per- 260512#Interreligiöser Dialog_Hammer_Religion
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00:00:00: Zu den heutigen Perspektiven begrüßt sich Stefan Hauser.
00:00:02: Es ist ein Gespräch mit einem ausgewiesenen Experten des christlich-muslimischen Dialogs, es ist Professor Stefan Hammer.
00:00:11: Er ist imritierter Professor für Rechtswissenschaft und eben profunder Kinder des Dialoges.
00:00:18: Stefan Hammer hat eben Rechtswissenschaft studiert und interessanterweise auch Arabistik.
00:00:24: Wie ist denn das gekommen?
00:00:26: Ja also... Das zweite, nämlich Arabistik ist eigentlich ursprünglich mein Hauptinteresse gewesen zusammen mit Ethnologie und ähnlichen Studien.
00:00:42: Aber dann wie das halt so ist hat man mir zu einem Brotstudium geraten und rausgekommen ist sozusagen als Einstieg ein Doppelstudium Rechtswissenschaften und Arabistika und Islamkunde daneben Wobei sich dann der Fokus auf die Rechtswissenschaften gelegt hat.
00:01:01: Ich habe das auch inhaltlich sehr stark zu interessieren begonnen, sozusagen wieder erwarten.
00:01:07: Ich hab das Arabistikstudium daher nicht beendet und bin dann geendet als an der Universität Wien.
00:01:19: Ich habe mich da auch habilitiert im öffentlichen Recht und in der Rechtsphilosophie, bis zu meiner Pensionierung diese Fäche auch gelehrt.
00:01:30: Wie hat sich das dann entwickelt?
00:01:33: Was interreligiösen Dialog anlangt, entstand das eben diesem Interesse an Arabistik
00:01:39: und
00:01:40: wie eben Gesellschaften funktionieren vom Recht her?
00:01:44: Natürlich!
00:01:47: sozusagen interdisziplinär zu interessieren begonnen.
00:01:51: Und ich habe seit den Neunzigerjahren teilgenommen am iranisch-österreichischen Dialog, der damals vom Wissenschaftsministerium noch organisiert wurde und gemanagt wurde.
00:02:04: Federführend am Dialog mit dem Iran war damals das Religionsteologische Institut St.
00:02:10: Gabriel.
00:02:11: durch die Reitung von Pater Andreas Bestehe der ja vor einigen Jahren verstorben ist.
00:02:20: Da hat es auch einige Bände dann gegeben, die herausgekommen sind.
00:02:23: Später ist bei mir der Dialog mit Indonesien dazugekommen.
00:02:30: Das wurde wie auch der Iran-Dialog später vom Außenministerium übernommen und war sozusagen die zweite Schiene des Bilateralen christlich oder westlich muslimischen Dialogs, an dem ich teilgenommen habe.
00:02:47: Und zuletzt ist eben bei mir dazugekommen ein längerer Aufenthalt in Pakistan Ende letzten Jahres zwei Monate im Rahmen eines neuen Formats einer sogenannten Dialogue Residency auch vom Außenministerium eben gesponsert oder gehostet was natürlich einen wesentlich tieferen Einblick an die dortige Gesellschaft und die dortiger Rolle des Islam ermöglicht hat als bloße Dialogkonferenzen, wo man dann eine Woche vielleicht in einem Land ist.
00:03:21: Mehr oder weniger die eigene Position aus dem eigenen Land unter westlichen Kultur geprägte eigene Position dort vertritt und vermittelt.
00:03:39: Und mit den gegenbeteiligten Delegationen in ein Gespräch kommt, aber nicht wirklich tiefgehend dann die dortigen Verhältnisse in einer Weise kennenlernen kann wie das bei mir dann später in Pakistan möglich war.
00:03:54: Darauf kommen wir intensiv zu sprechen.
00:03:57: Pakistan ist an sich ja in aller Munde.
00:03:59: es gab dort zwar nicht erfolgreiche, aber immerhin versuchte Vermittlung von Frieden zwischen den USA und dem Iran.
00:04:10: Eine zweite Runde gab es dann nicht.
00:04:13: Warum vermeinen Sie auch aus Ihrer Expertise als Rechtsgelehrter?
00:04:19: Dass sich Pakistan da als Vermittel- oder Verhandlungsort anbietet gerade eben bei solchen großen Konflikten.
00:04:29: Es war schon immer das Anliegen von Pakistan seit der Unabhängigkeit, seit der Dekolonisierung sozusagen als gleichwertiges und hochgeschätztes anerkanntes Mitglied der internationalen Gemeinschaft.
