Warum Streiten verbindet

Shownotes

Digitale Blasen, Polarisierung und Gesprächsverlust: Was hilft gegen das Auseinanderdriften der Gesellschaft? Andreas G. Weiß plädiert für eine neue Streitkultur und zeigt, warum produktiver Widerspruch Menschen verbindet. Er stellt sein neues Buch "Streiten verbindet! - Was wir vom Stammtisch lernen können" vor. 

Warum fällt es uns heute so schwer, unterschiedliche Meinungen auszuhalten? Im Gespräch erklärt Weiß, weshalb Streit nicht das Problem ist, sondern oft der Verlust gemeinsamer Gesprächsräume. Ob am Familientisch, am Stammtisch oder in der Kirche: Dort, wo Menschen einander wirklich begegnen, kann aus Widerspruch Verständnis wachsen.

Außerdem spricht der Philosoph und Theologe über sein Konzept des „Con-Trust“ – Vertrauen im Widerspruch. Eine Haltung, die helfen kann, Brücken über gesellschaftliche Gräben zu bauen und auch in hitzigen Debatten die Würde des Gegenübers nicht aus dem Blick zu verlieren.

In den Perspektiven mit Stefan Hauser, Montag, 19. Oktober, 19:00 Uhr.

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00:00:00: Einen schönen Abend, lieber Hörerinnen und Hörern.

00:00:02: Wir haben heute ein Thema das vielleicht zu Beginn verwundert oder überrascht.

00:00:09: Es geht heute um der Streiten aber natürlich auch um positive Aspekte des Streitens.

00:00:14: Zu Gast bei unserem Radio-Klassik Steffansdom Studio ist Andreas Georg Weiß, er ist katholischer Erwachsenenbildner und Theologei.

00:00:23: Die Fragen mit mir, mein Name ist Stefan Hausdorfer, Radio-klassik Steffenstom stellt Cornelia Grotte vom Sonntag.

00:00:29: Er weiß zu Beginn einmal die Frage, Sie haben viel über den USA publiziert.

00:00:35: Man kann sagen sie sind da auch durchaus Experte zur Donald Trump und dem politischen System und wie sich das auf Religionen auswirkt.

00:00:44: aber wie kommt man auf das Thema des Streitens?

00:00:49: Ich

00:00:49: glaube, das Thema ist gar nicht so weit entfernt wenn man ehrlich ist.

00:00:52: Wenn man sich mit Donald Trump oder politischen Verwerfungen beschäftigt kommt unweigerlich die Frage was hat sich in unserem menschlichen Zusammenleben verändert?

00:01:01: Was bringt unsere Gesellschaft heute dazu dass wir immer stärker in extremen Denken, dass wir vielleicht auch immer stärkere andere Menschen kategorisieren und vielleicht auch oftmals den Kontakt zu Andersdenkenden verlieren?

00:01:14: also im Grunde ist dieses Thema die Kehrseite meiner Beschäftigung Donald Trump, also die Frage einerseits was hat Donald Trump möglich gemacht?

00:01:22: Dann aber auch die Frage wie können wir denn möglicherweise Phänomenen wie Trump oder dem Aufstieg anderer extremer politischer Bewegungen entgegenwirken.

00:01:32: Gehen wir mal ganz weit zurück in die Kindheit.

00:01:35: da ist es eigentlich sehr normal dass Kinder miteinander streiten.

00:01:38: Ja das ist normal und nicht nur in der Kindheit.

00:01:42: ich denke so etwas wie der Normalzustand des menschlichen ist.

00:01:46: Also Aristoteles hat ja gesagt, der Mensch ist ein soziales Wesen – Ja, dem stimme ich auch vollkommen zu!

00:01:51: Ich glaube nur nicht dass der Mensch oder die Gesellschaft im Normalzustand der einträchtigen Harmonie existiert.

00:01:58: Menschen sind unterschiedlich, Menschen haben unterschiedliche Erfahrungen, jeder Mensch macht biografisch auch andere Wegstrecken, Bindungspunkte und da kommt es einfach unausweichlich dazu das diese unterschiedlichen Perspektiven aufeinandertreffen.

00:02:13: Und wo diese Perspektiven aufeinandertreffen.

