Christine Wiesmüller

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00:00:00: Das schreibt mir nicht Kompensation für mich.

00:00:03: Es ist das, was ich bin!

00:00:05: So einfach ist es und so schwierig

00:00:07: gleichzeitig.".

00:00:23: Christine Wiesmüller weiß seit sie ein Kind ist dass sie eine Schriftstellerin ist.

00:00:29: unbeirrt von Dutzenden Absagen von Verlagen baut sie an ihrem Werk verfasst romane Erzählungen und Gedichte.

00:00:38: Sie bleibt sich treu und findet schließlich Verlage die ihre Geschichten

00:00:42: truppen.

00:00:43: Das kann nicht nur jedem, der so einen Impuls in sich spürt wirklich als Rat mitgeben.

00:00:48: Man darf sich da nicht abhängig machen von äußeren Erfolgen, von Zustimmungen, was auch immer.

00:00:56: man muss bei sich

00:00:57: bleiben.".

00:00:58: In den Lebenswegen erzählt Christine Wiesmüller von ihrem Weg, ihren Geschichten und der Transzendenz die ihre Figuren bewegt.

00:01:36: Schreiben bedeutet für mich die Essenz meines Lebens.

00:01:39: Das klingt vielleicht ein bisschen dramatisch, aber es ist definitiv so.

00:01:45: Vielleicht darf ich ganz kurz erzählen wie ich draufgekommen bin dass ich Schriftstellerin bin nicht das ich Schrifftestellerin werden möchte sondern der sich Schriftstellerin bin.

00:01:57: und ich denke das ist jetzt wirklich meine ganz persönliche Meinung die alle künstlerischen Bereiche eigentlich umfasst vielleicht auch Berufe.

00:02:08: man kann natürlich im Laufe seines Lebens drauf kommen, dass man Schriftsteller ist oder dass man Künstler ist.

00:02:15: Oder dass man eine ganz spezielle Berufung hat die vielleicht von Anfang an noch nicht klar sichtbar ist weil das Leben ja ein Prozess ist in dem sich immer und immer wieder Verschiedenes zeigt.

00:02:26: Und bei mir war es aber in der frühen Kindheit und zwar wir hatten eine Großmutter Die uns Märchen vorgelesen hat meine Schwester und mehr.

00:02:38: Wir haben mit Begeisterung gelauscht und es gab ein besonderes Märchen.

00:02:43: Ich weiß nicht mehr genau den Titel, aber es ging um eine Prinzessin die sich vermehlen sollte und ihr Vater, also der König sie aufforderte aus der Riege der vielen schönen Prinzen da rundherum einen zu wählen.

00:03:01: und sie sagte ich nehme den zum Mann der meinen Namen kennt Nicht der meinen Namen erredet, sondern der meinen Name kennt.

00:03:11: Und meine Schwester und ich als kleine Mädchen waren natürlich sehr überrascht über diese Aussage weil wir dachten das ist ja ein riesiges Risiko.

00:03:24: wer weiß ob da nicht vielleicht irgendwelche schönen Prinzen herumstehen.

00:03:28: und die lässt sie alle stehen für wen auch immer.

00:03:33: Und es ist tatsächlich so, dass halt ein Förster irgendwie gehört hat.

00:03:37: Die Königsdochter sucht einen Gemahl und sie nimmt den, der ihren Namen kennt.

00:03:42: Er macht sich auf den Weg und wird geschlagen und auch gedimmütigt und kommt ja gar nicht durch zu ihr bis eben auch an ihr Ohr trinkt das da jemand ist, der gerne vorgelassen werden möchte und sie bittet dann darum – und es ist tatsächlich so!

00:03:56: Erkennt den Namen und der Vater will liegt ein und sie heiratert ihn.

00:04:01: Meine Schwester und ich haben dieses Märchen nicht entschlüsseln können.

00:04:06: Wir haben die Großmutter gefragt, wann ist mir wirklich auch nicht so hilfreich?

00:04:10: Sie hat gesagt na weil es halt so is, was ja auch stimmt.

00:04:14: Viel viel später sind wir dann draufgekommen dass der Name natürlich für das Wesen steht und dass es darum geht dass man eigentlich nur sich in der Idealform.

