Perspektiven: Heilsames Erinnern

Shownotes

Während der NS-Zeit war die Wiener Tierärztliche Hochschule eine nationalsozialistische Hochburg. Seit 2015 arbeitet die heutige Veterinärmedizinische Universität Wien ihre eigene NS-Geschichte intensiv auf. Unter anderem mit dem Podcast „Remember NOW!“ zur Erinnerungskultur. radio klassik Stephansdom überträgt die ersten drei Folgen. Gestaltung: Marlene Groihofer.

Folge 3: Heilsames Erinnern

Seit Jahren forscht die Historikerin Lisa Rettl zur NS-Vergangenheit der Vetmeduni. 2025 reiste sie für biografische Recherchen bis nach Israel. Vier Monate lang forschte sie dort für das Projekt „Remember NOW – Heilsames Erinnern“ zum Leben ehemaliger jüdischer Vetmeduni-Studierender. „Ich glaube, dass Erinnern immer eine heilsame Funktion hat“, sagt Lisa Rettl. „Aus Sicht einer Bildungsinstitution ist es heilsam zu wissen: Was ist denn überhaupt geschehen? Wofür übernehmen wir heute Verantwortung?“
Lisa Rettl hat in Israel die Kinder, Enkel und Urenkel von ehemaligen jüdischen Studenten der Wiener Tierärztlichen Hochschule getroffen und dadurch eine Brücke gebaut, von der Vergangenheit ins Heute: „Für die Familien hat meine Forschung große emotionale Bedeutung.“

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00:00:00: Jahrzehntelang hat Schweigen darüber geherrscht.

00:00:03: Heute arbeitet die Veterinärmedizinische Universität Wien ihre eigene NS-Geschichte intensiv auf, unter anderem mit einem eigenen Podcast zur Erinnerungskultur.

00:00:15: Radioklassik Stephensdom überträgt in diesem September die ersten drei Folgen der Sendereie namens Remember Now.

00:00:23: Heute in Folge III spricht die Historikerin Lisa Rettl über Forschungen, die sie von Floridsdorf bis nach Israel geführt haben.

00:00:41: Ich

00:01:04: glaube, dass erinnern einfach immer eine heilsame Funktion hat.

00:01:10: Wenn man es jetzt aus der Sicht der Institution betrachtet, vor allem auch einer Bildungsinstitution dann ist das natürlich etwas sehr heilsames wenn man einfach einmal weiß was ist denn überhaupt geschehen.

00:01:25: Wofür

00:01:26: übernehmen wir heute Verantwortung?

00:01:28: Also ich glaube das ist schon ein heilsamer Prozess auch im Sinne von einer Art institutionellen Psycho-Higiene wenn man das so

00:01:37: sagen kann.

00:01:38: Sagt Lisa Rettl Sie ist Historikerin und hat aus dem Jahr begonnen, zu erforschen welche Rolle die heutige Wettmet-Uni im Nationalsozialismus gespielt hat.

00:01:50: Um heilsames Erinnern geht es in dieser Folge von Remember Now!

00:01:55: Zuerst um die Spurensuche der NS-Geschichte an der Wettmeth Uni...

00:02:00: Der Male gesagt nach zum Nationalsoziellismus, da gibt's ja gar nix.

00:02:03: ...und dann darum wie diese Spurentsuche Lisa Rettl, bis nach Israel geführt hat.

00:02:11: Es ist ja interessant, wie oft Zufälle im Leben eine Rolle spielen und ich glaube das war auch hier der Fall.

00:02:19: Maline Gräuhofer sagt herzlich willkommen zu Remember Now!

00:02:24: Ich bin Journalistin und die Gestalterin dieses Podcasts.

00:02:37: Zum ersten Mal in der Geschichte der Universität sollte die Vergangenheit der Wettmet-Universität während der NS Zeit kritisch aufgearbeitet werden.

00:02:46: Dieses vierjährige Forschungsprojekt hat Lisa Rettl geleitet Als sie die Arbeit gemeinsam mit ihrem Team angefangen hat, hat es aber geheißen viel Material wird man an der Wettmet-Uni dazu nicht finden.

