Perspektiven mit Doris Gabriel

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00:00:00: In dieser Welt können wir alle spirituellen Erfahrungen nur über unseren Körper machen.

00:00:17: Eine Körpererfahrung wird nicht automatisch eine spirituelle Erfahrung, aber wenn ich es mit der notwendigen Achtsamkeit und dem notwendigen Bewusstsein vollziehe, dann kann alles eine spirituelle Erfahrung sein.

00:00:32: Und wie gesagt umgekehrt komme ich nicht drum herum.

00:00:35: Bei aller spirituellen Erfahrungen ist mein Körper beteiligt.

00:00:40: Und auch wenn ich im Schweigen da sitze, sitze ich da und nehme ich wahr wie sich das anfüllt und ist diese Erfahrung dann wieder in meinem Körper

00:00:50: abgespeichert.".

00:00:54: Meine Gesprächspartnerin heute ist Ritualbegleiterin Doris Gabriel.

00:00:59: Sie hören den dritten Teil einer Senderei über die Verbindung von Körper-, Geist- und Seele – heute mit dem Schwerpunkt auf!

00:01:06: Körper, Spiritualität und Kirche.

00:01:12: Ich glaube also dass Gott da überhaupt keine Ansprüche an uns hat, sondern dass Gott wirklich unsere Freiheit und unsere Lebendigkeit und Leben in Fülle für uns will und sich darüber freut über alles wo wir in die Lebendlichkeit

00:01:29: kommen.

00:01:42: Diese Freiheit von der Doris Gabriel das spricht erfahren wird zwar im kirchlichen Kontext nicht immer Da gibt es auch viele Vorgaben und Regeln, aber grundsätzlich sind Gottesdienste – besonders auch katholische Gottesdiente – eigentlich eine sehr sinnliche und körperliche Erfahrung.

00:02:02: Wir stehen, sitzen und kniehen, nehmen auch verschiedene Handhaltungen ein.

00:02:08: Wir benetzen uns mit Weihwasser, wir singen, wir trinken, wir essen in Gottesdienst!

00:02:14: Auch der Geruchssinn kommt zum Einsatz, wenn Weihrauch verwendet wird.

00:02:18: Die Gewänder und Farben spielen eine wichtige Rolle – und trotzdem gilt Kirche auch als leibfeinlich oder als Ort an dem Ausdruck von Gefühlen- oder Körperwarnemungen nicht immer erwünscht ist.

00:02:32: Da gibt es also eine gewisse Ambivalenz!

00:02:36: Ja ich finde das ist ein großes und auch ein ambivalentes Thema.

00:02:41: Also ich sehe das ganz genauso und das mag auch an der katholischen Religion, dass es so viel sinnliche Erfahrungen in unseren Feiern gibt.

00:02:53: Das finde ich etwas ganz Schönes und was ganz Wichtiges.

00:02:58: Und zugleich gibt's natürlich die Facette, dass eben auch in der Religion der Körper diszipliniert worden ist Zeiten und in verschiedenen Strömungen auch schlecht gemacht worden ist.

00:03:15: Und das betrifft sicher den Frauenkörper noch einmal stärker als den Männerkörper.

00:03:21: Also Frauen haben eine schwierige Tradition, auch damit dass aus dem jüdischen kommen die ganze Thematik der Unreinheit, die immer wieder dem weiblichen Körper angelastet wird was belastend es ist.

00:03:39: Und jetzt ist mir schon klar, dass es auch gerade im Judentum durchaus eine Komponente gibt.

00:03:45: Dass eben diese Zeiten der Unreinheit auch Schutzräume für die Frauen waren.

00:03:52: Also das das jetzt sozusagen nichts Böses war aber es hat sehr schwierige Auswirkungen gehabt.

00:04:02: Zugleich ist es natürlich so dass sozusagen manches wertgeschätzt worden ist und manches verdammt worden ist von der Körperlichkeit.

00:04:14: Außerdem macht es einfach noch einmal einen großen Unterschied, was ich in einem Gottesdienst körperlich erleben kann und was auch nicht.

