per- 260421#Tschernobyl_Steinhauser
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00:00:10: Tschernobyl steht für einen der größten Unfälle in der Geschichte der Atomenergie.
00:00:15: Am XXS.
00:00:16: April, Ninzehn-Sächsendachtzig – also vor vierzig Jahren – tat in dem sowjetischen Atomkraftwerk der Supergau der größte anzunehmende Unfall ein.
00:00:25: Im Block IV des Kraftwerks kam es zu einer vollständigen Kernschmelze.
00:00:29: Durch die daraus folgenden Explosionen wurde radioaktives Material in die Atmosphäre geschleudert.
00:00:36: Chernobyl liegt heute im Norden der Ukraine an der Grenze zu Belarus.
00:00:40: Radioaktives Material kontaminierte die gesamte Umgebung und verteilte sich zusätzlich über das ebenfalls ahnungslose Europa.
00:00:48: Das Gebiet um den Raktor wurde zwar vom Belarus teilweise wieder als besiedelbar erklärt, die Spätfolgen werden jedoch noch zehntausende Jahre bestehen bleiben.
00:00:56: Darum nun überschasen und gefahren.
00:00:58: da Atomenergie geht es in dieser Sendung, zu der sich Stefan Hauser begrüßt.
00:01:03: Damit zum Experten, den sie dazu hören.
00:01:05: Mein Name ist Georg Steinhauser und ich bin Professor für angewandte Radiokimie an der TU Wien.
00:01:11: Ich kam nach einer zehnjährigen Welt zur Nähe wieder zurück nach Wien, das war vor drei Jahren und bin sehr glücklich in der TU Win.
00:01:20: Wird sich bei Ihnen das spezielle Interesse entwickelt?
00:01:23: Das hat eigentlich bei mir begonnen als der Unfall von Fukushima passiert ist vor fünfzehn Jahren.
00:01:28: Das war vorher nicht unbedingt mein Schwerpunkt also die Umweltradioaktivität.
00:01:32: Dann war klar, dass jetzt ganz plötzlich ein wirklich relevantes neues Thema färmlich am Silber der Plätze wird liegt und damit bin ich dann in die Radiöcologie gegangen.
00:01:43: Und das hat meinen weiteren Karriereweg sehr stark geprägt!
00:01:48: Die Zuordnung zu dem Institut ist vielleicht ein bisschen kontraintuitiv?
00:01:51: Würde ich sagen ja... Ich bin kein wirklicher Synthesechemiker.
00:01:55: Synthesiechemiker sind Chemiker, die neue Verbindungen erschaffen Tue ich auch, aber es ist nicht mein Hauptschwerpunkt.
00:02:04: Also ich habe sehr wohl Arbeiten mit den Lanternäden und den Aktinäden gemacht wo wir neue Verbindungen hergestellt haben.
00:02:11: Wir machen jetzt auch Synthesen mit radioaktiv markierten Substanzen Ist nicht mein ursächlicher Schwerpunkt.
00:02:17: Das ist aber für die Zugehörigkeit zu dem Institut fast eher sekundär.
00:02:23: Es hat eine organisatorische Zuordnung an die Fakultät benötigt Und da war dieses Institut gerade richtig und ich fühle mich da auch puddelwohl, muss ich sagen.
00:02:32: Beginnt
00:02:33: zeitlich in das Jahr nineteen-sechsunddachzig zurück In den April des Monats der Katastrophe von Chernobyl.
00:02:39: Da ist Georg Steinhauser noch ein Poop.
00:02:42: Ich war damals sieben Jahre alt und es sind schon Erinnerungen die geblieben sind also Die Unsicherheit, dieses beklemmende Gefühl dass meine Eltern ganz offensichtlich ausgestrahlt haben.
00:02:53: Das hat sich schon auch auf mich übertragen und am Anfang war das alles noch lustig.
00:02:58: mein Bruder und ich wir durften den ganzen Tag Fernsehen was sonst nicht üblich war.
00:03:02: also diese Thematik kennt man auch heute die Diskussionen von Eltern mit den Kindern und der Nutzung des Smartphones.
00:03:10: Und auf einmal war das erlaubt, dass wir den ganzen Tag drinnen bleiben und nur Fernsehen und früher werden wir doch auch wohl zum Spielen hinausgeschickt worden.
00:03:19: Das war dann jetzt plötzlich nicht mehr der Fall.
00:03:22: Es ist damals auch recht ... schlecht kommuniziert worden, was die Bevölkerung wirklich erwartet.
