Erde - Urstoff des Lebens
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00:00:05: In vielen Vorstellungen ist die Erde nicht nur der Urstoff des Lebens, sondern es ist das Leben.
00:00:13: Die Erde isst das Leben und das Leben kommt aus der Erde.
00:00:19: In den Schöpfungserzählungen viele Religionen wird der Mensch aus Erde geschaffen.
00:00:26: Welche Rolle die Erde in religiösen Vorstelllingen und Traditionen spielt, schauen wir uns in den heutigen Perspektiven an!
00:00:34: Gemeinsam mit dem Religionswissenschaftler Dirk Schuster unternehmen wir einen Streifzug rund um den Globus vom alten Ägypten über Australien und den amerikanischen Kontinent bis zur heutigen Ökospiritualität.
00:00:51: Ohne die Erde gibt es überhaupt kein Leben, egal ob das jetzt als etwas Persönlichfiziertes oder so mehr wie wir das jetzt in der Esoterik und New Age finden, immer ist sie was ganz Zentrales bei ganz vielen indigen Völkern.
00:01:10: Bis heute zum Beispiel auch in Südamerika wo da noch eine große Rolle spielt in diesen überlieferten Volksglauben weil der Mensch aus dem Ackerbau groß geworden ist.
00:01:21: Mit dem Ackabau hat sich ja der Mensch erst so richtig entwickelt und die Saat kommt aus der Erde.
00:01:26: und schon alleine diese Assoziation Das spinnt mit Leben, das Essen.
00:01:32: Also muss dieser Stoff was ganz Besonderes
00:01:34: sein.".
00:02:17: Aus dem ersten Buch Mose der Genesis Kapitel II Zur Zeit als Gott der Herr Erde und Himmel machte gab es auf der Erde noch keine Feldsträucher und Fuchsen noch keine Pfflanzen.
00:02:31: Denn Gott der Her hatte es auf die Erde nicht regnen lassen – und es gab noch keinen Menschen, der den Erdboden bearbeitete!
00:02:39: Aber Feuchtigkeit stieg aus der Erde auf und tränkte die ganze Fläche des Erdbodens.
00:02:46: Da formte Gott, der Herr
00:02:48: den Menschen
00:02:50: Staub vom Erdboden Und blies in seine Nase den Lebensatem.
00:02:55: So wurde der
00:02:56: Mensch
00:02:57: zu einem lebendigen Wesen.
00:03:00: Hier in dem Kulturkreis ist natürlich das bekannteste Genesis zwei Der Mensch wird aus der Erde geformt ist eigentlich hindingig bekannt, aber das gibt es in vielen Religionen gerade so in ethnischen Religionen.
00:03:17: Volksreligion auch in volkstümlichen Überlieferungen noch
00:03:22: sagt Dirk Schuster.
00:03:23: er isst Religionswissenschaftler an der Universität Wien
00:03:27: was Schöpfungserzählungen anbelangt.
00:03:30: also da gibts extrem viel.
00:03:33: der ägyptische Gott Geb zum Beispiel Gott der Erde ist oder der Erdgott.
00:03:43: Und mit seiner Schwester, die gleichzeitig seine Frau ist, der Not überhaupt erst die Schöpfung begonnen hat aus denen sind dann erst die Götter entstanden.
00:03:53: und bei den Ägyptern war die Vorstellung dass alles was aus der Erde kommt sei es das Wasser des Niees was er für die Ägypta Lebensnoten nicht war sei es die Saat usw.. kommt vom Rücken von Geb.
00:04:09: Also er ist sozusagen das, woraus alles sprießt und das funktioniert aber nur in diesem Dualismus mit Nut die den Himmel und damit auch das Wasser usw.
00:04:19: auch mitgibt.
00:04:21: Und diesen Dualismus das sind wir relativ häufig dieses Himmel-und Erde also was wir heute sagen.
