wusste nichts zu schreiben.

00:03:47: Ich weiß es nicht!

00:03:49: Ich war noch nie auf einem Friedhof und das Verrückte war die Lehrerin hat mir das nicht geglaubt.

00:03:53: Er dachte, ich bin faul.

00:03:56: Dann habe ich halt irgendwas zusammengedichtet Und wie mein Geigenlehrer gestorben ist, ich bin in die Geigenstunde gegangen.

00:04:03: Da war ich acht oder neun Jahre alt und da stand es dann an der Tür wo die Gegenstunde hätte stattfinden sollen.

00:04:13: Herr Professor sowieso ist verstorben Es finden keine Stunden statt.

00:04:21: Ich habe überhaupt nicht gewusst was ich jetzt machen soll.

00:04:24: Rat-und Hilflos angesichts des Todes Das ist Christine Hubka auch, als sie zum allerersten Mal in ihrem Leben auf einem Friedhof steht.

00:04:46: Auf einmal das!

00:04:59: Und ich wusste echt nicht, wie mir geschieht.

00:05:09: Bei ihren eigenen Kindern wird Christine Hubka das anders machen.

00:05:13: Sie ist

00:05:14: siebenundzwanzig Jahre alt als sie plötzlich Witwe wird aber dazu später mehr.

00:05:25: Wie hat Christine Hubke ihren zukünftigen Mann?

00:05:27: Wie hat sie Bernd Hubka überhaupt kennengelernt?

00:05:33: Meine Matura-Klasse Im November, glaube ich.

00:05:38: Also vor Weihnachten war das noch damals den Matura-Ball gemacht und er war kurz vor seinen Rigger Rosen auf der... Damals ist es Hochschule für Welthandel also heute Wirtschaftsunni Und wir haben überall Plakate hingepickt offenbar auch auf die EU was mir nicht bewusst war.

00:06:04: und dann ist er mit zwei Freunden Gekommen und haben es gefunden.

00:06:08: Also bevor sie sich jetzt ins Lernen für die Rigorosen stürzen, machen Sie noch einmal Party!

00:06:15: Das war's.

00:06:17: Da haben wir uns kennengelernt ja... Und dann war das eine Freundschaft und ich habe dann Matura gemacht und es ist halt langsam immer intensiver geworden Und eigentlich hätte ich nach der Matura, wäre ich gerne nach Frankreich als Oper gegangen und dann war ich aber schon über beide Ohren so verliebt, dass ich das nicht gemacht habe sondern da geblieben bin.

00:06:48: Weil ich mir nicht vorstellen konnte wenn ich jetzt wegfahre ein Jahr wer weiß was draus wird.

00:06:55: ja und dann haben wir geheiratet wie ich neunzehn war.

00:06:58: Damals, in den Sechziger-Siebzigerjahren war das kein ungewöhnliches Heiratsalter.

00:07:03: Das Weinmännerklasse ich war nicht die Erste, die geheiratet hat.

00:07:10: Ich glaube mit Zweiundzwanzig waren alle verheiratete.

00:07:13: Wir waren achtzehn Mädels bei der Matura und ich glaube, die, die überhaupt je geheirattet haben, waren

00:07:21: mit ... Zwei Jahre nach ihrer Hochzeit kommt das erste Kind der beiden auf die Welt.

00:07:28: eine Tochter Von Anfang an ist Bernd Hubka ein moderner Vater, erzählt Christine Hubka.

00:07:34: Was war ihr Mann sonst so für einen Mensch?

00:07:37: Also er war sehr sportlich, Skifahrer, Kletterer, Bergsteiger, Wanderer und er war sicher für die Männer seiner Generation schon irrsinnig emanzipiert.

00:07:53: ich sag's mal so also wie dann das Kind da war, es war ganz klar dass er sich gewickelt hat und gebadet hat.

00:08:03: Und noch alles gemacht hat, außer gestillt!

00:08:07: Also das war nie auch nur eine Diskussion oder eine Frage.

00:08:12: Das war von Anfang an klar.

00:08:15: Interessanterweise gekocht habe ich immer nur ich aber ich glaube nur deswegen, weil ich das auch wollte.

00:08:24: also... Ich hab kochen können und ich habe gern gekoacht Hat mir Spaß gemacht.

00:08:34: Ich glaube nicht, dass er je irgendetwas gekocht hat.

00:08:40: Und dann war er ein Supervater.

00:08:44: Er ist mit meiner Tochter heute, würde ich sagen, verrückt und eigentlich deppert.

00:08:51: Aber damals und grundsätzlich, da war sie drei oder vier ... Da hat er die Wäsche alleine geschnappt und es mit ihr klettern gegangen und hat sie mit der Wäscheleine angeleint.

00:09:05: Also, bis es schon schräg ist.

00:09:09: Na gut!

00:09:11: Aber solche Sachen hat er gemacht – mit dir.

00:09:15: Und Skifahren ist er gegangen hier.

00:09:18: Rund

00:09:18: vier Jahre später ist Christine Hubka wieder schwanger.