00:03:29: Ich werde heute vielfach damit konfrontiert, dass es heißt man durfte ja nicht rausgehen, man durften ja keine Schwammeln essen, man dürfte keine Milchprodukte mehr kaufen und so weiter.
00:03:39: Das stimmt alles sehr so nicht!
00:03:41: Die sich damals wirklich ausgekannt haben hätten vielleicht... bisschen hemmtärmlicher das Ganze kommunizieren müssen, dass man im Nachhinein sagt ja es kommt jetzt eine radioaktive Wolke die ist grundsätzlich nicht gefährlich.
00:03:55: wenn sie Angst davor haben oder wenn Sie ein ungutes Gefühl haben na dann bleiben's halt einmal zwei Tage zu Hause und lassen die Fenster eher zu.
00:04:02: Und da ist der größte Spuk schon wieder vorüber.
00:04:05: Wenn man das so kommuniziert hätte dann glaube ich wäre die Stimmung eine ganz andere gewesen.
00:04:10: War es problematisch damals Milch zu trinken, war es problemativ damals das Wasser zu trinden oder Feldfrüchte zu essen?
00:04:17: In Österreich nicht.
00:04:19: In der Ukraine in Weißrussland schaut die Sache ganz anders aus aber in Österreich war das ein kurzer Spike an Radioaktivität keine gesundheitlichen Folgen zu befürchten hat lassen.
00:04:33: Also zumindest nicht so, dass es statistisch auffällig geworden wäre.
00:04:36: Heute
00:04:36: noch ist der radioaktive Scesium-Hundert-Siebenunddreißig aus der Czernobyl-Katastrophe Ninzehn-Sächsunddachzig in österreichischen Böden nachweisbar.
00:04:45: Die Strahlenbelastung durch Czarnobil macht in Österreich heute ungefähr ein Prozent dessen aus was wir natürlicherweise abbekommen.
00:04:55: Damals war's wahrscheinlich ein bisschen mehr Aber das sind alles Fluktuationen, mit denen der menschliche Körper locker umgehen kann.
00:05:03: Also Menschen leben in ganz anderen Gebieten dieser Erde wo die natürliche Strahlenbelastung so viel höher liegt dass sich da eine Woche Zeltwoche oder Feldlagerwoche in Österreich zu Tschernobyl wie ein strahlend Urlaub anfühlen muss.
00:05:24: Das war ein Experiment das durchgeführt wurde dass eigentlich schon längst vor in Betriebnahme des Reaktors hätte durchgeführt werden müssen.
00:05:33: Es ist da eigentlich um ein sicherheitsrelevantes System gegangen, nämlich kann der Reaktor mit einem Stromausfall, der das gesamte Netz lahmlegt, klarkommen.
00:05:42: Dieser Test hätte eigentlich vor im Betriebnahmen des Reakters stattfinden sollen... Politische Skandale würde ich jetzt mal nennen.
00:05:53: und halt typische sowjetische Misswirtschaft nicht geschehen, sondern es sind Unterschriften einfach blanko erteilt worden.
00:06:00: Und dann hat man sich gedacht ja wir machen diesen Test jetzt ein bisschen später.
00:06:04: das hat dazu geführt dass der Reaktor eine Leistungsexkursion von einem Faktor ungefähr ein Tausend erlebt hat.
00:06:12: Das heißt, der Reaktor hat plötzlich eine Leistungsspitze erlebt für die er nie ausgelegt war und der Reakter ist färmlich aufgeplatzt.
00:06:20: dadurch also es sind Unmengen an Radioaktivität freigeworden.
00:06:24: Ein Szenario wie wir das nie wieder erleben haben und ich traue mich auch sagen nie wieder Erleben werden.
00:06:31: Das ist mit heutigen Reaktoren nicht mehr vorstellbar in derartiges Szenario.
00:06:37: Also im Vergleich dazu, ich sage es jetzt mal salopp formuliert stinkt Fukushima regelrecht ab.
00:06:43: das war also eine Größenordnung niedriger.
00:06:45: ungefähr zehn Prozent dessen was in Tschernobyl freigesetzt wurde sind Fukushima freigesetzte worden.
00:06:50: und dass allerdings aus vier reaktoren insgesamt.
00:06:53: das sind schon Welten dazwischen.
00:06:57: ja und dann konnte die Radiktivität austreten und hat weite Teile Europas verseucht.
00:07:03: Vor allem mit den leicht flüchtigen Sachen, also die Elemente, die bei moderater Temperatur auch schon in die Gasphase überführt werden.
