Perspektiven: Aus Erde gebaut.
Shownotes
Es ist einer der ältesten Baustoffe der Welt: Lehm. Schon in der Steinzeit bauten die Menschen damit ihre Häuser. Und es ist einer der zukunftstauglichsten Baustoffe der Welt. Das beweisen Lehmbaupioniere aus Österreich.
Martin Rauch und Andrea Rieger‑Jandl beschäftigen sich seit Jahren mit diesem Baustoff, der direkt am Ort der Baustelle verfügbar ist, gesund bleibt und Räume schafft, die das Klima regulieren. Warum erlebt Lehmbau gerade eine neue Bedeutung? Weshalb ist er in Europa dennoch teuer und selten? Und wie könnte sich das ändern? Gerlinde Petric‑Wallner fragt nach: bei einem Pionier des Stampflehms und einer Expertin, die sich politisch wie praktisch für mehr Lehmbauten einsetzt.
Hinweise und Links:
**Engagement für mehr Lehmbauten: **
Der Verein Netzwerk Lehm engagiert sich dafür, dass Lehm breitenwirksamer wird. Andrea Rieger-Jandl ist die Vorsitzende des Vereins.
Bauen mit Stampflehm:
Martin Rauchs Unternehmen befindet sich in Schlins (Vorarlberg) und heißt Lehm Ton Erde.
Transkript anzeigen
00:00:00: Es ist einer der ältesten Baustoffe der Welt.
00:00:03: Lehm!
00:00:04: Schon in der Steinzeit bauten die Menschen damit ihre Häuser und es ist eine der zukunftstauglichsten Baustiffe der Welt, das beweisen Lehmbau-Pioniere aus Österreich.
00:00:15: In den nun folgenden Sendungen kommen ein Expertin und ein Expertin Sachen-Lehmbau zu Wort.
00:00:21: Noch ein Hinweis zur Tonqualität.
00:00:23: Das Interview mit Martin Rauch wurde online aufgenommen und klingt deshalb anders als unsere gewohnte Studiokwalität, wir bitten um Nachsicht!
00:00:32: Die Sendung ist übrigens Teil unserer aktuellen Schwerpunktreihe zum Thema Erde.
00:00:37: Eine Sendung von Gelinde Petrit-Schwallner.
00:00:48: Ein
00:00:56: Drittel der Menschheit lebt in Lehmhäusern.
00:00:59: Ich würde sagen, Lehm als Baustoff ist nach wie vor eines der wichtigsten Baustiffe in der Vergangenheit und es wird noch viel mehr in der Zukunft eine wichtige Perspektive
00:01:14: sein.".
00:01:18: Martin Rauch und Andrea Rieger-Jandel sind beide beruflich auf eines spezialisiert – Lehm!
00:01:24: Sie wissen um die Vorteile dieses Materials.
00:01:27: Es ist ein Material, das nach einem Wunder klingt.
00:01:29: Überall direkt an Ort und Stelle des Bauens verfügbar.
00:01:33: Gesundheitsfördern statt giftig Ausgleichend für Feuchtigkeit etwa.
00:01:39: Wer mit Lehm baut, baut den Haus das Atmet Und mitunter ein Haus, das seine Seele hat.
00:01:45: Nicht umsonst wird Lehm immer wieder auch für den Bau von Kirchenräumen und Kapellen verwendet.
00:01:51: Wie hat sich der Lehmbau im Laufe der Zeit verändert?
00:01:54: Warum gilt er heute mitunter als Zukunftshoffnung?
00:01:58: Wenn Lehm doch überall so leicht verfügbar ist, warum ist der Lehmbau in Europa dann zu etwas so exklusivem und teurem geworden.
00:02:05: Und wie lässt sich das wieder ändern?
00:02:10: Mein Name ist Andrea Rieger-Jandel ich leite den Masterstudiengang Architektur Green Building an der Hochschule Campus Wien und bin Professorin am Forschungsbereich für Baugeschichte und Bauforschung an der TU Wien.
00:02:26: Nachhaltigen bauen, vor allem wenn es um den Baustoff LEM geht.
00:02:30: Engagiert in Sachen LEM ist sie auch als Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Netzwerk LEM.
00:02:35: LEM isst einfach Erde, das ist eine gewisse Schicht in der Erde.
00:02:40: also LEM ähm ist eigentlich ein Verwitterungsprodukt von Gestein und er besteht aus Kies, Sand, Schluf und Ton.
00:02:51: Der Ton ist eigentlich für uns jetzt im Baubereich das ganz Wichtige im Leben, weil der Ton ein natürliches Bindermittel.
00:02:59: D.h.,
00:03:00: der Ton sorgt dafür, dass alle anderen Komponenten aneinanderkleben.
00:03:05: Das, was der Zement in Beton ist, der alles zusammenhält, ist der Ton Natürlich quasi im Leben vorhanden und dadurch brauche ich keine Zusätze, sondern habe einen ganz tollen Baustoff mit einem natürlichen Bindermittel inkludiert.
00:03:20: Wer Leben benötigt und ihn beschaffen möchte muss dafür die oberste Erdschicht abtragen.
00:03:24: Es ist einfach.
00:03:25: Bei uns in Österreich ist wichtig, dass man die Hummus-Schicht abträgt.
00:03:28: Also den Mutterboden oben sind ungefähr in den meisten Regionen so ca.