00:09:21: Das Familienglück scheint perfekt, bis Christine Hubko im dritten Monat der Schwangerschaft mit einer schweren Diagnose konfrontiert wird.

00:09:29: In der Schwangerschaft hatte ich Krebs Also hatte ich einen Melanom mit einer Prognose von zehn Prozent über Lebenschance und dann haben wir uns erst einmal drüber unterhalten, ob er bereit ist.

00:09:45: Also unter Umständen als alleinerziehender Vater von zwei Kindern übrig zu bleiben wenn nicht die sich Schwangerschaft austrage.

00:09:53: also es war.

00:09:54: Die einen Ärzte haben gesagt Schwangerschaft abbrechen und die anderen haben gesagt, wenn es je ein Kind ist dann ist das jetzt so gefährlich wie in fünf Jahren.

00:10:03: Christine Hubka bereitet ihre Mann auf das Schlimmste vor.

00:10:06: Fragt ihn ob er sich das überhaupt vorstellen könne mit zwei kleinen Kindern alleine zu sein?

00:10:11: Er hat ja gesagt bleibt mal bei der Schwangersschaft.

00:10:15: also ganz im meinem Sinn ich wollte sie auch Echt keinen Stress gemacht.

00:10:24: Ich hab wirklich ihn gefragt, habe ihm nicht gesagt wie ich dazu stehe und erst nachdem er gesagt hat, dass er glaube ich bis zuletzt nicht, also er hat es irgendwie nicht realisiert wie an der Kippe ich gewesen bin gelebt habe oder wie die Diagnose halt gemeint hat.

00:10:49: Also das... hat er glaube ich echt weit weggeschoben.

00:11:31: Ich bin dann behandelt worden und war halt schwach, ich bin operiert worden eine Riesenoperation mit und Lymphdrüsen in großen Mengen weg und Hot Transplantation und ja... Und das war damals ganz schlecht zu behandeln.

00:11:48: Da sind die Leute rein, weil sie dran gestorben.

00:11:52: Also Nämlich ganz viele auch Prominente und in unserem Freundeskreis auch Leute.

00:12:00: Wir haben gesehen, wie der aufräumt mit den Leuten.

00:12:04: Und ich war dann die ganze Schwangerschaft hin... Ich habe die ganze Zeit studiert, Theologie studiert und ich konnte zum Institut.

00:12:14: da gab es keinen Lift das war im dritten Stock.

00:12:17: Ich bin kaum diese Stiegen hinauf gekommen so schwach war ich Aber habe irgendwie so unbedingt keinen Semester verlieren wollen, weiter studieren wollen.

00:12:29: Christine Hubkörbit mit sich lieber freudigerem als ihrer Krebserkrankung versucht sich abzulenken.

00:12:35: Naja das war einfach auch mich mit etwas anderem beschäftigen, mit etwas was ich sehr gerne hatte und was mich fasziniert hat.

00:12:44: also einfach auch was angenehmes, was schönes, was ein Freuliches haben neben allem anderen.

00:12:52: Ja, so war das.

00:13:28: Hupker hat Glück!

00:13:29: Die Operation geht gut aus und infolge auch ihre Schwangerschaft.

00:13:34: Ein Sohn kommt auf die Welt.

00:13:36: Christine und Bernd Hupka sind überglücklich.

00:13:39: Auch beim Sohn ist ihr Mann ein präsenter und moderner Vater.

00:13:42: Er wickelt im Bogen, badet ihn, spielt mit seinem Kind Und schreibt daneben an seiner Habilitation.

00:14:34: Es isst der Sommer als in Christine Hupkers Leben eine Welt zusammenbricht.

00:14:41: Ihr Mann hat eben seine Habilitation abgeschlossen und reist gemeinsam mit einer kleinen Gruppe nach Spitzbergen, in Norwegen.

00:14:49: Er hat seine Habiltationsschrift abgegeben, er war Universitätsassistent.

00:14:56: Hat die Habil fertig gemacht und ist dann mit Freunden weggefahren.

00:15:04: Und mir ist es wieder... Gut gegangen, ich hab Kind gehabt.

00:15:07: Ich habe mich energiemäßig auch der Fangen gehabt.

00:15:12: Also jetzt fahr mal kurz weg und mach Pause.

00:15:15: Und dann ist er nicht mehr

00:15:16: zurückgekommen.".

00:15:37: Ein Freund von Christine Hupker forscht dort im Norden – die Gegen- und auch Jahreszeit gilt eigentlich als Eisbierensicher.

00:15:50: Der hat da irgendwelche Aufträge gehabt und hat halt Leute eingeladen, ob sie mitfahren wollen.

00:15:57: Einfach weil ihm sonst allein zu Fahrt gewesen wäre.

00:16:01: Und ja, haben also mein Mann und eine seine Frau, seine beiden Kinder und noch ein Ehepaar mit zwei Kindern sind damit gefahren.

