per- 260804#Todsünden_Zorn
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00:00:00: Heute in den Perspektiven folgt eine weitere Ausgabe unserer Reihe zu den sieben Todsünden mit Daniel Uchtmann.
00:00:07: Er ist Kulturvermittler im Wiener Kunsthistorischen Museum und hat das Buch darüber geschrieben beziehungsweise recherchiert, dass Bessisi Grant der Schienen ist.
00:00:18: Sieben Todshünden, sieben Kunstwerke, siebem Menschen und eine Reise.
00:00:23: Dazu gibt es auch ein Hörbuch aus dem wir freundlicher Weise die Originaltöne für diese Sendung verwenden können.
00:00:29: Alle Sendungen bei uns können Sie in kurzformem Podcast der Perspektiven hören.
00:00:34: Zu dieser Sendung begrüßt sich Stefan Hauser, das Hörbuch.
00:00:38: bei SissiGrant bittet Ihnen jeweils das ganze Interview.
00:00:42: Infos unter www.sissigrant.com-works-d-sieben-tozünden.
00:00:49: Was umfasst die sieben Tozünden?
00:00:52: Geher Trickheit Zorn Hochmut Neid Wollust und Maßlosigkeit.
00:00:58: In dieser Ausgabe geht es um den Zaun, lateinisch Ira.
00:01:02: Ein elementarer Zustand starkere emotionale Erregung mit unterschiedlich aggressiver Tendenz der zum Teil mit vegetativen Begleiterscheinungen vergnüpft ist.
00:01:12: Aristoteles zielt Zaun zu seinen elf Grundgefühlen.
00:01:16: Am einflussreichsten für das Verständnis des Zorns waren schon seit der Antike die Beobachtungen von Aristoteles in seiner Rhetorik ur den Zusammenhang von erlittener Herabsetzung und dem dringenden Wunsch nach Vergeltung derselben herausstellt.
00:01:32: Eine besondere Form ist der heilige Zorn, letzterer ist ein Gerechter über etwas eindeutig Ungerechtes.
00:01:39: Der hellige Zorn richtet sich nicht gegen Menschen im Idealfall für der dazu, sich nicht nur über eine ungerechte Sache zu ärgern sondern sich dafür einzusetzen sie zu beseitigen.
00:01:50: Und nach diesen Vorbemerkungen zu Daniel Uchtmann und zur Todsünde.
00:02:08: Ist das wirklich so einfach?
00:02:10: Gibt es nicht auch Dinge, auf die man zornig sein darf oder ja sogar sein muss?
00:02:16: Denken Sie an die tiefe Empörung, die wir über eine krasse Ungerechtigkeit spüren.
00:02:21: Oder an die Wut – die manchmal aufsteigt wenn sie die Nachrichten hören!
00:02:26: Die Theologie nennt das Ira per Celum der Zorn aus Eifer für die Gerechtigkeit, der uns da erfasst, wenn wir Zeugen von Grausamkeit werden….
00:02:37: Das prominenteste Beispiel für diesen Zorn, der etwas Gerechtes will ist wohl Jesus selbst, deren einer berühmten Bibelgeschichte die Händler und Geldwechseler aus dem Tempel wirft.
00:02:48: Nicht in einem unkontrollierten Wutanfall sondern in einem Anflug von heiliger Empörung, die eine gerechte Ordnung wiederherstellen will!
00:02:58: Aber hier wird es dann noch komplizierter – denn was genau dieser gerechte Zorn überhaupt gerecht ist dann sich schon schwer festzustellen.
00:03:08: Was wir als gerecht empfinden, ist ja zutiefst von unseren eigenen Werten geprägt.
00:03:14: Wie viele Menschen mussten und müssen wohl schon im Namen der Gerechtigkeit die tiefste Ungerechtigkeit erfahren?
00:03:22: Unser Wüstenmensch des vierten Jahrhunderts, Ivargrios Pontikos sah aber durchaus das positive Potenzial Sofern wir so seine Lehre, die zugrunde liegende Energie unter Kontrolle bringen können.
00:03:36: Denn Zorn kann uns eben die Motivation für tugendhaftes Verhalten
00:03:41: geben.".