00:04:24: leider spielt das Leben andere Stückchen und man braucht vielleicht oft sehr lange bis man das Wesen eines Menschen erkennt und dann zu einer Erfüllung kommt.

00:04:33: Aber da ist die Grundbotschaft, ja?

00:04:36: Das erfüllte Leben gelingt mit einem Menschen der das Wiesen erkennt.

00:04:42: Und ich habe dann innerlich formt, dass ich in mir der Entschluss – Ich möchte auch solche Geschichten schreiben!

00:04:48: Und ab diesem Zeitpunkt habe ich mir nicht gedacht,

00:04:56: Bis Christine Wiesmüller mit dem Schreiben tatsächlich beginnt, dauert es noch eine Weile.

00:05:01: Mit fünfzehn-sechzehn Jahren verfasst sie erste Gedichte.

00:05:06: Zwei ihre Gedichte werden prompt in einer Mittelschülerzeitung veröffentlicht.

00:05:11: Ermutigt wird sie von ihrer Deutschprofessorin am Gymnasium.

00:05:14: Ich muss dazu sagen dass ich wirklich Glück hatte im Gymnasiam Eine Professorin als Deutschlehrerin zu haben die mich gefördert hat.

00:05:30: Es hat mir sehr viel Sicherheit gegeben.

00:05:32: Andererseits, und das ist was ich irgendwie vermitteln möchte, hätte ich diese Sicherheit aber auch gar nicht gebraucht.

00:05:39: Das ist nicht arrogant!

00:05:41: Vielleicht darf ich da kurz noch etwas dazu sagen – auch allen, die in sich irgendwie spüren, dass sie eine künstlerische Begabung oder Arter haben und dem folgen wollen?

00:05:54: Es ist wirklich das eigene, bei dem man bleiben muss.

00:05:58: Und sonst ist es nämlich nicht das Werk und ich hatte in der Unterstufe eine Deutschprofessoren die dieses Furchtbargut gemeint hat aber wo ich überhaupt keinen Aufsatz recht machen konnte.

00:06:17: Ich bin gebendelt zwischen drei und vier, machen mir sogar nicht genug.

00:06:22: Und ich habe mit knappen Notern in Deutsch einen Dreijahr gehabt.

00:06:26: Das war eine gewisse Wunder für mich aber andererseits hätte es mich nicht zerstört.

00:06:34: Also selbst wenn ich die bis zur achten Klasse gehabt hätte wäre ich so in meiner... wie soll ich sagen?

00:06:41: Blase ist das falsche Wort.

00:06:45: Geheimnisvollen Inneren hätte ich diese Dinge schon zu Tage gebracht.

00:06:51: Natürlich war es eine große Erleichterung.

00:06:54: der Wechsel in die Oberstufe und dieser Professorin, die uns wirklich sehr gefördert hat – das hat mir natürlich auch schon geholfen!

00:07:05: Dann hatte ich in meiner Studentenzeit sofort einmal das Glück im Nachtcafé.

00:07:11: Das wird unseren Hören vielleicht nichts mehr sagen, das war ein berühmtes Literaturmagazin von Klettkotter und da durfte ich auch eine Erzählung veröffentlichen und es wäre noch eine zweite geplant gewesen und dann wurde das Magazin aber aus wirtschaftlichen Gründen

00:07:26: eingestellt."

00:07:27: An dem Roman den Christine Wiesmüller zu der Zeit schreibt ist Klett-Kotter nicht interessiert.

00:07:34: Das ist hart für sie, aber sie lässt sich nicht entmutigen.

00:07:38: Ab diesem Zeitpunkt begann dann eine Art Leidensweg kann man nicht sagen weil ich das nicht das Leidenzwege in dem Sie ihn empfunden habe.

00:07:47: Ich hab immer irgendwie gedacht okay ich habe eigentlich auf einer Karriere verzichtet ja in einem bestimmten Bereich welcher anfänglich Jobs gemacht hat.

00:07:58: gute Arbeit sehr spannend, also immer gute Einrichtungen.

00:08:03: Salzburger Festspiele, Sankt-Wirkel, Kirchenzeitung, Salzburger Nachrichten... Ich habe sogar für Projentige gearbeitet fürs Afroasiatische Institut.