00:04:27: oftmals haben Himmel oder Hölle es in vielen Religionen gerade früher eher dieses Himmeln und Erde gewesen wobei die Erde aber der meist weiblich assoziiert war, als etwas Gebenes.
00:04:40: Dort wo die Schöpfung herkommt.
00:04:42: Der Himmel hingegen war öfters oder relativ häufig männlich kommuniziert, der befruchtet durch Regen und Sonnenschein
00:04:51: usw.,
00:04:52: umgegen halt die Erde des Weibliches aus dem alles heraus kommt.
00:04:58: Oder wurde ganz häufig auch mit der weiblichen Vagina assoziert also gerade Höhlen.
00:05:04: Das war dann oftmals der Eingang in die Unterwelt, also die Erde wurde nicht nur assoziiert.
00:05:09: Die gibt sondern dort auch wo es wieder zurückgeht.
00:05:14: Der Tod oder das Toten reicht gar nicht so als was Negatives, sondern es geht in die Schöpfung sozusagen wieder zurück.
00:05:22: Erde zu Erde wenn man es an einer Bibel liest.
00:05:40: Die Erde wird in vielen Kulturen als Mutter gedacht.
00:05:44: Der Geschuster schlägt hier einen Bogen in die Gegenwart.
00:05:47: Gerade in der Umweltbewegung, der Begriff der Mutter Erde, die geschützt werden muss – das hat sich dann oftmals verbunden mit so spirituellen esoterischen Konzepten wo die Erde nicht bewusst wie seit dem klassischen Umweltverständnis ist etwas ist was es zu bewahren geht im Sinne von dass wir uns eigene Ressourcen nicht kaputt machen und unseren eigenen Lebensraum unter den Füßen wegziehen sondern Es tut so eine Art nicht Persönlich-Vizierung, sondern eher zu einer Beseelung der Erde gekommen ist in diesen kreisen und neukreligiösen Kreisen.
00:06:24: Das sozusagen die Erde nicht bloß etwas Materielles hat oder Materieles isst.
00:06:31: Diese Vorstellung findet sich bei einigen Autochtonen des amerikanischen Kontinents.
00:06:37: Der Schuster versucht, diese Vorstellungswelt in uns geläufigen Begriffen auszudrücken.
00:06:43: Dieser Animismus das alles Stoffliche... Manchmal sogar das nicht stofflich also auch Luft ist stofflig aber das was man nicht direkt greifen kann hat eine gewisse Seele würden wir es nennen.
00:06:59: der Begriffe sind natürlich christlich ist ein bisschen schwierig damit umzugehen Aber dass gerade die Erde dort raus ganz viel Energie kommt und dass die Erde etwas ist, was eine eigene Kraft, eine eigene Energie hat, aus der dann das Leben erwächst.
00:07:17: Dieser Idee gibt es auch bei der ursprünglichen Bevölkerung Australiens, deren verschiedene Gruppen unter der Bezeichnung Aborigines zusammengefasst werden.
00:07:35: was der Erde zugeschrieben wird, was wir tatsächlich auch im etwas anderem Verständnis bei den Avergienis finden.
00:07:42: Das bei einigen Stämmen in der mythologischen Überlieferung von einem Ort, der ist in Zentral Australien alles also auch die mythologische Wesen aus diesem Stück Erde entstanden sind, aus dem Wüste hervorgekommen sind Wobei wir uns das aber nicht als eine Schöpfungsgeschichte vorstellen dürfen, es war einmal.
00:08:03: Sondern das funktioniert bei den Aborigines ganz anders.
00:08:06: also da gibt's keinen zeitlichen Ablauf
00:08:10: Im Verständnis der verschiedenen Gruppierungen der Aboriginas geschieht alles gleichzeitig.
00:08:17: Die Erschaffung der Menschen und anderer Wesen ist in der sogenannten Traumzeit angesiedelt.
00:08:23: Die Traumzeit ist allgegenwärtig, wie eine Art metaphysische Parallelwelt.