00:03:42: Wobei Evargrios die Ursache dafür, die Kontrolle über diesen Zorn zu verlieren – also der Dunkeln der negativen Seite des Zorns zu verfallen?
00:03:52: Er sah dies zur meiner Beraschung eng mit einer Sünde verbunden, mit der wir uns gerade erst beschäftigt haben — der Trägheit!
00:04:00: der Aksedia.
00:04:01: Der frühgristliche Mönch und das Kett Ibagrios Pontikos entwickelte im vierten Jahrhundert die theologische Grundlage der Todsünden, er erstellte einen Katalog von acht Grundlastern, die später zur klassischen Siebenzahl der katholischen Kirche reduziert wurden.
00:04:18: Ivagrios beschrieb dass wenn wir unter innerer Lehre und Sinnlosigkeit leiden die Seele verbittert.
00:04:25: Und aus dieser verbitterten Seele, so Evargrios schlagen dann die Flammen eines Zorns Empor der sich gegen die Mitmenschen, gegen die Lebensumstände, gegen einfach alles wendet.
00:04:39: Er schrieb auch genau auf wie da Zorn in ihm arbeitet.
00:04:44: Während des Gebetes, so Evargrios reißt er den Verstand mit sich fort indem er uns immer wieder das Gesicht desjenigen vor Augen hält, der uns unrecht getan hat.
00:04:55: Lässt man diesen Zorn über Nacht gewähren, verwandelt er sich in Groll und schickt uns Albträume wie Angriffe wilder Tiere.
00:05:04: Der sündhafte Zorn so seine Erklärung schöpft seine Kraft also aus einer Verbitterung der Seele.
00:05:12: Ich kann es nur wiederholen mich fasziniert es sehr dass dieser Mönch in seiner Hütte so präzise Beobachtungen machte die so aktuell wirken Ganz ohne jemals einen Social Media Shitstorm miterlebt zu haben.
00:05:26: Deine Luchtmann ist Kunstvermittler im Wiener Kunsthistorischen Museum.
00:05:30: Wenn wir in die Kunst blicken, sehen wir den Zorn oft in Darstellungen verzerrter geplagter Gesichter häufig auch in Frauen gestalten In einem Zustand des völligen Kontrollverlusts Die ihre Kleider zerreißen und sich die Haare raufen.
00:05:45: Nun gut da muss man wohl auch den Sexismus der letzten Jahrhunderte abziehen.
00:05:50: Aber was ich für uns heute nachvollziehbarer finde, ist dieses Gefühl des Zorrens der einen ja buchstäblich überkommen und den ganzen Körper ausfüllen kann.
00:06:00: Das ist der Zorn als Effekt!
00:06:04: Aber dieser Gewalt die im Einzelnen entsteht, kann auch zum Grundton einer ganzen Gesellschaft werden.
00:06:11: Hier im Museum kann ich das in unzähligen alten Schlachtengemelden betrachten – aber Gegenwärtige Form ist mir zum Glück sehr fremd.
00:06:22: Bekommen noch zum Kunstwerk für den Zorn, doch wer ist der Proponent zu dieser Totsünde?
00:06:27: Genau deswegen wollte ich für dieses Kapitel mit jemanden sprechen, der diesen Zorn aus unmittelbarer Nähe gesehen hat und es gibt wahrscheinlich wenige Menschen im deutschsprachigen Raum die mehr dazu geschrieben und verstanden haben als der Journalist- und Kriegsreporter Wolfgang Bauer.
00:06:45: Seit über zwanzig Jahren arbeitet er für die Wochenzeitung Die Zeit und reist an die gefährlichsten Orte der Welt.
00:06:52: Syrien, Afghanistan, Nigeria – die Ukraine!
00:06:58: Er ist ein professioneller Grenzgänger, der nicht nur geografische sondern vor allem menschliche Grenzen überschreitet um uns von Orten, Konflikten deren Lebensrealität für uns ohne ihn eine undurchdringliche Black Box bliebe.
00:07:17: Er selbst versteht seine Arbeit als die eines Übersetzers, er übersetzt die oft unvorstellbare Realität des Krieges und die Schicksale der Menschen, die darin gefangen sind in einer Sprache ,die wir hier in unserer sicheren Welt verstehen können .
