per- 260505#Beziehung und Ethik_Lintner_Religion

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00:00:00: Grüß Gott, Martin Lindner ist mein Name.

00:00:02: Ich bin gebürtiger Südtirol aus Allenein.

00:00:04: Das liegt in den südlichen Dolomiten.

00:00:06: von dort komme ich von einem Bergbauernhof.

00:00:08: der liegt auf fourteenhundert Meter Höhe.

00:00:11: Ich habe dann in einem Internat bzw im kleinen bischöflichen Seminar wie es damals geheißen hat im Johannäum in Dorftirol Mitteln und Oberschule gemacht und nach der Matura bin ich nach Innsbruck gegangen wo ich mit dem Philosophie- und Theologiestudium begonnen hab.

00:00:28: Während die Studiums bin ich in den Servitenohren eingetreten, denen ich gut gekannt habe von klein auf weil Maria Weißenstein ein Wallfahrtsort der vom Serviten Ohren betreut wird.

00:00:39: Ganz in der Nähe meiner Heimat liegt und wir deshalb jährlich ein bis zwei Mal mit der Familie dorthin gebildert sind zu Fuß vom Hof aus meistens im Frühsommer um ein gutes Jahr zu bitten und dem Herbst um Dank zu sagen.

00:00:53: Dann geht es für den Ordensmann nach Wien um das Studium abzuschließen.

00:00:58: Er birgt auch in der Serviettenpfarre, die auf Grund-Personalmange geschlossen wird.

00:01:04: Patalinter macht sein Doktorat und es geht örtlich weiter!

00:01:08: Ich

00:01:08: bin dann drei Jahre in Gelsenkirchenbohr im Ruhrgebiet gewesen und seit des Jahrhunderts bin ich jetzt Moraltiologe bzw.

00:01:17: Professor für Spirituelletheologie an der Philosophisch Hoch.

00:01:21: die logischen Hochschule in Brixen in Südtirol.

00:01:23: Gebrickt hat Martin Lindner auch sein Onkel Louis de Missionava und der von mir als zwei Jahrzehnten in Salvador de Bahia im Brasilien ermordet wurde

00:01:33: Als.

00:01:33: er war jetzt ein Sangeistlicher, genau und hat in Südtirol gewirkt in der Jugend- und dann in der Erwachsenenbildung.

00:01:40: Und sein großer Wunsch war es immer schon die Emission zu gehen.

00:01:42: Und nach Langenanläufen ist es ihm ermöglicht worden dass er eben nach Brasilien gegangen ist in eine junge Diäcese im Baheras.

00:01:53: also das ist hier im Nordosten von... Brasilien gelegen.

00:01:58: Das war damals eine Dietsöse, die von Krems Münster aus betreut worden ist beziehungsweise ein Krems-Münster an der Bata da.

00:02:05: Richard Weberberger war dort Bischof.

00:02:07: den hat er eben kennengelernt bei einem Treffen und er hat ihn dann eben eingeladen in seine Dietsösse zu kommen und dort dann eben zu wirken.

00:02:15: und er ist dann Die Zöße in einer Pfarre nahm an Stavokas.

00:02:21: Für elf Jahre geblieben, achtzig bis einerneinzig und ist dann nach Salvador in die Hauptstadt dieses Bundesstaates gegangen worden, wo er dann in den Fawelas gewirkt hat.

00:02:32: und zwei tausendzwei ist er dort erschossen worden mutmaßlich von der Polizei, die Hintergründe sind bis heute nicht ganz aufgeklärt worden.

00:02:42: Er hat natürlich für meine persönliche Berufung auch eine wichtige Rolle gespielt, obwohl er interessanterweise sehr zurückhaltend war in dem Moment wo ich ihm dann auch erzählt habe – ich erinnere mich noch gut es war – er war in Südroll bei einem Sommerurlau.

00:02:55: wir haben dann eine gemeinsame Bergdourg gemacht.

00:02:58: das waren im Jahr wo Matura abgeschlossen hatte und dann eben beschlossen hat, die Logiestudieren zu gehen.