00:08:30: Daran scheitern tatsächlich viele Wissenschaftler bis heute.
00:08:33: Ich wage auch nicht zu behaupten dass ich das völlig durchdenken kann.
00:08:39: Es ist halt ein völlig anderes Konzept von Zeit was wir westlich geprägten Menschen mit unserem chronologischen Geschichtsbild im Jahr nach Christi.
00:08:53: Das ist ja alles chronologisch aufgebaut und das funktioniert dort überhaupt nicht, sondern dass es alles gleichzeitig... Es ist auch nichts ein Beginn im Sinne von und darauf baut sich alles auf eine Schöpfung, sondern diese Verbindung durch diese Träume.
00:09:09: die ist permanent mit den Ahnen, mit diesem mythologischen Wesen.
00:09:13: aber wie gesagt das ist eine etwas simple europäische europäischer Versuch das ganze zu beschreiben.
00:09:39: Wir kommen zurück nach Europa.
00:09:42: Der Begriff Erde im Sinn von Grund und Boden spielte im Nationalsozialismus eine große Rolle.
00:09:49: Alle kennen auch den Begriff der Scholle, der Bauer, der auf seiner Schollee sitzt und das wurde dort halt übertragen auf ein Volk in der Rückgriffe bis auf die alten Germanen was überhaupt nicht funktioniert.
00:10:03: aber es war halt der Rückgriff.
00:10:04: um damit auch klar zu machen dort wo man ist Auf der Erde steht, das ist Seins und da darf auch kein anderer hin.
00:10:13: In dem Fall richtete sich das halt gegen Juden oder auch immer man wollte.
00:10:19: Man konnte es auch gegen Franzosen einsetzen, gegen Polen im Osten oder wo auch immer gerade hier in Österreich auch viel gegen Slaven, gegen Tschechen, gegen Judem.
00:10:28: Und diese Bodenideologie dahingehend die Erde, die Mutter Erde – Das ist das was das Volk bewahrt!
00:10:35: Das Volk kann nicht einfach umgesiedelt werden Anders, weil dann geht diese Verbindung zu dieser in Anführungsstrichen Scholle vollkommen verloren.
00:10:44: Das sind Narrative die da geprägt wurden und die Teilweise auch bis heute noch nachwirken.
00:10:49: gerade aus dieser völkischen Bewegung also diese deutsche Kontinuität zurückverfolgt bis zu den Germanen das findet man doch ganz viel dass immer noch in der allgemeinen Öffentlichkeit die German mit Odin und so assoziiert werden.
00:11:05: Auch hier die Marvel-Filme haben da ganz viel Rolle gespielt.
00:11:09: Aber das ist tatsächlich aus dieser völkischen Bewegung, dass sozusagen alles mit dieser Island Saga von Snorri... ...aber mit dem was wir über den Germanen wissen in Mitteleuropa gar nichts zu tun hat.
00:11:20: Aber trotzdem diese Verbindung eben dieses Zwischen Erde.
00:11:24: Da spielt ja auch Idrassil dieser Lebensbaum eine große Rolle bis hin dann zu Valhalla.
00:11:29: Das ist das was die Leute heute immer noch assoziieren und da diese Kontinuitätlinie teilweise unbewusst ziehen von den Germanen bis heute.
00:11:37: Das kommt aus dem neunzehnten Jahrhundert, wo halt dieser Erdverbundenheit versucht wurde zu konstruieren und darüber eine Exklusion zu schaffen.
00:11:48: Jeder der nicht dazu gehört schon immer Da gehen wir hier angeblich auf tausende Jahre zurück, schon immer auf dieser Scholle gelebt hat.
00:11:59: Mit dieser Verbundenheit gehört nicht dazu muss weg.
00:12:03: also man kann mit dieser Erdverbundenheit auch ganz extreme Weltbilder konstruieren was tatsächlich auch wieder ein religiösen Rückgriff hat.