00:04:43: zu fungieren.
00:04:44: Das kommt schon am Anfang von der Preamble, der Verfassung zum Ausdruck in der sich Pakistan auch dazu verpflichtet gleiche Bürgerrechte Menschenrechte zu garantieren Religionsfreiheit für alle.
00:04:58: also es will sich insgesamt und das ist eigentlich durchgehend in der pakistanischen Politik zu beobachten auf das Konzept einer demokratischen und auf Menschenrechten fundierten Nationalstaatlichkeit einlassen.
00:05:12: Also ein Konzept, das nach der Dekolonisierung ja sozusagen globale Verbreitung gefunden hat dem sich aber nicht alle neu entstandenen Staaten in gleicher Weise angepasst haben sozusagen.
00:05:27: Es haben zwar alle Staaten das Korsett einer nationalen Staatlichkeit angenommen als Basis für das Selbstbestimmungsrecht der Völker nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und mit dem Entstehen der Vereinten Nationen, aber Pakistan hat immer beansprucht eine Nationalstaatlichkeit zu verwirklichen, die jedenfalls vom Rest der Welt als eine angesehen wird.
00:05:57: Die den Legitimitätsgrundlagen einer demokratischen und rechtsstaatlichen und den menschenrechtlich verpflichteten Staatlichkeit westlicher Prägung auch entspricht.
00:06:10: Das ist aber nur eine Schiene, sozusagen ein Aspekt der pakistanischen Identität.
00:06:17: Pakistan hat sich vor allem auch verstanden als islamischer Staat, nämlich als Staat, der die Muslime des indischen Subkontinenten sozusagen diesen Muslimen eine nationale Staatlichkeit geben.
00:06:35: Wollte.
00:06:36: Damit sehen wir eine Spannung in der nationalstaatlichen Identität von Pakistan, weil das Nationalstaatskonzept sekularer Prägung hier auf eine Gesellschaft trifft und das gilt für viele muslimische Staaten die ja intern als Gesellschaft nicht in vergleichbarer Weise Ausdifferenzierung zwischen Religion einerseits und Staat, Politik und auch staatlichem Recht andererseits kennt oder jedenfalls nicht in der Weise entwickelt hat wie das in Europa der Fall war.
00:07:14: Das heißt man muss natürlich dieser starken islamischen Prägung der pakistanischen Gesellschaft Religionssoziologen haben das insgesamt dieses Phänomen bezeichnet als Matrix, also die Religion oder die religiöse Weltdeutung bildet die Matrix für das gesellschaftliche Bewusstsein insgesamt.
00:07:39: Man kann also nicht eine Sekularität und damit Ausdifferenzierung von Politik unter anderen Bereichen der Gesellschaft voraussetzen wie das eben in westlichen Ländern der Fall ist.
00:07:53: Wenn wir vorher auch vom Iran gesprochen haben, dann muss man glaube ich eine Differenzierung machen.
00:07:59: Im Iran ist der skitische Islam dominant in Pakistan das unidische.
00:08:05: Was bedeutet das Professor Hammer?
00:08:07: Also was im Iran dominant geworden ist, dieses Konzept auf Persisch heißt es Welaia de Faki Das heisst die Regierung der Rechtsgelehrten.
00:08:21: Entwicklung oder ein neues Konzept, das von Ayatollah Khomeini im Wesentlichen propagiert wurde und dem aber lang nicht alle Shiiten folgen.
00:08:32: Eine andere schiitische Richtung ist als eher kvietistisch zu bezeichnen,
00:08:38: d.h.,
00:08:39: favorisiert eigentlich auch eine Distanz zur Politik und sagt, wir können nicht sozusagen letztgültige Wahrheiten über die Legitimität oder Rechtfertigung von Politik- und politischer Herrschaft behaupten.
00:08:54: Diesseits ist sozusagen dem Urteil Gottes im Jenseits vorbehalten.
00:09:00: Daher hat es auch im Iran selber zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts eine durchaus verfassungsstaatliche Bewegungen gegeben, die auch vom schiitischen Klerus mitgetragen wurden.
00:09:13: In dem eigentlich ein Europa im weitesten Sinn vergleichbare Position der Religion auch zugedacht war die, wie gesagt nicht direkt mit der Politik vermengt war.
00:09:29: Und deswegen sind auch die Shiiten im Pakistan entlang dieser Linie zweigeteilt.