00:03:05: Und er hat sehr zurückhaltend reagiert und gemeint, ich soll mir das gut überlegen... Und auch als ich ihm dann erzählt habe, dass ich mich mit dem Gedankentrage in den serviten Orden einzutreten.

00:03:16: Dann hat er auch nur gemeint, die soll das gut prüfen und soll mir das gut überlegen.

00:03:20: Aber sein Vorbild bzw.

00:03:22: sein Lebenszeugnis waren für mich in den Jahren, in denen Ich mich mit einer geistlichen möglichen Berufung auseinandergesetzt habe und mich zunächst auch gesträubt habe diesem inneren Ruf nachzugehen oder nachzugeben.

00:03:37: Da war mir schon ein Vorbild.

00:03:39: Da habe ich oft auch an ihn gedacht und gesehen, dass er ja ein Leben führt das ihm glücklich macht, das ihn erfüllt so dass eben auch das geistliche Leben oder das Leben als Priester ein sinnvolles Leben ist.

00:03:51: Das hat mich beschäftigt.

00:03:53: da hatte mir weniger durch seine...durch das was er mir gesagt hat sondern einfach durch sein Leben ist er mir da auch ein gewisses Leitbild gewesen.

00:04:02: Martin Lindner stammt von einem Bergbahnhof.

00:04:04: Die Liebe zu den Tieren hat ihn geprägt und das führt auch zu seinem ethischen Interesse.

00:04:10: Als ich habe sehr viel Zeit mit den Tiern verbracht, besonders jetzt nicht nur mit den Nutztieren sondern auch mit den Katzen.

00:04:16: meine Brüder haben mich auch ein bisschen gehänselt sogar verspottet.

00:04:19: sie haben mich dem Katzennarr genannt weil ich eben so in Katzen vernahrt gewesen bin.

00:04:24: aber da gründete auch meine liebe zu den tieren die ja dazu geführt hat dass sich mich jetzt als Dialoge und Moraldeologe mit der Tierethik auch intensiv auseinandersetzen bzw.

00:04:35: mit Schöpfungs- Ethik, das gründet sich ja auch

00:04:38: darin.".

00:04:39: In

00:04:39: dem Jahr wird Pater Martin Linden auf den Lehrstuhl für Moralteologie und spirituelle Theologie an die philosophisch-theologische Hochschule Prixen berufen.

00:04:50: Seit September ist der Dieren de Kahn.

00:04:54: Seine Wahl sorgte international für Aufsehen, da der Wattighande Ernennung Lindness erst in einem zweiten Anlauf zustimmte.

00:05:02: Parta Lindner beschäftigt sich viel mit christlicher Beziehungsetik und das hat folgende Hintergründe.

00:05:08: In diese Thematik bin ich hineingekommen, ganz einfach weil ich sowohl als Studierender wie dann auch als junger Priester in mit der Missbrauchskrise in Berührung gekommen bin und konfrontiert worden bin und dass natürlich die Sexualmoral herausgefordert hat.

00:05:25: Ich habe in den zweiten Studienabschnitt hier in Wien begonnen und das war ja bekanntlich die Zeit, wo die ersten Vorwürfe gegen Kardinal Grohr bekannt geworden sind.

00:05:34: Ich habe da neunundneut sich das abgeschlossen und diese vier Jahre waren wirklich geprägt von diesem Ringen.

00:05:40: Ich sage es jetzt einmal so neutral formuliert vom Ringen der österreichischen Kirche wie sie mit diesen Missbrauchsvorwürfen umgehen soll.

00:05:49: Die meisten, die das damals auch als Zeitzeugen und Zeugenern miterlebt haben werden sich erinnern.

00:05:54: Dass die Kirche zunächst einmal reagiert hat, vollkommen defensiv und sogar davon gesprochen hat – es sind infame Anschuldigungen.

00:06:03: seit dem Zweiten Weltkrieg bzw.

00:06:05: seit dem Nationalsozialismus hätte so schwerwiegende Angriffe gegen die katholische Kirche nicht mehr gegeben.