00:12:13: Die Geschuster hat sich wissenschaftlich mit völkischen Gruppierungen auseinandergesetzt und auch mit religiösen Vorstellungen der Germanen und Kelten, auf die diese Bewegungen häufig zurückgreifen.
00:12:25: Allerdings gesicherte Erkenntnisse dazu gibt es kaum.
00:12:30: Das erste Grundproblem ist das Kelten- und Germanenschriftlose Kulturnwarnung.
00:12:35: Jetzt könnten mich entgegnenen die Ruinen aber das ist was, was erstens aus Nordeuropa kommt und viel später einsetzt und dass auch keine in dem Sinne Schrift ist wo dann wir so etwas lesen können wie in einer Bibel.
00:12:49: Es gibt auch keine zeitgenössischen Eigenberichte über religiöse Vorstellungen.
00:12:55: Das heißt, wir sind einfach die Archäologie angewiesen und natürlich wenn wir eine Grube finden mit verbrannten Tieren drin kann man das als Opfergrube interpretieren.
00:13:06: Man könnte es aber auch als irgendwas anderes.
00:13:08: also das ist auf der einen Seite sehr spekulativ.
00:13:10: natürlich Die Wissenschaft hat da schon Vergleichsmöglichkeiten, um da schon in die Richtung zu gehen.
00:13:16: Doch das wird eine Opfergruppe gewesen sein.
00:13:19: aber wem der geopfert wurde?
00:13:20: Warum?
00:13:22: Was damit für ein Ziel bezweckt worden sein sollte?
00:13:25: wir wissen es nicht und da haben wir natürlich noch Fremdzuschreibung oder Fremdebesschreibungen.
00:13:30: Klassisch ist hier CESA Aber CESAR hat ja das nicht als Eingeschichtsbuch geschrieben.
00:13:36: CESAA hat eine Kriegsberichterstattung für Propaganda-Zwecke in Rom geschrieben.
00:13:42: Das nennen wir Interpretatioromaner, da hat auch ganz viel aus römischer Sicht auf Kelten und Germanen übertragen damit dass die römischen Leser überhaupt verstehen.
00:13:51: aber das hat natürlich nichts mit dem Eigenverständnis zu tun.
00:13:55: Das ist wie wenn wir zum Beispiel aus einer christlich sozialisierten Perspektive versuchen über die Gottesvorstellungen den Buddhismus zu erklären.
00:14:04: der Leser hier versteht es dann vielleicht ein bisschen besser.
00:14:07: Aber jeder Buddhist vor Ort würde sich wahrscheinlich sagen, das hat damit überhaupt nichts zu tun was wir machen oder was wir denken.
00:14:13: also dass ist die Problematik an der ganzen.
00:14:16: deshalb wissen wird darüber eigentlich gar nichts oder relativ wenig was dort Erde eigentlich so im Großen und Ganzen bedeutet hat.
00:14:25: Wir wissen von zum Beispiel Tatsitus Der aber ja selbst nie in Germanien war Das ist auch wieder vom Hörensagen ganz schwierig Auch hier wieder für das römische Leser Publikum geschrieben dass es einzelne Stämme gab, die bestimmte Heine gerade in Wäldern oder Anwäldern verehrt haben und dort Opfergaben dargebracht haben.
00:14:46: Also gewisse Orte wurden da schon als etwas Besonderes betrachtet.
00:14:51: auch wissen wir aus archäologischen Funden gerade in Thüringen das gewisse Moere- oder Seen auch als Opferplätze benutzt worden sind.
00:15:02: Das deutet darauf hin, dass es eine Verbenung zur Erde gegeben hat.
00:15:06: Aber was jetzt genau das Konzept dahinter war?
00:15:08: Wie es wir halt zum Beispiel bei den Griechen kennen, mit Gaia.
00:15:11: Darüber können wir eigentlich fast nichts sagen weil uns die schriftlichen Überlieferungen gerade die Eigenperspektiven fehlen.
00:15:17: Gaia oder G ist eine der ersten Gottheiten in der griechischen Mythologie.