00:07:13: dazu zählt vor allem das Seot- und das Cesium.
00:07:16: Das Plutonium wurde auch freigesetzt.
00:07:18: Insgesamt wurden ungefähr vier Prozent des gesamten Kernbrennstoffinventars freigesetzt, das heißt die Brennstäbe sind färmlich pulverisiert worden und sind in die Umwelt herausgeschleudert worden.
00:07:32: weil sie nicht so flüchtig sind haben sich die im unmittelbare Umgebung des Reaktors also innerhalb der Sperrzone die dann etabliert wurde niedergesetzt.
00:07:42: Diese Bestandteile sind es auch, die Sperrzone in Tschernobyl auf mehr oder weniger Menschen gedenken.
00:07:51: Auf menschliche Zeiträume bis in die Zukunft als Sperrzone belassen werden weil das Plutonium hat eine Halbwertszeit von vierundzwanzigtausend Jahren.
00:08:00: Das werden wir als Menschheit wahrscheinlich nicht erleben.
00:08:04: dass dieser Stoff komplett zerfallen ist.
00:08:07: wenn man sagt zehn- oder idealerweise zwanzig halbwertzeiten braucht dann habe ich keine großen Zukunftsoffnungen.
00:08:14: Gerade jetzt im Augenblick hat man ja eher das Gefühl, die Menschheit rettet sich von Monat zu Monat ohne dass irgendjemand auf den roten Knopf drückt.
00:08:23: und also ob wir da jetzt ein vielfaches von vierundzwanzigtausend Jahren in die Zukunft schaffen, da bin ich mal eher
00:08:30: skeptisch.".
00:08:31: Nach der Explosion versuchen Feuerwehr- und Einsatzkräfte der Armee dem Brand zu löschen und den Reaktor zu kühlen um weitere Detonationen und Kettenreaktionen zu verhindern.
00:08:41: Georg Steinhauser von der TU Wien erläutert.
00:09:09: Deshalb war das förmlich alternativlos.
00:09:11: Und der zweite Aspekt, der dazu kommt ist es natürlich gerade die sojetische Regierung keinen hohen Wert auf das einzelne menschliche Schicksal gelegt hat und hier... Das kennt man ja auch aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
00:09:23: also diese Mentalität dass da einzelne Bürger nichts zählt und so ein Opfer relativ schuld dazugehend hingenommen wird.
00:09:30: Das hat sicher auch dazu geführt, dass man das so gemacht hat.
00:09:33: Es hat sehr wohl Versuche gegeben Die Menschen durch andere durch Roboter zu ersetzen.
00:09:40: Also diesen Versuch hat es schon gegeben, allerdings waren die Strahlenbelastungen so gigantisch dass die elektronischen Bauteile dieser Roboter durch die Strahlung kaputt gegangen sind und diese Roboter nicht mehr einsatzfähig waren.
00:09:56: und deswegen werden viele von diesen Liquidatoren auch als humane Roboter bezeichnet, die dann eingesetzt wurden wenn's die Technik nicht mehr konnte.
00:10:04: Die Stadt Pripyat liegt nur ca.
00:10:06: drei Kilometer von der Kernkraftruine Cernobyl entfernt, sie ist damit die nächstgelegene größere Siedlung im Umkreis.
00:10:13: Pripyad wurde in den Siebzigerjahren gebaut, sie war Wohnort für die Arbeiterinnen und Arbeiter des Kraftwerks um ihrer Familie.
00:10:20: In deiner Zeit zählte man hier ungefähr sechzigtausend Einwohnern.
00:10:24: Am sechsohnzwanzigsten April neunzehntsechsundsachzig werden die Bewohner Pripyadsinn-Unkenntnisse über die Ereignisse in Cernobil gelassen.
00:10:32: Erst sechsunddreißig Stunden nach dem Umfall wird die gesamte Bevölkerung aus der Stadt gebracht.
00:10:38: Vorerst lässt man den Menschen in dem Glauben, es handelt sich nur um eine dreitägige Evakuierung.
00:10:43: Die immer noch versäuchte Siedlung liegt heute verlassen da und wird von der Miliz bewacht.
00:10:49: Pripyat ist eine komplette Geisterstadt also da lebt meines Wissens überhaupt niemand mehr.
00:10:53: Es hat vereinzelt in Dörfern In der Speerzone hat das noch so Ich sag mal so großmütterchen gegeben, die sich nicht haben wegsiedeln lassen.
00:11:02: Ob es von denen noch viele gibt das muss ich jetzt schon sehr infrage stellen.