00:03:32: dreißigvierzig Zentimeter und wenn ich das abtrage – also das ist auch der Boden von den ganzen Mikroorganismen – drehen sie in der Gutes für die Bepflanzung.
00:03:41: Wenn ich diesen oberen Boden heruntergebe dann kommt unten.
00:03:44: fast überall in Österreich komme ich auf Lehmboden bis jetzt auf den Alpenbereich, wo ich schnell auf dem Gestein bin.
00:03:52: Aber in ganz vielen anderen Regionen ist unter der Hummus-Schicht ein Lehm-Boden und den kann ich sehr gut auch fürs Bauen und in die Architektur einsetzen.
00:04:01: Früher hat Armund Reich mit Lehm gebaut.
00:04:04: Der Künstler, Architek, Lehmbau-Pionier und Unternehmer Martin Rauch
00:04:09: Reike hat vielleicht ein bisschen mehr Verzierungen gehabt oder größer gebaut aber das Material war dasselbe.
00:04:15: Im Zuge der Industrialisierung haben wir praktisch den Lämbau ersetzt mit energieinziziven Baustoffen.
00:04:25: Und wir haben zehn Generationen gebraucht in der Industrienation, also zehn Generation die Lämpau zu vergessen, zu degenerieren.
00:04:38: und Lämmbau hat kein Image gehabt.
00:04:42: und immer nur in Krisenzeiten hat man sich dem Leben besonnen.
00:04:46: Martin Rauch erinnert an den österreichisch-schwilligen Architekten Josef Frank.
00:04:51: Er hat zum Beispiel den Spruch gesagt, Leben ist kein Baumaterial.
00:04:55: Leben ist eine Weltanschauung und seine Zauberkraft wird immer dampisch geworden wenn die Not groß ist.
00:05:01: Damals war es eine Zeit der ökonomischen Krise.
00:05:04: Leben hat viel Arbeitskraft gebraucht.
00:05:07: Er hat wenig Energie gebrauchen Und er hat Wohnraum geschafft Ein klassischer Krisenbaustoff.
00:05:14: Heute ist das vielleicht nicht eine ökonomische Krise, heute ist es eine öko- logische Krisse.
00:05:20: Und genau diese bringt den Lehmbau wieder ans Licht sagt Martin Rauch.
00:05:24: Denn unter den nachhaltigen Baustoffen ist Lehm unter allen Bauweisen der Champion so Rauch als gesunder Baustoffs für Mensch und Umwelt.
00:05:33: Das bestätigt auch die Wissenschaftlerin Andrea Rieger Jandel.
00:05:37: Lehm ist einfach ein vollkreislaufiges Baumaterial.
00:05:41: Das heißt, ich kann es unendlich oft einfach mit ein bisschen Wasser wieder neu anmachen und wieder für ganz neue Bauteile verwenden.
00:05:50: Und wenn ich das nicht brauche, dann kann ich dieses Baumaterial einfach in die Natur wieder ausbringen und ich habe wieder Boden.
00:05:57: Ein wunderschönes Beispiel dafür ist mir immer so im Kopf!
00:06:00: Wir haben in Marokko viele dieser alten Dörfer, die sogenannten Xur besucht die jetzt Großteilsblei, da muss man sagen auch im Verfall begriffen sind.
00:06:10: Aber das sieht man sehr eindrücklich wenn man irgendwo auf einer Anhöhe ist und man schaut auf so ein Lehmdorf, auf so einen Xur hinunter dann sieht man wie es langsam verfällt und einfach wieder zur Erde wird.
00:06:21: Das heißt diese Dörfer sind wirklich aus der Erde entstanden und werden, wenn man sie nicht mehr pflegt, wieder zu Erde und im Idealfall kann man irgendwann wieder den Dattelhain darauf anpflanzen.
00:06:35: Das
00:06:35: kann man von quasi keinem anderen Baumaterial sagen.
00:06:39: Wir können gar nicht so viel bauen, wie wir ein.
00:06:41: Lebenressourcen vorhanden haben und das Material ist regional vorhandene, sprich es ist krisensicher auch in heutigen Seiten ganz wichtig dass wir nicht von diesen Lieferketten abhängig sind sondern das Material dort haben wo wir's verarbeiten und brauchen.
00:06:58: Und dann ist Lehm ein sehr gesundes Baumaterial.
00:07:02: Das heißt, das Innenraumklima wird positiv beeinflusst.
00:07:06: Das kommt daher, weil Lehm offenboreiges Material ist.
00:07:10: Es ist diffusionsoffen.
00:07:12: vor allem die Luftfeuchtigkeit wird dadurch sehr gut geregelt.
00:07:15: wenn ein Raum zu trocken wird gibt der Lehm die Feuchtigkeit an den Raum ab Und wenn er zu feucht ist, nimmt der Lehm sofort diese Feuchtigkeit auf.
00:07:25: Das heißt man hat in einem Lehmhaus immer um die fünfzig Prozent Luftfeuchtigkeit.
00:07:29: Es ist sehr gut reguliert und das ist auch gut für die Gesundheit.
00:07:34: Man sieht das ganz gut.
00:07:35: also es ist zum Beispiel in Wien kann man auch im alten Gründerzeithäusern sind oft in den Bädern keine Fenster für die Belüftung.