00:15:23: Gaian ist eigentlich sowas ähnliches wie ich's ja schon bei den Ägyptern erklärt habe auch hier wieder eine Muttergottheit aus deren Schoß alles hinaus kommt.
00:15:34: deshalb auch diese Weibliche Assoziation, dass der alles geboren wird.
00:15:40: Was aber auch natürlich ein paar negative Dinge mit sich bringt.
00:15:43: zum Beispiel Erdbeen und das wurde gar ja zugeschrieben Und auch hier wieder dieser starke Bezug zum weiblichen Schoß.
00:15:52: Zudem dann auch wieder die gewisse Assoziazion stattfanden von Sicherheit Also der Schuß den ich nur was hervorbringt sondern der auch dem Menschen Schutz Trost und Geborgenheit bietet, auch das wurde damit assoziiert.
00:16:07: Und das hat sich dann viel weiter noch gesponnen bis in die Volksfrämigkeit.
00:16:12: also es geht nicht alles auf Gaia zurück sondern das finden wir halt in den ganzen Volksüberlieferungen und dass ist immer wieder ein sehr ähnliches Bild was da gezeichnet worden ist.
00:16:21: Also zum Beispiel im deutschen Gebieten war es lange noch Tradition, dass man Neugeborene auf der Erde liegt oder Menschen die sich im Sterben befinden auf die Erde setzt.
00:16:31: Und damit war aber nicht so dieses Erde zu Erde.
00:16:34: Das stand da überhaupt nicht unter diesem Denken, sondern sie bietet Schutz.
00:16:38: Dieses Beschützende und das soll demjenigen in dem Moment helfen, den Neugeborenen, Stärmenden
00:16:43: etc.,
00:16:44: etc.
00:16:44: Und es ist bei Gaia eigentlich ganz ähnlich aus ihr kommen dann die ganzen Götter hervor usw.
00:16:51: Und auch hier wieder als Die Befrucht hätte, die dann darüber das Leben spendet.
00:17:08: Ähnliche Gottheiten gab es auch im frühen Judentum, erklärt Religionswissenschaftler Dirk Schuster.
00:17:14: Es gibt ja gerade in der Frühphase des Volkes Israels – also da reden wir so um tausend Vorkristi – da gibt es sogar noch Urelemente des Polyteismus.
00:17:26: Der Monotheismus des Judentums hat sich erst schrittweise entwickelt und nicht zum Beispiel so wie beim Islam.
00:17:33: Und wurde gleich gesagt, es ist Monotheismus.
00:17:36: Das war beim Judentum nicht so und das finden wir sogar noch haben hier Archäologische... ...und auch schriftlich Querverlieferung, dass es dort noch einen weiblichen Part zum Beispiel gab.
00:17:45: Wir dürfen das uns ja auch nicht als eine geschlossene Gesellschaft vorstellen sondern da haben auch hier wieder ganz regionale Einflüsse, auch lokale Einfüsse mit eigenen Gott der Welt hin zusammengespielt was sich dann allmählich über Jahrhunderte zu einem Monotheismus rausgebildet hat.
00:18:02: aber Gerade diese Frau, die wir dort finden oder auch weibliche Wesen.
00:18:08: Das zeigt auch wieder von diesem Dualismus der große Schöpfer oben und das Gegenbild unten als wieder weiblicher Part.
00:18:19: Rund zweieinhalb Tausend Jahre später tauchte in der jüdischen Tradition eine Figur auf, die aus Erde erschaffen wurde aber nicht von Gott sondern von Menschen – Der Golem.
00:18:33: Der Golem ist eine mythische Figur, die auch tatsächlich relativ spät im Judentum entstanden ist.
00:18:40: Also wir reden hier wirklich von der zweiten Jahrtausend Hälfte.
00:18:45: Es gibt so verschiedene Brichte, also Vierzehntes bis Sechzehn des Jahrhunderts.