00:04:26: Also das war für mich eine wichtige Erfahrung wie ich begonnen habe dann feministische Liturgien zu machen und später Rituale zum Beispiel dass es einen Riesenunterschied macht, das eben bis in meine Jugendzeit.

00:04:41: Ich erlebt habe der Segen immer nur etwas ist, was von einem Priester gesprochen wird.

00:04:48: Wobei ganz stimmt's nicht.

00:04:50: ich hab auch die Erfahrung gemacht, dass meine Mutter uns ein Kreuzzeichen gemacht hat zu besonderen Anlässen Aber dann in den Frontliter gehen, auf einmal zu erleben.

00:05:03: Erstens einmal wir segnen einander – das heißt auch die Erfahrung zu machen.

00:05:07: ich kann segnen und die Erfahrung zum Machen.

00:05:12: Ich kann Segen spüren indem andere mir die Hände auflegen indem mich gesalbt werde, indem ich gehalten werde hat einfach einen Riesenunterschied gemacht Und ich glaube, da gibt es ein weites Feld wo noch um einiges mehr möglich wäre.

00:05:30: Genauso wie sie ja so ist.

00:05:33: also ein Freund von uns spricht immer von der Gottesdienstlichen Aerobik wenn er meint das Aufstehen niederknähen hinsetzen und so weiter.

00:05:45: Ich kann dem schon auch was abgewinnen weil Grundsätzlich machen verschiedene Körperhaltungen oder verschiedene Gebetshaltung, natürlich einen Sinn.

00:05:56: Weil ich mich anders erlebe wenn ich stehe oder sitze nur wenn ich das automatisiert in jedem Gottesdienst mache und es eigentlich überhaupt keinen Differenzinn für mich hat verliert völlig an

00:06:09: Wert.".

00:06:10: Es geht also sehr grundsätzlich um die Frage was sich zum Ausdruck bringen will und wann?

00:06:16: Warum Doris Gabriel spielen der Körper und unsere Sinne dabei eine so wichtige Rolle?

00:06:22: Also alles, was wir mit dem Körper erlebt haben ist im Körper gespeichert in unserem Körpergedächtnis.

00:06:34: Alles worüber wir nachgedacht haben das können wir genauso gut wieder vergessen.

00:06:38: Wir merken uns zum Glück viel aber wir vergessen auch einiges.

00:06:42: Aber im Körper ist es da und abrufbar Und das gibt dem Ganzen noch einmal eine andere Wahrheit und eine andere Haltbarkeit.

00:06:53: Also auch, dass ist was wir den Frauen bei den Exerzitien immer wieder sagen, dass sie manchmal so am Schluss die Krise haben.

00:07:01: Ich mag jetzt aus dieser feinen Zeit wo ich so gut bei mir war, wo ich mit Gott in Kontakt war, das Gefühl gehabt habe, ich bin in einem geschützten Raum.

00:07:11: Ich mach aus dem nicht raus weil ich verliere das alles wieder wenn ich im Alltag bin.

00:07:16: Und da ist es uns sehr wichtig, Ihnen zu sagen.

00:07:19: Es ist auch gut wieder auf einen anderen Modus umzuschalten weil in der Sensibilität, in der wir in den Exerzitien sind können wir im Alltag nicht sein.

00:07:28: Da müssen wir uns mehr schützen und zugleich können wir ihnen versprechen dass das was sie hier erlebt haben nie mehr ganz verloren geht weil ihr Körper es weiß und sich erinnert.

00:07:40: Und das ist ja auch das Phänomen, dass wir durch einen Duft oder durch einen Klang oder durch eine Berührung wieder etwas geweckt wird in uns.

00:07:50: was wir mal erfahren haben

00:07:52: Das kennen sie ja bestimmt auch.

00:07:55: Der Duft von Marillen Marmelade zum Beispiel erinnerte vielleicht an unbeschwerte Zeiten mit der Oma.

00:08:02: Oder, sobald man sich dem Urlaubsord nähert und das Meer noch nicht zu sehen nur zu riechen ist stellt sich automatisch Entspannung ein.

00:08:11: Der Körper weiß – und gibt es in unserem System weiter?