00:07:35: Und um mit ihm über den Zaun zu sprechen habe ich ihn an einem Ort getroffen, an den er nach seinen Reisen immer wieder zurückkehrt.
00:07:44: Eines der schnuckeligsten deutschen Städtchen das sie sich vorstellen können.
00:07:48: Sonnenschein, schöne Fachwerkhäuser eine sehr niedliche Stadt.
00:07:52: Freutlingen in Baden-Württemberg.
00:07:54: Wir also Sie wissen schon meine Abenteuerfreunde Iris und Andreas und Ich stehen vor einem weißgetünchten Haus mit rotem Fensterläden.
00:08:03: Und unten ist eine Kunsthandwerkstätte.
00:08:08: Oben auf zwei Etagen findet sich Wolfgang Bauers Wohnung und am Dachboden seine Schreibstube, die wir allerdings nicht betreten dürfen.
00:08:17: Er arbeitete gerade an einer brenzligen Geschichte Aber ja ich schweife ab.
00:08:21: also Wir leuten an Daniel Ottmann aus Wien Die Tür öffnet.
00:08:33: wir gehen einen schmalen Gang mit hoher Decke entlang dass eine brennende Meeresbrücke zeigt.
00:08:39: Wie wir später erfahren, ist das ein Geschenk, dass Wolfgang Bauer aus Nordkorea erhalten hat.
00:08:47: Wir steigen die enge Treppe nach oben.
00:08:55: Hier in seiner friedlichen Wohnung finden sich wie man sich das für einen Journalisten vorstellen würde unzählige Bücher Aber auch viele kleine Memorabilien.
00:09:06: andenken stehen im Bücheregal.
00:09:09: Es sind kleine Dinge Nennen wir sie Souvenirs, der etwas anderen Art die unscheinbar wirken bis man die Geschichte dazu hört.
00:09:19: Eine Parfumflasche zum Beispiel, die Wolfgang Bauer vom Pressesprecher der Taliban als Geschenk überreicht worden war.
00:09:26: Ich hab's nie gemacht.
00:09:31: Geht ne?
00:09:31: Tragen
00:09:32: wir es jetzt nicht übers Richtgut.
00:09:34: Das
00:09:35: kannst du gut aufnehmen.
00:09:35: ja das ist ... Ich war mal embedded mit den Taliban, bevor die Taliban die Macht übernommen hatten.
00:09:41: Embedded?
00:09:42: Mit den Taliban?
00:09:44: Nervenaufreibende Recherche weil wir da illegalerweise aus Sicht der Regierung durch die Front durchbrechen mussten und uns durchschmuggeln mussten.
00:09:51: zu den Taliban.
00:09:53: Also was soll man da sagen?
00:09:55: Dazu fehlt mir das Vokabular.
00:09:57: Dann holte er einen winzigen Handspiegel aus dem Regal Der von einer Recherch in Nigeria stand
00:10:05: zur Fuß durch die Berge gezogen, was ich auch nie vergessen werde.
00:10:09: Und die Fulani-Familie vom Chef, die Kinder und seine Frau haben sich jeden Morgen um diesen Spiegel herum gescharrt.
00:10:16: Das war quasi eines der ganz wenigen Produkte, die diese Familie mit sich führte...
00:10:23: ...und ein anderes Teil!
00:10:25: Und dieses Teil stammt vom Bett von Gaddafi aus einer seiner Palästen in Benghazi.
00:10:32: So nebenbei – Ein Stück vom Bett Von Gaddavi.
00:10:36: Die Wohnung von Wolfgang Bauer ist voll von Erinnerungen, denn sie ist eben auch der Ort an den er nach jeder seiner Reisen zurückkehrt um seine Erfahrungen und Eindrücke in eine Sprache zu bringen die wir hier in unserer sicheren Welt verstehen können.
00:10:57: Ja, und wie man schnell merkt hat das natürlich auch sein Menschenbild geprägt.
00:11:01: Rien, Reutlingen in Hamburg
00:11:03: etc.,
00:11:03: sie ist meistens wenig von der menschlichen Natur In den Krisen und im Krieg.