00:18:49: Im bekanntesten ist wohl der Prager Golem wo man an einer alten Synagoge bis heute oben noch diese kleine Tür sieht und die Legende sagt hat das war der Eingang des Golems damit die Leute ihn nicht sehen und so, dass er dort oben reingeht.
00:19:04: Und ja das war eine Figur aus Leben Erde, da gibt es auch wieder unterschiedliche Versionen gemacht dem das Wort Leben auf die Stürm geschrieben wurde und der dann dadurch zum Leben erwacht ist.
00:19:18: wir würden vielleicht heutzutage das ein bisschen so assoziieren mit einem willigen Befehlsempfänger so ein bisschen Frankenstein mäßig, der seinem Herrn gehorcht und seine Befehle ausführt Und der aber dann laut die Legende tatsächlich oder verschiedensten Überlieferungen auch manchmal ein Eigenleben geführt hat.
00:19:35: Wenn man ihm sozusagen den ersten Buchstaben von der Stimmung bestabt, bedeutet das eine Übersetzung also aus dem Hebräischensmann natürlich hebräische Schriftzeichen Tod und dadurch wurde er sozusagen wieder zu Erde.
00:19:48: Er ist dadurch wieder zu dem gewohnt was er entstanden ist.
00:19:51: Also sozusagen Der Mensch hat die Macht Die Erde zum Leben zu erwecken und sie sich untertanzen machen mit einem mythologischen Wesen, das dann teilweise wirklich Untriebe treibt was wir auch wieder in der klassischen Volksüberlieferung gehen als etwas um Schrecken einzujagen.
00:20:15: Auch darüber ein bisschen Demut zu bringen und was natürlich in der Modern Science Fiction immer wieder Einfluss gefunden hat.
00:20:23: also ich kann mich erinnern Aus Versehen, ich glaube ich war elf- zwölf Jahre alt habe ich eine Vierholge Akte X mit dem Golem gesehen.
00:20:29: Ich habe wochenlang jeden Nacht unter das Bett
00:20:33: geschauter.".
00:20:34: Der Golem taucht heute in so manchem Film oder Videospiel auf.
00:20:40: Sein Aussehen variiert dabei von einem grob behauernen Steinriesen bis hin zu einer menschlichen Anmutung Dass nicht nur Gott, sondern auch Menschen Leben erschaffen können, wirkt im Rahmen einer religiösen Tradition wie dem Judentum sehr an Maß sind.
00:20:58: Tatsächlich das ist ein Zwiespalt.
00:21:00: also in sich hat es schon was sehr Religiöses nehmt nämlich die Schaffung von Leben und das ist ja das was der Menschheitstraum schlechter ist bis in die Gegenwart hinein.
00:21:12: Wir schaffen uns selbst.
00:21:15: Das ist ja gerade was KI und die ganzen Todesvorstellungen usw.
00:21:19: alles heutzutage mit sich bringen oder die Überwindung des Todes, es tut eigentlich nichts anderes Die Anmaßung des Menschen überleben und tot entscheiden zu dürfen.
00:21:28: Der Mensch darf ja auch entscheiden wann der Golem tot ist.
00:21:32: Aber da er Golem hat ja an sich keine Seele Nicht so wie wir Menschen.
00:21:36: also deshalb das ist eine Art Zwischenwesen.
00:21:39: aber Es ist halt etwas ganz Klassisches.
00:21:41: dieses Motiv dem mensch macht etwas um sich zu erhöhen, auch gegenüber Gott.
00:21:48: Er ist jetzt nicht bloß mehr der einfache Geschaffende sondern er wird selbst aktiv und gleichzeitig aber diese klassischen Erzählungen dieses Unheimliche und so was wir immer und immer wieder finden diese mythologische Figur des Rübezahl zum Beispiel im bürmischen Bereich oder früher also Sudeten-Bereich kennen ich auch noch diese mittags Frauen die jemanden holen, der im Mittagsbau sie nicht einhält.