00:11:06: Ich kann's mir ehrlicherweise kaum noch vorstellen dass es jetzt vierzig Jahre danach immer noch Leute gibt, die dort leben.
00:11:13: Prippert war eine moderne Stadt ist frisch erbaut worden dürfte auch hohe Lebensqualität geboten haben hat also alles ein Infrastruktur gehabt was man sich Stereotypischen Sowjetstadt erhoffen konnte, weil seine Vorzeige stattförmlich.
00:11:31: Das hat dazu geführt, dass viele Leute die dann zwangs abgesiedelt wurden von dort.
00:11:36: Also die Evakuierung, die dann natürlich auch mit enormer Verspätung stattgefunden hat, dass das viele nicht mehr gut verkraftet haben also dort ein an sich gutes Leben geführt haben und dann in Übergangsfahrtiere und getrennt von Familie Jobverlust
00:11:50: usw.,
00:11:51: alles das erleiden mussten.
00:11:53: Und aus diesem Grund kommt die Wissenschaft auch zu dem Schluss dass die soziökonomischen Aspekte von Cernobyl eben diese Aspechte wie Jobverlust und darauf dann basierend Alkoholismus, Entscheidung usw.
00:12:13: all diese Menschlingschicksale, die darauf zurückzuführen sind das die reinen Folgen der Radioaktivität so dramatisch das Klingenmarkt sogar noch überwogen haben.
00:12:24: Und trotzdem muss man sagen Cernobyl hat dramatische Folgen auch aus radiologischer Sicht gehabt.
00:12:32: Es sind also mindestens fünfzig von den Einsatzkräften, die unmittelbar mit der Behebung des Unfalls beauftragt wurden, sind an akuten Strahlensyndrom dann auch verstorben.
00:12:45: Man schätzt das... das es zumindest Tausende, wahrscheinlich Zehntausend Fälle an zusätzlichen Krebstoten gegeben hat.
00:12:53: Von denen sind allerdings interessanterweise nur zwei Halbten bislang statistisch auffällig geworden.
00:13:01: Das war der Schilddrösenkrebs bei Kindern und Jugendlichen Und Leukämie bei den Liquidatoren also den Aufräumern.
00:13:09: Alle anderen Krebsfälle sind im statistischen Rauschen förmlich untergegangen mag überraschend klingen, aber das liegt einfach daran dass Krebs eine sehr, sehr häufige Krankheit ist und auch eine sehr häufigen Todesursache ist.
00:13:25: Und es braucht einfach enorm viele Fälle, dass es hier zu einer statistisch nachweisbaren Abweichung
00:13:31: kommt.".
00:13:32: Georg Steinhauser Professor für angewandte Radiochemie an der Technischen Universität Wien war mehrmals bei der Ruine des Kernkraftwerks Chernobyl.
00:13:40: Was ist dafür ein Wissenschaftler von Interesse?
00:13:45: Unterschiedlichste Projekte in Tschernobyl verfolgt.
00:13:48: Wir haben uns landwirtschaftliche Fragestellungen angesehen, ob wir Pilzkulturen dafür verwenden können die Aufnahme von radiktiven Caesium in Nahrungsmittelpflanzen zu unterbinden oder zumindest zu reduzieren.
00:14:04: Das war also eines dieser Projekten.
00:14:06: Anderes Projekt hat sich sehr stark um den Kühlteich von Tschernobil gerankt.
00:14:10: wie die Belastung dort aussieht insbesondere jetzt wo Der letzte Reaktor in ungefähr einem Jahr zweitausend abgeschaltet wurde und dann der Kühlteich nicht mehr weiter gefüllt wurde.
00:14:22: Der ist färmlich ausgeronnen, der war sehr schlecht konstruiert typisch sowjetisch einfach nur einen Sandweil auf die Eberne drauf geschüttet und das quasi als Begrenzung des Kühltheichs definiert und der ist natürlich wie ein Sieb ausgeronen.
00:14:38: färmerlich reichlich und günstig war, konnten da die Pumpen benutzt werden um das Wasser aus dem Pripyat Fluss in den Kühlteichen einzulassen.
00:14:50: Dieser billige Strom den gibt es jetzt dort nicht mehr und die Pumpen wurden abgeschaltet.
00:14:55: Das Ökosystem hat sich komplett gewandelt dadurch dass dieser Kühlteil nur noch ein Schatten seiner selbst ist Und wir wollten uns ansehen wie die radioaktiven Partikel Die besagten Brennstoffpartikel, die da ausgestoßen wurden.