00:11:09: tatsächlich siehst du die Linien der menschen naturdeutlich nackter.
00:11:14: Ich gehe davon aus dass jeder von uns in der Lage ist halte Krimi Weißheit sozusagen jemand umzubringen.
00:11:21: es kommt nur auf diese Situation drauf an Und jeder von us ist in der lage für seinen Essen zu kämpfen mit gewalttätigen Mitteln.
00:11:29: Jeden von uns kannst du psychisch in eine Situation bringen, wo er mit seiner Faust jemand anderen verletzt.
00:11:35: Aber das siehst Du nicht – in unserer Lebenswirklichkeit
00:11:38: normalerweise.".
00:11:39: Deine Luchtmann ist froh den Luxus der Distanz lieben zu können — dem Abstand zu den Grauslichkeiten des Lebens, mit denen ein Kriegsreporter wie Wolfgang Bauer zu tun hat!
00:11:50: Uchtmann arbeitet ja im Kunsthistorischen Museum Und zu jeder Todsünde erwählte ein Kunstwerk und legt dazu aus.
00:11:58: Dieses Kunstwerk ist auch im Buch abgebildet, auch in den Einzelheiten, die er nun
00:12:03: auslegt.".
00:12:03: Anton van Dijk – Simson & Delilah.
00:12:08: Die Malerei isst so könnte man sagen das Kino vergangener Jahrhunderte nicht in dem Sinne dass sie allen zugänglich war aber in der Hinsicht dass hier auf einer Leinwand eine Geschichte mit vollen Emotionen erzählt wurde besonders auf einem so großen Format wie diesem hier.
00:12:27: Wir stehen vor der Gefangennahme Simsons, um sixteenhundertdreißig gemalt von Antonis van Dijk.
00:12:34: Er war einer der bedeutendsten flähmischen Barockmaler, die eine gewisse Zeit im Schatten seines grossen Meisters Peter Paul Rubens stand.
00:12:42: Was er hier malt ist eine Geschichte aus dem alten Testament – Simson oder auch Samson ist ein sogenannte Richter, also der Anführer seines Volkes in einer Zeit bevor Israel Könige wie Saul oder David hatte.
00:12:58: Schon seit seiner Zeugung isst er mit übermenschlichen Kräften begabt.
00:13:04: Er ist wahnsinnig stark und kann alle Feinde allein durch Muskelkraft besiegen so dass Israel keine Armee benötigt.
00:13:12: Das wissen auch die Feinde – Die Filista.
00:13:15: Sie versuchen, hinter das Geheimnis seiner Stärke zu kommen denn seine Kraft ist an Bedingungen geknüpft.
00:13:22: Er darf zum Beispiel keinen Alkohol trinken – vor allen Dingen darf er sich aber niemals die Haare schneiden.
00:13:29: und wir sehen schon sein Kopf ist relativ kahl.
00:13:33: Seine Locken liegen wie beim Friseur auf dem Boden!
00:13:37: Was war geschehen?
00:13:39: Wie die meisten Helden, und hier beginnt das Hollywood-Kino schon in der Bibel hat Simpson eine Schwäche.
00:13:46: Die Liebe!
00:13:47: Und diese Liebe ist – wie es sich für eine gute Geschichte gehört – verboten.
00:13:52: Denn seine geliebte Delilah gehört zum verfeindeten Volk der Filiste Das weiß auch Simpson.
00:13:59: aber die Liebe überwindet diese politischen Grenzen.
00:14:03: Sie lieben einander Aber Delilah wurde von ihren Leuten bestochen Vielleicht auch bedroht.
00:14:09: Die Bibel aber spricht von Bestechung, die Bibel macht Delilah zur Täterin!
00:14:16: Die Gier mehr besitzen zu wollen bringt sie dazu, die Liebe ihres Lebens zu verraten.
00:14:22: Sie fragt ihm nach dem Geheimnis seiner Stärke und das sogar vier Mal.
00:14:28: Die ersten drei Male antwortete er nicht wahrheitsgemäß – er ist ja nicht doof und weiß dass er die Verantwortung für sein ganzes Volk trägt.