00:16:14: Die Regierung, die Norwegische, hat gesagt keine Waffen erlaubt Alles klar.

00:16:21: Es ist alles frei, es kann nichts

00:16:23: passieren.".

00:16:37: Die Waffe hätte auch nichts genützt weil er ist heraus aus dem Zelt und hat ihn schon erwischt.

00:16:53: Die Gruppe schläft in Zelten.

00:16:55: Bernd Hupke hört draußen außerhalb seines Zeltes ein Geräusch.

00:17:00: Und schaut nach...

00:17:01: Er war der erste, der was gehört hat.

00:17:04: Das war so in einer Morgendämmerung kam der Daher, der Eisbär und hat da irgendwie herum geschnüffelt.

00:17:15: Weiß ja nicht... Und dann hat er gehört, da draußen tut sich was und geht raus und zack!

00:17:26: Der hat ihn genommen und weggeschleppt.

00:17:31: Der hat sich dann geschlichen und hat ihn mitgenommen.

00:17:45: Die anderen sind raus und haben mit dem Bunsenbrenner auf den Eisbären losgegangen also mit so der Kartusche.

00:17:55: Also ich weiß das ja nur von mir Zählen und er hat sich

00:18:00: getreut.".

00:18:59: Währenddessen ist Christine Hupker mit den zwei kleinen Kindern, mit einer befreundeten Familie unterwegs macht Urlaub auf einem Bauernhof.

00:19:20: Es ist ein Julitag im Jahr nineteen sieben und siebzig als ein Schondarm kommt nach Christine Huppke fragt Und ihr sagt dass ihr Mann tot ist Getötet von einem Eisbären.

00:19:33: Also ich weiß, meine allererste Reaktion war trotz.

00:19:40: Und zwar, mich hatte gerade das vierte Semester Theologie-Studium.

00:19:45: Ich habe später angefangen zu studieren und es war Sommer, war Juli... Das war wirklich mein erster Gedanke!

00:19:57: Und ich werde weiterstudieren.

00:19:59: Jetzt weiß ich noch, ist völlig absurd weil in den Ferien der Studium war ja jetzt nicht gar so nah Das war, wurscht was es ist?

00:20:11: Ich mach das weiter.

00:20:14: Hab sie dann auch weitergemacht.

00:20:17: Das war das eine und das andere war.

00:20:24: irgendwie muss ich jetzt mit den Kindern... wir waren im Urlaub die Kinder und ich mit Freunden auf dem Bauernhof.

00:20:32: Ich muss meine Kinder zusammenpacken und weg nach Hause!

00:20:36: Ich will unbedingt nach Hause Weiß nicht, warum?

00:20:40: Weil was zu Hause anders ist als auf dem schönen Bauernhof.

00:20:44: Keine Ahnung!

00:20:46: Aber das war auch so ein Impuls aber vielleicht in den Schutzraum ins Gewohnte um überhaupt mich einzusammeln.

00:21:24: und ich weiß auch dass mir der Schandaum der die Nachricht gebracht hat unendlich Leid getan hat.

00:21:30: Dem ist schlecht gegangen, dem Mann also das habe Ich habe gedacht, der muss mir das jetzt sagen.

00:22:27: Ja unser Sohn war ein halbes Jahr als unsere Tochter fünf Jahre und ich auf einmal alleinerziehende Mutter und rund um mich herum die wildesten Reaktionen der Leute.

00:22:44: Die Leute haben sich da hingestürzt in die Art und Weise, wie er verstorben ist.

00:22:49: Und auf der einen Seite meine Schwiegereltern haben gesagt, jetzt muss die Kinder ins Heim geben und arbeiten gehen.

00:22:59: Ich habe damals Theologie studiert.

00:23:04: Meine Mutter hat sich betrunken.

00:23:10: Es war eigentlich ... Alles sehr merkwürdig, rund um mich herum und ich bin nicht vorgekommen in der ganzen Geschichte.

00:23:17: Die Schwiegermutter gibt ihr damals die Schuld am Tod des Sohnes.

00:23:21: Schließlich seines Jahr ihre Freunde gewesen mit denen Bernd Hubka unterwegs war.

00:23:26: Das hat mir meine Schwiegamutter nie verziehen.

00:23:30: Irgendwer muss ja schuld sein oder?

00:23:33: Die Menschen um Christine Hubka herum reagierten auf den Tod ihres Mannes so als ob sie sie und ihrer Kinder gar nicht wahrnehmen konnten oder wollten.

00:23:40: erinnert sich Hubka?

00:23:42: Für sie selbst war die Art und Weise, wie ihr zu Tode gekommen ist nicht von Bedeutung.

00:23:48: Wenn das ein Autounfall gewesen wäre oder wenn er in der Nacht einen Herzinfarkt gekriegt hätte, wird das Ergebnis für uns das Gleiche gewesen.

00:24:00: Ich bin mit den Kindern allein und muss jetzt irgendwie schauen, wie ich zurechtkomme.

00:25:04: Fünf Jahre alt ist ihre Tochter damals ein halbes Jahr alt.