00:06:11: Und dann kam man zur Überzeugung dass die Vorwürfe zutreffend sind.

00:06:17: Damals hat man das so formuliert, wir sind zu moralischen Gewissheit gekommen.

00:06:23: Als ich dann als junger Geistlicher im Juni in Brixnodom die Priesterweihe empfange und bin dann eben im Herbst wieder nach Wien gekommen, seit es um das Doktoratstudium zu machen.

00:06:36: aber zugleich habe ich dann in neunten Bezirk in der Servitenpfarre, in der Rosau als Kaplan gewirkt.

00:06:44: Das war so die dritte große Welle, wo es nicht mehr nur Anschuldigungen gegen den Kardinal Grohr gegeben hat und bekannt geworden sind.

00:06:52: Sondern wo man dann wirklich gespürt hat welches Ausmaß der Missbrauchskandal der Kirchliche auch in Österreich hat, wo er es eben ganz viele Anschuldigung gegeben hatte, bekannt geworden ist.

00:07:03: Und ich habe mich davon anfangen konfrontiert gesehen mit so etwas wie eine Art Generalverdacht.

00:07:10: Alle Priester sind sowieso potenziell Bedoufil und Kinderschänder.

00:07:14: Das hat mich natürlich als junger Geistlichen sehr beschäftigt, beispielsweise das Erstkomunionmütter bestanden haben, dass ich nie auch nur eine Sekunde mit einer Gruppe von Kindern allein sein darf – denn wer weiß?

00:07:25: Da ist ein junger Pfarrer usw.. Das hat mich natürlich gefragt, wieso komme ich in diese Situation, dass ich mich plötzlich unter diesen Verdacht stellen lassen muss.

00:07:34: Und es kommt für Pater Martin Lindner zu einem einschneidenden Erlebnis?

00:07:38: Es war an einem Septembermorgen.

00:07:41: Ich hatte die Messe gefeiert – die Frühmesse bei uns in der Kirche und bin nach der Messe dann hinausgegangen auf diesem schönen kleinen Platz.

00:07:49: In Wien wird das bekannt sein vor dem serviten Kirche so ein schöner kleiner Malerischer.

00:07:54: Platz mitten in der Stadt.

00:07:55: Und da kommt von der anderen Straßenseite, ich war im Ordenshabit und deshalb eben als keistlicher auch erkennbar eine Frau auf mich zugeschossen.

00:08:03: somit ist es sechzig circa und hat mich eben begonnen zu beschimpfen.

00:08:08: Ziemlich wüst als Bedophil- und Kinderschänder und nach einer Weile habe ich ziemlich verdutzt reagiert das heißt einmal gar nix gesagt fast wie eine Schockstarre.

00:08:16: was soll ich denn schon reagieren darauf?

00:08:19: Da hat sie angefangen dann zu weinen hat begonnen sich zu entschuldigen und gesagt, sie kennt mich nicht.

00:08:24: Sie weiß natürlich nicht was ich mache und so weiter.

00:08:28: aber ich solle Verständnis für sie haben dass sie so einen Hass gegen die Kirche und damit auch gegen mich empfinden würde denn der kirche hat sie um ihr lebensglück gebracht Und dann hat sie mir in wenig setzten und dann war es ja schon wieder weg.

00:08:42: geschildert das jetzt die entscheidung von ihrem Mann legt nach über dreißig jahren e drei erwachsene kinder Und ihr Mann wäre homosexuell und hätte sich jetzt geoutet.

00:08:53: Und hätte sie sich eben trennen lassen von ihr, scheiden lassen weil er sich jetzt immer seinen Partner den der seit Jahren hat binden will... ...und hat dann eben gesagt dass ihr Mann ihr gesagt hat als er Jugendlicher war und ihm gespürt hat das er homoseXuell ist hätte sich einem Kaplan anvertraut und dieser Kaplan hätte ihm dann empfohlen, geraten den Ratschlag gegeben zu heiraten.

00:09:19: Dann würden ihm diese Flausen vergehen.