00:14:37: Er erfindet also etwas.
00:14:39: Zum Beispiel, wenn man mein langes Haar mit einem Nagel an die Wand nagelt, verliere ich meine
00:14:44: Kraft.".
00:14:46: Mit dieser Information ausgestattet geht die Lila zu den Soldaten der Filister.
00:14:51: Sie kommen und wollen Simpsons Gefangen nehmen – seine Haare waren mit einem Nagell an der Wand angennagelt, doch er hat seine Kraft noch!
00:14:59: Kann sie vertreiben oder töten?
00:15:02: Dreimal fragt sie, dreimal lügt er.
00:15:07: wirft sie die Liebe in die Waagschale und sagt, wenn du mir jetzt nicht die Wahrheit sagst dann verlasse ich dich.
00:15:15: Nun als sie mit der Liebe daherkommt da sagt er ihr auf einmal die Wahrhalt.
00:15:20: Das Bild zeigt uns den Moment danach.
00:15:23: Der Verrat liegt bereits links am Boden eine Schere und die abgeschnittenen Haare.
00:15:30: Simson war auf Delilahs Schoß eingeschlafen.
00:15:33: Sie oder ihre ältere Markt im Hintergrund schnitten ihm die Haare während er schläft, wobei ich mir unschlüssig bin wie er da weiterschlafen konnte.
00:15:42: Die Soldaten kommen zum vierten Mal und machen unglaublichen Lernen – und hier in diesem Moment des Triums für die Filister explodiert die Szene in der Emotion wegen der ich dieses Bild ausgewählt habe dem
00:15:57: Zorn.".
00:15:58: Von der Kunst nun in die Realität.
00:16:01: Daniel Uchtmanns Proponent für die Totsünde Zorn ist Kriegsreporter Wolfgang Bauer.
00:16:07: Gemeinsam mit seinen Produzern Andreas und Iris hat er sich nach Reutlingen in Badem-Württemberg zu ihm aufgemacht.
00:16:14: Am frühen Abend spazieren wir, Iris, Andreas und ich – mit Wolfgang Bauer einen Hügel im beschaulichen Reutlingen hinauf!
00:16:23: Die Sonne geht unter, die Luft ist mild, die Umgebung idyllisch….
00:16:28: Und wir sprechen über Afghanistan.
00:16:32: Es ist ein Land, das Wolfgang Bauer so oft bereist hat dass er es kennt wie kaum ein anderer westlicher Journalist.
00:16:40: Darüber hatte ein eindringliches Buch geschrieben.
00:16:43: Am Ende der Straße heißt es Der Titel verweist auf die Ring Road eine über zwei tausend Kilometer lange kreisförmige Autobahn Die die wichtigsten Städte Afghanistan verbinden und Fortschritt bringen sollte Ein Versprechen das bis heute unerfüllt blieb.
00:17:02: Doch das Buch erzählt nicht von der Straße selbst, sondern von den Menschen die er entlang dieser Route getroffen hat.
00:17:09: Von Geschichten, die sich über Jahrzehnte ziehen.
00:17:13: Von einem Land, dass immer wieder von einer Tragödie in die nächste stürzt und auch von ihm selbst, der so oft zurückgekehrt ist, dass er die Veränderungen miterleben konnte.
00:17:26: Während unseres Weges nach oben zu einem Aussichtspunkt der uns einen Blick über ganz Reutlingen ermöglichen sollte, hole ich mein Tablet heraus um Wolfgang Bauer auch das Bild zu zeigen von dem ich Ihnen gerade vorhin erzählt habe.
00:17:40: Von Simpson und Delilah.
00:17:46: Seine erste Frage gilt nicht der Kunst sondern den Menschen.
00:17:50: Wie ging es der Dame dann hinterher?
00:17:53: Die Bibel berichtet nicht weiter über sie.
00:17:57: Das wahre Psychodrama wird nicht aufgedeckt.
00:18:00: Ja, eigentlich schon.
00:18:01: Weil andere Künstler stellen das anders dar.
00:18:05: Van Dyck entscheidet sich dazu, sie jetzt so zu malen, dass es ihr ja auch leidtut.