00:02:16: Da kann Konflikte entstehen, da kann Streite entstehen.

00:02:19: oder neutral gesagt es braucht so etwas wie Kommunikation und einen Umgang miteinander.

00:02:26: Jetzt wirken Sie sehr sanftmütig.

00:02:28: streiten sie gerne?

00:02:29: Ich streite durchaus gerne.

00:02:30: ja ich bin zwar einerseits sehr harmoniebertürftig also Es liegt mir sehr am Herzen dass man ein Streit auch gut beendet.

00:02:38: Das muss nicht heißen, dass ich meinem Gegenüber Recht gebe oder dass ich meinen Gegenüber missionieren möchte.

00:02:43: Aber am Ende zumindest ein Auskommen zu finden, das man sich die Hand geben kann und sagt wir gehen jetzt mit unterschiedlichen Meinungen auseinander aber wir respektieren uns trotzdem als Gesprächspartner.

00:02:55: Ich glaube, das ist auch etwas, was uns in Gesellschaft aber auch Kirche oftmals fehlt.

00:02:59: Sie haben gerade das Schlüsselort gesagt einen Streit gut beenden?

00:03:03: wie

00:03:04: streitet man produktiv?

00:03:05: Viele Menschen fragen sich heute ja Warum soll ich mit entstreiten oder bringt sich das etwas?

00:03:11: Und meine Gegenfrage wäre dann immer, was soll es denn bringen.

00:03:14: Also was soll ein Streit bringen?

00:03:16: Muss ich am Ende als Sieger hervorgehen und muss mich mein Gegenüber überzeugen?

00:03:20: Brauche ich das für meinen Selbstbewusstsein oder das Gefühl dass... Ich die wahre einzige Meinung habe?

00:03:27: und ich glaube, das ist schon der falsche Zugang.

00:03:29: Also dieses was bringt es mir?

00:03:31: oder was möchte ich jetzt damit erreichen?

00:03:33: Verstreit an sich ist zunächst einmal eine menschliche Auseinandersetzung also dass ich mein Gegenüber ernst nehme.

00:03:39: Dass ich meine Meinung auch in der Meinung des gegenüberes spiegel.

00:03:44: Das ist oftmals gar nicht einfach!

00:03:47: Oftmals sehr, sehr schwer.

00:03:48: Er fordert sehr viel Energie aber es kann auch oftmals sogar förderlich für die eigene Persönlichkeit sein wenn ich so etwas wie ein Korrektiv habe.

00:03:55: Meine Erfahrung ist dass es oftmals die besten Freunde sind die einem unangenehme Wahrheiten ins Gesicht sagen und sagen da hast du dich vielleicht verlaufen oder das ist jetzt wahrscheinlich nicht der richtige Weg.

00:04:07: hier zeigt sich eigentlich menschliche Verbindung Freundschaft in der Ehrlichkeit im offenen Begegnung auch im Widerspruch.

00:04:15: Hintergrund warum?

00:04:16: Über das Streiten-Sprechen ist das neue Buch von Andreas Georg Weiß.

00:04:20: Es lautet Streiten verbindet, was wir vom Standisch lernen können und es dem Anton Pustet Verlag erschienen.

00:04:26: jetzt... Könnte ich sagen, die Stammtische werden immer weniger?

00:04:29: Weil es ein Wirtshaustärm gibt.

00:04:31: Das stimmt!

00:04:31: Die Stamm-Tische werden weniger.

00:04:33: Das betrifft aber nicht nur die Stamntische im Wirtshaus.

00:04:36: Also der Stamm Tisch ist für mich eine Metapher.

00:04:38: Er ist ein Bild das sich auch nicht überbewerten möchte.

00:04:41: also mir geht es hier jetzt nicht darum die Männerbündischen Zusammenkünfte wieder hochleben zu lassen sondern für mich ist er stammtisch in erster Linie ein Gesprächsort an dem Menschen zusammenkommen aus unterschiedlichster Herkunft unterschiedlichsten Berufen.

00:04:58: Sie treffen sich regelmäßig, besprechen unterschiedliche Themen die auch nicht immer ihre Fachrichtung betreffen und sie tauschen sich darüber aus in einem offenen Gespräch.