00:08:14: Ich habe viele Länder und Menschen kennengelernt, andere Kulturen.

00:08:19: Es war immer spannend aber ich habe nie so Zielgerichtet jetzt etwas aufgebaut, weil ich mir gedacht habe mein Dasein ist das einer Schriftstellerin.

00:08:32: Und was ich natürlich nicht gedacht hab is dass es doch so lange dauern kann bis ich einen Verlag finde und ich hab ab einem gewissen Zeitpunkt nicht resigniert aber bis zum gewissen Grad mich damit abgefunden, dass ich so einen Kasten eingerichtet habe zu Hause und da hab' ich meine Manuskripte hineingelegt.

00:08:57: Und da habe ich mir gedacht das ist mein Werk!

00:09:00: Ich werde bis an mein Lebensende meinen Werk schaffen unabhängig davon ob ich jetzt einen Verlag finde oder nicht.

00:09:07: Das kann sich nur jedem der so einen Impuls in sich spürt wirklich als Rat mitgeben.

00:09:13: man darf sich da nicht abhängig machen von von äußeren Erfolgen, von Zustimmungen.

00:09:23: Ja was auch immer man muss bei sich bleiben und das war für mich wirklich das Wichtigste dass der Passagenverlag dann meine Werke genommen hat.

00:10:51: das war vielleicht nachdem wir ja hier in einem christlichen Sender auch sind ich würde sagen wie eine Fügung weil es wirklich eine sehr schöne Geschichte ist wenn er wirklich von innen her begangen wird, niemals ins Leere führen kann.

00:11:10: Ich habe glaube ich an sechszig Verlage geschrieben immer und immer wieder meine Manuskripte geschickt und zwar sehr interessante Rückmeldungen.

00:11:21: auch bekommen zum Teil auch Stellungnahmen wie Naja diese Erzählungen oder diese Texte sind so.

00:11:29: man spürt doch dass sie irgendwie religiös unterlegt sind Wobei meine Texte überhaupt nicht kirchlich sind.

00:11:38: Einer hat einmal geschrieben, das ist wie in der Bibel.

00:11:41: Das sind so Gleichnisse.

00:11:43: Wir sollten das lesen.

00:11:45: Also das heißt ich habe schon beim gewissen Zeitpunkt gespürt dass der Zeitgeist ohne dass sich das jetzt werden möchte einfach in eine andere Richtung geht.

00:11:54: Nach vielen, vielen Absagen läuft Christine Wiesmüller zufällig eine alte Bekannte über den Weg.

00:12:01: Diese vermittelt ihr den Kontakt zum Leiter des Passagenverlags Peter Engelmann.

00:12:12: Dann habe ich tatsächlich nach vier Wochen einen Anruf aus dem Sekretariat vom Passagenverlag bekommen, einer der aufregendsten Momente in meinem Leben.

00:12:21: Ja, so der Herr Dr.

00:12:22: Engelmann möchte mich sehen – noch nix!

00:12:26: Ich hab mir gedacht aber wenn er mich sehen will, könnte eine ganze Nacht nicht schlafen, dann kann das nur positiv sein, weil sonst sagt man vielen Dank und ich kam dorthin.

00:12:36: Der Verlag war gerade in der Renovierung Kiste als Tisch und so zwei seltsame Hocker unterlagen in meinen Manuskripten.

00:12:47: Und ich habe gesehen bereits einen Vertrag, ja?

00:12:50: Und der Dr.

00:12:50: Engelmann hat gesagt, dass ihm weitesten Sinne passt mein Werk in den Verlag aufgrund der er sich so ausgedrückt philosophischen Grundlegungen, also dieses Verweisen immer irgendwo auf die Transesendenz.

00:13:04: Der meinte es sei eine Position – das rechne ich ihn wirklich hoch an die er einfach auch so quasi in die Welt tragen möchte.

00:13:16: Der Passagenverlag veröffentlicht Christine Wiesmüller's Werke der Garten, Britannien und Sommerfrische.

00:13:23: Für Sommerfrasche wird Christine Wießmühler für den Literaturpreis Alfa nominiert und hat in diesem Zusammenhang eine Lesung in der alten Schmiede in Wien – für sie ist das ihr Ritterschlag als Autorin!