00:18:11: Deswegen ist die hier gar nicht die Böse.
00:18:16: Dann ist es auch die Todsünde Liebe?
00:18:19: Das ist wirklich keine Todsinde.
00:18:21: Aber die
00:18:21: beiden sind in diese Situation
00:18:23: gekommen durch
00:18:23: diese Leidenschaft.
00:18:26: In Afghanistan erklärt Wolfgang Bauer ... ist die Liebesehe eigentlich die Ausnahme.
00:18:33: Die Ehe ist eine Sache, die sorgsam von den Familien arrangiert
00:18:37: wird.".
00:19:01: Sitzamkeit entsprechen.
00:19:05: Gibt es solche Liebesgeschichten
00:19:06: in Afghanistan?
00:19:08: eher nicht?
00:19:12: Die gibt's auch durchs Internet verbreitet und sowieso, weil man sich manchmal verliebt.
00:19:18: Also die Glücklichen unter uns verlieben sich ... Ich werde sie jetzt wieder besuchen in drei Wochen.
00:19:28: Rafi und Halima habe ich ... Und
00:19:31: dann beginnt er zu erzählen.
00:19:33: Von einer Romeo und Julia Geschichte im echten Leben, im Afghanistan der zweitausender Jahre – eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrundrauschen des Krieges, des Zorns und der verfeindeten
00:19:55: Etnien.
00:19:56: Er so nicht, sie schieten.
00:20:02: Dann war die eine Familie eher mal als die andere.
00:20:05: und ja ... Sie wollten ... Also der Papa war total dagegen von ihr, der Hasara-Teil der Familie.
00:20:13: Und sie wollten dann miteinander durchbrennen nach Kabul, die Stadt der vielen Freiheiten sozusagen.
00:20:21: Aber sie wurden dabei gestoppt im Hasaraviertel, wo er mit dem Wagen abholen wollte.
00:20:30: Und er wurde dann verprügelt, was umgebracht von anderen Hasara-Jungs.
00:20:34: Die mitbekommen hatten, dass eine von uns Sahramädel jetzt hier mit jemandem durchbrennen will.
00:20:41: und da ist die Polizei eingeschritten.
00:20:44: Die hat blöderweise noch einer schossen wie so die afghanische Polizei.
00:20:47: damals war Riesenaufstand in der Stadt.
00:20:51: Dann mussten sie beiden ins Schutzhaft genommen werden.
00:20:53: auf der Polizeistation wurde die Polizeistatio gestürmt.
00:20:57: Dann waren plötzlich auch Männer in Zivil Soldaten auf Urlaub waren und die so eine Apigee dabei hatten.
00:21:04: Die haben dann ihre Panzerfeuste auf die Polizeistationen abgefeuert, die Polizeistation Brante der Fuhrpark Brante verletzte Riesenterra.
00:21:14: Die beiden wurden weiter evakuiert mit den Polizisten, landeten im Jugendgefängnis wo ich sie kennengelernt hatte.
00:21:21: Sie wurde sofort auf Jungfäuligkeit untersucht.
00:21:24: war Gott sei nichts passiert ein wahnsinnig demütigendes Prozedere.
00:21:30: hätte man herausgefunden, dass sie schon sexuellen Kontakt gehabt hätten.
00:21:35: Dann, wie sie für mehrere Jahre in Knast gelandet.
00:21:38: So waren dann bei den Anführungsstrichen nur ein Jahr verknastet und ich bin dann einmal hingefahren.
00:21:44: Habe sie in der Woche lang getroffen.
00:21:46: Sie im Mädchentrakt, ihm im Jungens-Trakt mit lauter Taliban Jungs zusammen.
00:21:50: Und nach einem Jahr bin ich wiedergekommen am Ende der Haftstrafe als der Papa angekündigt hatte.
00:21:55: Sobald sie ihren Fuß aus dem Knast bewegt bringt er es um den ersten Anwältinnen, den siemals in diesem Land gegeben hat.
00:22:06: Verhandelt mit den Familien.
00:22:09: Ein Deal wurde ausgehandelt.
00:22:11: Zweitausend Dollar mussten von der Familie des Beutigams gezahlt werden.