00:08:15: Jetzt kannst du loslassen!

00:08:18: Wenn ich einen Weihrauch fass sehe denke ich automatisch an die Ankunft in Santiago de Compostela nach vielen Tagen pilgerschaften und damit an viele tolle Erlebnisse in dieser Zeit.

00:08:30: Das springt also gleich noch viel mehr an beim bloßen Anblick eines Weihrauchfasers.

00:08:36: Es kommen Erinnerungen hoch, vielleicht spüre ich auch den schweren Rucksack noch auf meinen Schultern.

00:08:42: Ich fange an zu lächeln.

00:08:44: Also da spielt sich was ab.

00:08:47: Machen wir also noch einen Schritt zurück Zu dieser so wichtigen Verbindung von Körper Seele oder Psyche und Geist.

00:08:54: Also mir ist sehr klar und auch sehr wichtig, dass es diese Verbindung zwischen Körper-, Geist- und Seele gibt.

00:09:02: Und das es gut ist wenn die auch ausgewogen miteinander agieren leben wirken und ich denke mir, dass in verschiedenen Zeiten und sicher auch noch einmal stark in unserer Kultur es immer wieder auch Ungleichgewichte gibt Also das vor allem der Geist sehr vorherrschend ist und dem erlaubt wird, die anderen beiden auch ein Stück zu kontrollieren.

00:09:34: Mir ist es was sehr Wichtiges den Anderen Beiden auch die Chance zu geben dass wir sie wahrnehmen und hören was sie uns zu sagen haben.

00:09:44: Spirituelle Erfahrungen scheinen da eher mit dem Körper verbunden zu sein.

00:09:49: Theologie spielt sich eher im Kopf ab.

00:09:52: Also würde ich genauso sehen, wie du das sagst.

00:09:55: Dass es in der Spiritualität sehr stark um dieses ganzheitliche Geschehen geht und eine gute Ausgewogenheit und dass die Theologie einfach wie jede Wissenschaft den Kopf bedient.

00:10:08: Und mir ist es ja wichtig auch dem Kopf sein Recht zu lassen.

00:10:14: also gerade in spirituellen Übungen ist dann oft einmal so das Bedürfnis den Kopf auszuschalten Und ich habe es sehr klug und auch sehr entlastend gefunden, dass Ursula Bartz eine Meditationslehrerin irgendwann einmal gesagt hat die Funktion des Kopfes ist es einfach zu denken.

00:10:34: Genauso wie man dem Herz nicht sagen kann soll das aufhören zu schlagen denkt der Kopf und es geht nicht darum, dass das schlecht ist sondern es geht darum meinen Fokus immer wieder auf was anderes zu legen.

00:10:46: Also es geht um die Verbindung Wobei man wohl schon sagen kann, dass unser Zeitalter eher eines ist das stark auf den Kopf setzt.

00:10:54: Auf Wissen und Verstand.

00:10:57: Viele haben wenig Bezug zu ihrem Körper.

00:11:00: Hören Sie dazu gern auch in die anderen Sendungen dieser Reihe hinein.

00:11:03: da beleuchten wir das von verschiedenen Seiten.

00:11:06: Doris Gabriel hat eine gute Beziehung zu ihrem Körpern.

00:11:10: Kann man das lernen?

00:11:11: Ich glaube es ist einfach eine Entscheidung im Raum zu geben und auf ihn zu hören Und wir erleben das immer wieder bei unseren feministischen Exerzitien, dass wirklich der ganze erste Tag auch dem gewidmet ist.

00:11:25: Dass wir da sagen eben im Alltag hat sehr stark den Kopf und der Geist den Vorrang.

00:11:33: Jetzt sind Sie eingeladen wirklich einmal sehr bewusst einfach auf den Körper zu hören und mal einfach nur damit zu beginnen wahrzunehmen.

00:11:43: Bin ich jetzt eigentlich müde oder hätte mein Körper gerne Bewegung, mag ich was essen?

00:11:50: Oder ist es eigentlich eh schon genug mit Essen.