00:02:58: Eine

00:02:59: Leute, die halt auch schon zum Thema Geschichte gearbeitet haben, die haben alle gesagt nach dem Nationalsozialismus da gibt's ja gar nix, gibt keine Unterlagen.

00:03:08: Außerdem ist das Projekt innerhalb der Uni ganz unterschiedlich gut angekommen.

00:03:13: Wir

00:03:13: haben alles Mögliche gehört.

00:03:15: von Ich bin so froh, dass da jetzt endlich einmal das angegangen ist.

00:03:22: Da hängen so viele Themen dran die subkotan einfach spürbar sind.

00:03:27: und andere haben wieder gesagt, was wird eine Nestbeschmutzung werden?

00:03:33: Was ja auch so eine Angstgeschichte eigentlich ist.

00:03:35: So was kommt denn da heraus?

00:03:37: Die Initiative dafür, dass die Wettmet-Uni begonnen hat ihre eigene Geschichte während der NS Zeit aufzuarbeiten, die hat die ehemalige Rektorin Sonja Hammerschmid gesetzt.

00:03:48: Anlass dafür war das Zweihundertfünfzig Jahr Jubiläum der Wettmeth Uni seit Jahrzehntausend Fünfzehn Der Forschungsfonds FWF hat das Vorhaben gefördert und Lisa Rettl hat an der Uni viel mehr gefunden als gedacht.

00:04:06: Am Ende

00:04:13: haben die Forschenden soviel Material gefunden, dass aus den Ergebnissen gleich zwei Bücher entstanden sind.

00:04:20: In beiden geht es um den Nationalsozialismus und die Wiener Tierärztliche Hochschule – so ist die Wett mit Uni früher genannt worden!

00:04:28: Ein Buch ist allgemein der Universitätsgeschichte in der NS-Zeit gewidmet und im zweiten Buch geht es um die Menschen, die die Uni damals besucht haben – um die Studentinnen und Studenten.

00:04:41: Und zwar um jüdische Studierende zwischen nineteen dreißig und neunzehn siebenundvierzig.

00:04:47: Auch hier hat er es geheißen da kann es gar kein Material geben.

00:04:52: Es hat auch vorher immer geheißen, es ist bei uns nichts passiert.

00:04:56: Weil es eigentlich keine jüdischen Studierenden gegeben hat.

00:05:00: und dann wie wir angefangen haben die Akten durchzuforschen sind wir natürlich darauf gekommen dass es sehr wohl jüdische Studierende gegeben hat.

00:05:08: Und je weiter man auf das Jahr Achtunddreißig zugeschritten ist es sind immer weniger Studierender gewesen Jüdische was natürlich etwas mit dem Antisemitismus an den Hochschulen zu tun hatte

00:05:25: Denn auch an der Wettmet-Uni sind die jüdische Studierende in der NS Zeit vertrieben worden und ausgeschlossen von der Universität.

00:05:34: Im Jahr nineteen vierzehn fünfzehn hat der Anteil von jüdischen Studierenden an der heutigen Wettmeth Uni noch rund sechs Prozent ausgemacht.

00:05:43: Anfang neunzehn achtunddreißig, da war er schon fast bei Null.

00:05:47: Im Herbst neunzen achtund dreißig musste der letzte verbliebene jüdisches Student die Wiener Tierärztliche Hochschule verlassen.

00:05:56: Wer waren diese jungen Menschen und wie sind ihre Lebenswege verlaufen?

00:06:01: Die Historikerin Lisa Rettl hat die Biografien von ehemaligen jüdischen Studierenden der Wettmet-Uni erforscht.

00:06:08: Im ersten Schritt sind viele Kurzbiogramme daraus entstanden, für ein Buchprojekt.

00:06:13: Für den Folgeprojekt seit Jahrzehntausendfünfundzwanzig hat sie sich besonders auf die Lebensgeschichten

00:06:25: wo ich sozusagen einfach alle Namen noch mal überprüft habe in den Archiven.