00:13:38: Später wechselt Christine Wiesmüller zum katholischen B und B-Verlag.

00:13:43: Die Transzendenz, die durch Christine Wiezmüllers Werk hindurchleuchtet hat sie zu Beginn ihres Schreibens nicht bewusst in ihre Geschichten geschrieben.

00:13:53: Ich habe wahrscheinlich unbewusst immer schon einen Hang dazu gehabt.

00:14:02: In meinen frühen Texten, die ich als Studentin geschrieben hab ist das sehr, sehr versteckt weil es mir überhaupt nicht bewusst war.

00:14:13: Also wenn ich jetzt meine frühen Texte, die ich auch immer wieder dazwischen einstreue und publiziere lese spüre ich selber das kanns auch zeigen ja dass in der Person oder in den Figuren immer noch etwas ist das nach etwas anderem verlangt.

00:14:33: Ich habe dann, es ist vielleicht etwas Persönliches aber ich möchte das doch sagen so um dreißig herum eine bewusste Bekehrung durchgemacht.

00:14:42: Ich komme an sich aus einem bürgerlich-katholischen Haus und die Religion hat in meiner Rolle gespielt.

00:14:47: Aber es war keine bewussten Auseinandersetzung damit Und ich hab auch bestimmte Lebensumstände begonnen mich bewusst damit auseinanderzusetzen und mich bewusst für ein christliches Leben zu entscheiden auch meinen Alltag danach angeschaut.

00:15:04: Ich habe wirklich immer wieder geschaut, ist das was ich tu ja auch beruflich kompatibel mit dem was ich glaube.

00:15:16: Natürlich, man muss Abstriche machen und Geld verdienen.

00:15:22: Man kann nicht immer in der eigenen Blase sein – das ist auch nicht gut!

00:15:24: Aber ich habe mich begonnen damit auseinanderzusetzen, vor allem mit dem Kulturbetrieb, in dem ich ja gearbeitet habe.

00:15:30: Ich sagte, ob es das ist, was ich da tue vereinbar mit meinen christlichen Haltungen?

00:15:40: Das war ein langer, langer Kampf auch für mich.

00:15:42: Weil natürlich sich mein Schreiben in dem Moment verändert hat und ich mich dann auch ganz bewusst ab einem gewissen Zeitpunkt selber als christlicher Autorin definiere oder bekenne aus einem ganz einfachen Grund weil Schriftstellerin sein und da Christin sein.

00:16:08: Ich sage jetzt bewusst nicht Katholiken, ja ich habe mich nicht als katholische Autorin sondern es ist christliche AutorIn bekannt weil mir das Christentum wichtig ist und jetzt nicht die konfessionelle Orientierung oder... Und das war mir dann wirklich ganz ganz wichtig dass ich mir gedacht hab wenn das schreiben so wie ich ihnen zu Anfang gesagt habe so existenziell für mich ist mein ganzes Dasein erfasst, dann kann ich das nicht splitten.

00:16:41: Das war jetzt gar nicht so ein unbedingt... Natürlich war es ein reflektierter Prozess auch ja?

00:16:47: Aber es war mir einfach vollkommen klar dass meine Figuren sich dann verändern und dass das ein wesentlicher Teil meines Schreibens ist weil es auch die Grundlage meines Lebens ist!

00:16:59: Und ich kann nicht die Grundlager meines Lebens aus meinem Werk ausblenden.

00:17:04: Also, als wenn das dann wirklich richtig bewusst geworden ist war es eine enorme Erleichterung für mich auch.

00:17:11: Ich dachte mir, ja, das stimmt

00:17:13: so.".

00:18:10: Christine Wiesmüller bezeichnet sich als christliche Autorin und drückt ihren Glauben in ihren Schreiben aus.

00:18:17: In ihrem Leben findet er auf andere Weise Ausdruck.

00:18:28: Jetzt verrate ich wieder etwas biografisches.

00:18:31: Eigentlich wollte ich das gar nicht!

00:18:34: Es drückt sich in einem wirklich ständigen täglichen Ringen um das Vertrauen aus, es ist nicht so dass und das werden viele Christen, glaubige Menschen bestätigen können.

00:18:52: Ich beneide alle die in diesem wirklichen Vertrauen auf den Herrn leben können, sterben können, ihr Schicksal tragen können.