00:25:07: der Sohn Hubka ist mit ihnen alleine Und mit ihrer Trauer Zu hören bekommt sie mit Untersätze, die ins Leere gehen.

00:25:58: Die Kinder werden in der Schule versagen, rauschgiftzüchtig und kriminell werden.

00:26:06: Das kam also von durchaus fachkundigen weiblichen Personen.

00:26:12: Und das war eigentlich das Ärgste!

00:26:15: Also sozusagen das Urteil in die Zukunft hinein über meine Kinder und mich dass das jetzt alles nur noch schief gehen kann

00:26:26: Als alleinerziehende Mutter sowieso keine Chance zu haben und den Kindern die gesamte Zukunft zu verbauen, diese Verurteilungen treffen Hubka damals besonders hart.

00:26:36: Keine Chance, weil da ist er kein Vater!

00:26:39: Weil du bist der Alleinerzieherin.

00:26:42: Ja also das is echt arg... Und dann hat mein Sohn ja in der siebten Klasse des Jahr wiederholt.

00:26:50: Da hat die Direktorin fest nachgeholfen, das wäre gar nicht nötig gewesen.

00:26:55: Aber gut hat ihm nicht geschadet.

00:26:58: und dann hat sie von sich gegeben, die Mutter wird mit ihm ja nicht mehr fertig.

00:27:06: Ich hatte nie die Absicht mit meinen Kindern fertig zu werden.

00:27:14: Wir haben eigentlich selbst in den eher wüsten Pubertetianen bei uns daheim.

00:27:24: Ich meine, wir haben funktioniert als ein dreier Team.

00:27:29: Sonst hätte der ganze Laden nicht funktioniert.

00:27:31: Ich war voll berufstätig als Pfarrerin und die Kinder haben gewusst okay ich bin da und wenn was ist dann bin ich da und vieles müssen sie allein und haben es auch gemacht.

00:27:45: Diese ganzen wilden Pubertätsanfälle haben wir gar nicht so erlebt außer dass sie halt ein bisschen schweigsamer geworden sind.

00:27:53: beide haben während der vierten Klassikgymnasium nichts mehr von sich erzählt.

00:27:58: Natürlich ist es ganz normal, dann erzählst du halt nix!

00:28:01: Wenn du das erzählen willst was denn wo ich bin?

00:28:05: Kannst dir kommen, ich höre dir schon zu.

00:28:07: Also ja wir waren ein Team... Das ist halt bei Alleinerziehenden funktioniert es anders das System weil sonst geht's nicht anders

00:28:50: Was er damals geholfen hätte.

00:29:03: Ich hätte gern gehabt, dass die Leute den Mund halten.

00:29:12: Also wenn ihnen schon nichts Gescheites einfallen zum Sagen und was soll man schon Gescheite sagen in der Situation dann bitte haltet es wenigstens den Mund!

00:29:23: Und versucht nicht irgendwelche großartigen Sprüche abzulassen.

00:29:29: also Schweigen hätten wir schon geholfen.

00:29:32: Doch es gab auch Hilfe für die gebrochene Familie von unerwarteter Seite.

00:29:38: Also ich habe ja auch erlebt, dass man mir geholfen hat.

00:29:41: Da war ein Ehepaar mit dem waren wir gar nicht so... also ich zumindest nicht zu wahnsinnig nahe.

00:29:48: es war ein... Ich weiß jetzt gar nicht mehr, Studienkollege von meinem Mann oder?

00:29:53: Nicht einmal das weiß ich!

00:29:54: Also so distanziert Und die sind gekommen und haben gesagt, weißt was?

00:30:01: Alle vierzehn Tage holen wir für einen von in der Früh bis am Abend die Kinder ab, dass du zum Schnaufen kommst.

00:30:10: Wusch!

00:30:11: Herrlich!

00:30:13: Ich hab manchmal die Stunden gezählt, bis die Kinder weg waren mit der böse Rabemutter.

00:30:20: Nein, ein völliger Schöpft.

00:30:22: Und dann – das weiß ich gar nicht so wahnsinnig lang haben die Kollegen von meinem Mann, der war Universitätsassistent kurz vor der Endhabilitation.

00:30:38: Und da hat der Assistentenverband damals im Versicherungsjahr nachgekauft weil er hatte diese fünfzehn Jahre Versicherungssahre noch nicht und die haben das nach gekauft wie auch immer keine Ahnung und wer da gezahlt hat, keine Ahnung.

00:31:01: Und deswegen haben wir eine Pension gekriegt.

00:31:46: Wie lange hat es gedauert bis sie den Tod ihres Mannes tatsächlich realisiert hat?

00:31:53: Bei mir hat das sehr, sehr lang gedauerte bis es gesickert ist weil ich mit Blanken überleben beschäftigt

00:32:00: war.

00:32:01: Hubka beginnt in der Wohnung ein Zimmer an Studierende zu vermieten um die Familie erhalten zu können und dennoch noch Zeit für ein Studium zu haben.