00:15:08: Wie diese sich jetzt neu verhalten wo sie in Kontakt mit der Luft geraten?
00:15:14: Wo sie doch früher noch unter Wasser und der Luftabschluss im Schlamm gesteckt sind.
00:15:19: Und ob die korrudieren?
00:15:20: und dann förmlich, ich möchte das Bild von einem Suppenwürfel.
00:15:23: Ist da vielleicht ganz passend dass sie durch die Korrosion ihre Inhaltsstoffe wieder freisetzen und eine zweite Welle der Kontamination verursachen?
00:15:35: All diese Untersuchungen waren noch am Laufen.
00:15:37: Die sind leider Gottes mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zum Erliegen gekommen und liegen gewissermaßen auf Eis.
00:15:46: Menochcesium-Hundertdreißig in uns einem Böden ist, was bedeutet das?
00:15:51: Radioökologe Georg Steinhauser schildert.
00:15:54: Technisch gesehen lautet die Antwort ja wir bauen unsere Pflanzen im kontaminierter Erde an Was die Zuhörerinnen und Zuhörer wahrscheinlich mehr interessiert ist, ist das ein Problem?
00:16:05: Und die Antwort lautet ganz klar Nein.
00:16:07: Also die Mobilität von dem Cesium ist mittlerweile sehr gering, dass im Allermeiste von diesem Cesium mittlerweile irreversibel Antomineralien gebunden sind.
00:16:18: Deswegen wird es auch nicht ausgewaschen oder nur sehr langsam ausgewaschen Und es ist immer noch in den obersten, ich würde sagen, zehn Zentimetern des Erdreichs zu finden.
00:16:29: Aber das bedeutet auch die Pflanzen können das auch in der Regel gar nicht mehr aufnehmen.
00:16:34: Das sind also nur ganz vereinzelte Organismen, die in der Lage wären dieses Cesium aufzunehmen, zu denen zählen vereinzelt Pilze – also der Maronenröhrelink zum Beispiel hat noch vergleichsweise höhere Belastungen und dann auch interessanterweise Tiere die sich von Pilzen ernähren und dazu zählt vor allem das Wildschwein.
00:16:55: Also das WildSchwein hat tatsächlich noch vergleichsweise hohe Belastungen, ist das ein Problem?
00:17:01: Nein, esse ich gerne noch Wildschwein.
00:17:04: Sehr sehr gerne!
00:17:05: Ich liebe wildschweine und ich lasse mich davon auch nicht abhalten und ich würde auch den Zuhörerinnen und Zuhören empfehlen sich davon nicht die Lebensfreude nehmen zu lassen.
00:17:15: wenn sie gerne Schwammeln essen oder Schwammel suchen und sie gern essen dann ist das auch kein Problem.
00:17:21: es ist wie immer in der Toxicologie Die Frage nach der Dosis, die Dosis macht das Gift und eine einmalige Zufuhr von Cesium.
00:17:30: Die wird der Körper relativ schnell wieder los.
00:17:32: Man kennt die Halbwertszeit des Cesiums im Körper sehr genau.
00:17:35: Die liegt ungefähr bei drei Monaten.
00:17:38: Das heißt, nach ungefähr hundert Tagen hat der Körper wieder fünfzig Prozent des Cesium ausgeschieden.
00:17:43: Macht einen winzigen Bruchteil unserer gesamtstrahlen Belastung aus.
00:17:52: zwei Nuklearkatastrophen mit schwerwiegenden Auswirkungen.
00:17:56: Radioökologe Georg Steinhauser waren beiden Schauplätzen für Forschungstätigkeiten, für die Öffentlichkeit stellen das aber synonyme der Angst dar – wie damit umgehen?
00:18:06: Dass
00:18:06: das natürlich schreckliche Bilder waren zu sehen, wie ein Reaktor nach dem anderen explodiert ist... darf sich halt in so einem Szenario nicht auf seine Lebenserfahrung verlassen, die uns oft hilft ein Szenarium einzuschätzen.
00:18:20: Aber halt manchmal auch nicht.
00:18:22: und wenn man dann versteht dass die explodierenden Reaktorgebäude das die Service Ebene der Reaktoren war wo sich da Wasserstoff angesammelt hat unter darunter liegende Reaktor durch diese Explosionen fast keinen Schaden genommen hat oder praktisch keinen schaden genommen.
00:18:40: Dann kann man das dann im Nachhinein vielleicht mit etwas Distanz auch wieder etwas nüchterner betrachten als der erste Augenblick.