00:07:42: Wenn man hier zum Beispiel einen Bereich der außerhalb des Spritzwassers ist, einen Lehmputz auftragen würde oder in der Decke Lehmbaublatten mit Lehmputz.
00:07:51: Das muss jetzt gar keine ganze Lehmwand sein es reicht schon ein zweieinhalb Zentimeter dicker Putz.
00:07:57: dann kann man durch Duschen baden und die Spiegel beschlagen.
00:08:01: nicht weil diese Feuchtigkeit im Badezimmer geht sofort in diese Wände und man hat eigentlich kein feuchte Problem und das sieht man da wirklich sehr gut.
00:08:11: Lehm ist auch ein gutes Speichermedium, sagt Trigger Jandel und einen Schallschutz.
00:08:16: Lehm is so massives Material, das ist sehr schwer und alle schweren Materialien haben einen guten Schall-Schutz.
00:08:22: Auch bei Wohnungstrennwände im Boden habe ich sehr viele positive Schalleigenschaften und für heute auch ganz wichtig Brandschutz.
00:08:30: also es ist einfach ein nicht brennbares Material.
00:08:45: Lehem ist eines der ältesten Baumaterialien in der Welt.
00:08:48: Lehmbauten begleiten die Menschheit also schon lange Auch hierzulande in Österreich und Europa.
00:08:58: Wahrscheinlich auch schon in der Zeit, als die Menschen noch Jäger und Sammler waren.
00:09:03: nachweise haben wir eigentlich aus dem Neolithikum also schon ungefähr fünftausend vor Christus.
00:09:10: da gibt es zum Beispiel neolitische Langhäusern.
00:09:13: man kann Rekonstruktionen davon zb im Ur-und Frühgeschichtemuseum in Aspern an der Zeia sehen.
00:09:20: Die Archäologen haben befunden, da gibt es Pfostenlöcher.
00:09:23: Das waren schon auch Holzbauten.
00:09:25: aber man nimmt einfach sehr stark an weil das war das naheliegendste dass dazwischen Flechtwerk-Wände waren die dann mit Lehm beworfen worden sind.
00:09:34: Also Lehm war schon ganz lang ein währendbildendes Material und auch die Römer haben viel mit Leem gebaut.
00:09:42: Uns sind so aus römischer Zeit eher schon gebrannte Ziegel oder Steinbauten im Kopf, weil wir einfach diese Fundamente haben die oft eben noch als Überreste heute noch sichtbar sind.
00:09:53: Aber ganz viele daneben Gebäude, Garnissonsgebäudes, Stallungen, Innenwände wurden auch von den Römern bereits in Leben gebaut.
00:10:01: Weltweit ist Leben in Ländern Afrika oder Asiens am Land mitunter bis heute das am meisten eingesetzte Baumaterial, sagt die Wissenschaftlerin Andrea Rieger-Jandel.
00:10:11: Für den ganz einfachen Haus und Siedlungsbau – einfach weil es vorhanden war, weil es leicht zu bearbeiten war hat man immer schon eigentlich Leben verwendet In Österreich auch schon sehr lange in den Regionen, wo eben sehr wenig Holz und wenig Stein vorkommt.
00:10:30: Das ist bei uns Niederösterreich das Weinviertel zum Beispiel.
00:10:33: da haben wir bis heute ganz viele Lehmbauten.
00:10:36: also man nimmt an dass sie fast jeden vierten bis fünften Gebäude im Weinvierzell noch zumindest ein gewisser Lehmanteil bis heute erhalten ist.
00:10:45: aber auch in Teilen von Burgenland gibt es Lehm bauten vor allem dort eben.
00:10:50: Man hat bis zur Industrialisierung mit den Baustoffen gebaut, die lokal verfügbar waren.
00:10:56: Und das war auch in Österreich Holz, Stein und Lehm.
00:11:01: Ich fahre mit den Studierenden immer gerne nach Stübing ins Freilichtmuseum in Steijermark.
00:11:06: Da hat man alle Gehöftformen aus ganz Österreich wirklich verdichtet und wunderschön platziert an einem Ort, und da dominieren wirklich genau nur diese Baustoffe!
00:11:16: Wir haben Steinbauten, wir haben Holzbautn und wir haben Lehmbauten teilweise auch schon gebrannte Ziegel... ...wir haben bis vor zweihundert bzw.
00:11:36: hundertfünfzig Jahren Vollkreislaufee gebaut, also das vergessen wir immer.
00:11:41: Es ist keine neue Erfindung, dass wir heute wieder versuchen oder mehr versuchen müssen zirkulär zu bauen sondern wir haben es über Jahrhunderte und Jahrtausende gemacht und in einem sehr, sehr kurzen Zeitraum von nur hundertfünfzig bis zweihundert Jahren haben wir das leider völlig verlernt und uns sehr viel falsch gemacht.
00:12:09: Was ist da in der Zwischenzeit geschehen?
00:12:12: Das Leben zum Bauen so unattraktiv wurde und mit dem Lehmbau Jahrhunderte altes Wissen nach und nach verloren gegangen ist.
00:12:26: In diesem Zeitraum wurden sehr viele neue Erfindungen gemacht.
00:12:31: Industrialisierung, Prozesse sind eben industrialisiert worden.
00:12:36: Es ist die Eisenbahn spielt eine ganz wichtige Rolle zum Beispiel in Österreich der Transport.