00:11:53: Ist jetzt einmal schlafen gefragt und dann einfach alles Sinneswahrnehmungen also sie wirklich einzuladen sich die Zeit für ein paar Minuten mal drauf zu achten nur zu hören zu riechen zu schmecken was auch immer.

00:12:08: Also ich glaube dass man das einfach üben muss und auch üben kann.

00:12:13: Und wie man das dann auch ins spirituelle Leben einbauen kann, das kann man tatsächlich mit Doris Gabriella fahren.

00:12:20: Zum Beispiel bei ihren Exerzitien oder wenn sie Rituale begleitet – wie Hochzeiten und Begräbnisse.

00:12:27: Das Wesentliche in der Ritualarbeit ist, sich gut Zeit zu nehmen die genaue Intention herauszubekommen.

00:12:36: Also klar zu bekommen was ist es denn?

00:12:39: Was mir wichtig ist in diesem Rituaal zu erleben oder zum Ausdruck zu bringen und dann eben sehr genau zu schauen und welche Handlung oder welches Rituellelement drückt genau das für die Person auch aus.

00:13:01: Das ist eben der Vorteil, dadurch dass ich kein fixes Schema habe und klar hab an der Stelle kommt das, sondern an dieser Stelle kommt es.

00:13:09: Ist es möglich das miteinander zu entwickeln?

00:13:12: Und da ist es dann auch wichtig wirklich sehr genau hinzuhören und hinzuspüren und vor allem den Menschen zu unterstützen, sehr genau hinspülen was es denn jetzt wirklich zum Ausdruck bringt.

00:13:26: Ich kann mich erinnern zum Beispiel an ein Hochzeitsritual, wo im Gespräch – also ich lasse die Paare dann auch erzählen wie sich ihre Beziehung entwickelt hat.

00:13:37: Und da ist ja deutlich geworden das es eine ganz massive Krise und vor allem meine große Kränkung des einen Partners gegeben hat.

00:13:48: Von daher war dann meine Frage ob nicht bei diesem Hochzeitzritual dass auch einen Platz haben könnte, damit da was heilen kann.

00:13:58: Und diese Gedanke hat ihnen gut gefallen, dass sie da mit dem Hochzeitsritual auch etwas abschließen und befrieden um es nicht mehr zu schleppen.

00:14:10: Dann ist es darum gegangen wie kann das jetzt zum Ausdruck gebracht werden, dass Sie da was loslassen wollen?

00:14:21: Und

00:14:21: dann hat in diesem Fall zum Beispiel die Frau vorgeschlagen, einen Zettel mit dem was passiert ist oder so an einem Luftballon zu binden und wegfliegen zu lassen.

00:14:33: Der Mann hat gesagt es geht für ihn

00:14:35: gar nicht!

00:14:36: Das war so gewichtig da ist ein Luftballonn der ganz falsche Ausdruck dafür.

00:14:42: Dann waren wir bei Steinen, dann war wieder die Frage Aber die liegen dann einfach dort.

00:14:48: Man kann nicht während dem Hochzeitsritual dann weggehen und sie in einen naheliegenden Fluss werfen oder so, war dann irgendwie auch klar.

00:14:56: das kann es nicht sein.

00:14:58: Und im Endeffekt sind sich jetzt auch nicht ganz überraschend zum Feuer gekommen wo Sie dann beide für sich noch mal Zeit genommen haben und benannt haben also für sich aufgeschrieben haben Was war denn der Schmerz damals, also wirklich noch einmal in diese Geschichte hineingegangen sind?

00:15:19: Dass auf einem Blatt Papier geschrieben haben und das wurde dann während dem Hochzeitsritual verbrannt.

00:15:27: Und ich habe es dann auch eingeleitet und eben gesagt die zwei haben sich entschieden etwas aus ihrer Geschichte los zu lassen und sie tun das jetzt hier vor Zeugen und Zeuginnen Und ihr könnt sie dann, falls das irgendwann mal wieder aufgewärmt wird.

00:15:44: Auch daran erinnern, hast du das nicht bei dem Hochzeitsritual damals losgelassen?

00:15:51: Das kann so eine Funktion sein!