00:05:08: Und solche Orte finden wir heute oftmals nicht mehr also gar nicht mehr nur im Wirtshaus aber uns fehlen Vielfach die analogen Orte, in denen man wirklich einen Menschen begegnet, einem Menschen von Angesicht zu Angesichts gegenüber sitzt.

00:05:23: Das soll jetzt aber auch nicht heißen, dass digitale Räume nicht so etwas wie produktive Diskussionsorte werden können.

00:05:30: Aber der Normalfall ist das, dass die Menschen dort unter pseudonymen Auftreten – nicht mit falschen Namen, oftmals gar nicht mit Gesichter sichtbar bleiben.

00:05:38: und was natürlich auch entscheidend fehlt – Mimik, Gestik!

00:05:42: Ich kann am Stammtisch etwas Augenzwinkern sagen oder mit einem kleinen Lächeln, das werde ich in einem digitalen Raum so nie transportieren können.

00:05:51: Das heißt produktives Streiten ist dann gar nicht möglich im digitalen Rahmen?

00:05:56: Ich glaube es ist möglich aber es braucht durchaus Rahmenbedingungen.

00:06:00: also die filzitierte Klarnamenpflicht würde ich unterstützen natürlich auch das respektvolle Miteinander.

00:06:07: Also eine Form von Common Sense im Departieren ist sicherlich auch notwendig.

00:06:13: Der digitale Raum funktioniert anders als ein Stammtisch, wenn sich jemand im Ton vergreift gibt es so etwas wie eine Schwarmintelligenz oder den Common Sense am Tisch der dann auch zurechtweisen kann.

00:06:26: Auch das ist im digitalen Raum so gut wie nicht möglich weil wenn ein Posting abgesetzt wird es kommen zeitgleich einen Vielzahl vom Gegenpostings und Eine zurechtweisende Stimme wird darin untergehen.

00:06:39: Ich bin ein Fan des gesprochenen Wortes und natürlich diskutiere ich lieber von Auge zu Auge, nicht um Zahn und Zahn!

00:06:47: Sie haben gesagt es mangelt an diesen Orten.

00:06:50: was könnten den Orte gegenwärtig sein?

00:06:52: Wo wir diese Gesprächskultur im Miteinander wo wir uns sehen, wo wir ins Treffen wieder ausüben könnten.

00:06:59: Ja, man ist natürlich immer geneigt dann gleich in großen Formaten zu denken also Conventions wo Menschen zusammenkommen und ich glaube das braucht es gar nicht.

00:07:07: Es braucht meiner Meinung nach den klaren Blick für diese Analogen Auseinandersetzungen und denen schon wirklich in den kleinsten Zellen unseres gesellschaftlichen Lebens Und das ist die Familie zum Beispiel Gespräche am Familientisch bei denen Der Vater nicht die Zeitung liest, die Mutter nicht am Handy ist.

00:07:26: Die Kinder nicht auf einem Tablet spielen.

00:07:29: Ich glaube das ist entscheidend!

00:07:32: Gerade in solchen Räumen kann man Streiten lernen weil diese Räume haben diese Balance von Schutz und aber auch von Vertraulichkeit, die allen eine Meinung zugestehen kann und gleichzeitig aber auch die Differenzen aushalten kann.

00:07:50: Also diese Familienbindung nimmt ja nicht ab, weil man sich jetzt in einem Thema nicht trifft.

00:07:55: Das kann ja über ein ganz banales Thema gehen, über die Anhängerschaft von Sportvereinen als wenn der Vater einen Fußballclub hat und der Sohn einen anderen Fußballclub toll findet dann wird deswegen in den meisten Fällen die Familie nicht auseinanderbrechen.

00:08:10: Aber genau darum geht es mir also solche Spannungen auszuhalten um trotzdem Menschlichkeit zu bewahren.

00:08:16: Kurze Fußnote im Idealfall hat der Vater es geschafft, den Buben zur selben Mannschaft zu motivieren.

00:08:22: Andererseits ist ja meine Begrifflichkeit in Buch die eufter vorkommt und zwar ist das eine Verkürzung Con-Bindestricht Trust.

00:08:29: was vermeinen Sie da ein?

00:08:31: Punkt mit des Miteinanderstreitens.

00:08:34: Wie passt das rein und was bedeutet das?