00:12:42: Ist einfacher geworden?
00:12:44: Die Eisenbahn ist auch mit Kohle.
00:12:45: also Kohle wurde abgebaut, ist mit Kohlen beheizt worden und plötzlich konnte man dann verschiedenste Materialien relativ einfach überall hin transportieren.
00:12:55: das heißt die regionalen Ressourcen waren nicht mehr so wichtig.
00:12:59: Das hat sicher einen großen Einfluss gehabt, auch Straßenbau.
00:13:03: Dass man einfach wirklich Güter und Materialien transportieren kann.
00:13:08: Und dann natürlich industrialisiert in sehr großen Baustap herstellen kann.
00:13:14: Im Weinviertel zum Beispiel bis ins Anfang neunzehnte Jahrhundert gab es nur im kleinen Feldöfen die Möglichkeit Siegel zu brennen.
00:13:23: Das war sehr mühsam.
00:13:24: Man hat viel Holz dafür gebraucht das dort nicht vorhanden war wieder an die Eisenbahn gebaut worden ist, hat man dann auch begonnen Ringöfen zu bauen.
00:13:33: Die hat man mit Kohle beschickt, die mit der Eisenbahn transportiert wurde und damit sind so industrialisierte Prozesse in Gang gekommen und das hat zum Beispiel in Niederösterreich bewirkt Dass relativ rasch.
00:13:46: dann mit dieser Industrialisierung, mit den neuen Brennöfen der Lehmziegel – das heißt da umgebrannte Lehmziegel durch den gebrannten Ziegel, der doch relativ viel Energie braucht bis er hergestellt wird ersetzt worden ist.
00:13:59: Also das sind so die Prozesse.
00:14:06: Andrea Riga-Jandel engagiert sich dafür dass der Lehmbau in Österreich wieder mehr wird zum Beispiel als Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Netzwerk Lehm.
00:14:18: Wir setzen uns jetzt Über acht Jahre mittlerweile dafür ein, dass das Leben ein ganz anerkanntes Baumaterial wird.
00:14:26: Wir haben über Jahrhunderte mit Lehm gebaut und das ist sehr erstaunlich, dass wirklich über das vergangene Jahrhundert einfach auch das Wissen um das Bauen mit Leem wieder verloren gegangen ist.
00:14:37: Es war ein Bau, das meist nicht sehr gut dokumentiert war.
00:14:39: Meistens ist das Wissnungen den Lehmbau von einer Handwerkergeneration die nächste weitergegeben worden, ist nicht aufgeschrieben worden.
00:14:47: Das heißt in der Forschung ist hier wirklich ganz viel nachzuholen.
00:14:51: wir müssen dieses Wissen, das uns verloren gegangen aufbauen.
00:14:56: Es gibt wenige Firmen in Österreich, die mit Lehm bauen – einer der Pioniere in Sachen Lehmbau ist Martin Rauch mit seinem Unternehmen Lehm Ton Erde.
00:15:05: Rauch ist auf Stampflehm spezialisiert und in Vorarlberg angesiedelt, konkret im Ort Schlinsbezirk Feldkirch.
00:15:24: wenn zu wenig Lehm dabei ist, gibt man Lehm dazu zum Kies.
00:15:28: Wenn es zu wenig zu fetter Lehm ist.
00:15:30: dann gibt man noch andere Materialien zusammen.
00:15:34: also wir sammeln verschiedene Aushübe und mischen diese Aushübe zusammen wie der Weinbauer ein Kübewein macht also verschiedenen Aushügen.
00:15:45: das ist eigentlich unser Rohmaterial und das wird erdfeucht gemischt und aufbereitet, wird dann in Lagen in eine Schallung gelegt oder ausgezogen.
00:16:00: Und mit Stampfern von Hand oder richtiger Maschine wird das
00:16:06: verdichtet.".
00:16:06: Der Vorteil des Materials ist es, dass Stampfleben im Low-Tech Bereich also mit ganz wenig Einsatz von technischen Mitteln genauso gut und qualitätsvoll gebaut werden wie im High-Tech-Bereich – und noch etwas gibt es, was das Stampfleben so besonders macht!
00:16:22: sagt Martin Rauch.
00:16:23: Der große Vorteil ist vom Stampflein, man kann wirklich auch massive tragende Strukturen bauen bis vier geschossig also man könnte eigentlich ganze Städte mit Stampflet bauen.
00:16:40: In vielen Ländern der Welt vor allem in Afrika und Asien ist Lehm nach wie vor der günstigste Baustoff verzählt die Architekturwissenschaftlerin und Anthropologin Andrea Rieger-Jandel Und ein Baustopf der von Prestige her wenig zählt ganz im Gegenteil zu Europa etwa.
00:17:03: Deshalb wird der im ländlichen Bereich oder auch bei informellen Siedlungen an den Stadtrendern nach wie vor ganz massiv eingesetzt, weil dem Baustoff habe ich meistens auf meinem Baugrund.
00:17:12: Ich brauche ihn nur ausgraben und kann damit bauen.
00:17:15: Das heißt dort hat Lehm heute kein gutes Image mehr!
00:17:19: weil er eben so der Baustoff, derer ist die sich nichts anderes leisten können.
00:17:25: Alle die sich irgendwie etwas leisten können würden heute gern mit Zement und mit Ziegeln usw.