00:09:21: Und er hat wirklich guten Wissens diesen Rat befolgt und natürlich hatte es aber nicht geklappt.

00:09:28: Und dann hat sie gesagt so einer wie Sie hat das verbrochen als ein junger Kaplan.

00:09:35: Auch später dann die Begegnung mit anderen Menschen, einfach hier in ganz komplexen Lebenssituationen.

00:09:40: Die Kirche würde sagen, die in irregulären Situationen leben.

00:09:44: Die Auseinandersetzung auch mit dem Leid dieser Menschen hat in mir diese Überzeugungen wachsen lassen.

00:09:52: In diesem Bereich sind wir den Menschen etwas schuldig geblieben und Die Antwort kann jetzt nicht die sein, was viele dann im Sagen der Kirche soll halt still sein und da mal zu dem ganzen Thema Sexualität oder Beziehung nichts mehr sagen.

00:10:06: Sondern in mir ist eher die Überzeugung gewachsen wir müssen etwas

00:10:09: aufarbeiten.".

00:10:10: Als Vater Martin Lindner-Zweidownein in Brixen den Lehrstuhl für Moralteologie & Spiritualie Theologie antritt geht es in Deutschland mit dem Aufdecken des Missbrauchskandals los.

00:10:21: Ich bin mit dem Kanisiuskollegien Berlin und ich erinnere mich dass damals Chefredakteur der Kirchenzeitung, da Walter Wert einen Leitartikel geschrieben hat, wo er darauf hinweist was jetzt in Deutschland passiert und auch relativ verbittert reagiert hat das die Kirche offensichtlich ist immer noch nicht gelernt hat angemessen darauf zu reagieren.

00:10:44: Und sagt dann im gleichen Artikel und die Moraltologie versagt auch eine zeitgemäße sexual moral zu erneuern oder zu herarbeiten.

00:10:52: Und in der gleichen Zeitung bin ich dann zwei, drei Seiten weiter vorgestellt, groß überschriften bei Moraldiologin Prixen.

00:10:59: Das war natürlich für mich nicht sehr angenehm.

00:11:01: Ich habe dann Kontakt aufgenommen mit dem Chefredakteur und er hat das auch eingesehen und er gleich gesagt ja schreibe ein Partikel.

00:11:09: und dann hab' ich gemeint ja mit einem Partikel werde ich jetzt die Sexualmoralder Kirche erneuern.

00:11:14: Und was dann passiert ist, wir haben uns darauf geeinigt dass ich mehrere Artikel schreiben darf und es sind dann letztlich dreizehnt herausgeworden.

00:11:21: Und aus diesen dreizehn ist das kleine Büchlein den Eros entgiften.

00:11:28: Mit diesem Buch war ich in der Thematik drin.

00:11:31: Das war die erste Monographie im deutschen Sprachraum seit Mitte der neunziger Jahre und Zeitjahr hat mich das Thema nicht mehr losgelassen.

00:11:40: Weil es wirklich ein Anliegen von mir eben war, hier etwas einen Beitrag zu leisten für die Erneuerung der katholischen Ethik in dieser Hinsicht.

00:11:50: Und zweitens weil ich ganz einfach oft angefragt worden bin als Referent und Autor für Beiträge in Fachzeitschriften oder in Sammelbänden.

00:11:58: Und letztlich eben dieses Buch, die Christliche Beziehungsethik ist aus dem allen herausgewachsen weil es mir dann irgendwann die Möglichkeit gegeben hat nach vielen Jahren das was ich erarbeitet habe auch einmal in einen systematischen Gesamtentwurf zu integrieren.

00:12:24: Die Sexualmoral- und eheläre der katholischen Kirche bedürfen einer Rundumerneuerung.

00:12:30: Durch den Missbrauchskandal, aber auch durch natur- und humanwissenschaftliche Erkenntnisse sowie durch die Genderstudien sind sie radikal auf dem Prüfstand gestellt.

00:12:40: Um die Aufgabe der Neuerung bewältigen zu können ist ein detaillierter Blick in die Geschichte hilfreich.