00:32:11: Ihr Mann war ein engagierter Vater gewesen, jetzt lastet alles auf ihren Schultern.

00:32:16: Ich war im ersten Jahr wirklich damit beschäftigt mein gesamtes Leben neu zu erfinden also nicht nur meinen sondern auch das für die Kinder.

00:32:26: Und wie dumm er jetzt?

00:32:29: Alles zu übernehmen was er gemacht hat.

00:32:35: Das war so herausfordernd unter Kindergeburtstag und die Ferien, der Urlaub und Weihnachten.

00:32:42: Und alles!

00:32:43: Dass ich keine Zeit hatte wirklich zu trauern.

00:32:50: Ich kann mich auch gut erinnern... ...ich habe laut einer kleinen Siege gefeiert.

00:32:57: Also nicht von meinem Sohn, sondern noch zu klein, aber von meiner Tochter.

00:33:02: Halbwegs gut über die Bühne gegangen ist.

00:33:06: fix und fertig und erschöpft, aber unendlich stolz auf mich, dass ich das geschafft habe.

00:33:12: Weihnachten neu erfinden den Kindern Urlaubszeit ermöglichen – all das ohne ihren Mann, ohne dem Papa der Kinder!

00:33:19: Diese Herausforderungen und vielen kleinen Ziege haben mich über das erste Jahr gebracht", sagt Hubka.

00:33:25: Dann kam das zweite.

00:33:28: Und im zweiten Jahr ist es dann so eingefahren BUMM!

00:33:32: Das ist jetzt immer so... ...und das war dann arg.

00:33:52: Ich war einfach tot traurig

00:33:57: und

00:33:57: sehr allein mit dieser Trauer, weil ich dachte schon ein Jahr her, was willst denn?

00:34:05: Na geht das Leben getweiter.

00:34:08: Man muss nach vorne schauen, da hat er so Sachen.

00:34:12: Und dass es erst bei mir möglich war... ...ich bin nicht gut mit mir umgegangen!

00:34:23: der da ein bissel auch Impulse gegeben hätte oder Räume aufgemacht, für's traurig sein.

00:34:30: War halt nicht im ersten Jahr.

00:35:16: Der Christine von damals würde sie heute eine therapeutische Unterstützung empfehlen.

00:35:53: Einen Raum für ihre Trauer!

00:36:00: Heute weiß Hubka auch, Ihre allererste Reaktion auf den Tod des Mannes ihr trotzige sich hört sicher nicht zu studieren auf und der gedankenden Armen schon darmen dem Überbringer der Nachricht all das war alles andere als absurd.

00:36:23: Das sind lauter so klassische Reaktionen die zeigen, dass die Botschaft die Wirklichkeit ja noch gar nicht angekommen ist.

00:36:34: Also es ist alles total absurd.

00:36:36: genau genommen als Reaktion und das vielleicht auch wichtig, dass man weiß Leute können dann absolut absurde Reaktionen zeigen, die überhaupt nichts zu wenn man es analysiert zur Situation passen.

00:36:54: Über ihre persönlichen Erfahrungen mit Trauer und Tod, und die Erfahrungen als Begleiterin von Trauern, denn als Zielsorgerin hat Christine Hubka ein Buch geschrieben.

00:37:04: Mit dem Titel Mehr Als Beileid Untertitel.

00:37:08: So können wir Trauerende in schweren Zeiten begleiten.

00:37:11: In ihrem Buch beschreibt sie auch die Phasen des Trauers.

00:37:15: Hubka sagt lieber Stationen dazu.

00:37:18: Ich selber mag diesen Begriff Phasennicht für den Prozess des Trauerns, weil mir das zu technisch ist.

00:37:30: Als hätte man Phase Eins bis Vier.

00:37:32: in der Literatur gibt es mehrere.

00:37:35: Eins bis vier ist die kleinste Zahl, die genannt wird.

00:37:39: und also man hakt Phase Eins hat, man hagt Phase Zwei ab und dann ist man da Phase Vier und dann na gut!

00:37:45: Und dann ist all das erledigt.

00:37:47: Also Trauer ist für mich ein Weg um eben auch um das körperliche da zu beschreiben.

00:37:56: Also nicht nur ein Prozess im Kopf, natürlich auch aber eben ein Weg.

00:38:02: der ganze Körper muss diesen Weg gehen und dann kommt man auf diesem Weg in Stationen.

00:38:08: Das ist so mein Bild dafür.

00:38:10: Ist überhaupt nicht wissenschaftlich Aber es hilft mir, um das ein bisschen zu erden und nicht so abstrakt zu machen.

00:38:18: Die

00:38:18: erste Station der Trauer beschreibt für Hubka das erste in Kontakt kommen mit dem Tod des geliebten Menschen.

00:38:24: Man findet sich da wieder, hört die Botschaft und ist völlig unberührt.

00:38:32: Das heißt es gibt keine Emotionen oder man reagiert so nachisch wie ich reagiert habe.

00:38:37: So vollkommen schräg.