00:08:36: Als ich das Buch geschrieben habe war für mich immer stärker klar, ich möchte keinen Streitratgeber schreiben.

00:08:42: Also ich möchte keine Beschreibung des idealen Streits und ich möchte auch keine Punkt für Punkt Anleitung machen wie man das lernen soll Und im Schreibprozess ist mir dann aber auch immer deutlich geworden.

00:08:54: Mir geht es zunächst einmal um die Haltung, wie wir anderen Menschen begegnen.

00:08:58: also bevor wir überhaupt noch in einen Streit kommen oder mit Argumenten um uns werfen.

00:09:04: Es ist die Art und Weise, wie ich andere Menschen begegende.

00:09:07: ordne ich sie ein als mögliche Partner in meiner Persönlichkeitsentwicklung.

00:09:13: Ordne ich Sie ein, als wichtige Gesprächspartner die mit mir über ein Thema nachdenken können?

00:09:21: oder sehe ich einen anderen Menschen zunächst einmal potenzielle Angreifer, die mich um eine Identität bedrohen?

00:09:27: und dieses Contrast war für mich dann eine begriffliche Möglichkeit dieses Kontra, also die Differenz, den Streit auch.

00:09:36: Die Unterscheidung und das englische Wort Trust, also das Vertrauen zusammenzubringen.

00:09:41: Also dieses Vertrauen im Widerspruch und dieser Begriff hat da auch das Schöne.

00:09:46: man kann in Deutschen einfach schön als Kontrast aussprechen und man hat eigentlich ein wunderschönes Bild genau dafür wie man anderen Menschen begegnen kann ohne naiv jede Meinung zu übernehmen, aber auch ohne andere Menschen gleich als potenzielle Feindbilderwahl zu nehmen.

00:10:05: Im Zeiten vom Algorithmus und dem seinen eigenen Blasen hat man ja dieses Widersprüche aushalten und Unstimmigkeiten aushalten ein bisschen verlernt kann man das wieder lernen mit diesem...

00:10:16: Es ist keine Methode, sondern eine Haltung.

00:10:19: Ja ich glaube man kann es lernen und muss hier jetzt auch klarstellen also unsere Blasen haben sich nicht erst mit den Algorithmen oder mit den digitalen Medien entwickelt.

00:10:29: Das Blasentbildung hat das im Gesellschaften auch schon zuvor gegeben.

00:10:33: Zu einem guten Teil ist das auch menschlich.

00:10:35: Also wir Menschen nehmen unsere Welt unserer Umgebung in Kategorien war.

00:10:40: Wir teilen Menschen Ein oder unsere gesamte Wirklichkeit, wir teilen sie ein nach bestimmten Merkmalen.

00:10:46: Das entlastet oftmals, dass ich eine bestimmte Routine habe wie die Welt wahrnehme.

00:10:52: es wird aber dann gefährlich wenn ich meine Schubladen für die einzig wahre Wirklichkeitshalter.

00:10:58: was uns heute fehlt ist oftmals dieser Blick aus der eigenen Blase hinaus, also das Wahrnehmen dass die eigene Blase nicht die gesamte Wirklichkeit ist.

00:11:09: Dieser Tellerrand der heute nicht mehr überschritten wird wo sich vielleicht auch zwei oder mehrere Blasen mal austauschen oder miteinander in Streit kommen Das wird heute immer weniger.

00:11:19: wir haben heute vielmehr das Phänomen der Meinungsverstärkung.

00:11:24: Also je länger ich mich in einer Blase bewege in der alle anderen Menschen meinem Meinung teilen, es wird immer meine Überzeugung verstärken dass ich sowieso die richtige Sicht auf die Wirklichkeit oder andere Menschen habe.

00:11:39: Also dieses Korrektiv das einen oftmals auch heilsam zurechtdrücken kann, wird immer geringer in solchen Konstellationen und deswegen wäre es gut, dass wir auch außerhalb der eigenen Blasen ich würde mal sagen unangenehme Kontakte pflegen.

00:11:54: Also das ist dann vielleicht der schwierige Nachbar von nebenan, von dem ich genau weiß, dass er politisch völlig anders wählt wie ich oder sehr religiös und spirituell aus einem ganz anderen Holz geschnitzt ist um trotzdem den Kontakt nicht abreißen zu lassen.