00:06:30: Und der Schwerpunkt lag dann aber tatsächlich auch auf den Familien Kohane, Weininger und

00:06:37: Nagel.".

00:06:38: Otto Kohane Nachmann-Nagl und Karl Weiningern waren drei junge Männer die in den neunzehntreißiger Jahren Tierarzt werden wollten – und über die Lisa Rettel Informationen zusammengetragen hat!

00:06:51: Alle drei haben an der Wiener Tierärztlichen Hochschule studiert.

00:06:55: Sie sind alle drei aus ehemaligen österreichischen Kronländern zum Studieren nach Wien gekommen, aus Rumänien und Polen.

00:07:02: waren Juden.

00:07:07: Die haben zum gleichen Zeitpunkt studiert, Karl Weininger hat neunundzwanzig inskribiert nach Managel und Otto Kohane beide neunzehn-einunddreißig also.

00:07:17: die haben ganz viele Lehrveranstaltungen miteinander gemacht.

00:07:20: Ihre Freundschaft hat den Dreien wohl im antisemitischen Wien in den neunzentreißiger Jahren auch geholfen.

00:07:27: Freundschaften waren auch ein ganz zentraler Teil um mit diesem Antisemitismus klarzukommen als Gruppe.

00:07:34: alle drei Männer haben ihr Studium an der Wiener Tierärztlichen Hochschule abgeschlossen und sind danach wieder in ihre Heimatländer zurückgezogen.

00:07:43: Otto Kohane ist also wieder nach Polen übersiedelt, Nachmann Nagel und Karl Weininger nach Rumänien.

00:07:50: Nachmann-Nagel ist neunzehnzehntseinzig fertig geworden und hat dann auch in Rumänen in Czernow als eine Klinik eröffnet die er wenige Monate später wieder geschlossen hat.

00:08:02: Zu

00:08:02: gefährlich ist der Antisemitismus für ihn auch in Romänien geworden.

00:08:06: Neunzehnteunddreißig flüchtet Nachmann Nagle nach Israel genauso wie auch sein polnischer Studienfreund und Kollege Otto Kohan sich auf den Weg nach Israel macht.

00:08:17: Bei Otto Kohane waren es insgesamt zweihundert, zweiundvierzig Tage die er auf der Flucht war also der ist auch achtunddreißig im Herbst, achtund dreißig los und das sind Mai, neununddreißig angekommen in Israel.

00:08:30: Nicht klar ist ob Nachman Nagel und Otto Kohanes sich in Israel je wiederbegegnet sind.

00:08:36: möglich wäre es denn Die

00:08:38: beiden, Nachman Hagel und Otto Kohane haben dann auch für die selbe Organisation gearbeitet.

00:08:45: Nämlich die Hachaklit – das war eine tierstliche Genossenschaft.

00:08:49: Die

00:08:49: dritte Biografie, die von Karl Weininger ist nach dem Studium anders verlaufen als die seiner beiden Studienkollegen.

00:08:56: Auch er ist nach seinem Abschluss an der Wienertierärztlichen Hochschule zuerst in sein Heimatland Rumänien zurückgekehrt und später nach Israel ausgewandert.

00:09:06: Aber dazwischen hat er den Zweiten Weltkrieg und auch noch den Kommunismus in Europa miterlebt.

00:09:13: Ganz anders war die Geschichte von Karl Weininger, der im Jahr neunzehntfünfunddreißig fertig geworden ist und der dann zuerst bei der Armee in Rumänien war, dann in Rumänen den rumänischen Holocaust überstanden hat mit Zwangsarbeiter einsetzen und der dann aber eigentlich in Rumänien bleiben wollte, und der noch einmal Kommunismus erlebte hat, Schikanen des rumänischen Regimes.

00:09:43: Und der schlussendlich nach Israel gekommen ist im Alter von fünfzig Jahren.

00:09:48: Das war natürlich ganz andere.

00:09:50: Bedingungen, also die beiden ersten Otto Korane und Nachman Nagel waren junge Männer wie sie nach Israel gekommen sind.