00:22:17: Dann hat der Papa Ruhe gegeben.
00:22:19: Familie des Breutigamts hatte aber nur die Hälfte.
00:22:22: Der andere habe ich
00:22:22: gezahlt.".
00:22:23: Wolfgang Bauer sagt er hat den Zusammenhang mit der Story der beiden viel über den Zorn gelernt.
00:22:29: Der Vater war sehr erzürnt, dass er das Leben geschenkt hat, den Menschen wiedernehmen wollte.
00:22:35: Weil über diesen Menschen seine Würde und das seiner Familie so beschädigt ist nicht nur sein Leben, sondern das Leben seines gesamten Clans keine Zukunft mehr hat.
00:22:49: Und dann wollte er das wirtschaftliche Überleben seines Clans retten und aus seiner Sicht das Leben seiner Tochter opfern.
00:22:58: Wir nehmen einmal Abstand von der Todsünde Zorn und kommen zur Wite von Wolfgang Bauer, die Dani Luchtmann bei ihm abfragt.
00:23:06: Angefangen hier in Reutlingen, Schwäbisches Tachblatt Und die haben einfach zugetraut dass ich da auf Menschen zugehen kann ihre Lebensgeschichtenabfrage und das durch meine Brille wieder gespiegelt interessant sein könnte.
00:23:20: Und ihr habt Erfahrung gemacht, dass das Interessanteste für mich eben nicht Theaterkritiken Ausstellungsbesprechungen Gemeinderatssitzungen usw.
00:23:33: Die übliche Nahrung eines Lokaljournalisten ist, sondern Begegnung mit Menschen die sich in Ausnahmesituationen befinden – in Grenzsituationen, die mit sich
00:23:44: ringen.".
00:23:45: Sechs Jahre lang war er bei der Lokalzeitung und begann währenddessen auch für Magazine wie die Brigitte oder Mahre zu schreiben.
00:23:54: Bis dann eines Tages Im Jahr nineteenhundertfünfeinundneunzig wiederum der Zufall eine große Rolle spielte.
00:24:02: Der Dachblatt
00:24:02: gab es professionelle Fotografen, die schon also weit älter waren, die für die TATS und andere bundesweite Organe gearbeitet hatten.
00:24:11: Und einer von denen hat mich mal gefragt, Max, mit mir ist das Schreiber ausgefallen?
00:24:15: Siehe sollte Ossnian sein!
00:24:17: Und dass nur wenige Wochen nachdem das Friedensabkommen von Dayton unterschrieben worden war... Und er, der junge Journalist, der bis dahin hauptsächlich lokal Journalismus gemacht hatte, sagte Ja.
00:24:28: Da ging es um eine Überführung von Ambulanzfahrzeugen und auch Lokalberichterstattung wieder.
00:24:37: Die Reise habe ich bis heute nicht vergessen dieses erste Erleben von einem gesprengten Haus vor den Trümmern dieses gesprengten Hauses zu stehen.
00:24:48: und das war nicht Trümmer eines abgerissenen Hauses, so wie ich das bislang kannte.
00:24:53: Sondern das waren Zeugnisse von Gewalt ausgegangen von den Nachbarn, wie mir erzählt wurde.
00:25:00: Das fand ich so unfasslich.
00:25:03: ja dass Menschen das Menschen antun können, dass die Nachbaren dein Haus in die Luft springt, dass ich sogar diese Steine anfassen musste also ist richtig an fassen musste.
00:25:17: Hatte dann paar Tage später ein Gespräch mit einer Nonne, die mir mit fester Stimme erklärt hatte wie sie im Krieg durch die Minenfelder gezwungen wurde, mit Flüchtlingen... Ich weiß nicht mehr von wem.
00:25:36: Wie sie vergewaltigt wurde hat mir von ihren Vergewaltigungen erzählt.
00:25:40: Mit fester Aber ich habe dann wieder die Fassung verloren, hab gemerkt wie mir die Tränen kommen.
00:25:46: Wie ich dieses Gespräch nicht weiter kontrolliert führen kann und ich wollte natürlich ja als Mann jetzt vor dieser Frau nicht heulen und ich will sie auch nicht retraumatisieren.