00:15:54: Mit viel Liebe und Aufmerksamkeit gestaltet Doris Gabriel Verabschiedungen.

00:15:59: Am meisten mache ich Begräbnisse und die mache auch am allerliebsten.

00:16:04: Bei den üblichen Begräbnisfeiern in einer Halle am Friedhof sind die Möglichkeiten, da irgendetwas auszudrücken sehr beschränkt.

00:16:14: Weil einfach die Zeit sehr knapp ist.

00:16:16: Da ist üblicherweise eine halbe Stunde Zeit.

00:16:19: Da is nicht sehr viel zu machen.

00:16:22: Also das sind dann eher die klassischen Sachen wie noch ein Teelicht anzuzünden oder eine orthodoxe Gebetskerze Blumen in das Grab zu werfen.

00:16:37: Aber auch da ist die Möglichkeit einfach damit zu spielen und zu schauen, also mir ist dann bei einer Verabschiedung so intensiv gekommen für diese Frau braucht es einfach Glitzer der kann man nicht nur Erde in das Grab werfen, da gehört Goldstaub hinein was die Menschen dann mit großer Freude gemacht haben.

00:16:59: Oder bei einem anderen Begräbnis war es dann eben so, dass der Großvater sich gewünscht hat.

00:17:05: Dass er seinem Enkel am Grab eine kleine Geschichte über das Sterben vorliest aus einem Kinderbuch und der Enkel dann einen Luftballon steigen lässt.

00:17:18: Also solche Sachen sind auch möglich oder?

00:17:21: ich habe jetzt von einer Freundin erlebt Bei denen war es üblich, dass wenn sie etwas gefeiert haben dann hat jemand gesagt das ist doch Sektverdächtig und dann ist eine Flasche Sekt ausgemacht worden.

00:17:35: Und dann ist auch bei der Verabschiedung von ihrem Mann ein Glas Sekt getrunken worden.

00:17:41: also da gibt's schon verschiedenste Möglichkeiten und wenns freier isst Dann kann man natürlich auch etwas mit Wasser und mit sich reinigen machen oder mit Räuchern, also sehr oft mache ich das bei einem Begriebnis auch wenn es gewünscht ist.

00:18:03: Dass ich noch einmal mit Weihrauch- oder mit Reucherwerk um den Sack herum gehe somit der Aussage und dem Gedanken möge diese Person alle Erden schwere jetzt hinter sich lassen und einfach leicht und frei sein.

00:18:19: Wichtig ist es Doris Gabriel, dass immer wenn sie Menschen begleitet ein sicherer Raum entsteht in dem Gefühle ihren Platz haben und gezeigt werden dürfen wie zum Beispiel die Trauer.

00:18:30: Also ich glaube das für die Trauern ganz wichtig ist Räume zu haben, wo ich sie zulassen kann.

00:18:39: Und das ist bei Menschen natürlich auch ganz unterschiedlich ob es für sie dann besser ist wenn jemand dabei ist der sich auch halten kann oder sich trösten kann oder ob's auch gut ist alleine zu sein und auch ob es gut ist zu weinen oder zu schreien oder eben einmal auch Steine in einen Fluss zu werfen oder was zu zerreißen was auch immer, aber sich da zu erlauben hinzuspüren.

00:19:09: Was für Emotionen sind denn bei mir da und denen einen kraftvollen Ausdruck zu geben?

00:19:16: Und auch das ist etwas, was ich bei Begräbnis- und Betrauerbegleitung einfach sehr oft erlebe dass es darum geht Erlaubnisse zu geben.

00:19:26: Dass die unterschiedlichsten Gefühle sein dürfen und dass ich auch auf den Verstorben einen Wut haben kann, obwohl das vollkommen in gewisser Weise unlogisch ist.

00:19:36: Weil niemand stirbt jemanden anderen zu fleiß.

00:19:39: Aber trotzdem darf ich eine Wut habe, dass ich jetzt mit den Kindern alleine überbleibe oder dass ich mit den Schulden alleine über bleibe oder was auch

00:19:48: immer.".

00:19:49: An dieser Stelle bietet sich ein Blick in die Bibel an – Ein Buch, das ja weder Regelwerk sein möchte noch eine historische Abhandlung.