00:09:34: Teilweise unterstützen sie das iranische Regime also das was man so landläufig vereinfacht als Theokratie bezeichnet.
00:09:43: andererseits folgen sie aber eher diese kvietistischen Richtung die heute in Merak vor allem auch vertreten wird.
00:09:51: daher Diese ist diese Richtung der schiitischen Muslime fast noch politikabstinenter, würde ich sagen als Dysuniten in Pakistan und den anderen Ländern.
00:10:08: Aber wir haben hier den Eindruck wenn wir uns kann man sagen das vergene Jahr ansehen mit dem Protest schon im Juni-Zweißen-Fünfundzwanzig im Iran dann im Jänner mit diesen tausenden Toten, wo man auf das eigene Volk im Iran geschossen hat.
00:10:25: Und jetzt gibt es natürlich auch die Sorge wenn irgendwann diese Kriegeshandlungen der USA und Israel vorbei sind gegenüber dem Iran dass dann wieder das iranische Volk darbt.
00:10:36: Das ist doch eigentlich ein Islam, der militant ist und Menschen unterdrückt.
00:10:41: Das ist sicher leider so in der Form dieses kommunische Konzept im Laufe der Zeit entwickelt hat.
00:10:50: Es will einfach nicht zur Kenntnis nehmen, dass weite Teile und wahrscheinlich viel größere Teile als in anderen Ländern Teile der Bevölkerung mittlerweile sekular sind auch aufgrund dieser negativen Erfahrung mit religiöser Unterdrückung.
00:11:06: das geht ja so weit.
00:11:09: Die Moralisierung des täglichen Lebens und auch das Straßenverkehrsrecht durch einen religiösen Überbau geht ja soweit, dass bei Ampeln dabei gestanden ist.
00:11:21: Dass die Nicht-Beachtung des Rotlichts eine Sünde bedeutet und Ähnliches.
00:11:27: Also es wird alles religiös moralisiert widerspricht eben nicht nur definitiv säkular eingestellten weiten Teilen der Bevölkerung, sondern auch durchaus religiösen Teilen die aber nicht dieses Konzept einer religiös legitimierten politischen Herrschaft mittragen.
00:11:51: Und es sind auch weite... Also relativ große Teile des schiitischen Klerus im Iran durchaus unterdrückt und stehen teilweise unter Hausarrest.
00:12:04: Es ist nicht nur eine Frage der fortschreitenden Sekularisierung der Bevölkerung, die im Iran besonders krass zu beobachten ist sondern es ist auch eine Frage dieser Unterdrückung anderer Richtungen, die durchaus auch dem schiitischen Islam zuzuordnen sind.
00:12:24: Wenn ich danach nachfragen darf, Prof.
00:12:26: Stefan, kann man überhaupt Hoffnung haben für die Menschen im Iran, dass sie einmal in einer befreierenden Situation leben können?
00:12:35: Es ist sehr schwer vorauszusehen und ja, man kann natürlich dieses plakative Wort die Hoffnung gestirkt zuletzt hier anführen Aber ich glaube die Iraner selber sehen es in sehr unterschiedlicher Weise.
00:12:50: Sie hoffen zwar, sie haben ja auch ursprünglich gehofft dass die amerikanische Intervention jedenfalls teilweise haben die Leute gehofferst die amerikanischen Intervention letztlich die Chancen für einen Regime-Change erhöht.
00:13:06: Das hat sich aber längst zerschlagen, weil eigentlich das was zerstört wurde im Wesentlichen die Infrastruktur ist, die die Leute selber dann unter Druck setzt nämlich die Zerstörungen.
00:13:18: und nicht erkennbar dass Regime in den Grundfesten geschwächt hat zwar einige Führungspersönlichkeiten getroffen Aber wie man sehen kann, war das Regime als Struktur darauf angelegt, ohne eine fundamentale Krise zu überstehen.
00:13:41: Viele führten auch nachher, wenn dieser Konflikt beendet ist und immer noch stärker im Sattel sitzt oder jedenfalls mit einer noch stärkeren Repression gegen aufbegehrende Bevölkerung vorgeht, was ja jetzt schon zum Teil sichtbar ist.
00:14:02: Angeblich haben auch die Zahl der Exekutionen in letzter Zeit wieder zugenommen.
00:14:08: Wir haben ein Gespräch mit Stefan Hammer, er ist emeritierter Professor für Rechtswissenschaft und Experte des christlichen muslimischen Dialogs.