00:19:04: Es gibt so viele Schicksale rundherum, es gibt soviele Menschen rundherums die viel jünger sind als ich.

00:19:10: Die gestorben sind, die schwere Krankheiten hatten und wo ich sehen konnte wie sie im Glauben und in Vertrauen auf den Herrn gelebt und gestorben sind.

00:19:28: Und bei mir ist es ein ... Es war ein langer Weg, es war ein Kampf.

00:19:34: Es war aber so dass ich gewusst habe das ist der richtige Weg, das ist richtig ja?

00:19:43: Das is einfach richtig!

00:19:46: Somit hab' ich mich eigentlich zuerst vom Kopf her entschieden nach.

00:19:55: Und es war überhaupt nicht jetzt ein spektakuläres Ereignis, dass ich in eine Kirche gegangen wäre, die euch Ristik gesehen hätte und was es ja auch gibt.

00:20:04: Auch bei Handgegibts solcher Stellen und auch bei Hand gegebts.

00:20:06: solche Erlebnisse sind das glaube ich immer auch.

00:20:09: Weil damit spielt man nicht wenn man ernst... Es gibt schon Menschen, die da mit spielen gerade auch in der Kunst aber nicht bei solchen Leuten.

00:20:19: Bei mir war das ein langer Prozess und ist bis zum heutigen Tag ein Wissen, dass es richtig ist.

00:20:27: Ein Wissen das stimmt!

00:20:29: Ein Wissendass es wahr ist aber ein Ringen, ein tägliches Ringen um das Vertrauen.

00:21:40: Goethe hat gesagt die Sprache kann nicht alles.

00:21:46: sollte man nicht meinen ja?

00:21:48: Man meint wenn man Goethey liest oder eintaucht in den Faust oder in was auch immer man meint er hätte Alles zur Verfügung.

00:21:57: Aber dem ist nicht so, weil einfach

00:22:01: die Sprache

00:22:02: Grenzen hat.

00:22:04: Und so gesehen ist es sehr schwierig, die Frage zu beantworten und zu sagen was ist das für ein Zustand?

00:22:10: Der Zustand des Schreibens!

00:22:12: Weil ich dass unbesprechbare oder das was sich in mir die Bahn bricht... In diesem Prozess des Schreiben mit der Sprache, die in dem Fall immer zu kurz greift nicht beschreiben kann.

00:22:28: Das ist jetzt der Überbau.

00:22:31: Real ist es so.

00:22:32: ich bin keine Autorin die sich hinsetzt und die das mal so fließen lässt sondern Ich habe eine Idee.

00:22:38: Es beginnt immer mit einer Idee Und zwar ich darf vielleicht illustrieren an einer einfachen Erzählung die im Band Mitternacht Abgedruckt ist und das ist die erzählung des Kreuz so unglaublich getroffen, dass damals – jetzt ist es ja doch schon einige Jahre her – die Theologie durch Renovierungsarbeiten ihren berühmten Hörsaal verloren hat.

00:23:07: Die theologische Fakultät an der Wiener Universität.

00:23:09: und das da dieses große Kreuz abgehängt wurde und nie wieder aufgehängt worden.

00:23:17: Das heißt, Die zoologische Fakultät verliert ihren Ort und sie verliert rein äußerlich auch das Kreuz.

00:23:24: Natürlich kann das Kreutz nicht verloren gehen, ja?

00:23:28: Es ging damals ein kleiner Aufschrei durch die christliche Welt – so klein war er gar nicht eigentlich ein großer – aber da war nichts zu machen!

00:23:39: Der Hörsaal war weg und die Theologie wurde abgesiedelt in irgendeinen multifunktionalen Erhörsaal, aber nachdem das natürlich auch mit anderen Fakultäten verbunden ist wurde das Kreuz nicht mehr aufgehängt.

00:23:53: Mich hat es tief, tief getroffen.

00:23:57: In ihrer Erzählung – Das Kreuz verarbeitet Christine Wiesmüller diese Ereignisse.

00:24:03: Der Dogmatik-Professor Jan Heiner Tück hat dieser Erzählung ein Kapitel in seinem Buch Krux über die Anstößigkeit des Kreuzes gewidmetz.