00:18:50: Ich muss auch sagen, mir ist das Herz stehen geblieben, als ich das gesehen habe und natürlich ist es ein furchtbarer Anblick und man muss aber die Ruhe bewahren und sich das genau anschauen.
00:19:01: Und dann stellt man fest, ah okay!
00:19:02: Das Containment hat standgehalten Es sind dort nur Flüchtige radioaktive Stoffe freigesetzt worden, das heißt in Fukushima ist faktisch kein Reaktor Plutonium irgendwo zu finden.
00:19:16: Das bedeutet auch dass die Aussichten für Japan ganz andere sind als für die Ukraine was die Wiederbesiedelbarkeit der Bereiche betrifft weil dort ist das CSi-M-Hundertsiblenunddreißig mit dreißiger und halbwertes Zeit freigesetzt worden.
00:19:30: Die Japaner machen einen unglaublichen Aufwand das diese Gegend wieder zu dekontaminieren.
00:19:37: Man hat fast das Gefühl, dass da jedes einzelne Zees im Atom mit der Pinzette aufgesammelt wird.
00:19:41: So pinnibel und gewissenhaft machen das die Japaner in wenigen Jahrzehnten wird man davon nichts mehr sehen und spüren und merken und die Sperrzone wird auch jetzt schon kontinuierlich kleiner und kleiner und es werden neue Städte und Dörfer freigegeben.
00:19:59: für die, die damals ihre Heimat verlassen mussten ist natürlich ein... Ein schwacher Trost, dass man ihnen sagt so jetzt... ...fünfzehn, zwanzig, fünfundzwanzig Jahre nachdem ihr euer Haus verlassen musstet und euch eure Existenz woanders neu aufgebaut habt.
00:20:15: Jetzt dürft ihr wieder zurück.
00:20:17: Na bravo!
00:20:17: Das ist ein schwacher Drost.
00:20:19: aber man sieht einfach an diesem Beispiel das Cernobyl und Fukushima nicht in derselben Liga spielen.
00:20:26: In den Perspektiven heute geht es anlässlich des vierzigsten Jahrestags der Reaktor Katastrophe von Cernobil um Risiken und Chancen der Kernenergie.
00:20:34: Dazu hören Sie Georg Steinhauser von der TU Wien.
00:20:38: Kernenergi bietet als CO-Zweiarme Technologie eine grundlastfähige Energieversorgung, birgt jedoch durch radioaktiven Abfall mögliche Reaktorumfälle und hohe Kosten erhebliche Risiken.
00:20:51: Während es im Klimaschutz als Brückentechnologie diskutiert wird stehen hohes Sicherheitsanforderungen und die ungeklärte Endlagerung dem Nutzen gegenüber was weltweit zu kontroversen Debatten führt.
00:21:02: Chancen betreffen den Klimaschutz, denn Kernkraftwerke verursachen kaum Treibhausgase und unterstützen die Decarbonisierung – also dem Prozess der Umstellung von Wirtschaft und Industrie auf geringere Kohlenstoffemissionen.
00:21:16: Weiters Kernenergie liefert unabhängig von Wetterbedingungen konstant Strom und ist unabhängig von fossilen Brennstoffimporten.
00:21:25: Zu den Risiken gehören auch wenn sie laut Experten gering sind Reaktorumfälle, dann auch radioaktiver Abfall sowie die hohen Kosten und die Wirtschaftlichkeit.
00:21:34: Denn der Neubau von Kraftwerken ist extrem teuer – außerdem die Gefahr der Proliferation, der Nutzung von Technologie und des Materials für Atomwaffen sowie der komplexe Rückbau oder die Stilllegung von Anlagen.
00:21:47: Georg Steinhauser, Professor für Radiochemie von der TU Wien differenziert.
00:21:52: Ich betrachte die Kernenergie sehr neutral.
00:21:56: Ich bin kein glühender Befürworter oder Gegner, was mich glaube ich von ganz vielen Menschen unterscheidet ist dass ich das sehr nüchtern betrachte und keine Emotionen dabei habe.
00:22:09: Wenn man sich Stimmen auf der Straße anschaut was die zu einem AKW sagen dann sind das sofort tief emotionale Antworten Die übrigens auch von den Befürwörtern, die da wird also mit großer Leidenschaft argumentiert.
00:22:24: Das sollten wir eigentlich schon als erwachsene Menschen mittlerweile mitgekriegt haben.