00:09:57: Die haben sich auch leichter getan in Israel Fuß zu fassen während es für Karl Weininger sehr schwer war mit fünfzig einfach noch einmal in einem kulturell und klimatisch und in jeder Hinsicht ganz anderen Land mit fünfzig nochmal Fuß zu fasen.

00:10:36: Alle drei Männer haben die Zeit des Nationalsozialismus überlebt Alle drei haben Europa verlassen.

00:10:47: Da

00:11:09: hat mich Roy Schwarz kontaktiert.

00:11:12: Das ist der Enkel von Karl Weininger, weil er bei seinen eigenen Recherchen zu seinem Großvater, die ja in Israel gestartet hat, irgendwie auf das Buch gestoßen

00:11:22: ist.".

00:11:22: Die

00:11:23: Historikerin fängt an, E-Mails mit dem Enkel Von Karl Weigninger auszutauschen.

00:11:28: Wir

00:11:28: haben dann eben auch so über den Großvaters korrespondiert und Fotos.

00:11:31: Er hat mir noch mehr Fotos geschickt und dann hat Roy Schwarze gesagt, er kommt nach Wien zur Uni hergestellt.

00:11:39: und dann ist Roy Schwarz auch hier an der Wettmet-Uni empfangen worden.

00:11:44: Und ein Jahr später die nächste Nachricht aus Israel!

00:11:47: Noch ein Nachkommen aus Israel meldet sich bei ihr.

00:11:50: Ganz unabhängig davon hat sich der Enkel von Otto Kohane gemeldet

00:11:55: und eine weitere Verwandte aus Israel, Hannah Kurz.

00:11:58: Sie ist die Tochter von Nachman Nagel, hat das Buch der Historikerin sogar direkt an der Wettmet-Uni in Wien entdeckt.

00:12:05: Die hat Wien besucht und hat mit einem Verwandten hier die Wettmeth Uni und die Bibliothek besucht.

00:12:13: weil sie gehört haben es gibt hier einen Buch sind hier sozusagen auf dieses Buch gestoßen und das hat dann eben Hannah auch erzählt, dass sie halt dann das Buch aufgeschlagen hat.

00:12:27: Und so wie sie es aufgeschlangen hat, hat sie ihren Vater aufgeslagen.

00:12:31: Das war sehr

00:12:33: emotional.".

00:12:41: Jahrzehnte später also gibt es Menschen aus Israel in Israel die Privatrecherchen zu ihrem Vorfahren anstellen für die es von Bedeutung ist, dass die heutige Wettmet-Uni jetzt Erinnerungsarbeit

00:12:55: betreibt.

00:13:09: Also meine Recherchen, die ich da auch durchgeführt habe und was da zu Tage gekommen ist hat natürlich auch ganz große emotionale Bedeitung.

00:13:20: Und gerade in Familiengeschichten sind ja oft so fehlende Puzzlestücke etwas ... weit schwerer verarbeiten kann, als wenn man genau Bescheid weiß.

00:13:39: Sagt Lisa Rettl – sie hat ab dem Jahr den NS-Geschichte der Wettmet-Uni geforscht und dabei auch insbesondere die Biografien von ehemaligen jüdischen Studierenden der heutigen Wettmeth-Unie recherchiert.

00:13:52: In den letzten Jahren hat sie diese Biografiearbeit zu jüdischem Studierende noch vertieft.

00:13:59: und dadurch auch den Nachkommen neue Informationen geben können, darüber wie ihre Väter Großväter und Urgroßväter ihre Studienzeit an der Wiener Tierärztlichen Hochschule in den neunzehntreißiger Jahren erlebt haben.

00:14:18: homogenes politisches Weltbild, das sehr stark also auch so agrarisch-katholisch aber eben auch völkisch-deutsch national geprägt war.

00:14:30: Es gab auch ganz wenig Auseinandersetzungen zwischen Studierenden und Lehrenden.