00:12:46: Dieser zeigt dass sich die Kirche seit jeher Mächtigtuste auf die Herausforderungen ihrer jeweiligen Zeit kreativ zu antworten.

00:12:54: Maßgeblich für jede Entwicklung bleibt die Frage, ob sie hilft, die Botschaft des Evangeliums je tiefer zu verstehen und je besser zu entsprechen.

00:13:03: Daher leistet das Buch auch eine ausführliche biblische Rückbesinnung wobei in besonderem auch die Einsichten der feministischen Exegese aufgearbeitet werden – so der Inhalt des

00:13:14: Buchs.

00:13:15: Martin Lindner erkennt eine sexual- und lustfeindliche Dimension in der Geschichte des Christentums.

00:13:21: Ja, glaube ich schon freu mit der sexual und lustfeindlichen Dimension.

00:13:25: Bei der Leibfeindlichkeit ist es ja ganz interessant dass da, wenn man sich die Geschichte und auch die Texte anschaut... Da ist die Kirche zwar oft an der Kippe entlang manövriert, aber nicht hinuntergestürzt.

00:13:37: Weil hätte sie sich tatsächlich einer Leibfeindlichkeit hingegeben dann hätte sie die Auferstehung des Fleisches nicht mehr verteidigen können.

00:13:45: Aber lust und sexualfeindlich war sie alle mal das stimmt.

00:13:48: also diese Tendenzen die sind wenn Sie mich fragen ich würde es nicht als genuhen christlich bezeichnen Die sind vielmehr von den antiken philosophischen Strömungen Über die Patristik, das heißt über Kirchenfäte dann in das christliche Denken haben sie Eingang gefunden.

00:14:05: Und Lust hat man oder die Sexualität hat man eben als ein Übel geduldet innerhalb der Ehe weil es notwendig ist zur Fortpflanzung.

00:14:15: und die Lust hat mir eben verdächtigt dass es eben etwas Selbstzüchtiges wäre oder dass Lust den Partner beziehungsweise die Partnerin zum Lust Objekt degradieren würde.

00:14:25: und deshalb konnte mein Lust und auch die Erfahrung der sexuellen Lust nicht wertschätzen, sondern hat es jemals Gefahr angesehen.

00:14:34: Und das glaube ich, dass die Menschen heute da tatsächlich auch nicht nur einen anderen Zugang haben zu eigenen, zum körperlichen Wohlgefühl und zur körperliche Lust, sondern dass das ganz einfach auch ihre existenziellen Erfahrungen nicht entspricht.

00:14:48: und deshalb diese Hypothek, die wir weiterhin mit uns mittragen, dass sich da ja auch viele Menschen ganz einfach dann entfremdet haben von dem was sie klärfliche Sexualmoral ist bzw.

00:15:00: sich dann in einzelner Punkten ganz einfach auch nicht an sie halten, das ist korrekt.

00:15:04: ja Das wissen wir ja dass es ein offenes Geheimnis.

00:15:07: Wie kann es dann gelingen im Eingang mit der Bibel zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität zu kommen?

00:15:14: Also gerade die Bibelzeit und sehr Zugänge, dass die Sexualität etwas Schönes ist Dass sie zur Schöpfung gehört, dass sie zur guten Schöpfen gehört und dass die Sexualität Menschen etwas vermittelt vom Heilsein in der Welt.

00:15:29: Zugleich, da denke ich jetzt zum Beispiel an Guinesses II an diese wunderbare Stelle der Schöpfung der Frau aus der Seite des Menschen, der sich dann eben im Anblick der Frau als Mann erkennt und eben ausruft, das endlich ist Bein von meiner Fleisch Und deshalb werden die beiden zusammen sein und ein Fleisch spielen.

00:15:53: Aber ich denke auch an das hohe Lied im Alten Testament, eine wunderschöne Textsammlung von Liebesliedern, vom Brautliedern oder von erotischen Liedern, die einfach die Schönheit der Sexualität zum Ausdruck bringen ohne das irgendwie moralisch negativ zu bewerten.