00:12:10: man musste nicht ständig über das trennende Thema streiten Das wäre auch kontraproduktiv, aber auch das Leben miteinander leben lernen und auch erkennen.

00:12:19: Wir Menschen haben alle ganz viele Identitäten oder Rollen – oftmals ist es eine Rolle die uns trennt, aber sehr viele andere, die uns eigentlich nach wie vor verbinden würden wenn wir sie wahrnehmen.

00:12:31: D.h.,

00:12:32: wir alle sollten Diplomaten?

00:12:35: Man muss zu keinem Diplomat werden!

00:12:37: Auch im Streit halte ich es für unbedingt notwendig dass man die eigene Position vertritt.

00:12:42: Also ein guter Streit setzt sich daraus zusammen, dass ich Haltung bewahre.

00:12:48: Aber die eigene Haltung nicht zu einer Herabwürdigung des Anderen gleichmache.

00:12:51: Die Grenze eines guten Streits – also ich werde dann auch oft gefragt ja wo ist denn die Grenze erreicht?

00:12:57: Wo macht dann Streit auch keinen Sinn mehr?

00:12:59: Dies wirklich für mich auch da, wo der eigene Existenz oder eher eigene Würde von gegenüber herabgesetzt wird.

00:13:07: Also wenn diese fundamentale menschliche Gesprächsbasis nicht mehr gegeben ist, man würde jetzt in der modernen Sprache von Hass sprechen – Wenn das nicht mehr gegeben ist dann ist auch ein produktiver Streit nicht möglich.

00:13:19: Denn dann ist genau diese vertrauende widersprüchliche Partnerschaft dieser Balance einfach nicht mehr

00:13:25: möglich.".

00:13:25: Das ist etwas was da noch Staatenlenker benötigen.

00:13:29: dass man eben Auch trotz der Unterschiede und es sind oft sehr harte Unterschiede.

00:13:34: Und wir sind in Kriegssituationen miteinander noch reden kann, wenn man es nicht kann, dass man zumindest Personen hat die in Vertretung miteinander reden?

00:13:43: So ist das!

00:13:44: Wir merken jetzt leider derzeit in der internationalen Politik verstärkte Abkehr von der Diplomatie zur reinen Machtpolitik.

00:13:52: also es werden Waffenstillstände aufokturiiert muss ich gleich dazusagen.

00:13:58: Schlecht, dass die Waffen niedergelegt werden.

00:14:00: Aber das zugrunde legende Problem wird dadurch nicht gelöst nur weil die Waffe nieder gelegt werden, weil Gewalt mit gegen Gewalt beendet wird.

00:14:09: Das heißt jetzt nicht, dass Frieden einkehrt.

00:14:11: Dafür bräuchte es dann eine tiefer legendäre Auseinandersetzung, die nicht von außen kommen kann sondern auch von den betroffenen Menschen mitgetragen wird.

00:14:20: Wenn wir wieder auf die personelle Ebene kommen, wann?

00:14:23: Braucht es denn, weil's nicht gelingt miteinander zu streiten einen Mediator?

00:14:28: Oder wäre das schon der Scheitern des Streitens?

00:14:31: Sobald man einem Mediater braucht oder sich irgendwie extern begleiten lässt ist für mich schon kein Streit mehr.

00:14:38: Ein Streit ist etwas Punktuelles, es ist etwas Ungeplantes auch etwas... Ungeregeltes zu einer gewissen Maße.

00:14:46: Also eine Debatte, eine öffentliche Zähl für mich jetzt nicht als Streit sondern eine Debatte hat auch schon wieder klare Regeln.

00:14:52: die Beteiligten haben oftmals ein klares Ziel das sie vertreten wollen dass sie instinieren wollen.

00:14:58: der Streit ist oft mal etwas ganz spontanes und ist auch mit Emotionen verbunden.

00:15:03: also bei einem Streit darf es ruhig mal krachen wenn man es so salopp sagen kann wobei ich dann auch immer dazusage Die Emotion müssen Platz haben Sie sollen aber nicht das letzte Wort haben.

00:15:14: Am Stammtisch gibt es dann vielfach auch oft die eigentlich heilsame Situation, wenn während eines heftigen Streits einer der Beteiligten das Glas erhebt und sagt Prost also wir stoßen jetzt an.