00:14:38: Also es wurde auch in Berichten von Studierendern, auch von Nationalsozialistischen Studierende immer wieder erwähnt dass die Zusammenarbeit mit der Professorenschaft hervorragend funktioniert und dass man eigentlich hier überhaupt keine politischen Gegner hat, die man zu bekämpfen hat.

00:14:56: Also damit sind natürlich einerseits jüdische Studierende gemeint aber auch sozialistische Studieren.

00:15:04: Was bedeutet?

00:15:05: Die jüdischen Studierenden an der Wiener Tierärztlichen Hochschule waren in den neunzehntreißiger Jahren umgeben von Konservativen oder deutsch-nationalen Professoren und Mitstudierenden.

00:15:20: Was haben Otto Kohane, Nachmann Nagel und Karl Weininger als junge Studenten erlebt an der Wiener Tierärztlichen Hochschule in den neunzehntreißiger Jahren?

00:15:30: Überliefer sind soziale Ausgrenzung, bürokratische Hürden, Vorlesungsstörungen, verbale und körperliche Attacken am Universitätskampus Und zumindest zwei von ihnen waren am neunundzwanzigsten Mai-Ninzehundertdreiunddreißig anwesend bei der wohlgrößten antisemitischen Attacke an der heutigen Wettmet-Uni.

00:15:51: Tatsache war wohl, dass man davon ausgehen muss, dass alle jüdischen Studierenden, die an diesem Tag im Haus in irgendeiner Form betroffen waren.

00:16:01: Man kann sich das ungefähr so vorstellen, dass sich ungefähr hundertfünfzig nationalsozialistische Studierende versammelt haben Und jüdische Studierende, die in einem Hörsaal waren zu attackieren begonnen haben.

00:16:17: laut Bericht.

00:16:17: Das wissen wir nicht ob das jetzt stimmt oder nicht hat der Lehrveranstaltungsleiter die Gefahr erkannt und hat sozusagen dann die jüdischen Studierenden im Hörsal eingeschlossen.

00:16:29: Nach dem Bericht ist die Polizei gekommen und hat die jüdischen Studierendinnen nach Hause begleitet.

00:16:37: später Vor allem auch als ich das Israel-Projekt durchgeführt habe, ist es eigentlich klar geworden dass da weit mehr passiert ist.

00:16:46: Also Nachman Nagel war einer der Betroffenen hat in seiner Familie sehr eindrücklich erzählt Das ist auch das einzige was er von seinem Studium in Wien berichtet hat nämlich Erzählte dazu dass sie immer wieder und immer wieder geschlagen worden sind und er hat diesen Tag auch als Pokrom bezeichnet.

00:17:07: Nach dem Angriff ist die Universität zwei Wochen lang gesperrt worden, der damalige Rektor der tierärztlichen Hochschule David Wirt hat einen verharmlosenden Bericht über den Vorfall geschrieben.

00:17:20: Mehrere jüdische Studierende haben damals sofort beschlossen, sie müssen jetzt weg von hier.

00:17:26: Was ich herausgefunden habe ist dass unmittelbar nach diesem Tag insgesamt vier jüdischen Studierenden ihr Studium abgebrochen haben also die sind danach nicht mehr an die Uni zurückgekehrt und Otto Kohane beispielsweise Enkelkind und Sohn, ich auch in Israel interviewt habe.

00:17:49: Bei dem habe ich dann herausgefunden, da hab' ich mir die Wiener Weltmeldedaten ausheben lassen Und da habe ich gesehen, dass der nur einen Tag nach diesem Vorfall sogar seinen Wohnsitz gewechselt hat.

00:18:03: Also er hat in einer Bechartgasse gewohnt.

00:18:05: Das war ganz nahe an der damaligen tierzlichen Hochschule In der linken Banker XI.

00:18:12: Der ist dann von dort in den zweiten Bezirk, in die Zirkusgasse gezogen.

00:18:16: Ein sofortiger Umzug ist also dokumentiert und manche haben möglicherweise aus Angst vor weiteren antisemitischen Angriffen ihr Studium abgebrochen.