00:22:28: wenn so viel Leidenschaft und so viele Emotionen drinnen sind dann ist das der sachlichen Betrachtung nicht unbedingt hilfreich.
00:22:37: Ich denke die Lösung des Problemes des ständig steigenden Energiehungers wird ein vernünftiger Energiemix sein speziell auch in Europa.
00:22:46: Und da wird es einzelne Länder geben, die auf die kein Energiegut verzichten können.
00:22:50: zu denen wird meines Erachtens Österreich zählen.
00:22:53: wir kommen ganz gut über die Runden sofern sich jetzt nicht noch dramatisch etwas ändert das uns die Wasserkraft nicht mehr so zuverlässig bedient.
00:23:03: und es wird andere Länder geben die das nicht können und dazu wird Frankreich oder Spanien zähln.
00:23:08: schätze ich jetzt einmal dass das nicht ein entweder oder sondern ein Hand-in-Hand ist ist glaube ich der vernünftige Mittelweg in dieser Sache, wenn man die Sachen nüchtern betrachtet.
00:23:19: Es gibt gute und gültige Argumente für und auch gegen die Kernkraft.
00:23:24: Die abzuwägen muss jedes Land für sich entscheiden?
00:23:28: Eine sehr schwierige Fragestellung, die ich übrigens auch im Radio nicht wahnsinnig gerne beantworte weil das werden sie sich vielleicht gar nicht vorstellen können.
00:23:35: aber tatsächlich Fast jeder Sendung, wo ich diese Meinung vertrete noch bevor die Sendung zu Ende ist, tippen die Leute in die Taste und schreiben mir wütende E-Mails.
00:23:45: Und dann merkt man erst recht wie emotional aufgeladen das ist nur weil ich diese Angst nicht teile.
00:23:50: Habe ich Angst vor der Keine Energie?
00:23:52: Nein, die habe ich
00:23:53: nicht.".
00:23:53: Manchmal wird man als Gestalter vom Interviewpartner überrascht – wie im Vollgenden!
00:23:58: Ich schaue Ihnen jetzt auch in die Augen und sehe den sorgenvollen Blick, den Sie haben.
00:24:03: Wenn ich ein Beispiel aus einer anderen Welt hernehme oder aus einer andere technologischen Sparte hernehmen darf es ist so als ob wir über die Sicherheit des Flugverkehrs diskutieren und jeder hat die Bilder der brennenden Hindenburg noch vor Augen was hier einfach dazukommt.
00:24:19: warum fürchten wir uns von einem Flugzeug nicht wo wir doch gesehen haben wie die Hindenburger gebrannt hat?
00:24:24: weil wir für das Szenario eines abstürzenden Flugzeugs Sinne haben.
00:24:30: Wir können das sehen, wir können spüren wie ein Flugzeug absackt.
00:24:36: Wir haben mit unserer Lebenserfahrung und unserem Set an Sinnesorganen eine Möglichkeit hier diese Gefahr zu begreifen.
00:24:47: Dieses Sinnesorgan fehlt uns für die Strahlung und das verursacht dieses beklemmende Gefühl.
00:24:53: Es ist diese Ungewissheit, dass wir uns gerade einer Gefahr aussetzen, die wir nicht einmal wahrnehmen können.
00:25:01: Jeder Raucher auf der Straße dessen Zigarettenrauch wir einatmen, ist eine größere Krebsgefahr für uns als das, was von Cernobyl noch in unserer Tomatenerde zurück ist.
00:25:12: Das habe ich jetzt nicht ausgerechnet aber ich glaube dass dieser Vergleich wahrscheinlich einer wissenschaftlichen Prüfung standhalten würde.
00:25:19: Trotzdem springt niemand im Panik zur Seite wenn er jemanden mit einer Zigarette auf der Straße selbst ein Nichtraucher auf einem jemandem mit der Zigarette auf die Straße sieht weil wir eben einen Sinnesorgan dafür haben.
00:25:31: Wir riechen den Zigaretten auch ja der es gleich wieder vorbei und das resultierende Krebsrisiko Denkbar gering, nonar.
00:25:39: Dafür haben wir einfach ein Gespür.
00:25:40: Bei der Strahlung haben wir dieses Gespüren nicht.
00:25:43: Da glauben wir dass jedes Cesiumatom automatisch Krebs auslöst.
00:25:47: Na und das ist bei weitem nicht der Fall.
00:25:49: Der globale Energieverbrauch steigt hauptsächlich durch die Elektrifizierung von Verkehr Durch i-Autos Und da wärme durch Wärmepumpen den Ausbau digitaler Infrastruktur durch Rechenzentren und die künstliche Intelligenz, sowie den massiven Klimaanlagenboom aufgrund steigender Temperaturen.