00:15:27: Wir unterbrechen jetzt auch unser Gespräch.

00:15:30: Das ist auch oftmals wichtig als ein Zeichen.

00:15:33: Wir bleiben verbunden und wir werden hier jetzt auch auf keinen grünen Zweig kommen.

00:15:37: Und diese Unterbrechung fehlt uns vielleicht auch öfters.

00:15:41: oftmals die Menschen aufgrund einer Differenz und wir sagen, ja mit dem brauche ich mich hier gar nicht mehr auseinandersetzen.

00:15:49: Ich weiß ja ganz genau wie der oder die denkt.

00:15:51: also lieber gar keinen Kontakt mehr und ich glaube das ist der falsche Weg.

00:15:55: Sie hören heute in den Perspektiven mein Gespräch mit dem Theologen und erfahrenen Erwachsenenbildner Andreas Georg Weiß.

00:16:03: Er hat ein Buch geschrieben über das Streiten, es lautet Streiten verbindet, Rufzeichen was wir vom Stammdisch lernen können erschienen im Anton Pustet Verlag.

00:16:13: die Fragen stellen Cornela Grotter vom Sonntag.

00:16:16: Mein Name ist Stefan Hausfunk Radio Klassik Steffensdom.

00:16:19: Inwiefern ist es wichtig, dass man beim Streit auch etwas sein lassen kann.

00:16:25: Dass es nicht diesen Auftrag gibt den Inneren und anderen von seiner Position überzeugen muss?

00:16:31: Sie sprechen da jetzt einen ganz wichtigen Punkt an.

00:16:34: Ich glaube das hat sehr viel mit Selbstreflexion und Selbstkritik zu tun.

00:16:38: Wenn wir nicht erkennen, dass der eigene Vogel nicht der heilige Geist ist vollkommene Wahrheit für sich gepachtet hat, dann braucht man so etwas wie einen erkenntnistheoretischen Freiraum würde ich das jetzt nennen.

00:16:51: Also einen Raum wo ich sagen kann Ich weiß nicht alles, ich kann nicht alles verstehen und ich habe hier eine gewisse Lehrstelle Und diese muss ich anerkennen um dann auch ein Streit gut beenden zu können weil ich auch nicht die Einsicht oder die volle Erkenntnis beanspruchen kann katholischer Theologe und ich glaube, dass wir in der katholicen Kirche oder in den christlichen Kirchen allgemein ein gutes Pendant zum Standtisch haben.

00:17:17: Nämlich dem Tisch der Eucharistie oder auch dem Tisch des Wortes.

00:17:21: Auch hier haben wir oftmals die Möglichkeit zu einer Unterbrechung Und ich sage das sehr überzeugt als Theologe, weil die Theologen und Theologinnen sind ja auch bekannt dass sie oftmals gerne streiten.

00:17:31: Auch über Fragen die Sie gar nicht so hundertprozentig genau wissen können.

00:17:35: Ich glaube es wäre oftmals dann auch heils an innerhalb der Kirche diesen Tisch auch als das Einende anzusehen An dem auch Unterschiede hingelegt werden können Hingetragen werden vor dem man auch von der Lehrstelle die man auch nichts schließen kann Nichtschließen soll einfach auch mal schweigen kann.

00:17:53: Das wäre, glaube ich ein kirchliches, theologisches Pendant so etwas zum Stammtisch.

00:17:59: Und worüber man nicht sprechen kann soll man schweigen?

00:18:03: Ja auch das Schweigen ist oftmals... sehr heilsam, weil es auch zur Selbstreflexion anregt.

00:18:09: Und wer kennt die Situation nicht?

00:18:12: Dass man vielleicht in einem Streit auseinander geht und sich mal über den anderen oder die andere dann denkt, was ist denn das für eine Person mit der werde ich nie etwas anfangen können und auf dem Weg nach Hause oder vielleicht kurz vor dem Schlafen gehen, denkt man sich okay... Ich bin zwar immer noch nicht der Meinung von dieser Person aber das Gespräch hat mir jetzt ein bisschen geholfen zumindest die Anderen Perspektive zu verstehen.