00:38:40: Dann gibt es diese Situation, das hab' ich auch erlebt.

00:38:47: Da bin ich zur Schnellbahn gegangen, am Rennweg und da hinunter.

00:38:52: Die stiegen hinunter und vorn am Gehsteig.

00:38:55: Also da habe ich schon auf dem Gehsteg gesehen, fährt ein Zug ein und vorhin steigt aus dem Zug jemand aus und da habe gedacht das ist mein Mann.

00:39:04: Dieses Gefühl er ist eh noch da.

00:39:09: ja ganz merkwürdig ist das.

00:39:12: oder man hört es am Gang, man ist in der Wohnung, hört einem Gang Schritte weil Auf dem Gang, auf dem Stockwerk wohnen ja andere Menschen auch und glaubt jetzt kommt da gleich bei der Tür rein.

00:39:24: Also diese Unwirklichkeiten... Und dann kommt irgendwann zu der Station wo es für den Rest der Welt am Ansteigen ist weil man echt wütend ist.

00:39:48: und verwütend Ja, kommt darauf an auf was.

00:39:54: Diese Wut kann sich auf irgendwas beziehen, das völlig unlogisch ist und niemand hat mit der Situation etwas zu tun, den jetzt diese Wut trifft.

00:40:03: Die ist einfach so stark da!

00:40:07: Ist die Frage wie sehr darf man sie äußern?

00:40:11: Was hält meine Umwelt aus?

00:40:14: Und wie sehr muss ich sie schlucken, was äußerst ungesund ist oder wie kriege ich sie sonst

00:40:19: los?".

00:40:21: Aber es ist vielleicht schon gut und hilfreich, wenn mir bewusst wird, dass ich diese Wut habe.

00:40:33: Und das traurig sein kommt eigentlich erst ziemlich weit hinten auf diesem Weg... ...und ist das Zeichen dafür, dass man schon sehr weit fortgeschritten ist.

00:40:48: Ja!

00:40:48: Und irgendwann integriert man dann diese Geschichte in die eigene Biografie dann ist es ein Puzzle in meinem ganzen Lebensbild, das man sich anschauen kann und sagen ja okay dieses Steinchen diesem Baustein gibt's halt auch in meinem Leben aber es gibt noch eine Menge andere.

00:42:12: Wie umgehen mit jemandem, der einen geliebten Menschen verloren hat?

00:42:16: Genau damit hat sich Christine Hubka in ihrer Arbeit als evangelische Pfarrerin und Seelsorgerin viel beschäftigt.

00:42:23: Und sie weiß aus eigener Erfahrung, wie wenig hilfreich manche Reaktionen sind.

00:42:28: Zum Beispiel leere Worte und hohle Phrasen Wie Die Zeit heilt alle Wunden Oder Du wirst schon wieder einen finden.

00:42:36: Auch das Wort Beileid zählt.

00:42:38: Hubka dazu

00:42:40: Also die Floskeln Hier jetzt zum Beispiel meinem Beileiden hilft denen, die sich äußern Weil es ist Material, das ist Werkzeug.

00:42:50: So kann ich mich einer Aufgabe und ich bin jetzt böse

00:42:54: entledigen.".

00:42:58: Wenn man das Wort Beileid anschaut, analysiert einfach sprachlich?

00:43:05: Ich leide nicht wenn der Mann meiner Nachbarin stirbt!

00:43:11: Tut Leid, ich leide Und ich leide nicht bei und vor, sondern ich leite nicht hinten.

00:43:20: Es kann sein dass es mir Leid tut um ihn, dass er ein netter Mensch war und ich gern mit ihm im Stiegenhaus gequatscht habe.

00:43:29: Kann sein das ich ihn für einen Ekel gehalten hab' und sie gerne hab', dann ja... Dann kann ich mir vorstellen, dass es für sie schlimm ist.

00:43:40: Aber vielleicht ist das auch gut, dieses Ekel loszuwerden?

00:43:43: Ich weiß es ja nicht!

00:43:45: Aber auf jeden Fall leide ich nicht.

00:43:48: Ich kann nicht mit einem anderen Menschen mitleiden und wenn ich es versuche, dann macht es mich kaputt und niemanden nützt

00:43:57: es.".

00:43:58: Was kann ich stattdessen machen?

00:44:00: Hubkarät dazu sich selbst zurückzunehmen und stattdessend die Trauerenden sofort kommen zu lassen etwa wenn die Nachbarin ihren Mann verloren

00:44:29: hat.

00:44:37: Also meine Worte müssen eigentlich meinem Gegenüber dem Raum aufmachen, sich auszudrücken.

00:44:44: Wenn es gerade passt!

00:44:45: Den Betroffenen beizustehen, Raum zu lassen bedeutet auch unangenehme Gefühle da sein zu lassen und nicht die Trauernden zur Trösten versuchen.

00:44:54: Weil was passiert da?