00:22:15: Früher auf den Feldern und so.
00:22:16: Dort kann man diesen Golem mit rein interpretieren in diese Erzählung dem Menschen auch eine gewisse Ehrfurcht und gehorsam zu vermitteln mit solchen
00:22:26: Erzählungen.".
00:22:28: Die bekannteste Version der Golem-Legende spielt in Prag.
00:22:33: Hier soll der gelehrte Rabbi Löw den Golem aus Lehm geformt und belebt haben indem er ihm eine Zauberformel in den Mund legte.
00:22:44: Der Golem war sehr stark und beschützte das jüdische Ghetto.
00:22:48: Außerdem arbeitete er für seinen Schöpfer den Rabbi.
00:22:52: Eines Tages aber wurde der Golem wütend, er tobte und zerstörte dabei Häuser und entwurzelte Bäume.
00:23:01: Rabbi Löw riss dem Golem die Zauberformel aus dem Mund.
00:23:04: darauf hin zerfiel dieser zu Staub.
00:23:08: Reste dieses Staubs!
00:23:10: sollen sich noch heute auf dem Dachboden der Alt-Neue Synagoge in Prag befinden.
00:23:16: Der Ältesten unzerstört als solche erhaltenen Synagoe
00:23:21: Europas.".
00:23:23: Das Religionswissenschaft, da für mich persönlich ist das ein Klassischer Beispiel für Volksfrömmigkeit.
00:23:29: Es gibt sozusagen ein religiöses Konzept und im Fall das Judentum Und innerhalb dieses Konzeptes entwickeln sich Vorstellungen, die nicht vollständig mit diesem religiösen Konzept vereinbar sind.
00:23:44: Aber trotzdem dort noch mit integriert sind.
00:23:46: und diese klassische Volksfrühmigkeit zum Beispiel aus dem Waldviertel kenne ich das ganz deutlich so was dort alles sich neben dem Katholizismus noch erhalten hat.
00:23:55: Und tut würde ich als Religionswissenschaftler das einordnen in dieser klassischen
00:23:59: Volksfröhlichkeitserzählung.".
00:24:02: Zu seinem Verweis auf das Waldvirtel sagt Religionswissenschaftlerin Dirk Schuster
00:24:08: Diese ganzen Talismänner zum Beispiel, eingenähte Spinnen die man dann um den Heiß getragen hat oder wo auch immer im Museum in St.Pölten gibt es eine eigene Vitrine dazu unten Längenmaß vom Fuß Marias und so weiter ist dann wieder mit einer besonderen Heilkraft zu.
00:24:27: gesprochen wurde und all solche Geschichten also das finden wir relativ vielen.
00:24:30: das hat ja in dem Sinne mit dem Katholizismus Nicht zu tun, sondern genaue Gegenteil.
00:24:35: Die offizielle Lehre lehnt sowas sogar ab diesem Arbackglauben wie man ihn nennt aber es ist trotzdem ein ganz fester Bestandteil der Volksfremdigkeit und in denen es auch gar nicht gehen würde.
00:24:46: dieses rein dogmatische funktioniert nie Und das zu persönlich ist meine Interpretation.
00:24:52: oder so wie sich das mit dem Golem und diesen ganzen anderen Geschichten die wir wirklich an den ganzen Religion immer wieder finden diese Nebengeschichten
00:25:22: Aus Erde wurde der Mensch von Gott geschaffen.
00:25:26: Wörtlich heißt es im zweiten Kapitel der Genesys aus Staub vom Erdboden.
00:25:32: Im dritten Kapitel, der Genesis lesen wir das der Mensch zum Erdboten zurückkehren wird.
00:25:38: Denn so wörtlich Von ihm bist du genommen Staub bist Du und zum Staub kehrst du zurück.
00:25:47: In vielen Kulturen werden die Körper der Toten in der Erde bestattet.
00:25:53: Ende des achtzehnten Jahrhunderts kam in unseren Breiten eine andere Idee auf.