00:18:34: Das macht auch schon wieder etwas mit jemandem.

00:18:36: Auch das ist eine Persönlichkeitsentwicklung zu sehen, wie kommen den anderen Menschen zu ihrer Meinung?

00:18:41: Vielleicht haben die ganz andere Erfahrungen gemacht, wie ich.

00:18:43: Gute Streiten verlangt aber auch, dass ich gute Argumente anbringe und mich selbst mit meiner Überzeugung einbringen

00:18:51: kann.

00:18:52: Ja, das stimmt!

00:18:53: Es braucht diesen Raum oder diesen Tisch metaphorisch gesprochen, an dem Unterschiede Platz haben und an denen man auch aus seiner persönlichen Perspektive sprechen kann, ohne dass man sofort bedrängt wird.

00:19:07: Man muss natürlich mit Widerspruch rechnen – das ist ganz klar!

00:19:10: Aber es braucht diesen Raum in dem ich mich einbringen kann.

00:19:13: Und der Stammtisch hat schon etwas von einem geschützten Rahmen.

00:19:18: Es ist schon so etwas wie eine Verbundenheit, eine gewisse Intimität.

00:19:22: Die Teilnehmenden an einem Stammtsch wissen von ihrer Unterschiedlichkeit.

00:19:27: Sie wissen von ihren unterschiedlichen Lebensrealitäten und sie wissen auch, dass man nicht in allen Themen einer Meinung

00:19:35: ist.".

00:19:35: Das gute Reden miteinander ist das eine.

00:19:37: es gelingt aber oft nicht und das kann dann auch oft zu Gericht führen!

00:19:42: Man kennt diese Fälle vom Bezirksgericht wo sich zwei Nachbarn um Lapalien streiten ob das jetzt Grundgrenzen sind oder wo der Baum sein Obst den anderen Garten hineinwirft.

00:19:53: also es gibt auch Grenzen des möglichen.

00:19:55: Grenzen ist ein entspannendes Stichwort, denn mein nächstes Projekt wird sich dann mit dem Gartensaun auch beschäftigen.

00:20:01: Also die Frage wie friede in unserem Alltag passieren kann und das hat sehr viel damit zu tun.

00:20:08: Muss ich jedes trennende Element gleich zu einem Konflikt auslösern machen?

00:20:13: Der Apfel der in den Garten hineinhängt muss gleich immer der Anstoß zur Nachbarschaftskrieg werden.

00:20:21: oder kann ich über diesen Apfel, über diese verbotene Frucht und auch einmal hinwegsehen.

00:20:26: Und Augen zwingt gern sagen okay die ist jetzt da aber es ist mir nicht wichtig genug um eine funktionierende Beziehung aufs Spiel zu setzen.

00:20:35: Ich glaube es gibt auch so etwas wie eine schlechte Streitzucht.

00:20:39: Wir suchen Konflikte, weil wir in Konflikten natürlich – das lässt sich auch biologisch und psychisch nachweisen.

00:20:45: Weil wir in Conflikte mit Indorfinen zu tun haben.

00:20:49: Also Konflikle regen uns auch innerlich nicht nur auf sondern auch oftmals an Und es gibt sehr wohl Menschen die genau solche Situationen dann suchen um ihre eigene Persönlichkeit zu profilieren oder salopp gesagt um einfach Recht zu haben.

00:21:07: Und dann wird der Streit natürlich auch eine Absurdung geführt, weil dann ist es auch kein Streit im Sinne einer Auseinandersetzung mehr oder das Miteinanderstreiten, dass mir ja so wichtig ist, sondern dann ist nur mehr ein Recht haben oder die anderen zur Seite drängen.

00:21:23: Theologian Andreas Weiß möchte ich auf einen Faktum in diesem Buch, das Sie da geschrieben haben über Streitenverbindet verweisen.

00:21:29: Da gab's nämlich durchaus auch einen Konflikt zwischen den Franziskanern und Dominikanern

00:21:34: Eine meiner Lieblings-Episoden der Kirchengeschichte, nämlich ein jahrhundertelanger theologischer Streit eine Debatte zwischen zwei ja man muss fast sagen verfeindeten Lagern und es ging um eine zentrale Frage in der damaligen Theologie Christologie.