00:16:13: Diese Dimension finden wir in der Bibel, da hätten wir ganz viele Anknüpfungspunkte um diese positive Deutung auch der sexuellen Lust biblisch zu begründen.

00:16:24: Was wir in der Bibel schon auch finden, vor allem in den jüngeren Texten des alten Testamentes die schon Hellenistisch beeinflusst sind.

00:16:33: Eine gewisse Rückhaltung beziehungsweise sogar eine skeptische Beurteilung der Körperlichkeit, der Schönheit und damit auch das sexuellen Lust.

00:16:41: aber interessanterweise sind es tatsächlich jene Schichten in der Weisheitsliteratur hauptsächlich die ihm schon hellenistischer beeinflussen.

00:16:50: Was wir in der Bibel auch sehen und das zieht sich durch von den ersten Kapiteln bis hin, auch in die neutesten männlichen Schriften.

00:16:58: Das ist diese Erfahrung, dass über Sexualität Menschen auch verletzt werden können.

00:17:03: Dass Sexualität also ein Mittel ist nicht nur des Ausdrucks der Liebe zwischen zwei Menschen sondern auch um Macht auszuüben.

00:17:12: Dass sexualität offensichtlich etwas ist was den Menschen im Innersten berührt so da sie eben Ich sage es jetzt bewusst anfällig wird, um Menschen auch zu manipulieren.

00:17:24: Dass Sexualität immer verbunden ist mit der Erfahrung von möglichem Kontrollverlust und dass das eine Beschämung darstellt – sowohl für die als auch für sie.

00:17:34: Kontrolle selbst verlieren, indem sie eben anderen sexuellen Gewalt zufügen.

00:17:38: Als auch jene die über sich die Kontrolle verlieren in dem sie zum Objekt werden von verhaltensweisen Sexuellen bildieren anderer Menschen.

00:17:48: Also die Bibel wenn man so möchte zusammenfassen zeigt dann hier eine sehr realistischen Blick auf die Sexualität.

00:17:54: aber und das scheint mir entscheidend sein Sie lässt sich nicht dazu verleiten.

00:17:59: deshalb ist Sexualität als etwas Negatives zu sehen Sondern ist und bleibt Teil des Menschen, des geschaffenen Menschen damit der Geschöpflichkeit.

00:18:09: Und deshalb auch etwas in Dimension des Menschseins durch die der Mensch mit Gott in Berührung kommen

00:18:15: kann.".

00:18:15: Prater Martin Lindner lebt als geistlicher den Zölibat also die Ehelosigkeit, die Enttalsamkeit und die Keuschheit.

00:18:23: Nun beschäftigt er sich aber mit dem Thema der katholischen Sexualmoral.

00:18:28: Ja, ich werde das manchmal gefragt worüber ich rede.

00:18:31: Oder ich weiß ja nicht worüber Ich rede nicht.

00:18:34: Also zunächst einmal bin ich als Geistlichere auch ein Mann mit Sexualität und von daher kein asexuelles Wesen So diese Vorstellung, die man tatsächlich früher manchmal hatte.

00:18:45: Ich bin da auch noch älteren Mitbrüder und Begegner, die gesagt haben wenn man ins Kloster geht dann legt man alles was die Sexualität bedeutet gleichsam ihren Mantel an der Pforte ab Und dann redet man darüber nicht mehr als wäre das ganz einfach mal verzichtet darauf und deshalb ist es kein Thema mehr.

00:19:01: Also da glaube ich, wissen wir dass das ganz einfach nicht funktioniert.

00:19:04: Weil wir bleiben sexuell geprägte Wesen und selbst wenn ich jetzt nicht in einer sexuellen Beziehung lebe die Art und Weise wie ich im Beziehungen lebe sind ja immer auch dadurch geprägt wie ich mich selbst in meiner eigenen Geschlechtsidentität verstehe Und wie ich andere Menschen wahrnehme und auch wie andere Menschen mich wahrnehmen.