00:25:57: Die Mitte des neunzehntem Jahrhundes große Wellen schlug, berichtet Dirk Schuster.
00:26:02: Das war der Beginn der Feuerbestattung dieser Auseinandersetzung zwischen gerade katholischer Küche aber prozessantischer Kirche und diesen ja Aufklärern diesen Futuristen schon quasi die das ganze jetzt abgelehnt haben, so wie es die katholische und protestantische Kirche gemacht haben mit der Erdbestattung sondern durch die Feuerbestattungen was ein ganz zentrales Element hat.
00:26:27: Denn Asche vergeht nicht!
00:26:29: Der Mensch bleibt dauerhaft da er verewigt sich in Form von Asche.
00:26:35: heutzutage ist das kein Problem.
00:26:36: künstliche Diamanten gepresst werden usw.
00:26:39: Und dort wurde tatsächlich argumentativ so vorgegangen Die Erde... Das ist dunkel, das is nass Wenn man da drin liegt.. Es bedrückt ein Und gegen man die Feuerbestattung.
00:26:51: etwas ganz Positives, es geht nach oben.
00:26:54: Feuer, Wärme und die Erlösung ist ja immer oben.
00:26:58: also warum sollte man noch unten hier?
00:27:00: Also dort hat man das ganze argumentativ plötzlich umgedreht.
00:27:03: da ist die Erde plötzlich das negative.
00:27:05: Da kommen dann auch die Hygienervorstellungen mit rein Friedhöfe in der Stadt Städte wachsen Wasserverschmutzung und soll also das später vieles mit rein wo dann wirklich die Erde erst was Negatives wahrgenommen wird?
00:27:18: Die Verpestete sind so.
00:27:19: Deshalb werden die Friedhöfe seit dieser Zeit außerhalb der Städte gelegt, das ist der Hintergrund.
00:27:24: Und da spielt diese Feuerbestattung viel rein.
00:27:26: und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts haben wir dann die ersten protestantischen Köchen die Feuerbestattern auch zugelassen.
00:27:32: Heutzutage in Österreich, ich glaube jetzt gerade, haben wir die Schwelle erreicht wo die Hälfte aller Bestattungen Feuerbestartungen sind also... Innerhalb von hundertfünfzig Jahren bis zu mehr als Hundertfünftig Jahre.
00:27:42: ein extremer Wandel des Bestattungswesens in Mitteleuropa.
00:27:45: Das wird uns gar nicht so klar, aber das ist so eine kurze Zeit und es hat sich komplett
00:27:49: gewandelt.".
00:27:50: Zu dieser Entwicklung hat auch beigetragen dass Feuerbestattungen weniger Geld kosten – das war schon im neunzehnten Jahrhund dazu.
00:27:59: Es macht halt günstiger gerade für die einfache Bevölkerung deshalb die Feuerbestatterung dann auch in den Arbeiterkreisen so beliebt war weil das wirklich günstigen war.
00:28:10: Heutzutage ist halt wirklich diese Verstetigung des Menschen.
00:28:13: Wenn ich in einer Ohne bin, dann kann ich in zwei Hundert Jahren mit einem Verwandten noch auf dem Keks gehen.
00:28:18: Die müssen mich mit rumschleppen!
00:28:20: Ich bleibe sozusagen im Diskurs erhalten und wenn ich ja als Diamant reden die Leute über mich zwangsläufig... ...ich bleibe der Menschheit erhalten.
00:28:30: Das ist eigentlich eine ganz interessante Idee dahinter während in der Erde Erde zu Erde.
00:28:35: Dann bin ich weg.
00:29:08: Das war eine Sendung über die religiöse Bedeutung von Erde.
00:29:14: Mehr zu unserer Themenreihe, Erde finden Sie auf radio-klassik.at.
00:29:20: Hier können sie alle unsere Perspektiven nachhören.
00:29:23: Auf ein Wiederhören freut sich Monica Fischer.
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