00:21:53: Wurde Maria ohne Erbsünde empfangen?

00:21:55: Ja oder nein!

00:21:56: Und dieser Konflikt schwehlte zwischen diesen Ordnstraditionen über Jahrhunderte hinweg und er wurde erst im neunzehnten Jahrhundert mit der unbefleckten Empfängnis, mit dem Dogma eigentlich letztgültig entschieden.

00:22:09: Aber theoretisch hätten Päpste auch vorher schon eingreifen können!

00:22:14: Es hat mehrere Päpste gegeben, die durchaus diesen Konflikt hätten mit einem Machtwort beenden können.

00:22:20: Das ist aber auch nicht passiert.

00:22:21: Dieser Streit ist für mich schon ein bisschen das Kennzeichen des Katholischen, dass wir heute auch oftmals übersehen.

00:22:28: Diese katholische Kirche dieser universelle Anspruch eine Heimat für sehr, sehr viele unterschiedliche Menschen um Zugänge, theologische Ansätze, spirituelle Schulen.

00:22:40: Und es hat Platz!

00:22:41: Die Unterschiede haben Platz – das katholische Et-Et und das ist nicht immer einfach.

00:22:47: also die Spannungen müssen auch ausgehalten werden aber sie können auch ausgehalten werden.

00:22:52: ich hoffe dass das jetzt nicht zu theologisch ist aber in der christlichen Theologie ist das beruhigende das was uns eint oder Die Einheit der Christen herstellt kommt nicht von innen selbst, sondern es kommt von außerhalb.

00:23:07: Also die Mitte ist außerhalb von uns – das ist Christus oder das ist Gott oder die Eucharistie wie man das dann auch immer sieht.

00:23:14: Das hat ja auch etwas Beruhigendes.

00:23:16: also wir müssen nicht den Anspruch haben dass wir alle Unterschiede und alle Verschiedenheiten ein ebnen weil das würde dann wieder im Gewalt denken.

00:23:25: Gibt es einen Beispiel wo in der katholischen Kirche heute noch produktiv gestritten wird.

00:23:31: Ich möchte nicht anscheinend erwecken, dass Streiten heute überhaupt nicht mehr möglich ist.

00:23:35: Das funktioniert selbstverständlich im Staat in der Gesellschaft genau so wie in der Kirche aber es wird nicht zu gerne nach außen getragen.

00:23:45: also das Streit hat einfach einen sehr schlechten Ruf.

00:23:48: ich kenne ganz viele Menschen die sich zum Beispiel die Debatten anschauen im Nationalrat und dann sagen boah die streiten ja immer.

00:23:56: Eigentlich müsste man sagen, die machen genau das, wofür sie eigentlich da sind.

00:24:01: Weil Sie bringen unterschiedliche Perspektiven zusammen.

00:24:04: Natürlich über die Form kann man sehr oft anderer Meinung sein wie respektvoll oder wie sachlich eine solche Auseinandersetzung geführt werden soll.

00:24:14: aber das Streiten gehört zu unserem Leben dazu.

00:24:16: und auch in der Kirche Kann man es im Kleinen finden, ob das jetzt Pfarrgemeinderäte sind oder ehrenamtliche Gruppen in Gremien?

00:24:26: Natürlich findet man das.

00:24:28: Es funktioniert vor allem da wo die Beteiligten einen hohen Grundrespekt voreinander haben, ihm wissen dass sie in zentralen Punkten anderer Meinung sind.

00:24:38: und auch hier wieder diese Fähigkeit ich kann mit anderen vielleicht dann auch auf einen Kaffee gehen oder ein Getränk ihnen über ganz andere Themen zu unterhalten und wir müssen nicht auf diesen Unterschieden dann beharren.

00:24:52: Andreas, Georg weiß danke fürs kommenden Studio.

00:24:55: noch einmal der Hinweis das Buch lautet Streiten verbindet was wir vom Stammdisch lernen können und ist im Anthem Pusted Verlagerschienen.

00:25:04: Danke auch an meine Kollegin Cornelia Grotte von Sonntag für's Fragen stellen Und vielleicht haben sie sich lieber Hörin und Hörer etwas mit nehmen können für ihre persönliche Streitkultur.

00:25:17: Für's zu hören, dank Stefan Hauser!

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