00:17:31: bauen.".
00:17:32: Das ist ein großes Prestige- und Statusproblem sagt Andrea Rega Jandel.
00:17:36: eines mitteils gravierenden Auswirkungen auf die Wohnqualität.
00:17:40: Also nicht, dass der Lehm nichts kann.
00:17:42: Es sind dort Menschen die bauen ihr Haus aus Zement.
00:17:46: Die Kinder können nicht mehr in die Schule gehen sie haben weniger zu essen weil es ihre ganzen Ressourcen in ihr Haus
00:17:52: stecken
00:17:53: und dann sitzen Sie bei fünfzig Grad vor dem Haus wenn man es drinnen nicht aushält Beton- und Wellblech.
00:18:00: Sie wissen ganz genau das es im Lehmhaus angenehmer war aber ich habe da immer wieder die Erfahrung gemacht dass wirklich Status und Prestige Überkomfort entsteht.
00:18:11: Das ist so wichtig für uns Menschen, anscheinend zu zeigen was wir uns leisten können – das wird es in Kauf nehmen, dass das Haus quasi fast nicht nutzbar ist.
00:18:19: aber wir wollen zeigen, was wir
00:18:21: haben.".
00:18:21: In Europa ist es vom Prestiger genau umgekehrt …und absurd!
00:18:26: So die Wissenschaftlerin.
00:18:27: Viele
00:18:27: Menschen möchten bei uns schon wieder ökologisch bauen, das ist aber das teuerste Bauen nach wie vor.
00:18:33: Eine Lehmbauplatte kostet bei uns dreimal so viel als eine Gipskartonplatte und auch ein Lämputz kostet fürs Dreimal soviel wie ein Gipsputz.
00:18:42: Das ist leider so!
00:18:43: Warum ist es so?
00:18:45: Es hängt nicht davon ab dass das Material teuer ist.
00:18:48: Wie gesagt den Lämen können wir ganz einfach gewinnen oder er ist auch aus Aushub schon da.
00:18:52: der kostet quasi bei uns auch nix.
00:18:56: Aber es ist so, dass wir noch keine große Industrie haben.
00:19:00: Da beißt sich die Katze in den Schwanz – die Industrie sagt «die Nachfrage ist nicht da», weil das Produkt noch so teuer ist.
00:19:09: Und da kann man eigentlich nur mit Förderungen auf der einen Seite und CO²-Bepreisung von hochenergieintensiven Baustoffen auf der anderen Seite langsam annähern, damit sich dieses Verhältnis irgendwann ändert.
00:19:23: Dass der Lehmbau in Europa so teuer ist, hängt auch damit zusammen dass der Lehmbau viel Arbeitskraft braucht", sagt Martin Rauch.
00:19:30: Die Arbeitskraft in Industriestaaten ist sehr teuer.
00:19:36: sie ist auch hoch besteuert.
00:19:38: also die menschliche Energie ist auch eine Form von Energie und ist eigentlich mehr besteuerd als wie fossile Energie.
00:19:48: das heißt In unseren Ländern, in den Industriestadten ist die Arbeitskraft teurer und deshalb ist auch der Lehmbau noch teurer.
00:19:57: Auf der anderen Seite ist der Lehmbau noch nicht so weiterentwickelt.
00:20:01: es gibt zu wenig Firmen Es gibt noch zu wenige Entwicklungen, die den Lehmbaum letztendlich effektiver macht.
00:20:11: Martin Rauch hat mit dem Aufbau eines Unternehmens für Lehmbau gestartet und ist mit jedem seiner Projekte mitgewachsen, so auch die Firma.
00:20:20: Für seine Projekten kommt es immer wieder vor dass er eigene Maschinen entwickelt.
00:20:25: nicht der Baustoff passt sich den Bedingungen an sondern das rundherum.
00:20:29: Also ich will nicht das Material ändern.
00:20:32: Ich lasse das Material wirklich pur sein Das wir arbeiten eigentlich fast ausschließlich mit Ausubmaterialien.
00:20:41: Je mehr wir bauen, umso mehr haben wir auch Submaterial.
00:20:45: Es ist unendlich vorhanden und wir entwickeln Werkzeuge und Maschinen, um die Arbeit letztendlich zu
00:20:54: erleichtern.".
00:20:55: Manchmal braucht es dafür als Unternehmer ein Vertrauen in den Prozess – kalkuliertes Risiko, sagt Martin Rauch dazu.
00:21:02: Das kalkulierte Risiko heißt eigentlich auf bestehende Erfahrungen aufzubauen ein bisschen aus dem Fenster zu lehnen, aber nicht so weit, dass man rausfällt.
00:21:14: Und dieses kalkulierte Risiko ist auch Garant für
00:21:18: Innovation.".
00:21:19: Wie das in der Firmenrealität aussieht, erzählt Martin Rauch anhand eines seiner Lehmbauprojekte.
00:21:25: Es ist das Jahr zwölf, als er mit Lehmton Erde ein großes Bauprojekt realisiert.
00:21:32: Der Auftraggeber ist die Firma Ricola in der Schweiz.
00:21:35: Das ist eine Fabriksgewalt von hundert zehn Meter Länge, dreißig Meter breit und zwölf Meter hoch eine Riesengebäude.