00:18:26: Wer als Jude trotzdem weiter studiert hat der hat es schwer gehabt schon vor dem sogenannten Anschluss Österreichs Das zeigen Erzählungen über Nachman

00:18:38: Nagel seinen Kindern und Enkelkindern auch erzählt hat, dass es eben unheimlich schwer war in dieser Atmosphäre dann auch danach das Studium fertig zu machen.

00:18:51: Und der war dann auch total stolz, dass er dieses Diplom geschafft hat.

00:18:59: Das ist mir so aus dem Israel-Projekt sehr eindrücklich in Erinnerung, weil sein Enkelsohn Nier Kurz hat das so auf den Punkt gebracht in seiner Erzählung, also in der Erinnerung an seinen Großvater.

00:19:14: Dass er ihm gesagt hat, he barely made it to the

00:19:17: end.".

00:19:20: Die Historikerin Lisa Rettl hatte in ihrem Buch über jüdische Studierende an der Wiener Tierärztlichen Hochschule im Nationalsozialismus viele Namen und Biografien dokumentiert.

00:19:31: Ab im Jahr ist das Projekt noch ein Folgeprojekt gestartet und intensiv zu ehemaligen jüdischen Studierenden der Wettmet-Uni aus Süd- und Osteuropa weitergeforscht.

00:19:43: Das Projekt trägt den Titel heilsames Erinnern, jüdische Studierende an der Wiener Tierärztlichen Hochschule und ihre Nachfahren.

00:19:52: Durchgeführt hat es die Historikerin am Zentrum für Jüdische Studien der Universität Graz.

00:19:58: Durch die persönlichen Kontakte zu den Nachfahren von Otto Kohane, Nachmann Nagel und Karl Weininger hat Lisa Rettl beschlossen ein paar Monate in Israel zu leben.

00:20:09: Und die biografische Forschung dort noch zu vertiefen.

00:20:13: Entschlossen hat sie sich dazu direkt nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am siebten Oktober

00:20:21: zwanzig.

00:20:22: Es war irgendwie auch für mich eigentlich so ein ganz einschneidendes Datum und ich habe mir dann so, also auch durch all das was nach dem siebten Oktober passiert ist.

00:20:37: Also für mich hat der Antisemitismus, der auch dazu aufgebrochen ist eigentlich also wo man so Reaktionen sehen konnte wie die HMAS auch bejubelt worden ist mit den Social Media und so.

00:20:51: Ich habe ja damals eigentlich gedacht, na man Man musste jetzt eigentlich auch was tun.

00:20:56: Daraufhin ist Lisa Rettl trotz der Kriegssituation nach Israel gereist, von Jena bis Mai, in Tel Aviv gelebt und die Erinnerungsarbeit der Wettmet-Uni dort fortgeführt.

00:21:11: Dass man einfach da noch einmal auf Spurensuche geht, in Israel einerseits zu schauen im israelischen Staatsarchiv von den Studierenden, die wir in diesem Band quasi versammelt haben.

00:21:29: Ob wir da vielleicht in Israel selbst Spuren finden bzw dann auch als zweiten Teil mit den Nachkommenen, die ich da schon gekannt habe, auch Interviews zu führen beziehungsweise vielleicht noch weitere Nachkommen zu...

00:21:47: In vielen Interviews hat sie noch mehr über Otto Kohane, Nachman Nagel und Karl Weininger herausgefunden.

00:21:54: Und umgekehrt hat sie den Kindern Enkeln- und Urengeln gezeigt – da gibt es in Österreich Menschen und Institutionen, denen Erinnerungsarbeit wichtig ist!

00:22:06: Durch ihre weiteren Forschungen in Israel hat die Historikerin den Familien außerdem Dinge über die eigene Familiengeschichte mitteilen können, Otto Kohane zum Beispiel ist aus Polen noch vor Kriegsbeginn geflüchtet.

00:22:21: Seine Eltern und seine Schwester mit Familie aber haben sich zuerst noch sicher gefühlt und wollten erst im Sommer neununddreißig fliehen.