00:19:58: Viel mehr werden Geschichten erzählt über das Leben.

00:20:02: Auch Jesus war einer, der Gefühle gezeigt

00:20:05: hat.

00:20:05: Also würde ich auch so sehen, dass Jesus uns als jemand geschildert wird, der keinerlei Berührungsängste gehabt hat Und eben sowohl zugelassen hat es selber berührt zu werden oder sich auch berührt, zu zeigen.

00:20:23: Zumindest da im Weinen um den Lazarus oder in der Angst am Ölberg ... Oder auch in der Wut bei der Tempelaustreibung.

00:20:36: Das sind ja auch die Sachen, die ich so spannend finde.

00:20:39: Was davon wir sozusagen tradieren und als lobenswert oder nachahmenswert gepredigt wird?

00:20:48: Und was eher unter den Tisch fällt?

00:20:51: Ich bin immer wieder fasziniert davon, dass ich mir denke also von Jesus könnten wir sehr viel Konfliktmut lernen!

00:21:02: Und ich erleb die Kirche als einen Ort, wo große Konfliktscheu ist und wir uns in einer Harmoniekultur befinden, wo Konflikte eben nicht angesprochen und ausgetragen werden.

00:21:16: Da denke ich mir immer wieder.

00:21:18: also wenn ich in die Bibel schaue dann sehe ich einen Jesus der Konflikt nicht aus dem Weg gegangen ist und der durchaus auch immer wieder provoziert hat, also da nur die Sanftmut und die Rücksichtnahme und so weiter finde ich kann man aus der Bibel nicht herauslesen.

00:21:37: Und zugleich gibt es natürlich Aspekte der Menschlichkeit die nicht vorkommen.

00:21:45: Also wie Jesus mit seiner Sexualität umgegangen ist, darüber wissen wir gar nichts und ich gehe mal davon aus wenn er ganz Mensch war dann gab es die auch und dann wird er die in irgendeiner Weise auch geliebt haben.

00:21:58: Wut Angst

00:21:59: Provokation gibt es da also.

00:22:02: aber auch wenn Jesus heilt oder auch wenn Menschen ihm begegnen spielen die Sinne und Berührung eine ganz wichtige Rolle.

00:22:10: Also das heilsame Wirken von Jesus hat für mich viel mit dem zu tun, dass er Menschen sehr ernst... also soweit man die Geschichten in der Bibel alles so nehmen kann.

00:22:25: Das mal vorausgesetzt!

00:22:27: Aber die Geschicht erzählen uns finde ich erstens einmal, dass die Initiative für Heilungen zum Beispiel immer heilbedürftigen ausgegangen ist.

00:22:41: Also, dass Jesus nie übergriffig ist und von sich aus findet er muss da jetzt irgend jemanden heilen oder irgendjemand was Gutes tun Das finde ich einen ganz wichtigen Aspekt und das er sie oft einmal sogar noch danach fragt Was willst du, dass ich dir tue?

00:22:56: Ich finde da könnten wir auch einiges lernen davon Und dass er eben dann auch überhaupt keine Scheu davor hat Menschen zu berühren.

00:23:07: Ich finde auch noch einmal schön daran, dass ich so das Gefühl habe er gibt sie dann komplett frei.

00:23:13: Also er bleibt nicht dabei noch zu schauen hat es jetzt funktioniert und usw.

00:23:18: Es gibt ja eine oder andere Stelle wo irritiert ist, dass keine Dankbarkeit kommt.

00:23:24: aber in normal Fall tut er wovon er spürt, dass das für den Menschen heilsam ist.

00:23:29: und das ist es danach.

00:23:31: Jesus und die Bibel.

00:23:33: Was können wir von anderen Religionen lernen in Bezug auf Körperwahrnehmungen oder das Einbeziehen des Körpers in unser Spirituelles erleben?

00:23:43: Für mich war wichtig, in andere spirituelle Traditionen auch hineinzuschauen und hineinzuhören.