00:14:18: Prof.
00:14:18: Hammer Sie haben schon erwähnt sie waren Ende vergangenen Jahres zwei Monate im Pakistan.
00:14:23: Haben uns da auch schon einen wenig Einblick gegeben dass es eben eine islamisch geprägte Gesellschaft ist, aber auch Pakistan ist nicht von Konflikten frei.
00:14:34: Natürlich nicht!
00:14:35: Es gibt natürlich den außenpolitischen Konflikt mit Indien und Kashmir.
00:14:39: darauf werde ich jetzt nicht näher eingehen.
00:14:42: Es gibt ein Konflekt mit Afghanistan weil man... weitgehend wahrscheinlich zu Recht vor allem in letzter Zeit annehmt, dass terroristische Aktivitäten in Pakistan durchaus von Afghanistan unterstützt werden.
00:14:56: Aber auch hier liegt der Hauptgrund Balthung, würde ich fast sagen der pakistanischen Gesellschaft zwischen einem sehr traditionellen Gesellschaftsmodell einerseits in der Religion eben der Ausgangspunkt der Weltteutung und Gesellschaftsteutung insgesamt bildet.
00:15:14: Dieses Segment oder dieser Großteil der Bevölkerung hat natürlich auch Bevölkerungs-Teile die eine gewisse Gewaltbereitschaft unterstützen und es vergeht ja kaum eine Woche, in der nicht irgendwo terroristische Anschläge irgendwo in diesem großen Land Pakistan verübt worden sind.
00:15:35: Auf der anderen Seite gibt's einen viel kleineren sekularisierten Teil der Gesellschaft Islamische Prägung jedenfalls soweit sie die staatlichen Strukturen durchwirkt sozusagen möglichst reduzieren will, abbauen will und möglichst eine sekulare Demokratie vertritt.
00:15:54: Und diese Spannung... besteht seit der Gründung von Pakistan.
00:15:58: Es zieht sich durch die Verfassung, es zieht sie durch alle Segmenten der Gesellschaft.
00:16:03: Ich kann vielleicht auf das Bildungswesen näher eingehen wo das besonders sichtbar wird.
00:16:09: Das Bildungs-Wesen besteht aus zwei Schienen, die vollkommen dissoziiert sind voneinander nämlich einerseits das staatliche Bildungssystem Ähnlich wie im Westen eine normale Schule und auch Universitätsinstitutionen gibt.
00:16:27: Auf der anderen Seite das traditionelle islamische Bildungssystem, dass vollkommen abgekoppelt ist vom Staat, auch nicht vom Staat finanziert wird und schon gar nicht administrativ kontrolliert wird sondern allein von der Bevölkerung getragen wird.
00:16:43: Und in dieses Bildungs-System der Madaaris – das Plural vom Wort Madrasa hat die Bevölkerung das größte Vertrauen, also vor allem das grode Bevölkerung.
00:16:56: Dieses Bildungssystem muss heute gleichsam eine Gratwanderung vollziehen.
00:17:02: Einerseits gibt es die Bemühungen möglichst unter Anführungszeichen moderne Fächer hier zu inkludieren wie Naturwissenschaften und so weiter.
00:17:12: Andererseits bemüht man sich den religiös geprägten Erwartungen der Bevölkerung gerecht zu bleiben und das Anliegen einer gelehrten Vermittlung und Erhaltung des islamischen Glaubensguts, dass zentral für die Gesellschaft als solches angesehen wird, zu erhalten.
00:17:31: Diese Gradwanderung bringt vor allem die Madaris der höheren Bildungsklasse sozusagen für heute würde man sagen Hochschulniveau in eine manchmal prekäre Situation, weil sie unter dem Druck von gewaltbereiten Gruppen und auch einflussreichen Aktivisten solcher Gruppen steht.
00:17:54: Und andererseits aber sich bemüht um eine inhaltliche Anschlussfähigkeit traditioneller islamische Lehren an heutige Herausforderungen einer pluralen Weltgesellschaft.
00:18:08: Wenn Sie sozusagen auf einem Ticket Österreichs durch die Auslandskultur nach Pakistan reisen und hier Einblicke bekommen, wie weit bekommen sie den wirklich realen Einblick?
00:18:19: Was dürfen Sie wahrnehmen.
00:18:21: Und was wird Ihnen fuhr enthalten?
00:18:23: Das ist eine sehr gute Frage.