00:21:43: Und ich habe gewusst das kann man nicht mehr alles von Hand stampfen und habe im Zuge von diesem Projekt eine Vorfertigungsanlage entwickelt und gebaut um dieses Projekt überhaupt zu realisieren.
00:22:01: Da ist eine Feldfabrik entstanden.
00:22:03: Die Feldfobrik ist nach Darmstadt gezogen, hat dort das Allnaturegebäude gebaut und ist dann zurück nach Stins gekommen.
00:22:11: Und hier habe ich dann ab im Jahr- und Jahrzehnt zwanzig unsere eigene Halle gebaut wo diese Maschinenanlage da enthalten sind.
00:22:22: Schritt für Schritt wächst so das Unternehmen von Martin Rauch, wächst mit den Herausforderungen die in den jeweiligen Projekten stecken.
00:22:30: Maschinen werden erfunden, neue Methoden realisiert.
00:22:33: Es ist eine Pionierarbeit in Sachen Lembao.
00:22:37: Also diese Projekte waren alle Prototypen, waren Leuchtturmprojekte und die haben immer wieder neue Innovationen gebracht, neue Werkzeuge generiert, neue Ideen kreiert.
00:22:52: und so hat sich dieser Stampflembau eigentlich in den letzten dreißig Jahren ziemlich weiterentwickelt.
00:23:09: Fragt sich nur, was braucht es damit dieses ökologisch so nachhaltige Material-Lehm in Europa sich noch weiterentwicklt?
00:23:17: Nämlich von einem teuren exklusiven Baustoff zu einem der für alle leistbar ist.
00:23:27: Es braucht dazu mehrere Hebel sagt Martin Rauch.
00:23:30: Einer davon liegt in der Ausbildung.
00:23:33: Der Lehmbaupionier bezeichnet als Bitter dass es in den österreichischen Bauhandwerkerschulen kein eigenes Fach-Lehmbau gibt neben Betonbau, Metallbau und Holzbau.
00:23:46: Es sollte eigentlich in den Lehrplänen verankert werden damit die jungen Leute mit diesem Thema in Berührung kommen und lernen weil es ist ein Problem Facharbeiter zu finden als selbst die Ausbildung nicht gibt.
00:24:03: Genau das ist auch ein großes Anliegen von Andrea Rieger-Jandel mehr Ausbildung in Sachen Lehmbau.
00:24:09: Viel
00:24:09: traditionelles Wissen ist verloren gegangen.
00:24:12: Forschung ist ein wichtiger Hebel, um da wieder ansetzen zu können und die Ausbildung ist auch ganz wichtig.
00:24:19: also ich arbeite ja auch im Ausbildungsbereich.
00:24:22: wir müssen Studierende also angehende Architektinnen und Architekten darauf aufmerksam machen.
00:24:27: Auch im Bauingenieur Bereich muss drauf aufmerksam gemacht werden.
00:24:30: Wir arbeiten sehr viel jetzt auch wie gehen in HTLs Also die zukünftigen Baumeisterinnen und Baumeisters, die Bauakademien.
00:24:38: Die Wissenschaftlerin und Professorin geht auch bewusst an HTLs, um dort Lehmbauprojekte mit den Schülern und Schülerinnen zu realisieren.
00:24:46: Und damit die zukünftigen Baumeister-und-Baumeisterinnen zu erreichen.
00:24:50: Sie müssen
00:24:50: das auch in ihr Ausbildungsprogramm hineinnehmen.
00:24:54: also wir waren auch schon im Bauhöfen.
00:24:56: Die jungen Leute lernen dort Wände aufzumauern ja mit Zementmörteln, mit gebrannten Ziegeln teilweise zumindest dann der Camillo Sitte hat der L zum Beispiel in Wien.
00:25:08: Bauhof, wo sie das Ganze auch mit Lehmziegeln und Lehmmörtel usw.
00:25:12: lernen.
00:25:13: Also es muss natürlich auch gelehrt werden.
00:25:16: die jetzt jungen Leute müssen wissen dass es das Material gibt und ich muss sagen die Meisen sind begeistert davon.
00:25:22: also ich mache auch so richtig Hands on Lehmbauworkshops mit den Studierenden, da haben wir immer wahnsinnig viele Anmeldungen.
00:25:29: Alle wollen das hängt auch damit zusammen dass irgendwie der Studium natürlich sehr theoretisch geworden ist und alle sind ganz ganz glücklich wenn sie mal ihre Hände wieder wirklich in den Leben stecken können mit einem Material arbeiten das spüren und fühlen können und wirklich sehen wie man nur aus Erde wirklich was bauen kann, da kann etwas entstehen.
00:25:53: Wir mischen das ab und wir können der Ziegel herstellen.
00:25:56: Wir können eine Wand herstellen, wir können was verputzen.
00:25:58: Das ist für manche ein ganz eindrückliches Erlebnis Und fast alle gehen dann sehr begeistert aus diesen Hands-on-Workshops raus.
00:26:06: und das sind dann wieder die zukünftigen Architektinnen und Architekten, die das wissen diese Begeisterung auch weiter tragen Die das ganze die Architektyp Büros tragen.
00:26:15: Da bekommen wir dann wieder Anfragen wie können wir Leben mehr in die Planung übernehmen?
00:26:19: also dieses gerade dann in der Ausbildung eine ganz wichtige Kettenreaktion.