00:24:13: Christine Wiesmüller erzählt, worum es in ihrer Geschichte geht.

00:24:17: Es geht um eine Putzfrau die am Karfreitag an der Universität putzt und dann zurückkommt in ihr Kammerl und der Knopf reißt vom Putzmantel ab und rollt hinter einen Kasten und sie greift nach dem nach dem Knopf und spürt, dass da etwas feuchtes ist.

00:24:41: Sie zieht die Hand zurück und auf der Hand ist das Rotes.

00:24:46: Also sie erkennt es sofort als Blut.

00:24:49: Irgendwie irritiert beginnt ihm dann auch nachzuschauen, rückt den Kasten weg und sieht wie die Blutspur versiegt.

00:24:57: Wischt das Bluter in den Fingern hat ihn ihr Mantel ab, nimmt den Knopf.

00:25:07: Sie weiß zwar, dass jetzt irgendwie Ostern kommt und das Christend da etwas Spezielles tun oder auch nicht.

00:25:14: Aber es hat für ihr Leben überhaupt keine Bedeutung.

00:25:17: Ganz im Gegenteil ist sich gefreut, dass es ein paar Tage frei gibt.

00:25:21: Und Freitag war immer so quasi ihr Schürfix im Gasthaus mit ihren anderen Kolleginnen.

00:25:28: Da war eigentlich Essen angesagt.

00:25:32: Dann kommt sie nach Haus, zieht ihre Schürze aus Sieht da dieses Blut und denkt sich, sie schmeißt das jetzt in die Mülltonne.

00:25:41: Geht hinunter, schmeißt sie in die Mühltonne, geht wieder zurück, holt die Schürze wieder raus, ins Badezimmer, schmeisst sie in den Maschinen weil ich denke, sie will es auswaschen.

00:25:55: Irgendetwas hält sie davon ab, sie nimmt die Schütze wieder heraus am Kasten so wunderschöne Schachteln, wie man das gerne hat.

00:26:04: Ich liebe übrigens auch Schachtel und ein kleiner biografischer Hintergrund für schöne Schachtellen.

00:26:10: Nimm zu einer schönen runde Schachtelle, stoppst sie hinein, gibt den Deckel drauf und stillt sich auf den Kasten.

00:26:15: Und damit ist diese Schwürze

00:26:18: weg!

00:26:19: Und sie lebt ihr Leben.

00:26:22: Ich nehme den Schluss jetzt vorweg ja?

00:26:25: Die Erzählung ist gleichnishaft.

00:26:28: Es ist genau die Stelle, wo das Kreuz gehangen hat und so quasi am Karfreitag blutet die Wand.

00:26:35: Und dieses Blut, dass sie da in der Schürze hat, ist eigentlich, wenn man so will, das Blut Christi ohne, dass Sie ... symbolisch gesprochen, ja?

00:26:47: Ohne dass Sie weiß, dass es das is'.

00:26:50: Aber irgendetwas hat sich daran gehindert, es zu vernichten weil man es im Endeffekt nicht vernichten kann.

00:26:58: Und das ist jetzt meine Antwort auf die Kreuzabnahme.

00:27:00: Das heißt, sie hat es dann in diese Schachtel gegeben... Also mein Künstler muss ich ja mit Symbolen arbeiten und dieses Schachteln sind eine Art Habernagel der die Welt überstrahlt.

00:27:11: Ganz egal ob wir's wissen oder nicht wissen.

00:27:13: Ja?

00:27:14: Das Kreuz erhöht und überstahlt die Welt bis in alle Ewigkeit.

00:27:20: also nur eine kleine Kostprobe wie ich arbeite.

00:27:27: Andererseits gibt es viele auch sehr realistische Familiengeschichten und Katastrophen.

00:27:36: Aber es geht mir immer darum, diese Spur der Transzendenz in irgendeiner Figur zu finden oder zu

00:27:45: zeigen.".

00:28:14: In den Lebenswegen hat die Autorin Christine Wiesmüller über ihr Leben, ihr Schreiben, ihren Glauben und die Transzendenz in ihrem Werk gesprochen.

00:28:25: Christine Wiesmüllers Bücher sind in den Verlagen B&B und Passagen erschienen.

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