00:19:23: Also das ist ja auch etwas, was eine Beziehungsethik oder eine erneuerte Sexualmoral berücksichtigen muss.

00:19:31: Dass die Beziehungen sowohl sozorkulturell geprägt als auch individuell und biografisch geprägzt immer auch davon gepräkt sind dass wir eben sexuell gepräzte Wesen sind Das ist das Eine!

00:19:44: Das andere ist natürlich nicht von vielem Rede, was ich nicht aus eigener Erfahrung kenne Aber was ich glaube, auch nicht absolut unbedingt notwendig ist.

00:19:54: Sondern ich kenne viel aus dem, was mir Menschen auch anvertraut haben ohne dass ich es jetzt selbst erlebt habe also weiß ich einiges davon.

00:20:05: Das andere ist sicher das natürlich auch meine Zugangsweise eine begrenzte ist als ich erhebe jetzt nicht den Anspruch, dass sich jetzt das Thema umfassend betrachte.

00:20:14: Es bleibt natürlich immer ein begrenzter Blickwinkel, auch der Meinige.

00:20:18: Deshalb in der italienischen Ausgabe der Beziehungsethik konnte zum Glück eine Deologin, eine Kollegin aus Mailand gewonnen werden die einen Kapitel geschrieben hat aus einer feministischen Perspektive bzw.

00:20:31: erst der Perspektiv einer Frau und das ist dann ganz interessant dass sie Themen hineingebracht hat an die ich gar nicht gedacht habe zB.

00:20:40: Umgang mit Menopause Ein Thema, wo ich mich fast scheniert habe, dass ich das nicht behandelt hab.

00:20:47: Umgang mit Geschlechtsverstümmelung bei Frauen.

00:20:51: Also wo ich gemerkt hab okay, jeder persönliche Blick ist geprägt und begrenzt.

00:20:59: Ich kann da nicht den Anspruch erheben jetzt das Thema umfassend zu behandeln sondern es bleibt eben eine bestimmte Blickweise.

00:21:06: Aber eben noch einmal, das was schon mein Anliegen war sehr viel von dem hineinzunehmen.

00:21:12: Was Menschen mir auch anvertraut haben.

00:21:15: deshalb habe ich zu Beginn ja auch ganz bewusst erzählt von diesen Begegnungen weil ich genau diesen Menschen dann einerseits gerecht werden möchte und weil es mir dann tatsächlich eben auch darum geht solch existenzielle Erfahrungen dann eben auch dialogisch zu reflektieren.

00:21:29: Welche Reichtümer erkennt Pater Martin Lindner in der katholischen Sexuallehre?

00:21:34: Also wenn ich mir die historischen Entwicklungen anschaue, dann denke ich gibt es da einige Potenziale, die wir heute neu entdecken müssen beispielsweise den Schutz der Würde der einzelnen Personen.

00:21:48: Wir können jetzt natürlich viel Negatives auch herauslesen und sagen das ist für die heutige Zeit nicht mehr vermittelbar was die Ehelehre angeht vor allem die historische Entwicklung.

00:21:59: aber wir können zugleich immer sehen dass sich wie ein roter Faden durch der schwächeren Seite in prekären Lebenssituationen im jeweiligen soziokulturellen Kontext.

00:22:11: Das heißt, als in der Regel war das Schutz von Frau und Kinder die eben in unterschiedlichen sozialen und kulturellen Contexten eben die prekärenden Menschen waren.

00:22:22: Und das glaube ich ist etwas was wir in unserer heutigen Zeit neu entdecken müssen.

00:22:27: Ein Stichwort, das ich auch in meiner Beziehungsethik aufgegriffen habe als ein wesentliches Kriterium ist der Umgang mit Vulnerabilität.

00:22:37: Also wenn die Kirche die Ehe geschützt hat weil sie zunächst einmal einfach auch übernommen hat aus den Kontexten ihrer Zeit, dass die Ehe ein Rechtskonstrukt ist oder ein Rechtsobjekt ist, das hauptsächlich die Familiengründung und damit eben auch die Legitimität von Kindern und damit die Klärung von Erbschaftsangelegenheiten sichern möchte.