00:23:53: Für mich sind es vor allem sehr alte Traditione und Naturreligion wo es darum geht, wieder das Bewusstsein für die Verbundenheit zu entwickeln und wieder das Bewußtsein zu entwickeln.

00:24:09: Und das ist ja das was uns der Körper so gut leeren könnte dass es Rhythmien gibt und dass es immer wieder auch darum geht die Gegensätze zu leben.

00:24:23: Das ist das Einatmen und das Ausatmen braucht.

00:24:26: Das ist die Energie und die Ruhe braucht Dass es die Brachzeiten braucht und die Zeiten der Fülle, dass es das Fasten braucht.

00:24:36: Und das Genießen des Essens usw.

00:24:39: Da habe ich das Gefühl da haben wir in unserer Kultur einfach sehr viel Gleichförmigkeit entwickelt und eher den Anspruch Es sollte immer auf dem gleichen Level sein Und das ist ja etwas, was eigentlich wir Frauen auch noch einmal sehr an unserem Körper spüren würden wenn wir es denn zuließen.

00:25:01: Dass wir in einem Zyklus leben und dass nicht zu jeder Zeit das nach außen gehen und die Energie das gefragt ist, sondern dass es auch die Zeiten des Rückzugs braucht und des Innehaltens und des Michschützens.

00:25:18: Und dass es die Zeiten der Fruchtbarkeit und der Unfruchtbarigkeit gibt.

00:25:23: Das kann ich ja auch übertragen für mein Leben wahrnehmen, dass ich nicht ständig produzieren und leisten muss, sondern, dass sich auch das andere wertschätze.

00:25:46: Also eine Empfehlung dass es eigentlich ganz einfach ist, weil ich aus allem was mir guttut ein Ritual machen kann.

00:25:57: Weil auch mich hinzusetzen am Abend mit einer Täthasse oder einem Glas Wein und das bewusst zu genießen und Danke zu sagen für das, was an diesem Tag wichtig war – ein Rittual sein kann!

00:26:14: oder es gibt einen sehr schönen Text, wo für eine Frau schwimmen ihr Morgenritual ist und wo sie eben dieses Eintauchen ins Wasser und das Getragen sein als eine Gotteserfahrung nimmt.

00:26:31: Also in dem Sinn geht's wirklich darum, für mich selber hinzuspüren – was is' es denn?

00:26:39: Und dann es nur so lange zu machen, solange noch ein Ritual für mich ist.

00:26:45: Weil das meiste, was wir einfach eine Zeit lang machen verliert irgendwann einmal die Intensität und die Qualität.

00:26:53: Und ich finde etwas Wichtiges ist ja auch noch Das kennen wir eigentlich aus allen spirituellen Traditionen Dass der Körper Die beste Möglichkeit ist in sich und jetzt zu kommen.

00:27:06: Ich kann nicht zugleich meinen Körper spüren und denken.

00:27:10: Es schließt sich aus Und drum sind alle Übungen, einfach einmal nur zu sitzen und den Boden unter meinen Füßen zu spüren.

00:27:19: Und meinen Atem zu spühlen – eine Möglichkeit ins hier-und jetzt zu kommen!

00:27:23: Auch das ist ja das Wissen aller spirituellen Traditionen, dass es darum geht in die Achtsamkeit um ins Hier-und Jetzt zu kommen und nicht mit dem Gedanken in der Zukunft oder in der Vergangenheit zu sein.

00:27:37: Und das geht immer nur für Momente und es sind ganz kleine Übungen, aber die ist in jeder Zeit zu machen.

00:27:53: Doris Gabriel heute in der Sendung über das Einbeziehen des Körpers unserer Sinne unserer Gefühle in Spiritualität und Religion.

00:28:03: Ihr Kurs zur Ritualbegleitung startet im September wieder.

00:28:07: Infos zur Anmeldung finden Sie auf radioclassik.at sowie auch Die Informationen zur ganzen Senderei über die Verbindung von Körper, Seele und Geist.

00:28:18: Mein Name ist Veronica Bonelli.

00:28:21: Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend und freue mich wenn Sie das nächste Mal im vierten Teil wieder mit dabei sind.

00:28:27: Nächste Woche

00:28:28: dann!

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