00:18:26: also die Bereiche in denen man leicht vor allem wenn man vom einem Außenministerium und der dortigen Botschaft unterstützt wird, die Bereiche in denen man leicht einen Einblick bekommt sind diejenigen, in denen sich Pakistan selbst präsentieren will international nach außen.
00:18:46: Und das sind auch gelehrte Einrichtungen wie das Islamic Research Institute dass an zentraler Stelle in Islamabad angegliedert ist auch der berühmten Faisal Moschee die sehr beeindruckend ist, architektonisch.
00:19:03: Was man dort bemüht ist zu zeigen sozusagen die Vereinbarkeit von islamischer Prägung, zivilgesellschaftlich-islamischen Prägungen des Landes mit Werten einer pluralen globalen Gesellschaft die Menschenrechte respektiert, gleiches Recht für alle Religionsfreiheit wie Rechte der religiösen Minderheiten usw.
00:19:29: Zu diesem Bereich hat man einen relativ leichten Zugang.
00:19:32: Dasselbe gilt für staatliche Universitäten, die auch durchaus so einen Eindruck vermitteln dass sie islamische Identität mit sekularer Wissenschaftsfreiheit und mit dem Konzept einer offenen, pluralen Gesellschaft unter einen Hut bringen wollen.
00:19:53: Das Zweite ist es die von mir angesprochene Welt der traditionellen islamischen Gelehrsamkeit.
00:20:01: Da ist es ohne Vorbereitung und vor allem ohne die Vermittlung von Vertrauensleuten fast gar nicht möglich einen Zugang zu bekommen.
00:20:11: Ich habe das Glück gehabt Auch über die Botschaft vermittelt mit einer NGO in Kontakt zu kommen, die international aber vor allem auch national.
00:20:21: Ein reiches Netzwerk an Kontakten zu islamischen Akteuren, vor allem im Bildungssektor hat und die mir Zugang vermittlt hat zu sehr wichtigen Madaaris im höheren Bildungsniveau.
00:20:36: Zusätzlich hatte ich auch noch das Glück, einen pakistanischen Kollegen von der Universität Wien teilweise als Begleiter zu haben, der selber eine berufliche Biografie in diesem traditionellen pakistanischem Bildungssystem durchlaufen hat und dann aber sozusagen in Österreich auf das sekulare Universitäts.
00:20:59: System umzusteigen.
00:21:01: Beide Quellen haben mir also Zugänge vermittelt, die ich sonst nie gehabt hätte.
00:21:06: Eine besonders wichtige oder prestigiöse und auch entsprechend gut dotierte islamische Madrassa auf Hochschuldiveau ist die Hakkania auf dem Weg von Islamabad nach Peshawar.
00:21:25: Dort haben sie mir zum Beispiel gesagt, Sie sind froh dass ich inhaltliche Diskussionen mit Ihnen führen will und nicht Absurd Questions Frage wie manche Journalisten die halt auf Besuch kommen.
00:21:39: Da hat mir natürlich diese Vermittlung durch Vertrauensleute sehr geholfen.
00:21:45: ein Gegenbeispiel dazu ist eine andere Madrassa gewesen in Islamabad die schon auf Elementarschulniveau beginnt und dann bis ungefähr sechzehn die Leute ausbildet.
00:21:57: Da war ich begleitet von einem Menschen aus einem Ministerium, was schon nicht die ideale Vertrauensbasis war weil diese traditionellen Bildungsstätten ein tief verwurzeltes Misstrauen haben gegenüber Der Regierung insgesamt, die sie als verlängerten Arm westlicher Interessen wahrnehmen.
00:22:22: Die Regierung hat auch schon lange versucht oder versucht immer wieder den traditionellen islamischen Bildungssektor unter Kontrolle zu bringen und weil er nicht immer zu unrecht als Brutstätte für Extremismus wahrgenommen wird.
00:22:39: Das hat aber, wie man mir mehrfach glaubhaft versichert hat überhaupt keine Chance zu fruchten weil dann das Vertrauen der Bevölkerung in diese traditionellen Bildungsinstitutionen völlig verloren gehen würde.
00:22:52: Mein Einstieg in diese Matrassa, das ist die Matrassafaridia gewesen in Islamabad war Ein relativ schlechter, weil ich begleitet wurde erstens von einem Regierungs- oder Ministerialbeamten.
00:23:10: und zweitens selber war ich auch daran schuld dass ich mit einer falschen Frage begonnen habe.