00:23:03: Dann hat sie aber zugleich in dem sie ganz decidiert Auch vom römischen Recht herkommende im Prinzip des freien Konsens, das verteidigt hat auch die Würde der Frau als Rechtsobjekt.

00:23:15: Selbst wenn das dann nicht immer deutlich hervorgehoben worden ist oder deutlich sichtbar geblieben ist.

00:23:22: ein zweiter Aspekt dass sie eben auch die Frau geschützt hat vor sexueller Nötigung indem Sie zum Beispiel das vom romanischen Recht hier kommende denken, dass Geschlechtsverkehr.de konstituiert und zwar unabhängig davon ob das freiwillig konsensuell oder auch durch Gewalt geschehen ist weil jeder Geschlechtsverkehr ja potenziell die Möglichkeit von Zeugung beinhaltet und damit eben Familiengründungen in diesem Unteranführungszeichen bedeuten würde.

00:23:52: Das hat die Kirche dann abgelehnt selbst wenn es über Jahrhunderte Rechtsschulen gegeben hat im Mittelalter die das befürwortet haben.

00:24:00: Wenn wir heute eben diese Lehre haben vom Matrimonium ratum et consumatum, das heißt dass die Ehe gültig zustande kommen muss durch den freien Konsens und unauflöslich wird.

00:24:12: Durch den ersten Geschlechtsverkehr nach dem Konsens dann geht es genau darauf zurück, dass eben versucht worden ist solche Unklarheiten aber eben ganz wesentlich auch zum Schutz von Frauen zu klären.

00:24:26: Das ist uns heute nicht mehr so unmittelbar einsichtig Auch weil es dann Entwicklungen gegeben hat, die diesen Aspekt vielleicht wieder eher in den Hintergrund gerückt haben.

00:24:35: Aber das ist zum Beispiel ein Punkt wo ich mir denke Das ist für die heutige Zeit fruchtbar zu machen.

00:24:42: Ausgehend von dem was eben Vulnerabilität und Verwundbarkeit bedeutet.

00:24:48: Die Frage dann eben Wie können wir gerade dort wo Menschen besonders verwunderbar sind In Beziehungen in diese eingebunden sind?

00:24:56: Je ängere, je intimer solche Beziehungen sind, desto mehr gibt ein Mensch auch von sich preis.

00:25:01: Desto verwundbarer macht er sich auch umso mehr bedarf es dann auch eines Schutzrahmens.

00:25:07: und da glaube ich dass die katholische Ehleere versucht zu einem Schutzrahmen zu bieten.

00:25:13: Und dann geht das eben darum zu fragen nicht mehr wer darf man was mit wem sondern eher was versucht Kirche zu schützen durch Ehe, Lehre?

00:25:23: und muss das dann ausschließlich oder kann das dann auch ausschliesslich geschützt werden in dem was eben der institutionelle Rahmen einer kirchlichen Ehe-Schließung ist?

00:25:32: Oder kann man dann auch weiterdenken und sagen es gibt in der heutigen Zeit viele auch Katholiken und Katholikinnen die aus welchen Gründen auch immer nicht mehr kirchlich heiraten aber im Beziehungen leben in denen sie etwas versuchen von dem zu verwirklichen was Kirche durch ihre Ehelehre zu schützen.

00:25:51: Versucht.

00:25:52: Gibt es denn also da Möglichkeiten zu interagieren?

00:25:55: oder müssen wir weiterhin nur sagen, alles was eben außerhalb der E ist bleibt weiterhin objektiv schwer sündhaft und ist deshalb abzulehnen?

00:26:05: Oder gibt es die Möglichkeit da eben dann differenziertere Zugänge zu finden?

00:26:10: Mehr zum Thema und zum Weiterdenken findet sich im Buch von Pater Martin Lindner christliche Beziehungsethik historische Entwicklungen biblische Grundlagen, gegenwärtige Perspektiven.

00:26:21: So im Das Buch von Pater Martin Lindner erschienen Beherrter.

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