00:26:08: Dieser Trend führt seiner höheren Nachfrage während gleichzeitig der Energiebedarf der Industrie wächst – was tun?
00:26:15: Das ist ja noch gar nicht das Ende der Fahnenstange.
00:26:17: Wer hat Fotovoltaik, ja er schon!
00:26:18: Aber von den Gifressern, die wir in der Zukunft noch haben, da kommt ihr noch auf uns zu... Gesamte Decarbonisierung der Industrie.
00:26:26: Derzeit haben wir mit der Fösteralpine, die zum Glück noch in Österreich einen mächtigen Standort hat und tausende Arbeitsplätze sichert – und wir können froh sein dass wir sie haben!
00:26:36: Die sind derzeit für zwanzig Prozent der CO-Emissionen verantwortlich werden jetzt nach und nach aussteigen und beginnen.
00:26:43: mit zehnzebendundzwanzig werden Hochöfen abgedreht und dann gegen Lichtbögen öfen ersetzt.
00:26:48: das wird da färmlich der Stahl dann mit Elektrizität erzeugt.
00:26:54: Jetzt muss man sich einmal ausrechnen, dass wir diesen neuen Player den wir bislang noch gar nicht auf dem Schirm hatten, das wir denen auch versorgen werden müssen.
00:27:04: Das sind große, große Herausforderungen vor denen wir stehen und vielleicht ist eine Möglichkeit, dass Wir sagen, wir bauen uns keine AKWs in Österreich aber zumindest behindern die Tschechen nicht wenn sie sich noch einen Block bei Temmelin dazu bauen dass wir dann zumindest als Imparteure in den Genuss dieser neuen Energiequelle kommen.
00:27:22: Und schon wieder sehe ich von meinem geistigen Auge, wie die Leute in die Tasten tippen und mir wütende E-Mails schreiben.
00:27:27: Ich habe eine Riesensammlung davon übrigens.
00:27:29: also das ist eine hochemotionale Geschichte!
00:27:32: Ich bin auch kein Energiewirtschaftler muss ich dazu sagen.
00:27:35: Ich kann zu Kosten-Nutzenrechnungen dieser Fragestellungen gar nichts beitragen.
00:27:40: Das ist einfach eine andere Disziplin.
00:27:42: Die Debatte um Schöpfungsverantwortung und Kernenergie ist komplex und ethisch stark aufgeladen, da sie technologische Möglichkeiten mit moralischen Prinzipien des Natur- und Menschenschutzes konfrontiert.
00:27:54: Am Schluss dieser Sendung noch einmal Georg Steinhauser von der Technischen Uni Wien.
00:27:59: Er überrascht gelten doch Naturwissenschaftler oft als kritisch in Bezug auf Glauben.
00:28:05: Ich bin ein für einen Wissenschaftler ein erstaunlich gläubiger Mensch.
00:28:08: Meine älteste Tochter hat jetzt erst am Osterwochenende den Satz gesagt, ich glaub von uns allen bist du der gläubigste.
00:28:16: Was wahrscheinlich auch zutrifft?
00:28:17: Ich denke die Kernenergie ist ein letzten Endes ... Ein Geschenk das uns die Natur oder Gott gemacht hat.
00:28:27: Dass dieser Kern diese Eigenschaft hat, dass das Uran
00:28:30: II.V.,
00:28:31: die Eigenschaft hatte sich spalten zu lassen ist keine menschliche Intervention sondern das ist eine Eigenschaft die dieser Kern von Haus aus hat.
00:28:40: Das zu erkennen war nur eine Frage der Zeit, dass dieser Kern dieses Eigenschafts hat Das wären es nicht Otto-Hanfried Strassmann, Lise Meitner gewesen.
00:28:52: Dann wäre's wer anderer gewesen.
00:28:54: und was man daraus macht ist natürlich dann eine andere Frage.
00:28:58: dass wir mit unserem Planeten sinnvoll und nachhaltig umgehen müssen das ist natürlich ein Gebot der Stunde.
00:29:05: die Frage ist ob ein vernünftiger Energiemix bei dem kein Energie vielleicht seine Rolle spielt?
00:29:12: Vielleicht auch nicht in Zukunft Solange das mit Augenmaß und auch mit Blick auf die nächsten Generationen gemacht wird, dann habe ich doch noch ein bisschen Hoffnung für die Menschheit.
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