00:22:29: Sie sind nach einer dramatischen Fluchtgeschichte ermordet worden.

00:22:33: Otto Kohene war damit der einzige Überlebende seiner Familie.

00:22:37: Da habe ich eben auch dann begonnen, also so von den Erzählungen ausgehend weiterzurecherchieren konnte dann sozusagen nicht nur die Fluchtgeschichte von Otto Kohane ein bisschen näher recherchieren bzw.

00:22:51: herausfinden, sondern eben auch wieder in die ganze Geschichte mit der Familie weitergegangen

00:22:59: ist.".

00:22:59: Lisa Rettl hat nach ihrer Rückkehr aus Israel eine Ausstellung über ihre Forschungen für die Wettmet-Uni gestaltet – insbesondere über Otto Kohanen, Nachman Nagel und Karl Weininger.

00:23:12: Ein großes Ergebnis von dem Israel-Aufenthalt ist jetzt erstens einmal, dass es diese Ausstellung Remember Now gibt.

00:23:20: Die Ander wird mit Uni immer wieder gezeigt wie zu besonderen Anleisen weil ich eben so viele Details eigentlich herausgefunden habe also gerade auch zum Beispiel das Archiv des Privatarchiv von Karl Weininger.

00:23:37: Die haben sehr viele Sachen aufbewahrt, also wirklich Korrespondenzenbriefe und Fotos.

00:23:43: Das ist so ein toller Bestand, den ich jetzt gerade auswerte.

00:23:51: Gerade dabei bin auch eine Publikation zu planen.

00:23:55: Also ich glaube, das wird etwas sein was natürlich auch für die Nachkommen dort ein ganz zentraler Punkt sein wird weil sie es dann natürlich auch dort vor Ort haben.

00:24:05: Ich denke die Ausstellung und die Publikations ist einfach etwas Bleibendes für Sie Was mit meinem Besuch verbunden ist.

00:24:21: Heilsames erinnern.

00:24:23: So nennt sich die aktuelle Ausstellung, die Lisa Rettl nach ihrer Rückkehr aus Israel für die Wettmethune gestaltet hat.

00:24:30: Es geht darin um ihre neuesten Forschungsergebnisse zu den Lebensgeschichten von ehemaligen jüdischen Studierenden der Universität deren Familien in Israel, die Lisa Rettel für ihre Recherchen besucht hat, die freut das.

00:24:46: Ist es also ein heilsames Erinnern für sie?

00:24:50: Wie der Titel sagt?

00:24:52: Zum Teil sicher, sagt Lisa Rettl.

00:24:55: Gleichzeitig aber befinden sich die Nachkommen der von den Nazis geflüchteten Studenten selbst gerade mitten im

00:25:03: Krieg.".

00:25:04: Da hat man begrenzt Aufnahmekapazitäten mit dem Holocaust als solches auseinanderzusetzen.

00:25:12: Es war ja immer Krieg wo jetzt dieser ganze Austausch stattfindet Und ich glaube, dass das insgesamt eine sehr ambivalente Geschichte ist.

00:25:22: Also einerseits heilsam, andererseits auch sehr schwer zu tragen natürlich mit den Details die jetzt so herauskommen weil es sind ja alle in der jetzigen Kriegssituation auch mit einem sehr schwierigen Alltag und Überlebensalltag beschäftigt.

00:25:47: Heilsames erinnern die Historikerin Lisa Rettl über ihre Forschungen zu jüdischen Studierenden der Wiener Tierärztlichen Hochschule während der NS-Zeit und deren Nachfahren in Israel heute.

00:26:02: Das war Remember Now, der Podcast der Wettmet-Uni zur Erinnerungskultur.

00:26:07: Maline Gräuhofer sagt Danke fürs dabei sein!

00:26:16: Das war eine weitere Folge des Podcasts der Wettmet-Uni zur Erinnerungskultur.

00:26:22: Wenn Sie die Folgen von Remember Now nachhören möchten, dann können Sie das tun auf www.radioclassic.at.

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