00:25:56: also nachträglich habe das Gespräch dann irgendwie zu Ende geführt bin da auf meine Kashemme dichter irgendwo hatte und hab dann geheult und gedacht Das ist nichts für dich.
00:26:09: Also das bringt mir nichts.
00:26:12: Das bringt den Leuten nichts, mit denen ich da zu tun habe und erst recht bringt der Leserschaft nichts.
00:26:19: in dieser Verfassung ein Reporter in dieser in dieser verfassung und hat beschlossen dass sich das nicht mehr tun werde kam dann aber anders.
00:26:32: In den folgenden Jahren so erzählt er fokussierte er sich auf sozial relevante Themen.
00:26:38: Er berichtete über die Bergerbeiter im Donnbass oder recherchierte in Kaliniengrad über den Bernsteinhandel.
00:26:45: Auch das waren durchwegs gefährliche Situationen, wenn auch kein Krieg!
00:26:50: War es seine Absicht sich auf Dauer dem Extremen auszusetzen?
00:26:54: Also war kein Ziel.
00:26:55: also ich habe auch in den ersten Jahren meiner Magazinejahre Alles Mögliche gemacht.
00:27:04: Ich habe Reportagen über medizinisch-psychologische Untersuchungen, wenn du deinen Führerschein entzogen bekommst und drei Wochen da die Leute begleitet beim Ring und hoffen.
00:27:13: über Baumärkte in Hannover habe ich geschrieben und dann zwischendurch immer mal wieder auch was im Ausland über Kriege bis sich jetzt in den letzten zwanzig Jahren das immer mehr verengt hat auf klassische Krisen.
00:27:28: Bis heute mache ich die nicht nur weil ich nicht möchte dass mein Blick und die Sprache abstumpft.
00:27:33: Und dann du da noch irgendwann keine Ahnung, zu viel
00:27:37: Zorn bekommst
00:27:38: oder Bitterkeit oder annimmst.
00:27:42: das sei Alltag.
00:27:44: der Tod und das Verletztsein und das Blut und traumatisierte Menschen.
00:27:50: Wenn das dann irgendwann nur noch für dich Alltag ist Dann verlierste auch die Fähigkeit zu übersetzen.
00:27:57: Das bin ich ja letzten Endes auch nur ein Übersetzer.
00:28:00: In der Folge spricht Wolfgang Bauer auch über seine Erfahrungen als Berichterstatter im Ukrainekrieg.
00:28:04: ein Gang zwischen Leben und Tod.
00:28:07: Wolfgang Bauern erzielt weiter, über seine Erfahrungen in der Kriegsberichterstattung ausführlich zu hören im Hörbuch zum Buch Die Sieben Totsünden von Daniel Uchtmann erschienen und produziert von Sissigrant.
00:28:20: Infos unter www.sissigrand.com.
00:28:23: slash works slash die minus sieben minus Totsenden Autor Daniel Uchtmann mit seiner Konklusio bei diesem Kapitel zum Zahn.
00:28:32: Und vielleicht ist das eine der wichtigsten Lektionen aus dieser Begegnung?
00:28:37: Es ist in Ordnung, dass wir Angst bekommen vor Krieg, Ungerechtigkeit und Unterdrückung.
00:28:45: Diese Furcht ist kein Zeichen von Schwäche sondern ein Seismograph.
00:28:50: Sie soll uns zur Wachsamkeit und zum Handeln auffordern Denn auch wenn man alles um sich herum ausblenden will, um sich nicht schlecht zu fühlen würde uns diese Ignoranz früher oder später teuer zu stehen kommen.
00:29:05: Zorn
00:29:06: ruft
00:29:06: Zorn hervor Doch Wolfgang Bauer versucht seine eigene Wute auf das gesehene und erlebte in etwas Produktives zu kanalisieren.
00:29:17: Er lässt sie in seiner Arbeit einfließen Um durch reale Geschichten, durch Einordnung und Aufklärung die Welt vielleicht ein kleines bisschen besser zu machen, indem er unermüdlich erzählt, wozu der Mensch fähig ist.
00:29:32: Im Guten wie im Schlechten!
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