00:23:16: Sozusagen aus Verlegenheit wie... Ich hab' mit dem Principal dort gesprochen also mit dem Leiter dieser Schule und hab gefragt sich bemühen, islamischen gewaltbereiten Extremismus zu unterdrücken.
00:23:30: Das war als erste Frage völlig falsch.
00:23:33: Ich bin ein zweites Mal dort hingegangen und bin immer freundlich empfangen worden aber ich habe nie dieselbe Vertrauensbasis im Gespräch dort wiedergefunden oder mir arbeiten können die in anderen Bildungsstätten genossen haben.
00:23:51: Prof.
00:23:51: Stefan Hammer bei uns Für christlich geprägte Menschen ist natürlich die Bibel das Entscheidende.
00:23:57: Sie als Dialogexperte auch mit dem Islam kennen natürlich auch den Koran, der Koran gilt bei uns oft als militant und als extrem.
00:24:09: wie sieht es denn aus Ihrer Sicht mit dem Koran aus?
00:24:13: Wie wahrscheinlich auch in der Bibel kann man im Koran alle möglichen Belegstellen finden jedenfalls ähnlich wie im alten Testament zumindest, im neuen weniger.
00:24:23: Aus denen man ableiten kann eine starke Gewaltbereitschaft gegenüber Feinden des Glaubens oder Nichtgläubigen oder wie immer man das definieren will.
00:24:35: auf der anderen Seite wird eine Offenheit gegenüber anderen Religionen auch daraus abgeleitet aus beiden Schriften nämlich.
00:24:43: ich möchte dazu kurz zwei Dinge sagen, nämlich dass eine ist Der Koran wird heute, nicht erst heute, sondern nach überwiegender Auffassung im Islam als ungeschaffen gesehen.
00:24:58: Das heißt es ist keine Schöpfung von Gott, sondern er ist sozusagen Gottes Immanent.
00:25:04: Er hat immer schon mit Gott existiert und Gott hat sich... Die Menschheitsgeschichte durchgehend in verschiedenen Etappen offenbart und die letztgültige Offenbarung dieser Art ist der Koran.
00:25:19: Daraus kann man zwei Dinge ableiten, das eine ist religiöser Pluralismus oder die Anerkennung des religiösen Pluralismus aus der Perspektive des Islames möglich aus einer völlig säkularen Sicht, weil die nicht verträglich ist.
00:25:37: Jedenfalls mit der bisherigen Tradition im Islam sondern wenn es soweit es möglich ist beruht das auf der Anerkennung anderer Bevölkerungsgruppen der Erde, die offenbar und Gottes in anderer Form irgendwann einmal in der Geschichte erhalten haben.
00:25:56: Daraus ergibt sich auch die Akzeptanz anderer Religionen wie das vielfach festgestellt werden kann im Islam.
00:26:04: Das andere was ich dazu sagen kann in Bezug auf der Aspekt den sie genannt haben Die Gewaltbereitschaft wird jedenfalls von vielen islamischen Gelehrten oder fällt in eine Kategorie von koranischen Äußerungen, die nicht vollständig durch menschliches Gerechtigkeit empfinden.
00:26:26: Durch den menschlichen Intellekt erfasst werden kann.
00:26:30: Eben weil der Koran sozusagen Anteil hat an der Transcendentgottes, die letztlich nicht intellektuell vollkommen fassbar ist für den Menschen.
00:26:40: daher Im Islam und das ist ja allgemein anerkannt, hat sozusagen einen ästhetischen Zugang primär zum koranischen Text entwickelt.
00:26:51: Den man sieht in der Kaligrafie, in der Koran-Rezitation die in den Mardaris schon gelehrt wird bevor man überhaupt in ein Textverständnis einsteigen will.
00:27:05: Das heißt mich hat besonders beeindruckt Die ganz kurze Koran-Rezitation eines kleinen Schülers mit acht Jahren, der das wirklich zu einer großen ästhetischen Perfektion schon gebracht hat noch bevor er überhaupt teilgenommen hat an höheren Klassen die dann in die Koranauslegung einsteigen.
00:27:30: Dann sage ich danke, Professor Stefan Hamas.
00:27:32: Sie haben uns einen wenig Einblick gegeben in Ihre Wahrnehmung des Islames aus Ihren Besuchen im Iran und dem Jüngsten in Pakistan.
00:27:42: Ich denke wir haben uns einiges davon mitnehmen können und haben eben einen guten Einblick bekommen in dieser Gesellschaften.
00:27:49: Danke für das Gespräch!
00:27:51: Ich danke für die Einladung.
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