00:44:56: Wenn ich jemandem trösten will, streng' ich mich ahnt, tue ich was, da überlege ich mal was... Und dann habe ich sofort den Anspruch an mein Gegenüber, dass es sich trösten lässt.

00:45:12: Ja wieso eigentlich?

00:45:14: Die will ja gar nicht getröstet werden!

00:45:16: Die will traurig sein... die will wütend sein meine Dwegen.. die will alles nur nicht getrüstet sein jetzt und hier.

00:45:25: und ich hab' den Anspruch lass dich drösten.

00:45:30: Das ist eine uneindliche Zumutung.

00:45:41: Fragen wie geht's dir is eigentlich das was am meisten hilft?

00:45:47: und es dann aushalten, wenn sie sagt wie sehr geht.

00:45:53: Trauernden zu helfen braucht manchmal auch eines einen langen Atem Und, sagt Christine Hubka, Helfen ist wie ein Wanderpokal.

00:46:02: Die Hilfe geht von einem zum nächsten.

00:46:05: Wenn ich dir helfe heißt das nicht dass du mir irgendetwas schuldig bist.

00:46:14: Das heisst Einander unterstützen ist für mich tatsächlich wie ein Wanderpokal.

00:46:20: Wir haben unendlich viele Leute in unendlichen Situationen irgendwelche guten Dinge zu kommen lassen und ich gebe es jetzt weiter an wen andern.

00:46:33: Es ist eine Kette Kein Hin und Her keine Gegenverkehr einbauen, sondern ein großer Kreis von Menschen die einer für den anderen und dem Nächsten das Weiterreichen weil es ihnen wichtig ist.

00:46:48: Und nicht weil sie sich Dankbarkeit erwarten.

00:46:50: also wenn man glaubt man macht da jetzt Rechnungen auf dann sollte man's sein lassen weil man wird sicher frustriert und enttäuscht.

00:47:02: Das geht sich

00:47:02: nicht aus.

00:47:32: Ich

00:47:40: hätte ja gar nicht die Energie gehabt, da jetzt irgendwelchen Pop-Hands da zu veranstalten.

00:47:50: Der Schandarm ist gekommen, hat mir das gesagt.

00:47:54: Die Kinder waren irgendwo und wie die dann zurückgekommen sind habe ich meine Tochter sofort gesagt.

00:48:04: Und die hat es natürlich nicht ermessen können.

00:48:07: Das ist schon klar und hat ja bei ihr auch gebraucht bis es gesichert ist noch viel ... Ja!

00:48:19: halt anders, ganz anders.

00:48:22: Aber war ganz klar, dass ich das weiß und der Sohn, dem habe ich nicht gesagt weil was hätte ich ihm einen Baby sagen sollen?

00:48:35: aber er hat das irgendwie über die Luft inhaliert, dass der Vater halt verstorben ist

00:48:46: Offen mit den Kindern umgehen, offen über Tod sprechen.

00:48:49: Nicht in verklausulierten Verschönerungssätzen wie der Papa ist jetzt auf einer Wolke im Himmel oder die Oma ist für immer eingeschlafen.

00:48:57: Kinder wollen miteinbezogen werden.

00:48:59: in das Geschehen in der Familie schreibt Krasine Hubka in dem Kapitel Kinder und Tod ihres Buches.

00:49:04: mehr als Beileid Ganz gleichum welches Ereignis es sich handelt Das Miteinbeziehen gibt ihnen Klarheit und Sicherheit In jedem Alter.

00:49:15: Manchmal können kleine Rituale hilfreich sein, das Erlebte fassen zu können.

00:49:20: Eine Kerze die für den Friedhofsbesuch ausgesucht oder selbst gemacht, selbst verziert wird und manchmal braucht es ein liebes Haustier damit sich die Trauer wirklich ausdrücken kann.

00:49:31: Es

00:49:32: ist ganz ganz absurd.

00:49:34: wir hatten eine Katze Den Minkos Damals schon Und der hatte dann Epilepsie.

00:49:44: Der hat also ein halbes Jahr nachdem man gestorben ist oder ja so, vielleicht ein Jahr hat der Epilepsi gekriegt.

00:49:52: Das ist wirklich furchtbar.

00:49:55: Also klar war ich das und dann habe ich den Einschlefern lassen müssen und ich weiß also da sind bei meiner Tochter alle Dämme gebrauchen.

00:50:11: Das war beim Tod vom Vater nicht so.

00:50:14: Da ist was mit hineingekommen.

00:50:18: Der Minkus ist nach wie vor eine Geschichte.

00:50:49: Fünf Jahre alt war ihre Tochter damals als der Vater starb.

00:50:53: Hubka's Sohn war noch ein Baby, gerade einmal ein halbes Jahr alt.

00:50:57: Fotos gibt es aus der Zeit damals keine, sagt Hubka.

00:51:01: Ab dem Moment wo mein Mann gestorben ist, gibt sicher zehn Jahre lang keinerlei Fotos weder von mir noch von den Kindern.

00:51:12: also das... Das war nicht drin, das war nicht dran.