00:26:24: Große
00:26:24: Hebel sind die Wissenschaftlerinnen vor allem auch in Gesetzen, Verordnungen, Normierungen, die nachgebessert werden sollten
00:26:31: und natürlich auch in der Baustoffindustrie auf diesen Zug.
00:26:35: aufspringen muss und das geht nur bis zu einem gewissen Grad auch über Zwang, sprich um Offenlegung der Kosten.
00:26:43: Sprich über CO²-Bepreisungen.
00:26:45: Es müssen die Baustoffe, die sehr energieintensiv sind, die viel CO² ausstoßen in einer Produktion einfach teurer werden und Baustoffe, die nachhaltig sind.
00:26:56: Das gilt jetzt nicht nur für Leben sondern auch für verschiedene Dämsysteme, auch für Holz müssen günstiger werden weil sie da einfach einen Wettbewerbsvorteil
00:27:05: haben.".
00:27:05: Auch Martin Rauch spricht von Kostenwahrheit, die es braucht.
00:27:23: eigentlich billig ist, aber auf der anderen Seite die Ressourcen und nicht unendlich sind.
00:27:30: Das andere ist dann einfach... dass der Lehm keine große Lobby hat.
00:27:35: Die Lehmbauexpertin Andrea Rieger jandelt, ja
00:27:37: also wir haben natürlich Baufirmen die haben ihre Baumateriale es gibt die Zementindustrie, die Betonindustrie Es gibt die Ziegelwerke.
00:27:45: die haben ihrer Industrie gut etabliert und bewegen sich auch nicht sehr gerne um da jetzt neue Materialien aufzubauen.
00:27:52: das heißt Wir haben zwar viele kleine Handwerksbetriebe die auch Mitglied zum Beispiel im Netzwerk Lehm sind.
00:28:00: Die haben aber natürlich gegen diese großen Industrie, ist es wirklich schwierig da anzukommen und das zu etablieren.
00:28:07: Das ist auch mit einem Problem.
00:28:09: Es sind einfach die Normierungen und die ganzen Regulierungen nicht mehr auf den Lämbau ausgerichtet, also da arbeiten wir auch sehr stark dran.
00:28:18: Wir sehen jetzt im Normungsausschuss im Austrian Standards-Institut seit mittlerweile fast zwei Jahren und kämpfen dafür, dass wir in Österreich Lämpornormen wieder etabliern.
00:28:28: In Deutschland gibt es das schon, sie sehen uns schon einige Jahre voraus.
00:28:32: Aber das ist natürlich ein langwieriger Prozess.
00:28:35: Das dauert wahrscheinlich mindestens drei bis fünf Jahre.
00:28:38: Man muss es für jeden Bereich, den Trockenbau oder den Mauerwerksbaustukatur und Putzarbeiten.
00:28:44: durchdiskutieren natürlich in einem großen Ausschuss und solange es eben keine Regulierungen, keine Normen dazu gibt ist es zum Beispiel für Architekturbüros schwierig mit dem Material zu planen.
00:28:56: Dass sich denn noch etwas bewegt in Sachen Lehmbau zeigt eine Gesetzesänderung was den Aushub in Österreich betrifft.
00:29:02: Das Schöne finde ich auch am Lehm ist dass wir einfach der Lehm liegt uns einfach in Massen zu füßen Und er liegt uns nicht nur zu Füßen, sondern er ist auch wirklich schon als Baumaterial vorhanden in Form von Aushub.
00:29:18: Wir haben ganz viele Millionen Tonnen Erdaushub jährlich der in Österreich einfach anfällt und der kostenpflichtig deponiert wird – also da macht man Landverfüllungen meistens damit – dieses Material ist Abfallmaterial.
00:29:32: Also über fünfzig Prozent des Gesamtabfallaufkommens in Österreich
00:29:39: Und genau dazu gibt es nun eine neue
00:29:43: Verordnung.
00:29:48: Auch drinnen stehen wird, dass man Aushub, den man von der Baustelle wegtransportiert auch für andere Dinge sinnvoll einsetzen kann.
00:29:57: Das war bis jetzt nicht so, Aushup war bis Jetzt entsorgungspflichtig.
00:30:01: aber da wird natürlich Gott sei Dank auch mit Unterstützung vom Klimaministerium und anderen Institutionen dran gearbeitet das man solche Verordnungen anpasst und wieder mehr Bewegungsfreiheit
00:30:13: hat.".
00:30:20: Der Aushub für die einen ein lästiges Abfallprodukt Für die anderen Basis für es tätisch Wirkungs- und wertvolle Architektur.
00:30:29: Martin Rauch liebt den Leben vor allem auch deshalb, weil er damit künstlerisch tätig werden kann.
00:30:34: Stampflehm ist sichtbar – unschön sagt ihr!
00:30:42: Es passt sehr gut in die moderne Architektor, denn eigentlich wird der geologische Prozess der Schichtungen und Sedimentation durch den Stampflem nachvollzogen und hat natürlich auch einen sehr hohen ästhetischen Wert.
00:31:00: Lehm eignet sich nicht nur deshalb besonders gut für eines, für Kirchenräume – immer wieder für wirklich Martin Rauch mit seinem Unternehmen Lehmbauprojekte in Kapellen, in Kirchen oder auf Friedhöfen.
00:31:13: Ich mache das sehr gerne!