00:51:18: Das wär mir gar nicht in den Sinn gekommen weil ich so beschäftigt war.

00:51:45: Es musste gehen und es ging Und die Kinder... Also ich glaub' dass meine Kinder Ich wünschte ihnen schon einen Vater gegönnt Aber meine Kinder sind unendlich lebensdüchtig geworden.

00:52:00: Wir haben ja auch kein Geld gehabt bis ich dann verdient habe, solange ich studiert hab.

00:52:09: Also meine Kinder haben gelernt mit Geld umzugehen, mit minimalem Geld das Maximale zu gestalten und haben beide zwei Ausbildungen, zwei hochqualifizierte ... Meine Tochter hat Pharmazie studiert, ist ausgebilderte Apothekerin Und Kirchenmusikerin.

00:52:36: Also die Kirchen-Musik auf dem niedrigsten Level, da gibt es auch drei Levels.

00:52:41: und mein Sohn hat Flugzeugtechnik studiert mit Schwerpunkt Hubschrauberbau und ist Blackhawk Pilot.

00:52:51: Und gerade diese Blackhawk Piloten das ist so hoch qualifiziert und hat alle Zusatzausbildungen von Außenlast bis Nacht und Menschen also alles einfach.

00:53:04: Ja, also sie haben beide zwei wirklich tolle Ausbildungen gemacht und sind in ihrem Beruf gut etabliert.

00:53:15: Und haben schöne Familie gute Partnerschaften.

00:53:19: Also was will man mehr von wegen Rauschgift süchtig?

00:53:31: Genau das hatten einige Pädagoginnen nach dem Tod von Christine Hubkassmann pro Verzeiht.

00:53:37: Die Kinder werden drogensüchtig und kriminell werden, ganz ohne Vater.

00:53:46: Ihr Sohn hat keine Erinnerung mehr den Vater – heute ist er selbst ein Vater!

00:53:52: Wie geht es ihm damit?

00:54:01: Mein Sohn ist ein großartiger Vater.

00:54:04: Also der hat sozusagen auch für sich das Vatersein erfunden also sich auch umgeschaut und hat immer wieder gesagt so wie die Väter seiner Freunde sind oder waren, als er noch in die Schule gegangen ist.

00:54:21: So will er nicht sein als Vater!

00:54:24: Da war dieses Vaterthema wahrscheinlich viel bewusster da und viel aktiver zu entwickeln als bei Leuten für die das ganz normal ist.

00:55:32: Ob sich ihre Tochter, die damals ein fünfjähriges Kind war, noch an den Vater erinnern kann?

00:55:41: Sie kann sich an ihren Vater nicht mehr erinneren Was erstaunlich ist, weil ich habe Erinnerungen aus wie ich in dem Alter war.

00:55:54: Sie kann sich nicht erinnern.

00:55:56: Sie sagt es kommen so manchmal Blitzlichtartige wie Situationsfotos wo sie dann nicht weiß wie sie es einordnen soll.

00:56:09: aber gut und ja ... Es ist Ärztin im mobilen Kinderhospiz.

00:56:23: Das hat sehr viel mit Tot zu tun und kann damit sehr gut umgehen, also auch sehr auf sich achten und wahrnehmen und liebt ihre Arbeit.

00:56:41: Ich finde es hätte sie sich nicht ausgesucht.

00:57:13: Ihre Tochter arbeitet heute in Momo einem mobilen Kinderspitz in Wien Und achtet auf sich, etwas das Christine Hubka früher nicht geschafft

00:57:25: hat.

00:57:35: Ich habe viele Jahre gebraucht um zu lernen nett zu mir zu sein.

00:57:40: Immer die Kinder und dann hab ich das Studium fertig gemacht und dann habe ich die Ausbildung zur Pfarrerin gemacht und es war also immer unendlich an der Grenze.

00:57:53: Ich bin immer an der Kante entlang balanciert und habe lange gebraucht, bis ich kapiert hab so und jetzt sei einmal nett zu dir.

00:58:05: aber dafür kann ich das jetzt sehr gut.

00:58:09: Jetzt hole ich das tatsächlich nach und finde es ganz wunderbar.

00:58:14: und ja und interessanterweise meine Kinder können unglaublich nett zu sich sein Die erwachsenen Enkelkinder auch bei den kleinen, weiß man es noch nicht.

00:58:31: Aber die Erwachsenen können so auf sich aufpassen – ich habe vier erwachsene Enkelkindern und zwei Schulkinder.

00:58:40: Und sie haben das drauf und drinnen!

00:58:44: Sie passen auf sich aus wie ich jahrzehntelang es nicht gemacht habe.

00:58:49: Das ist so schön

00:58:50: anzuschauen.".

00:59:27: Christine Hubka war das über ihre Erfahrungen mit Trauer und Tod, das war eine Passionswegesendung mit dem Titel Ein Leben nach zwei Toden.

00:59:36: Nachzuhören ist die Sendung online auf radioklassik.at unter Podcast-Kategorie Passions

00:59:46: Wege.

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