00:31:15: In diesem Bereich ist der Leben eigentlich genauso oder manchmal mehr auch Symbolmaterial als wie ein Baumaterial.
00:31:23: also wir bauen ja sehr viele Friedhöfe haben wir mit Lehmwänden gestaltet, also Urnenwände und so weiter.
00:31:32: Also hier ist eigentlich der Leben ein Symbolmaterial.
00:31:37: Es ist die Erde, die uns normal verborgen ist wird sichtbar gemacht durch die Schichtungen.
00:31:44: Auch Altere hat Martin Rauch schon gestaltet, zum Beispiel in einem besonderen Projekt in Zusammenarbeit mit einer weiteren Lehmbau-Pionierin Anna Heringer aus Bayern.
00:31:53: Wirklich schönes Projekt war der Hochaltar von der Basilika in Worms – zum tausendjährigen Jubiläum haben wir mit der Kirngemeinde einen Fünftonnen Altar in der Kirche gestampft.
00:32:10: hier war das Material eigentlich ein wirklich Symbolmaterial und hat sehr viel, ich nenne es auch also Punkturpunkt.
00:32:21: Also das hat sehr viele bewegt.
00:32:24: Zentral war dabei nicht nur den Altar aus der Erde dort zu bauen sondern gemeinsam mit den Mitgliedern der Kirchengemeinde.
00:32:31: Ein Teil davon weiß auch dass über eineinhundertfünfzig Beilagen der Kirchmitglieder in den Altarmit verbaut wurden.
00:32:38: Also
00:32:38: die Leute haben selbst ihre ganz freien persönlichen Medaillen oder was ihnen wertvoll ist, oder auch Erde mitgebracht und die wurden dann gemeinsam in diesem Altar mit eingestampft und mit eingebaut.
00:32:56: Und das war ein wunderbares Erlebnis eigentlich wie plötzlich da über hundertfünfzig Leute Mitglieder über vier Tage damit gearbeitet haben, gesprochen, gestampft.
00:33:11: Dieser kulturelle Prozess ist sehr wichtig und hier war auch das der Lehm wirklich verbindet
00:33:20: hat.".
00:33:21: Lehm als verbindendes Element zwischen den Menschen – das kennt Andrea Rieger-Jandel aus ihren Forschungen als Anthropologin zur Geschichte des Lehmbaus vor allem aus Regionen außerhalb Europas, etwa in ländlichen Gebieten Afrika oder Asiens.
00:33:48: und wenn man sich wieder erweitert, kann man genau das Material wieder verwenden.
00:34:03: Das hat mich irgendwie sehr fasziniert dieses kreislaufwege
00:34:06: Bauen.".
00:34:13: Lehm ist so viel mehr als das bloße Bauen mit Erde.
00:34:16: Kann Gemeinschaft stiften?
00:34:18: Ist ein Bauen dass die Umwelt nicht ausschließt sondern mit Einbezieht oder hat großes Symbolkraft etwa wenn es um Sakrales Bauen geht.
00:34:29: Martin Rauch arbeitet seit Jahrzehnten mit dem Materialier und ist bis heute fasziniert davon, dass man mit purer Erde kombiniert.
00:34:37: Mit Arbeit- und Werkzeugen so viel Schönes schaffen kann!
00:34:41: Für ihn steckt auch ganz viel Sinnhaftes darin.
00:34:46: Sich mit Läm zu beschäftigen – für mich ist es auch wenn man mit Lähm baut, ist das eigentlich eine Art Friedensarbeit.
00:34:57: Kriege sind oft Ressourcenkriege Und wenn wir mit unseren Ressourcen gut umgehen, dann machen wir einen Beitrag also diese Ressoursen zu sparen und dadurch auch Frieden mitzuarbeiten.
00:35:15: Das denke ich ist immer für mich ein wichtiger Aspekt den simplen Lämbau weiterzuentwickeln zu ermöglichen, dass der wirklich in die Breite kommt und in eine breite verwendet wird und so Ressourcensparte.
00:35:38: Das finde ich auch was man im Lebenbauen lernen kann – das prozesshafte zyklische Bauen, das wir einfach das Bauen wieder mehr ins alltägliche Leben integrieren und nicht zur Auslagern.
00:35:49: «ich lass mir etwas hinbauen oder ich ziehe in eine Wohnung, die gebaut worden ist».
00:35:54: und dann möchte ich möglichst dreißig Jahre nichts mehr damit zu tun haben.
00:35:58: Es kann auch schön sein, sich mit der eigenen dritten Haut und es ist unsere dritte Haut.
00:36:05: Wir haben das was wir anziehen und die Gebäude sind die dritte Haut in denen wir einen Großteil unseres Lebens verbringen und sich mit dieser dritten haut immer wieder ein bisschen zu beschäftigen ist sicher auch etwas was die Lebensqualität sehr stark
00:36:20: erhöhen kann.
00:36:27: Sie hörten Andrea Rieger-Jandel, Professorin, Architekturwissenschaftlerin und Anthropologin.
00:36:33: Und den Lehmbau-Pionier Künstler und Unternehmer Martin Rauch in der Sendung aus Erde gebaut.
00:36:39: Nachzuhören ist die Sendung online auf radioklassik.at unter Podcast-Kategorie Perspektiven
00:36:45: Eine Sendung von Gelinde Petritschwalner.
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